Ein Galaxienkandidat mit Rotverschiebung ~10 aus dem HUDF09 hat es bis in Nature geschafft

Das ist die Galaxie UDFj-39546284 aus dem 2009er Hubble Ultra Deep Field („Schon 12 …“): Für Spektren selbst mit den größten existierenden Teleskopen ist sie zu schwach, aber ihre photometrische Rotverschiebung – abgeschätzt aus der Helligkeit bzw. Abwesenheit auf Bildern verschiedener Wellenlängen – von 10.3 gilt als so gut abgesichert, dass das Paper über sie jetzt in Nature erscheinen darf. Aber wie man dem ‚paper trail‘ des Preprints entnehmen kann, hat es bis zu diesem kosmischen Ritterschlag über ein Jahr und 5 Versionen gedauert, und die erste Version von Ende 2009 enthielt noch drei Galaxienkandidaten mit z~10, die aber in der 4. Version vom August 2010 allesamt zweifelhaft geworden waren. Die Urfassung hatte schon damals einiges Aufsehen erregt, zumal es noch etliche weitere z~10-Kandidaten einer konkurrierenden Arbeitsgruppe gab.

Auf einer großen HUDF-Pressekonferenz im Januar 2010 waren dann überraschend Galaxien mit „nur“ 7 < z < 8.5 als Entfernungsrekorde gefeiert worden: Wie dieser Blogger erfuhr, hatten sich die beiden Gruppen vorher geeinigt, die kontroversen Objekte mit z~10 lieber außen vor zu lassen. Die andere Arbeit ist übrigens inzwischen – in der 3. Fassung – von einer Zeitschrift in der VR China angenommen worden und dort im September 2010 erschienen, ohne Nature-Glanz und mediale Begleitung. Nun darf man gespannt sein, wie es der z=10.3-Galaxie der anderen im Rampenlicht ergehen wird, nachdem sie gerade auf einer NASA-PK präsentiert wurde. Einen wichtigen Test hat sie jedenfalls schon bestanden: Das Spitzer Space Telescope sieht an dieser Stelle nichts, was bei einer staubreichen Galaxie mit geringerem z – einer Alternativ-Interpretation der Fotometrie – zu erwarten gewesen wäre.

Was z=10.3 eigentlich bedeutet, verrät der Cosmology Calculator: Wir sehen diese Galaxie zu einem Zeitpunkt, als der Kosmos nur 460 Mio. Jahre alt war, und ihr Licht ist 13.2 Mrd. Jahre unterwegs gewesen. Das sind zwar nur ~100 Mio. Jahre mehr als bei der bisher fernsten bekannten Galaxie mit z=8.555 (deren Rotverschiebung ein echtes Spektrum belegt), aber es ist doch ein wichtiger Schritt näher an den Urknall heran: Die Sternentstehungsrate ist in den 170 Mio. Jahren von damals bis z=8 um ungefähr einen Faktor 10 nach oben geschnellt. Und für die Erklärung der Reionisation des Alls reicht die resultierende Strahlung weiterhin nicht. Noch näher an den Urknall heran wird erst der infrarote Riesensatellit JWST schauen können, der auf der NASA-PK fortwährend beschworen wurde. NACHTRAG: Laut diesem Artikel ist die Galaxie ein vierter Kandidat, während sich die anderen 3 von 2009 alle als näher herausstellten. Und die Konkurrenten seien mit dieser hier auch einverstanden. NACHTRAG 2: Umgekehrt überzeugen aber deren Kandidaten den 1. Autor der anderen Gruppe weiterhin kaum – der aber auch die eigene z=10-Galaxie für „still not entirely secure“ hält (persönl. Mitt.).

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