Akatsukis Probleme langsam klarer: Die Düse wurde vermutlich zerstört!

Von ehemals 28 möglichen Ursachen des missglückten Orbiteintritts der japanischen Venussonde glaubt die JAXA inzwischen 23 ausschließen zu können, und klar ist auch, dass der versiegende Zufluss von Treibstoff das entscheidende Problem war – dessen eigentliche Ursache aber noch nicht geklärt ist. Das Mischungsverhältnis von Treibstoff und Oxidator verschob sich schon bald nach dem Einschalten des Raketenmotors, so sieht es nun aus, was wohl zu einer Überhitzung der Düse führte: Sie zersprang, und der verbliebene Gasstrahl konnte seitlich austreten. Das wiederum verdrehte Akatsuki im Raum, was die Notabschaltung auslöste; ein Versagen der Lageregelung als solcher wie auch ein externer Impakt gelten als ausgeschlossen. Inzwischen – so vermutet die Flugkontrolle – ist die Düse weitgehend zerstört oder ganz abgefallen: Immerhin könnte Akatsuki noch geradeaus beschleunigen, wenn auch mit verringertem Wirkungsgrad.

Da aber andererseits durch die schnelle Abschaltung des Triebwerks noch viel Treibstoff in den Tanks verblieben sein sollte, könnte es vielleicht – im Zeitraum November 2016 bis Januar 2017 – doch noch zu einem Eintritt in den Venusorbit reichen, zur Not gar unterstützt durch Aerobraking. Erst aber muss geklärt werden, wieso die Treibstoffzufuhr ausfiel und ob dies behoben werden kann: Jetzt werden Experimente mit einem identischen Triebwerk am Boden vorbereitet, um den Fehler zu simulieren. Nach den Erfahrungen mit Hayabusa besteht immer noch einiger Optimismus, die Mission – die immerhin 25.2 Mrd. Yen = 230 Mio. Euro gekostet hat – zu einem wie auch immer gearteten Erfolg zu führen. Andererseits könnte der Mut Japans zu komplexen interplanetaren Missionen in nächster Zeit arg gedämpft sein, war doch bereits der Marsorbiter Nozomi gescheitert. Yomiuri, Mainichi 18., Space.com, Planetary Society Blog 17., Nature News 14.12.2010. NACHTRAG: Ein paar Details mehr – der Zustand der Düse scheint ziemlich unklar zu sein.

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3 Antworten to “Akatsukis Probleme langsam klarer: Die Düse wurde vermutlich zerstört!”

  1. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] offenbar Opfer eines klemmenden Ventils in einer Treibstoffleitung geworden: Die Untersuchung des Triebwerksversagens an der Venus scheint darauf hinaus zu laufen, dass die Treibstoffzuleitung durch ein verklemmtes Ventil […]

  2. Der neue Blick auf den Süden von Phobos « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] ein Jahr früher wieder bei der Venus – und vielleicht auch bei Asteroiden? Weil das defekte und vielleicht schwer beschädigte Triebwerk der japanischen Venus-Sonde auf Abwegen bei einer zweiten Annäherung an den Planeten vermutlich […]

  3. Nachrichten aus der Planetenforschung kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Aufklärung des missglückten Einschusses in den Venus-Orbit der japanischen Raumsonde Akatsuki ist nach Laborexperimenten weiter voran gekommen: Der Oxidator […]

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