Amateurastronomie & Schule: kein leichter Weg

Amateurastronomie und Amateurastronomen könnten eine Menge Nützliches zum Schulunterricht beitragen, auch in jenem Großteil der Bundesländer, wo es keinen formellen Astro-Unterricht gibt, und viele Sternfreunde und Volkssternwarten wären auch zur Zusammenarbeit bereit – aber die beiden Welten zusammen zu führen, bleibt eine große Herausforderung. Das war praktisch unisono das Fazit eines ersten Workshops „Amateurastronomie und Schule“ am 20. November im MPI für Astronomie in Heidelberg (Panorama oben), ein Eindruck, den auch die Veranstalterin und Teilnehmer mitgenommen haben (hier noch mehr Wortmeldungen). Es wurde aber auch klar, dass eine Menge Ideen und auch konkrete Angebote längst existieren aber nicht immer leicht zu finden sind – und so mancher Lehrer, der vielleicht für eine astronomische Bereicherung des Unterrichts oder eine Projektwoche zu begeistern wäre, hat noch nie davon gehört.

Um die „zwei Welten“ zusammen zu bringen, auch das war praktisch Konsens auf dem 8-1/2-stündigen Meeting, sollte möglichst eine zentrale Webseite geschaffen werden, die jeder kennt und die übersichtlich und gezielt alle vorhandenen Informationen bündelt – wer die allerdings erstellen und dann auch kontinuierlich pflegen sollte, das bleibt zu ergründen. Das direkt neben dem MPIA entstehende Haus der Astronomie (auch bei Facebook; Mitte: Besuch auf der Baustelle mit Blick auf die zentrale Planetariumskugel, unten: das teilweise auch schon für Schulprojekte benutzte 70-cm-Teleskop im Elsässer-Labor des MPIA direkt daneben) böte sich zwar prinzipiell an, kann aber die entsprechende Manpower noch nicht versprechen. Allein die auf dem Heidelberger Meeting vorgestellten Projekte zeigen aber schon mal die Vielfalt des Angebots – weshalb hier einfach mal alle genannten Webseiten verlinkt sein sollen. Wer nichts präsentiert hat, hat eben Pech gehabt …

  • Das Projekt Wissenschaft in die Schulen! bietet zu aktuellen Artikeln aus Zeitschriften des Spektrum-Verlages didaktisch Aufbereitetes, auch – via SuW – zur Astronomie.

  • Die Deutsche Gesellschaft für Schulastronomie hat bereits den Anspruch, einmal „die Adresse für schulische Astronomie“ zu sein, scheint aber noch eher Hessen-orientiert zu sein (wo die Weltraumtage aber schon gut etabliert sind).

  • Das bekannte – und aus reiner Privatinitiative entstandene – Webportal Astronomie.de hat neben den populären Foren auch eine Menge redaktionell erarbeiteten Content zu bieten, der auch für Didaktiker interessant ist. Neu ist z.B. ein Online-Planetarium, und es gibt bereits allerlei Links für schulisch Interessierte.

  • Beim anderen großen Forensystem Astrotreff.de existiert sogar schon moderiertes Forum für Lehrer, die hier „geprüfte“ Antworten auf Astro-Fragen erhalten. (Und das man erstmal finden muss: ein idealer Kandidat für einen Link auf der angestrebten Meta-Astro-Seite!)

  • Der speziell auf aktive Astronomen ausgerichtete Oculum-Verlag hat eine Reihe von Büchern und Hilfsmitteln im Angebot, die für den Unterricht interessant sein sollten, z.B. eine neu entwickelte drehbare Sternkarte.

  • Die Astronomieschule O. Debus bietet „ein breit gefächertes Angebot an Vorträgen, Kursen, Seminare zu astronomischen, naturwissenschaftlichen und technischen Themen“.

  • Die private Sternwarte am Wallgarten in Gifhorn wird ab dem 1. Quartal 2011 öffentlich zugänglich sein und eine Menge zu bieten haben – eine außergewöhnliche Initiative eines Einzelnen, wie auch der geplante Bau einer Volkssternwarte in Meckesheim 20 km von Heidelberg entfernt.

An konkreten didaktischen Ideen wurde auch etwas geboten: W. Müller-Schauenburg führte rasant eine ganze Reihe von trickreichen aber simplen Visualisierungen quer durch den Kosmos vor, H.-B. Eggenstein warb für die Beobachtung hellerer veränderlicher Sterne als Schulprojekt (man nehme eine DSLR-Kamera auf einem Stativ und kostenlose Fotometriesoftware), und H. Steinmüller von der Allgäuer VSW Ottobeuren beschrieb die vornehmste Aufgabe der Volkssternwarten im Land als die „Sehnsucht nach den Sternen wecken“. Auf der Abschlussdiskussion wurde – neben der eingangs genannten Forderung nach einem zentralen und weithin bekannten Anlaufpunkt im Web (Insellösungen bringen nichts) – betont, dass der „Erstkontakt“ am schwierigsten ist und sich die Lehrer nach aufbereitetem Material sehnen (und in chaotischen Internetforen trotz der großen Informationsfülle nicht wohlfühlen).

Die Amateurseite würde sich wiederum Anleitungen zur Didaktik wünschen – und hier kommt wieder das Haus der Astronomie ins Spiel, das dazu tatsächlich Wochenend-„Crashkurse“ anbieten will. Eine andere Hürde sind kollidierende Terminvorstellungen: Nur hauptberufliche Volksastronomen wie G. Meiser und seine mobile Sternwarte können in der Regel am Vormittag auftreten. Und das ganz große Problem im Hintergrund – wie kommt die Astronomie in den Großteil der Schulen, wo sich im Lehrkörper (noch) keiner dafür interessiert? – konnte der Heidelberger Workshop nicht einmal anreissen. Oder auf der anderen Seite das viel beklagte Nachwuchsproblem der Amateurastronomie in Deutschland im 21. Jahrhundert, das durch ein erfolgreiches Hineingehen in die Schulen bekämpft werden könnte. Der informative Workshop wird sicher hier und/oder anderenorts Nachfolger finden – und dann eines Tages in ganz konkrete Lösungen münden.

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2 Antworten to “Amateurastronomie & Schule: kein leichter Weg”

  1. Tweets that mention Amateurastronomie & Schule: kein leichter Weg « Skyweek Zwei Punkt Null -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by Daniel Fischer, Austr. Space Forum . Austr. Space Forum said: Astronomie und Schule: Von den Herausforderungen, beide einander näher zu bringen (+ die vorhandenen Angebote): http://is.gd/hFpQL […]

  2. Das ultimative deutsche Astronomie-Portal … « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Das soll allen, die schon Inhalte geschaffen haben (und die gibt es reichlich im Lande, wie ein weiteres Outreach-Treffen 2010 gezeigt hatte), die Möglichkeit bieten, an dem großen Ganzen zu mit zu arbeiten, zum Vorteil […]

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