Zweifel an den „Arsen-Bakterien“ mehren sich

Nicht nur ist reichlich unklar, welche Bedeutung Arsen-verbauende Bakterien für die Frage des Lebens im All hätten: Inzwischen häuft sich scharfe Kritik an dem Science-Paper selbst, das die angebliche Umstellung des Stoffwechsels der Mono-Lake-Bewohner unter Zwang beschreibt. Bereits ein begleitender Artikel (Pennisi, Science 330 [3.12.2010] 1302) sowie der Science-Podcast vom 3.12. zitieren mehrere Kritiker: Die Arbeit konnte offenbar nicht ausschließen, dass die Zellen das Arsen zwar aufgenommen, dann nur eingelagert und nicht in ihren Stoffwechsel an Stelle von Phosphor integriert haben. Man müsse einzelne Moleküle aus den Zellen isolieren und klar zeigen, dass hier As an entscheidenden Stellen eingebaut wurde, wird gefordert – und das kann u.U. noch Jahre dauern.

Die gleiche Kritik auch von deutschen Biochemikern, und einer wird schon deutlicher: „Ich würde es nicht unbedingt so hart nennen, dass die geschummelt haben, sie haben zumindest nicht sehr gewissenhaft ihre Daten ausgewertet.“ Völlig auseinander genommen wird das Paper jedoch von einer kanadischen Mikrobiologin, die nach einem Blick auf Daten und Methoden „Lots of flim-flam, but very little reliable information“ sieht: „I don’t know whether the authors are just bad scientists or whether they’re unscrupulously pushing NASA’s ‚There’s life in outer space!‘ agenda.“ Aua … NACHTRAG: Dieser viel beachteten Kritik haben sich weitere angeschlossen, was wiederum Wired und der Story Tracker des Guardian für bemerkenswert halten. NACHTRAG 2: Laut diesem kanadischen Artikel wollen sich die attackierten Forscher nicht öffentlich rechtfertigen: Sie wollen nur auf Letters in Science antworten. NACHTRAG 3: Am 7.12. auch ein paar Reaktionen in Deutschland – und mehr aus US, CND und UK.

Schon wieder eine neue Idee zum Beginn des Lebens

auf der Erde – für den, da ist man sich heute weitgehend einig, ‚Behältnisse‘ nötig waren, um die komplizierte beginnende Biochemie zusammen zu halten. Für die abiotische Entstehung solcher Zellmembranen sind schon viele Vorschläge gemacht worden, und der neueste macht sie aus einem Gemisch von Wasser und einem natürlich vorkommenden Ton, Montmorillonit. Natürlich kann man nicht wissen, ob genau das am Beginn des Lebens stand, aber es mag wieder ein Indiz sein, dass weit mehr Wege dahin führen können, als man noch vor wenigen Jahren dachte. (arXiv Blog 29.11.2010. Auch interessant: ein Statement der Royal Society zu außerirdischem Leben, das sich auch über ‚deren‘ Gesellschaftsordnung Gedanken macht …)

Kosmische Verbreitung des Lebens durch „Nekro-Panspermie“? Lebende Zellen, auch in einem Ruhezustand, schaffen es unter Weltraumbedingungen nicht besonders weit durch den interstellaren Raum – aber vielleicht hilft selbst ihr von harter Strahlung zertrümmertes Erbgut noch, der Chemie fremder Welten den entscheidenden Kick für die Biogenese zu geben? Immerhin ist auch in den Bruchstücken noch immer einige Information enthalten, die die Evolution auf der Ursprungswelt geschaffen hatte. (Wesson, Preprint 30.10.2010. Und eine weitere Panspermie-Variante mittels „freier Planeten“, die durch die Galaxis ziehen …)

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Eine Antwort to “Zweifel an den „Arsen-Bakterien“ mehren sich”

  1. Nachrichten aus dem Sonnensystem kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] angeblich ihren Stoffwechsel unter Zwang statt mit Phosphor auch mit Arsen betreiben konnten, waren starke Zweifel an der Forschungsarbeit aufgekommen, die von Woche zu Woche lauter wurden. Erst zerpflückten die Kritiker das Manuskript, […]

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