Archive for März 2011

Das erste Bild von einer Raumsonde im Orbit um den Planeten Merkur

29. März 2011

hat MESSENGER heute – 11 Tage nach dem Eintritt in die Umlaufbahnaufgenommen, gefolgt von 363 weiteren, denen in den nächsten drei Tagen im Rahmen der Inbetriebnahme der Instrumente 1185 weitere folgen sollen – und gut 75’000 im Rahmen der Primärmission ab dem 4. April. Morgen werden weitere Schnappschüsse präsentiert.

Opportunitys Blick zurück auf dem Marskrater Santa Maria, den der Rover nach eingehender Untersuchung wieder verlassen hat, um die Reise zum Großkrater Endeavour fortzusetzen – der noch dieses Jahr erreicht werden könnte. Während Spirit seit einem Jahr schweigt und eine Kontaktaufnahmen nun nicht mehr lange versucht werden wird.

Ein Hubble-Bild des großen Sturms auf dem Saturn vom 12. März: Die Bilddaten sind – eine Rarität! – sogleich allgemein verfügbar geworden und bereits Gegenstand von allerlei Weiterverarbeitung durch Planetenfans.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

27. März 2011

Der Saturnmond Helene, ein Dreifach-Krater auf dem Mars und der Mississippi südlich von Memphis: Bilder von Cassini (31. Januar, aus 31’000 km Entfernung), dem Mars Reconnaissance Orbiter (der einschlagende Körper teilte sich unmittelbar vor dem Impakt in drei Stücke) und Landsat 7 (schon von 2003 aber jetzt vom GSFC angepriesen).

Intelsat bucht Besuche eines Nachfüll-/Service-Satelliten

Rund 200 Mio.$ wird der Kommunikationssatellitenbetreiber Intelsat an die kanadische Firma MDA zahlen, wenn es ein Satellit von letzterer schafft, insgesamt eine Tonne neuen Treibstoff in 4 bis 5 Satelliten des ersteren einzufüllen: der erste Kunde für das System, an dem MDA seit Jahren forscht, in dessen Realisierung aber bisher nichts investiert wurde. Der „Space Infrastructure Servicing“-Satellit soll mit einem Robot-Arm – eine Spezialität von MDA – auch Reparaturen durchführen können, z.B. klemmende Sonnensegel befreien. 3 1/2 Jahre nach dem konkreten Baubeginn soll der Satellit starten können – von dem man in der Industrie, die neue Satelliten baut natürlich überhaupt nichts hält. Da werde man die Tankdeckel eben anschweißen, auf dass er nichts ausrichten könne, wurde schon auf einer Konferenz geflachst – und die Rechtslage sei ein Minenfeld: Was, wenn der SIS-Satellit einen noch halbwegs intakten Satelliten ganz kaputt macht? (MDA Press Release 15., Space News 14., 16.3.2011)

Mit handelsüblichen Industrie-Lasern Kollisionen zwischen Satelliten verhindern: Das geht und kostet nur ein paar Millionen Dollar, sagt eine Studie. Die Bahnen kaputter Satelliten oder Trümmer auf gefährlichem Kurs würden durch ein- oder mehrfache Bestrahlung über ein 1.5-m-Teleskop ausreichend verschoben, ohne dass die Objekte dabei selbst dabei beschädigt würden (wie bei früheren Konzepten mit Superlasern): Dazu reichen bereits diejenigen 5- bis 10-kW-Laser aus, die man von der Stange kaufen kann und die z.B. in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Und die sich nicht als Angriffswaffe eignen würden, was für die internationale Akzeptanz förderlich wäre. Das Verhindern von Kollisionen im Orbit ist nach Modellrechnungen ein wesentlicher Schritt, um das Problem des Weltraumschrotts anzugehen. (Mason & al., Preprint 9., Nature News, Wired, Cosmic Log 15., Physics World 17., Science Journalism Tracker 23.3.2011)

Ozeansatellit SeaWiFS nach 13 Jahren aufgegeben

Das war eine ebenso preiswerte (nur 42 Mio.$) wie ertragreiche wie langlebige Mission zur Erdbeobachtung: Von 1997 bis zum Abriss der Kommunikation Ende 2010 hat der Sea-viewing Wide Field-of-view Sensor subtile Farbeffekte in den Ozeanen der Erde überwacht und so z.B. Wirkungen von Klimaeffekten auf das Planktonwachstum dokumentiert. In fast 5000 Publikationen hat sich das niedergeschlagen! (ISNS 16.3.2011) NACHTRAG: noch ein arg später Nachruf von der NASA selbst.

Äquatornaher Frühlingsregen auf dem Saturnmond Titan ist offenbar Ende 2010 nachgewiesen worden, nachdem sich ein großes Gebiet (über 500’000 Quadratkilometer) verdunkelte, über dem zuvor starke Bewölkung aufgetaucht war – die wiederum eine Folge des sich langsam verändernden Winkels der Sonneneinstrahlung seit der Ankunft Cassinis im Saturnorbit 2004 ist. Bisher kannte man stehende Gewässer (bzw. Bodenfeuchte) nur als polnäheren Zonen, während sich die Äquatorialregion als ausgedehnte Wüsten darstellte. Die aber trotzdem mit Abflusskanälen durchzogen sind: entstanden offenbar in der richtigen Jahreszeit. (Turtle & al., Science 331 [18.3.2011] 1414-7; Tokano, ibid. 1393-4; Cassini Mission News, UA, CICLOPS Releases 17., BdW, Planetary Society Blog 22.3.2011. Und JPL News 22.3.2011 über verwirrende Radiosignale aus beiden Hemisphären Saturns)

NASA zu verwirrt und de facto pleite: ESA verschiebt Entscheidung über Großprojekt der Weltraumforschung, sieht sich allein gelassen

Der neue 10-Jahres-Plan für die US-Planetenforschung, der entsprechende Report für die Astrophysik und das Ende der Höhenflüge des NASA-Forschungsetats haben auch auf dieser Seite des Atlantik weit reichende Konsequenzen. Zuerst für die erste L-Mission der Cosmic Vision der ESA („Erste Riesenforschungs…“), die eigentlich Mitte dieses Jahres aus drei Kandidaten ausgewählt werden sollte – und alle drei Projekte hätten einen wesentlichen NASA-Anteil, der nun (bei den Planeten- wie Astroprojekten gleichermaßen) in Frage steht. So ist die Entscheidung über die L-Mission bereits auf Februar 2012 verschoben worden: In der Zwischenzeit soll erforscht werden, in wie weit die Projekte so „descoped“ werden könnten, dass sie die ESA auch alleine – für 700 Mio. Euro – stemmen kann. Auch das vereinbarte gemeinsame Marsprogramm („Grünes Licht …“) von ESA und NASA muss neu verhandelt werden – und bei der NASA musste man inzwischen einsehen, dass es auf sehr lange Zeit um kühne Großprojekte der Planetenforschung geschehen sein dürfte: Möglicherweise darf künftig keine Mission mehr als 1 Mrd.$ kosten, auch die „Flagships“ nicht. Womit der 10-Jahres-Plan mit seinen 2 bis 5 Mrd.$ teuren Top-Missionen de facto Makulatur wäre. (Nature Blog, Spaceflight Now 17., Space News, Science Insider 18., Nature News 22.3.2011)

Die Kuipergürtel-Sonde New Horizons hat nun die Uranus-Bahn passiert (am 18. März) – und im April beginnt die systematische Suche nach weiteren noch unentdeckten Bewohnern dieser Zone, die die Sonde nach dem Flyby 2015 am Zwergplaneten Pluto noch aufsuchen könnte. New Horizons sollte dann noch den halben Treibstoff übrig haben, genug um danach noch ein oder sogar zwei zusätzliche KBOs ansteuern zu können! Ausgeschlossen ist allerdings ein gezielter Gravity Assist am Pluto, um zum nächsten Ziel zu gelangen: Die Missionsplanung am Zwergplaneten wird komplett von dessen optimaler Erforschung in der kurzen Zeit der Nähe bestimmt. (JHU APL Release 18., Tweets 21., 23.3.2011)

Stardust-Mission vorbei: nützlich bis zum Ende

26. März 2011

Wie schon lange angekündigt („Stardust hat …“), ist die über 12-jährige Mission der NASA-Sonde Stardust, die den Asteroiden Annefrank und die Kometen Wild 2 und Tempel 1 besuchte, in der Nacht zum 25. März mit einem technischen Experiment beendet worden: Nach dem Abschluss der Fernbeobachtungen des letzteren Kometen wurde das Triebwerk so lange eingeschaltet, bis auch der geringe Resttreibstoff verbraucht hat. 146 Sekunden hat es gebrannt, von „wenigen bis 10“ Minuten hatte die Voraussage gereicht: Nun kann man analysieren, welches Verfahren zur Füllstandsberechnung des Tanks am besten war. Direkt nachdem das Triebwerk schwieg, wurde der Sender Stardusts um 0:33 MEZ endgültig abgeschaltet: So wird verhindert, dass die Sonde zufällig noch einmal Signale von sich gibt und andere stört. Ihre Flugbahn bringt sie weiterhin gelegentlich in Erdnähe, aber ein Mindestabstand von 2.7 Mio. km bleibt gewahrt. JPL Releases 23., 24., Spaceflight Now, New Scientist, Space.com, Nature Blog, Planetary Society Blog, Space Today, Spiegel 25.3.2011. Und Planetary Society Blog 10. und Space.com 21.3.2011 zu ein paar vagen neuen Einsichten über Hartley 2 nach dem Deep Impact-Besuch

Analyse der Hayabusa-Teilchen bestätigt erste Erkenntnisse

Wie bereits letzten Herbst berichtet, entspricht die Mineralogie der winzigen Partikel, die die japanische Sonde Hayabusa vom Asteroiden Itokawa mitgebracht hatte, LL-Chondriten, die damit direkt Kleinplaneten des Typs S zugeschrieben werden können. Die auf unkonventionelle Weise in den Probensammler gelangten Partikel (der eigentliche Mechanismus hatte versagt) wurden genau so kreativ wieder hervor geholt: Manche wurden ausgeschabt, andere durch wiederholte Schläge mit dem Griff eines Schraubenziehers heraus geklopft. Die meisten der 1500 Teilchen (die meisten 10 µm oder kleiner, das größte 180 µm) können tatsächlich Itokawa zugeschrieben werden – und die Detailanalyse zeigt, dass viele der per se besonders primitiven Partikel im Laufe ihres Lebens einer starken thermischen Metamorphose ausgesetzt waren: Der Mutterkörper war einmal sehr heiß geworden. Organisches Material war dementsprechend nicht zu finden, dafür aber eingelagerte Edelgase aus dem Sonnenwind: Die Teilchen waren auf Itokawas Oberfläche lange dem freien Weltraum ausgesetzt, und Prozesse der Weltraum-Verwitterung lassen sich an ihnen untersuchen. (PSRD Spark Feb., Spaceflight Now 13., Planetary Society Blog 16., Space.com 21.3.2011. Und Universe Today 22.3.2011 zu Bebenschäden in einem Labor, wo Hayabusa’s Proben untersucht werden)

Letzte Testaufnahmen der Kameras der Dawn-Sonde vor ihrem vorübergehenden Eintritt in den Vesta-Orbit in vier Monaten („Dawn nähert sich …“) und die Wiederinbetriebnahme aller drei Instrumente sind ohne Probleme verlaufen; drei Tage lang wurden die beiden in Deutschland gebauten Kameras eingehend überprüft. (MPS, JPL Releases 21., Universe Today 23.3.2011)

Der Mond über der Erde – gesehen von Elektro-L

25. März 2011

Das ist ein neuer russischer Wettersatellit, der als erstes großes neues Weltraumprogramm seit dem Ende der Sowjetunion vor fast 20 Jahren gilt und im Januar gestartet wurde („Das erste Erdbild …“). Und sein Satelliten-Bus „Navigator“ soll auch für die neuen Astronomiesatelliten der Spektr-Reihe benutzt werden, die nun vielleicht endlich tatsächlich gebaut werden. (NACHTRAG: Noch mehr Elektro-L-Bilder sind bereits hier erschienen.) Bilder des Mondes durch Satelliten, die eigentlich die Erde beobachten, sind übrigens keine Seltenheit: Dieses Paper über Chandra-Beobachtungen einer Lavaröhre auf dem Mond z.B. illustriert deren Lage anhand eines Mondbildes von Cartosat-2A. NACHTRAG 2: Besonderheiten der russischen Bildverarbeitung …

Ein Mosaik des Mond-Nordpols bis 60°N hinab aus zahlreichen Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiters – inzwischen mit bis zu 2 Metern Auflösung verfügbar. Und auch die zeitliche Variation der Beleuchtung ist ausgiebig dokumentiert und visualisiert worden.

Sonnenfinsternis für den Satelliten SDO – durch die Erde: Die längste der gegenwärtigen Serie, 72 Minuten lang, fand gestern statt. Die Erde hat – im Gegensatz zum Mond – wegen ihrer Atmosphäre einen diffusen Rand.

Die Sternentstehungsregion LBN 149.02-00.13 alias Sh2-205 um den Stern CY Camelopardalis aus Sicht des WISE-Satelliten – der heiße Stern hat den Nebel rund um sich bereits leer gefegt. (Ein andere WISE-Bild von der Circinus-Galaxie macht weniger her.)

Eine tiefe Röntgenaufnahme des Tycho-Supernovarests bei mehreren Wellenlängen: Auf Detailbildern Chandras fällt ein Streifenmuster auf, das als direktes Indiz für Teilchenbeschleunigung gilt. Denn hier ist die Turbulenz größer und das Magnetfeld stärker aufgewickelt.

Die Spiralgalaxie NGC 5584, von Hubble in Einzelsterne aufgelöst: Cepheidenbeobachtungen hier und in anderen Galaxien haben mit zu einer Bestimmung der Hubble-Konstanten mit 3% Genauigkeit beigetragen.

Der Galaxienhaufen Abell 3376 total multispektral: in Orange Röntgenemission, in RGB ein optisches Bild und in Blau Radiostrahlung. Die Gestalt des Röntgengases bestätigt, dass hier eine Verschmelzung von Haufen geschieht, das Radiogas könnte dabei heraus geflogen sein.

Jagd auf Dunkle-Materie-Teilchen: die nächste Beinahe-Entdeckung, jetzt von EDELWEISS-II

25. März 2011

Man konnte es schon hier, hier und eben noch hier („Nachweis …“) lesen: Die Detektoren, die im Untergrund Teilchen der Dunklen Materie direkt nachzuweisen trachten, nähern sich einer Empfindlichkeit, bei der es passieren sollte. In den vergangenen 20 Jahren sind sie um einen Faktor 1000 besser geworden, und in den nächsten 10 dürfte es ein weiterer Faktor 100 sein: In 1, 5, 10 Jahren höchstens sollte sich ein eindeutiges Signal zeigen. Dem 2009-er Beinahe-Erfolg von CDMS hat sich gerade eine ebenfalls nicht signifikante Detektion von ein Handvoll Weakly Interacting Massive Particles durch EDELWEISS-II hinzu gesellt: „Five nuclear recoil candidates are observed above 20 keV, while the estimated background is less than 3.0 events.“ Beide Experimente arbeiten nun an einer gemeinsamen Auswertung ihrer Messungen, von der man allerdings nicht zu viel erwarten sollte: Die beiden WIMP-Kandidaten von CDMS hätten Energien von 12 und 15 keV und wären wohl nicht dasselbe wie die EDELWEISS-Kandidaten. Ein weiteres wichtiges Experiment ist XENON100, das bisher rein gar nichts sieht und damit zwei anderen Experimenten – DAMA und CoGeNT – widerspricht, die etwas zu sehen glauben.

Inzwischen hat sich dessen Datenmenge mindestens verzehnfacht, auch wenn es noch Ärger mit der Auswertung („Radioaktivitätsproblem …“) gibt. In den nächsten paar Jahren sollten sich die Widersprüche zwischen den Experimenten durch deren weitere Verbesserungen eigentlich auflösen (und endlich mal zwei mit unterschiedlicher Technik dieselbe Art Teilchen messen, das im Idealfall auch noch direkt mit dem LHC ‚hergestellt‘ werden kann) – aber es ist keineswegs ausgemacht, dass am Ende genau ein WIMP dingfest gemacht ist, das für alle astronomischen Effekte der Dunklen Materie verantwortlich zeichnet. Die ’normale‘ Materie ist schließlich kompliziert genug: Da kann es gut sein, dass das Dunkle Universum auch über verschiedene Teilchen verfügt. Wie auch immer: Wenn das oder die Teilchen erst einmal entdeckt sind, wird die nächste Generation von Detektoren ganz direkt ihren Eigenschaften nachspüren. Armengaud & al., Preprint 21., Nature News (in diesem 3-Seiten-Review wurde EDELWEISS glatt vergessen), Nature Blog 24.3.2011 sowie Aspera zu EDELWEISS und dem generellen Stand der Forschung. NACHTRAG: noch ’n dicker Review!

Feuer in der Soudan-Mine – Untergrund-Detektoren wohl nicht gefährdet: Ein Brand im Schacht zum Soudan Underground Laboratory in Minnesota am 17. März konnte rasch gelöscht werden, und wahrscheinlich ist den Experimenten in 700 m Tiefe zur DM-Jagd (CDMS sitzt hier) und anderer Fundamentalphysik nichts passiert. Das Labor – das zu dem Zeitpunkt menschenleer war – ist vom Rest des Ex-Bergwerks gut abgeschottet; allerdings musste die Kühlung von CMDS herunter gefahren werden, und es kann dauern, bis das Experiment wieder läuft. (Physics World 22., Nature Blog 21., Timberjay 17.3.2011) NACHTRAG: Nach einer ersten Besichtigung sind die Experimente im Labor unbeschädigt, aber es muss viel geputzt werden. Und CoGeNTs schöne Messreihe ist unterbrochen … NACHTRAG 2: … während man sich auch bei CDMS Sorgen macht. NACHTRAG 3: noch’n Nachzügler. NACHRTRAG 4: Den Experimenten ist nichts passiert, aber die Wiederinbetriebnahme dauert.

Hat das Tevatron Anzeichen „neuer Physik“ entdeckt?

Nur noch ein halbes Jahr darf der amerikanische Teilchenbeschleuniger laufen, bevor er im September abgeschaltet wird („Das Tevatron …“) – aber auf der Zielgeraden könnte noch einmal eine bedeutende Entdeckung gelungen sein: Kuriose Effekte im Zusammenhang mit dem Top-Quark, die mit steigender Energie ausgeprägter werden (aber nicht so signifikant sind, dass es nicht doch eine Zufallsfluktuation sein könnte), scheinen auf ein unerwartetes neues Elementarteilchen hin zu deuten. Das Higgs-Teilchen ist es sicher nicht, eher ein Axigluon, Diquark oder unbekanntes Boson – oder aber ein Hinweis auf zusätzliche Raumdimensionen. Sollte es da tatsächlich ein exotisches Teilchen geben, das sich dem Tevatron indirekt zu erkennen gegeben hat, dann liegt es u.U. in der Reichweite des – inzwischen wieder kräftig Protonen kollidieren lassenden – LHC, es direkt zu erzeugen.

Derweil hat das Tevatron geholfen, den möglichen Massenbereich für das Higgs noch weiter einzugrenzen, auf 114 bis 156 oder 183 bis 185 GeV/c^2: Damit ist es wahrscheinlicher geworden, dass es „leicht“ ist, was wiederum den Nachweis durch den LHC erschweren würde. Dem Endlauf des Tevatron – wo man sich immer noch vage Hoffnungen macht, dem CERN die Entdeckung wegschnappen zu können – ist übrigens ein Blitzschlag dazwischen gekommen: Mindestens 2 Wochen liegt der Beschleuniger lahm, während ein Magnet ausgetauscht wird. (Ars Technica, Nature Blog 23., US/LHC Blog 22., Symmetry Breaking 18., Physics World 15.3.2011. Und Nature 17.3.2011 zur erhofften Rolle des LHC bei der nächsten Großen Vereinheitlichung, 150 Jahre nach Maxwell) NACHTRAG: CERN Bulletin (mehr) zum neuen Run des LHC. NACHTRAG 2: Beim CERN gibt man sich siegessicher, dass das Tevatron Higgs-mäßig verloren hat. NACHTRAG 3 zum Tevatron-Effekt. NACHTRAG 4: dito. NACHTRAG 5: dito, oder auch nicht, oder was.

Neutrino-Teleskop mit optischen Teleskopen verkoppelt

Der Neutrino-Detektor ANTARES im Mittelmeer vor der französischen Küste ist inzwischen mit mehreren automatischen optischen Teleskopen „verkoppelt“ worden, die sonst rasch auf dasjenige Himmelsfeld schwenken, in dem Satelliten einen Gamma-ray Burst gesehen haben. Dieselbe Reaktion wird auch bei – vermeintlichen – Neutrinobursts (das sind zwei oder mehr Neutrinos dicht beieinander oder ein einzelnes mit besonders hoher Energie) getriggert, die ANTARES registriert, könnten sie doch auf dieselben gewalttätigen kosmischen Prozesse zurück gehen, die es am Himmel im sichtbaren Licht blitzen lassen. Einen konkreten Erfolg gab es zwar bei den zwei Dutzend Triggern seit 2009 noch nicht aber ein Akronym für das intergrierte System: „TAToO“ = Telescopes and ANTARES Target of Opportunity. (Ageron & al., Preprint 23.3.2011)

Das schwerste und komplexeste „Anti-Ding“, einen Anti-Helium-Kern aus zwei Antiprotonen und zwei Antineutronen, hat der Relativistic Heavy Ion Collider erzeugen können, eine weitere Steigerung gegenüber dem Anti-Hyper-Triton („Schwerste Antimaterie …“) vom letzten Jahr. Das Antihelium entsteht allerdings so selten, dass es das AMS-Experiment – das nächsten Monat endlich auf die ISS geschafft werden soll – wohl nicht sehen wird. Und das nächstschwerere Antielement, Anti-Lithium, ist auch künstlich noch lange nicht in Reichweite – bei Raumtemperatur könnte es theoretisch einen Festkörper bilden. (STAR Collaboration, Preprint, New Scientist 22., Physics World 25.3.2011) NACHTRAG: einen Monat später LBL und BNL Releases, CERN Bulletin; Nature Blog, Spiegel.

Eine Flut umwerfender Polarlicht-Videos …

25. März 2011

… aus Norwegen ist in den vergangenen Tagen und Stunden auf dem Videoportal Vimeo erschienen – das erste ist bereits „viral“, das zweite ruhiger (aber beide mit langsam fahrendem Kamerawagen) – und das dritte beschreibt der Autor als „nur ein paar Zufallsaufnahmen zum Üben“ … Ganz traditionell als Standbilder auch noch – nunmehr aus Finnland – intensive Vorhänge vom 22. März und hübsche Impressionen der vorigen Woche.

Mehr Blicke auf den besonders dicken Vollmond

23. März 2011

im Perigäum am 19. März – hier dreimal von der ISS aus aufgenommen, auf dem Cerro Paranal oder in Washington, DC (neben dem Lincoln Memorial). Über die besondere Größe dieses speziellen Perigäumsvollmonds wurde viel geschrieben, auch wenn er einen von 2008 nur um Haaresbreite schlug: eine Tabelle aller Perigäums-Vollmonde 1900-2100 aus dieser Sammlung von Listen & Grafiken. Immerhin war der Mond im direkten Vergleich mit Aphel-Vollmonden erheblich größer und von großen Interesse sowohl visuell – hoch am Himmel eine extrem blendende Erscheinung – wie auch für Fotografen. Durchweg misslungen sind dabei Versuche, der gleißenden Leuchte über der Landschaft mit HDR oder Fotomontagen Herr zu werden.

Schöne Bilder gelangen dagegen oft direkt beim Mondaufgang, so hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, [NACHTRÄGE] hier, hier, hier und hier. Der Mond hoch am Himmel – so voll war er gar nicht, mit deutlichem Terminator im Norden, denn wir schauten dank der Neigung der Mondbahn gegen die Ekliptik sozusagen „von oben herab“ auf den Mond – bot sich dann für starke Vergrößerung an, wie hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, [NACHTRAG 2] hier und hier. Viele Bildergalerien sind z.B. hier, [NACHTRAG] hier und hier (jeweils mit einem Bild dieses Bloggers), hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier zu finden. Als Gelegenheit für astronomischen Outreach wurde der Riesenmond v.a. in Indien benutzt, wie hier und hier berichtet wird. Ansonsten ließ er ein paar Schiffe stranden und sorgte für eine kleine Gezeitenflut – sonst passierte … nichts.

Tag-und-Nacht-Gleiche-Sonnenuntergang auf der Halde Hoheward – eine Bildergeschichte

21. März 2011

Das einmalige Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward ist schon mehrfach Schauplatz öffentlicher Beobachtungen von Sonnenuntergängen zu markanten Zeitpunkten gewesen, sei es bei der Wintersonnenwende 2008 in fürchterlichem Regen oder der Sommersonnenwende 2009 mit brilliantem Wetter nach schwerem Regen (auch hier beschrieben). Zum gestrigen Sonnenuntergang – keine 6 Stunden vor dem Frühjahrs-Äquinoktium heute um 0:21 MEZ – waren wieder etliche Stern- und Fotofreunde auf die Halde gestriegen, diesmal bei perfekt klarem Himmel. Wie man im obigen Panorama sieht, sah man (von der Sonne) exakt nichts, wenn man genau in der Ebene des Äquatorbogens stand. Logisch …

Ein leidiges Thema und eine unendliche Geschichte (will es scheinen): Auch zwei Jahre nach dem Bruch einer Schweißnaht wird immer noch über Verantwortlichkeiten und nächste Schritte gestritten – die Stützen, die im Wesentlichen Schwingungen dämpfen, sind ebenso weiter vorhanden wie der Bauzaun …

Zwei weitere Panoramen aus anderen Blickwinkeln – immerhin kann die Anlage derzeit weitgehend umwandert werden.

Der Sonnenuntergang – mit zahlreichen Fans im Vordergrund, die sich in eine quasi verbotene Zone gewagt hatten, um dem grellen Schauspiel noch näher zu sein.

Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang sind Merkur und Jupiter sichtbar geworden, senkrecht über dem Punkt aufgereiht, wo die Sonne verschwand (nebst der zuvor frühlingshaften Temperatur!) – nur in einem kurzen Zeitfenster waren beide leicht mit dem bloßen Auge zu sehen, dann verblasste der Jupiter bereits wieder.

Gleichzeitig gehen auch die Lampen an, um die nachglühenden Markierungen auf den Bögen ‚aufzuladen‘ – Zeit für den beschwerlichen Rückmarsch im Halbdunkel … Tipp: Hinter fünf der (passend zum Datum) 21 Bilderchen hier sind TwitPics mit höherer Auflösung versteckt! NACHTRAG: weitere Bilder von der Aktion.https://skyweek.wordpress.com/2011/03/21/tag-und-nacht-gleiche-sonnenuntergang-auf-der-halde-hoheward-eine-bildergeschichte/

Hier kommt der Vollmond des Jahres …!

19. März 2011

Der Aufgang des Perihel-Vollmonds heute Abend auf der Burg Rothenfels in Nordwestbayern – weitere Zeitschritte auch hier, hier und hier.

Verformung Japans durch das Erdbeben auch aus dem Weltraum vermessen

18. März 2011

Oben radar-interferometrische Messungen der Deformation des japanischen Erdbebengebiets durch das Phased Array type L-band Synthetic Aperture Radar (PALSAR) auf dem Advanced Land Observing Satellite (ALOS) der JAXA (wie sie auch für das Neuseeland-Beben [„Verformungen Neuseelands …“] gemacht wurden): Wie die mindestens 25 Interferenzstreifen bei der Kombination von Daten vor und nach dem Beben zeigen, die der veränderten Distanz von Bodenpunkten zu einer festen Höhe im Orbit entsprechen (ein Farbzyklus = 11.8 cm), hat sich die Topografie um mehrere Meter verändert. Das kann sowohl ein Einsinken wie eine Verschiebung nach Osten bedeuten – letzteres ist der Fall, wie bereits zuvor direkte Messungen mit Netzen von GPS-Empfängern gezeigt hatten: In der Mitte ist dargestellt, wie sich aufgrund der Daten von 1200 Stationen Verschiebungen um 6 bis 28 Meter infolge des Tohoku-Bebens nachweisen ließen, generell nach Südosten. Unten eine Analyse der USGS: Hier werden eine Ostwärts-Bewegung von bis zu 4 Metern und ein Absinken der Küstenlinie um bis zu 1.1 m festgestellt. Weitere Analysen des Bebens und seiner Folgen für den Planeten Erde durch indische Seismologen sind auch in PDF-Postern hier und hier zu finden.