Kleine – und große? – Teilchen in Hayabusas Kapsel eindeutig Material von Asteroid Itokawa!

Viel schneller als eben noch befürchtet („Analyse der Teilchen in Hayabusas Kapsel zieht sich hin“) sind japanische Weltraumforscher zu dem Schluss gekommen, dass „der größte Teil“ von rund 1500 winzigen Partikeln im Probenbehälter A der Sonde Hayabusa tatsächlich von der Oberfläche des Asteroiden Itokawa stammt. Mit dem Strahl eines Rasterelektronenmikroskop konnte festgestellt werden, dass diese höchstens 10 µm großen Teilchen steiniger Natur sind und aus überwiegend Olivin mit etwas Pyroxen und Plagioklas bestehen – wobei das Eisen/Magnesium-Verhältnis 5-mal größer als in Olivin von der Erde ist. Weiterhin gibt es keinerlei magmatisches Material, wie es auf der Erde verbreitet ist, während die Chemie der Teilchen andererseits LL-Chondriten ähnelt, Meteoriten die wiederum mit Itokawa (Asteroidenklasse S) verwandt sind. Vor allem gibt es in den Hayabusa-Teilchen eine bestimmte Art Eisensulfid (Troilit), die in Meteoriten verbreitet ist aber auf der Erde nur selten vorkommt – das war der Durchbruch bei der Analyse.

Nun werden die Teilchen, die mit einer speziellen Art von Spachtel geborgen werden können, an Labors in Japan und im Ausland geschickt, um u.a. ihre Kristallstruktur zu untersuchen: Darin verraten sich mit etwas Glück ihre Vergangenheit und damit die Geschichte Itokawas und – indirekt – des Sonnensystems. Aber das ist erst der Anfang: Im Probenbehälter A wurden auch 60 größere Teilchen zwischen 10 und 100 µm Durchmesser gefunden, die man bislang eher für irdische Verunreinigungen hielt – aber jetzt ist der Optimismus gestiegen, dass auch sie von Itokawa stammen. Mit solch großen Brocken lassen sich noch genauere Untersuchungen zur Kristallstruktur machen und Erkenntnisse über das Sonnensystem gewinnen, seine thermische Geschichte zum Beispiel. Bis Jahresende soll klar sein, ob auch die größeren Partikel von Itokawa stammen. Behälter A war beim Start Hayabusas verschlossen gewesen (seit die Kapsel den Reinraum verlassen hatte) und erst beim zweiten Kontakt der Sonde mit Itokawas Oberfläche offen. Noch gar nicht befasst hat man sich mit Behälter B, der beim ersten Itokawa-Kontakt offen war: Dieser war heftiger als der zweiter, so dass mehr Partikel in den Behälter gelangt sein könnten, während andererseits die Gefahr irdischer Verunreinigung höher ist.

So oder so ist der Erfolg Hayabusas schon jetzt komplett, 25 Jahre nach den ersten Plänen, 15 Jahre nach dem Projektbeginn und allen Problemen während der langen Reise zum Trotz, der ersten „Rundreise“ Erde – fremder Himmelskörper und zurück mit einem Ionenantrieb übrigens. Die japanische Presse ist wieder voll Begeisterung für die Mission, die in den ersten Jahren kaum jemand wahrgenommen hatte: Erst das ganze Drama um den Rückflug weckte öffentliches Interesse über die reinen Weltraumfans hinaus. Von Anfang an anders soll das bei Hayabusa 2 sein, einer Sample Return Mission zu einem anderen Asteroiden, die zwar auf der Technologie von Hayabusa aufbaut, aber pflegeleichter sein soll. Grünes Licht hat die Regierung zwar gegeben, die Finanzierung steht aber noch nicht (und wird für Jahresende erhofft): Losgehen soll es jedenfalls 2014 oder 2015, mit der Ankunft bei 1999 JU3 und dessen Bombardierung zwecks Kraterbildung 2018 und Ankunft der aus dem Krater gesammelten Proben an der Erde 2020. Bei Hayabusa 2 soll auch erneut versucht werden, einen Minilander auf dem Asteroiden abzusetzen: Das war bei Itokawa gescheitert. Und schon wird auch über eine dritte Hayabusa-Mission nachgedacht, mit einer dann wesentlich größeren Sonde, doch zuvor muss Hayabusa 2 gelingen.

JAXA Release (offizielle Übersetzung; auch Google Translation des Originals), Planetary Society Congratulation & Blog, Sky & Tel., Physics World, Mainichi, BBC, Nikkei, Reuters, Xinhua, Spaceflight Now, Space.com, New Scientist, Scientific American, Nature, ABC & WSJ Blogs, Discovery, Spiegel, KosmoLogs, Eureka 16., Mainichi, Asahi, Japan Times, Yomiuri, Astronomy Now, Planetary Society und AGU Blogs, Space Today, Tagesschau, Raumfahrer 17., Yomiuri, Mainichi 18., Asahi 19., Straits Times 21.11.2010. Und mehrere Interviews zu Hayabusa 1 und 2. (NACHTRAG: ein Paper zu den physischen Eigenschaften des erhofften Hayabusa-2-Ziels 1999 JU3. NACHTRAG 2: ein Itokawa-Auswerter erzählt, verrät aber noch nichts.) Als nächstes gibt’s aber erstmal die Venus Orbit Insertion von Akatsuki: laut dieser Special Site am 7. Dezember! NACHTRAG: Die NASA macht dabei auch mit.

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2 Antworten to “Kleine – und große? – Teilchen in Hayabusas Kapsel eindeutig Material von Asteroid Itokawa!”

  1. Stardust-Mission vorbei: nützlich bis zum Ende « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] bereits letzten Herbst berichtet, entspricht die Mineralogie der winzigen Partikel, die die japanische Sonde Hayabusa vom Asteroiden […]

  2. Erkenntnisse über Asteroiden kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] hat offenbar die winzige Menge Oberflächenstaub gelöst, die die japanische Raumsonde Hayabusa vom Asteroiden Itokawa zur Erde holen konnte: Das Material, aus dem dessen häufigste Kleinplaneten-Klasse S besteht, ist identisch mit […]

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