Ganz vage Spuren des Tempel-Kraters: 150 Meter

Durchmesser soll er haben – und er hat nur eine sehr gering ausgeprägte Topografie, allerdings mit einem kleinen Zentralberg. Das jedenfalls hat das Stardust-NExT-Team gerade auf einer (wegen der Softwarepanne mit dem Bilder-Download mehrfach verschobenen) Pressekonferenz erzählt, bei der das entscheidende Bild – oben eine ähnliche Version; kontrastverstärkt – zunächst verloren gegangen schien. Eine derart „gedämpfter“ (subdued) Krater war auch zu erwarten, wenn nach einem flachen Impakt (30° Winkel) in eine weiche Oberfläche das meiste Material gleich wieder zurück fällt: Der Krater „heilt“ sich gewissermaßen selbst. Wo Deep Impact einst getroffen hatte (siehe Artikel A80), kann man durch Stacking der Bilder der Impaktor-Kamera herausfinden. Die erneute Besichtigung der Impaktstelle (die 2005 wegen des aufgeworfenen feinen Staubes völlig unsichtbar geblieben war) gehörte zu einer der vier zentralen Aufgaben von Stardust NExT, die allesamt komplett erfüllt wurden. Die anderen waren die

  • Suche nach Veränderungen bekannter Gebiete im Laufe der 5 1/2 Jahre: Die hat es vor allem in einem ausgedehnten flachen Gebiet reichlich gegeben, dessen Rand sich verschoben hat und in dem ganze Hügel verschwunden sind – deutliche Erosionseffekte von z.T. 20 bis 30 Metern!

  • Neuland, das Deep Impact nicht zu Gesicht bekam, hat Stardust auch aufnehmen können: Hier dominieren zahlreiche Lagen aus Material, jeweils mehrere Meter dick, deren Entstehung rätselhaft ist – und die es so auf der bisher bekannten Seite nicht gibt.

  • Staub in Tempels Koma konnte das deutsche Experiment CIDA analysieren, in das mehrere Dutzend Teilchen einschlugen: Der Detektor war speziell für kleine Teilchen und organisches Material getuned worden und fand in der Tat C-Verbindungen und CN vor.

Der Dust Flux Monitor registrierte derweil rund 5000 Impakte (ebenso so unregelmäßig zeitlich verteilt wie seinerzeit bei Wild 2; siehe Artikel 810), und ein Dutzend große Teilchen durchschlugen gar die Frontseite des Whipple-Shields. Der Stardust-Sonde ist aber nichts passiert, und sie ist immer noch mit der Übertragung ihrer Daten beschäftigt: 78 MB insgesamt, davon 72 Bilder (bis zur PK waren 60 eingetroffen) und 3 MB Staubdaten. Erst wenn sicher ist, dass jedes Datenpaket wohlbehalten die Erde erreicht hat, wird Stardust wieder in den Cruise-Modus versetzt und kann noch 1-2 Wochen auf den Kometen zurück schauen. Den hatte sie perfekt gefunden (Flyby in 178 km Entfernung, kurz vor 5:40 MEZ), alles hatte wie am Schnürchen geklappt – und großes Lob auch für die Astronomen, die den Rotationszustand des Kerns für den Moment des Flybys tatsächlich auf 1-2° in Länge genau vorausgesagt hatten. Für insgesamt 29 Mio.$ hat die NASA eine komplette Kometenmission quasi geschenkt bekommen.

Advertisements

2 Antworten to “Ganz vage Spuren des Tempel-Kraters: 150 Meter”

  1. Der Tempel-Vorbeiflug einmal ganz anders! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] den sehr flachen Impaktkrater besser sichtbar zu machen, sind hier mehrere Stardust-Bilder gestackt und der Kontrast gesteigert […]

  2. Neue Nahaufnahmen von Tempel 1 | Astrofan80's Blog Says:

    […] Bilder der dichtesten Annäherung erst einige Stunden später eintrafen. Man konnte aber nur “ganz vage Spuren des Tempel-Kraters” […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: