Scheilas Albedo offenbar dauerhaft erhöht

Alex Gibbs und Steve Larson

Die – nach ersten Spektren wohl überwiegend aus Staub bestehende – Koma, die sich der Hauptgürtelasteroid Scheila zugelegt hatte, ist bereits deutlich verblasst, aber die Aufklärung des erstaunlichen Phänomens hat erst begonnen. Kleinplanet Nr. 596 war auf seiner sehr typischen Bahn im Hauptgürtel nie besonders aufgefallen, doch bereits seit diesem November war er – wie erst später bemerkt – um ein 0.2 bis 0.3 mag. heller als nach der Ephemeride zu erwarten gewesen, und kurz vor dem 3. Dezember begann er sich in einen Kometen zu verwandeln. Als dies am 11. Dezember dem US-Astronomen Steve Larson von der Catalina Sky Survey auffiel (oben eine Aufnahme mit dessen 60″-Teleskop ein paar Tage später), hatte Scheila bereits eine erstaunliche Koma entwickelt, mit einer visuellen Gesamthelligkeit von zeitweise mehr als 12 mag.

Anfangs war ihre Flächenhelligkeit so groß, dass sie auch von vielen Amateurastronomen erfasst werden konnte, während sie in größeren Instrumenten ihre komplexe Struktur enthüllte: stark gekrümmte Staubbänder und ein ziemlich scharfer Strich. Rückschlüsse auf den Mechanismus des Ausbruchs ließ das Erscheinungsbild erst einmal nicht zu: eine einmalige Staubfreisetzung des Asteroiden nach dem Einschlag eines anderen wurde von Beobachtern mit ebensolcher Inbrunst vertreten wie ein bis jetzt getarnt durchs Sonnensystem ziehender Vertreter der kleinen Klasse von „Hauptgürtel-Kometen“, der auf einmal aktiv wurde. Es wäre erst das 6. Exemplar dieser Art und 100-mal größer als alle anderen.

Der seltene Spektraltyp T des Asteroiden, der zu den dunklen Oberflächen von Kometenkernen passt, mag für die letztere Interpretation sprechen. Präzise Photometrie des festen Körpers zeigt, dass er nun mit 13.2 mag. um gut eine Größenklasse heller als vorher ist aber genau denselben Lichtwechsel (mit einer Amplitude von 0.09 mag. und 15.9 Stunden Periode zeigt): Irgendetwas hat – parallel zur Ausbildung der kurzlebigen Koma – die Albedo seiner Oberfläche erhöht (IAU CBET #2592 18.12.2010). Denn wäre der Helligkeitsanstieg nur durch ausgeworfenen Staub in unmittelbarer Nähe Scheilas zustande gekommen, dann wäre die Amplitude des Lichtwechsels jetzt wesentlich geringer. Sonderbeobachtungszeit mit dem Hubble Space Telescope ist übrigens schon genehmigt – eine Amateuraufnahme vom 17. und eine Zusammenfassung vom 20. Dezember sowie etliche Links zu weiteren Berichten und Bildern.

Neue Bahn gibt „Russenkomet“ Elenin kleines Perihel, gute Erdnähe, womöglich mit 4. Größe

Noch ist C/2010 X1 (Elenin) unauffällig, aber nach einer neuen Bahnanalyse wird er im September 2010 ein Perihel von nur 0.5 AU erreichen und sich einen Monat später der Erde bis auf 0.15 AU nähern – dann könnte er mit 4 mag. in guter Elongation am Himmel stehen. Noch ist die Bahnrechnung nicht belastbar (und die Umstände der Erdnähe können sich noch deutlich verändern), aber die lange unklare geringe Periheldistanz soll „safe and dry now“ sein. NACHTRAG: die prognostizierte Lichtkurve des Kometen. NACHTRAG 2: Tags darauf auch Elenin-Hoffnungen von Sky & Tel. NACHTRAG 3: Das sonnennahe Perihel wird vom MPC bestätigt (ganz unten), aber 9 Tage früher gesehen – so oder so wird SOHO was zu gucken haben.

Cosmic Mirror Nr. 339 abgeschlossen

Die wirre Vorgeschichte eines „nahen“, „jungen“ „Schwarzen Lochs“ (in Messier 100; SN 1979C), dazu viele Links zu den Dramas um NanoSat, Akatsuki und die angeblichen Arsen-Bakterien und vieles mehr im CM #339 vom 15.11.-23.12.2010!

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2 Antworten to “Scheilas Albedo offenbar dauerhaft erhöht”

  1. Erste Gedanken zur Sichtbarkeit von Elenin « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Amateur zwei Wochen lang unklar geblieben war. Erst seit dem 24. Dezember 2010 (ganz unten!) scheint sicher („Neue Bahn …“), dass der noch sehr schwache Komet erst Anfang September 2011 ein […]

  2. Scheilas Ausbruch: Kollision naheliegendste Erklärung « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Amateuraufnahme des frischen Ausbruchs, dafür ist die Analyse tiefschürfender. Im Gegensatz zu erdgebundenen Messungen habe sich die Albedo des Asteroiden nicht verändert. Und die einfachste Erklärung für die […]

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