Eine Rakete – sieben Satelliten – ein Sonnensegel

Als am Morgen des 20. November (MEZ) eine Minotaur 4 von der Insel Kodiak in Alaska aus startete, erst der 2. Orbitalflug von dort, waren 16 militärische und zivile Experimente auf je nach Zählweise 6, 7 oder 8 kleinen Satelliten an Bord des Trägers, der aus Teilen der alten Peakekeeper-ICBMs und der Flügelrakete Pegasus besteht und der nunmehr bei allen drei Einsätzen funktioniert hat.

  • Hauptnutzlast war STPSat 2 mit zwei Experimenten des militärischen Space Experiment Review Board, die künftige Technologien erproben: Das Space Phenomenology Experiment testet Sensoren unter Weltraumbedingungen, und es geht um Daten-Relaisdienste.

  • Bekanntester Passagier ist wohl der FASTSAT mit sechs Nutzlasten: drei Instrumenten zur Atmosphären- und Weltraumwetter-Forschung, einem Threat Detection System, einem Mini-Startracker – und dem Subsatelliten NanoSail-D (3.7 kg), der etwa 7 Tage nach dem Start ausgestoßen werden soll. (NACHTRAG: Das soll am 28.11. geschehen. (NACHTRAG: Nee, verschoben!)) Es handelt sich um den ersten Sonnensegler der NASA, der in 650 km Höhe allerdings noch so viel Luftwiderstand spüren wird, dass ein Effekt des Strahlungsdrucks der Sonne auf das kleine Segel – „von der Größe eines 6-Mann-Campingzelts“ – kaum zu messen sein dürfte. Im Gegensatz zum interplanetaren IKAROS geht es hier auch um grundsätzliche Technologietests wie das Freisetzen eines Nanosatelliten aus einem Mikrosatelliten, das extrem kleine Verpacken des Segels und seine rasante Entfaltung mit einer Art Federmechanismus – und die Untersuchung, wie schnell die Bahn durch die Luftreibung verfällt (man rechnet mit 70 bis 120 Tagen). Solcherlei Technik könnte gezielt zum Entsorgen ausgedienter Satelliten verwendet werden. Da NanoSail-D weitgehend passiv ist, sind Amateurastronomen aufgerufen, das Segel im Sonnenlicht zu verfolgen: Es könnte Flares wie von den Antennen der Iridium-Satelliten geben, und die reflektierende Fläche ist 6-mal so groß.

  • Die zwei FASTRAC-Satelliten (Formation Autonomous Spacecraft with Thruster, Relnav, Attitude and Crosslink) sollen autonomen Formationsflug vorführen, durch Navigation per GPS und Kommunikation untereinander.

  • Der FalconSat 5 erprobt eine kleine Hall-Effekt-Düse und misst mit einem Spektrometer die Auswirkung von Düsengasen auf die Umgebung. Auch ionosphärische Effekte auf Radiokommunikation werden untersucht.

  • Der Radio Aurora Explorer (RAX) ist so groß wie ein Laib Brot und soll Radiosignale messen, die von der Ionosphäre gestreut werden, um Aurora-Prozesse besser zu verstehen.

  • Der CubeSat O/OREOS schließlich (Organism/Organic Exposure to Orbital Stresses) betreibt Astrobiologie: Es wird untersucht, wie zwei irdische Mikrobenarten (SELSO) und auch organische Moleküle, die man aus dem ISM kennt (SEVO), auf die harte Strahlung und Schwerelosigkeit im Weltraum reagieren. (NACHTRAG: Die ersten Daten in Echtzeit liegen schon vor!)

Alles zusammen heißt auch STP-S26 als 26. des seit 1967 laufenden Space Test Program der USAF und kostet inklusive der Rakete ungefähr 170 Mio.$ (wobei das NanoSail-D mit weniger als 1 Mio.$ zu Buche schlägt). Nacheinander wurden die Satelliten problemlos auf einer um 72° geneigten Bahn ausgesetzt, dann führte die Raketenoberstufe HAPS selbst noch ein größeres Bahnmanöver aus, um zu demonstrieren, dass die Minotaur bei einem Start Satelliten in verschiedenen Höhen aussetzen könnte. Zahlreiche Links zur Mission im Header des Cosmic Mirror #339, weitere Infos von einer Telecon am 9.11.2010.

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2 Antworten to “Eine Rakete – sieben Satelliten – ein Sonnensegel”

  1. Zustand, Bahn von Akatsuki nach Venus-Ankunft unklar « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] eine Woche verspätet aber dann offenbar problemlos ist in der vorletzten Nacht der Nanosatellit NanoSail D vom Mikrosatelliten FASTSAT ausgeworfen worden: Das war schon das erste wichtige Experiment. Zugleich sollte damit ein Timer […]

  2. NanoSail D überraschend aus FASTSAT geflutscht! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] die Ratlosigkeit groß. Aber zumindest war der Deckel aufgegangen, die anderen fünf Experimente auf dem FASTSAT arbeiteten einwandfrei, und der Satellit meldete regelmäßig seinen Zustand. Und am Morgen des 19. […]

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