Einbruch des NASA-Budgets in den kommenden Jahren: Verzögerungen vieler Projekte drohen

Was wir tun, muss „bezahlbar und tragfähig sein – und Sinn machen“: So sprach’s der NASA-Chef gestern bei der Vorstellung des Budget Requests für das Finanzjahr 2012, der eine Reihe düsterer Jahre verspricht, denn das allgemeine Einfrieren von Haushaltsposten macht auch vor der Raumfahrtbehörde nicht halt. Alles was in der Authorization Bill von 2010 – die quasi Gesetzeskraft besitzt – drin steht, werde man auch umsetzen, so Charlie Bolden, nur wann, das hängt von der Entwicklung des NASA-Etats in den nächsten Jahren ab. Der ist quasi bei den 18.7 Mrd.$/Jahr eingefroren, die die NASA 2010 hatte, und fällt womöglich sogar in den nächsten Jahren („outyears“) noch, bevor es langsam wieder aufwärts geht. Aber dann läge der Etat bereits um volle 2.5 Mrd.$ unter dem Level, das sich Obama noch vor einem Jahr in der outyears-Planung gewünscht hatte.

Und dies ist der „Request“, wohlgemerkt: Was daraus werden kann, sieht man gerade bei der Streichorgie des Kongresses für das laufende Jahr, deren Ausgang noch nicht abzusehen ist. Entsprechend unklar wie selten ist auch, wie realistisch die Chancen selbst für den Spar-Request für das Folgejahr sein werden. Der enthält – gemäß der Vorgaben der Authorization – Mittel für ein Heavy Lift Vehicle (1.8 Mrd.$; Shuttle- und Ares-Elemente) und ein Deep Space Crew Vehicle (1.1 Mrd.$; auf Orion basierend) sowie 850 Mio.$ für die Unterstützung diverser Privatfirmen, die auch gerne Raumschiffe für den LEO bauen möchten. Während das Abwickeln des Space Shuttle-Programms nach 30 Jahren noch einige Kosten verursacht, stehen allein für den Betrieb der ISS 2.5 Mrd.$ im 2012-er Request, und in diverse Weltraumtechnologien würde 1 Mrd.$ investiert. Die Wissenschaft schließlich dürfte sich auf 5 Mrd.$ freuen.

Die Planetenforschung stände dabei mit über 1.5 Mrd.$ gut dar (wobei die im März erscheinende Decadal Survey die Richtung und z.B. das Schicksal der Europa-Mission bestimmen wird; auf jeden Fall bleiben LADEE und MAVEN für Starts 2013 im Plan) – und das James Webb Space Telescope ist nun nicht mehr Teil der Astrophysik sondern ein eigener Posten, der fürderhin jedes Jahr 375 Mio.$ erhalten soll. Eine weitere Untersuchung des krisengeschüttelten Projekts wird allerdings erst im Frühjahr fertig und dürfte abermals zu einem neuen Kosten- und Zeitplan führen, der im FY 2013 durchschlägt. Auf einer Telecon in der Nacht hieß es, ein Start 2015 sei bereits unmöglich geworden und auch 2016 schon kritisch! Bei der Rest-Astrophysik wird die Joint Dark Energy Mission eingestellt, stattdessen WFIRST bzw. ein Einstieg bei Euclid der ESA voran getrieben – wie das mit der Satellitenmission zur Dunklen Energie ausgeht, wird man auch erst nächstes Jahr erfahren.

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Eine Antwort to “Einbruch des NASA-Budgets in den kommenden Jahren: Verzögerungen vieler Projekte drohen”

  1. Patricia Says:

    Ja, das war leider schon immer so. Das Geld wird lieber für Kriege ausgegeben. Mein Vater hat Anderes gehofft, als er damals die Saturn V mitentwickelt hat.

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