Scheilas Ausbruch: Kollision die beste Erklärung

Vom erstaunlichen Kometenausbruch des vermeintlichen Asteroiden Scheila letzten Dezember sind nun Hubble-Aufnahmen von zwei Zeitpunkten publiziert worden, als die Koma schon stark verblasst war – die Bilder selbst machen weniger her als so manche Amateuraufnahme des frischen Ausbruchs, dafür ist die Analyse tiefschürfender. Im Gegensatz zu erdgebundenen Messungen habe sich die Albedo des Asteroiden nicht verändert. Und die einfachste Erklärung für die kurzlebige Koma sei der Einschlag eines etwa 35 m großen Asteroidchens in den 113 km großen Kleinplaneten, der die aus den HST-Daten abgeleitete Staubmenge – 40 Mio. kg – heraus geschlagen haben könnte. Alternativ könne natürlich auch unter der Oberfläche geschütztes Eis freigelegt worden sein, das sublimierte und den Staub mitriss – aber für die Freilegung wäre wiederum ein Impakt die naheliegendste Erklärung. Außerdem hätte die Aktivität dann länger anhalten müssen. Auch wenn nach Ansicht der HST-Autoren Scheila eindeutig keinerlei Kometennatur hat, so packen sie ihn doch in die Klasse der Hauptgürtelkometen, die damit sieben bekannte Mitglieder hat: In der Grafik (Bahnexzentrizität gegen große Halbachse in AU) sind sie alle markiert; orange = Asteroiden, blau = kurzperiodische Kometen, senkrechte Linien = Halbachsen von Mars und Jupiter, dazwischen die Jupiter-2:1-Resonanz.

Spitzer bastelt Katalog gut erreichbarer – und interessanter – Near Earth Asteroids

Mit dem – seit dem Ende des Kühlmittels „warmen“ – Spitzer Space Telescope werden derzeit und noch bis Ende des Jahres im Rahmen des ExploreNEOs-Projekts rund 700 bekannte Near Earth Objects mit 3.6 und 4.5 µm Wellenlänge beobachtet, die von der Erde aus mit besonders günstig erreicht werden könnten: Die IR-Fotometrie erlaubt Rückschlüsse auf Größe und Albedo. Besonders interessant – für unbemannte Sonden, die Bodenproben holen sollen, ebenso wie für bemannte Missionen, die die NASA ab Mitte der 2020-er Jahre in Erwägung zieht („Vager Zeitplan …“) – sind zum einen Asteroiden, die auf klassischen Hohmann-Bahnen mit besonders geringer Geschwindigkeit erreicht würden. Und zum anderen wünscht man sich besonders dunkle Körper, die – in der Regel – besonders primitives Material aus der Urzeit des Sonnensystems versprechen (die bereits umkreisten Eros und Itokawa gehörten nicht dazu). Bereits 65 Einträge umfasst der Kandidatenkatalog, und am Ende dürften es etwa 160 vielversprechende Objekte sein. Zur Zeit ‚in Führung‘ liegen 1992 UY4, 2001 SK162 und 2001 PM9, während 1996 XB27 und 1989 ML zwar noch leichter zu erreichen aber auch bedenklich hell sind. (Mueller & al., Astronomical Journal 141 [April 2011] 109ff; Scientific American 30.3.2011)

Der NEO-Katalog von WISE wird noch umfassender als Spitzers, verspricht derweil das NEOWISE-Team: Während Spitzer seine NEOs gezielt anhand des Katalogs im sichtbaren Licht entdeckter Kleinplaneten aussuchen musste und daher so manchen besonders dunklen Brocken verpasst haben dürfte, hat der WISE-Satellit den gesamten Himmel systematischen im Infraroten abgescannt (siehe ISAN 129-9). Dabei wurden nicht nur etwa 33’000 unbekannte Asteroiden im Hauptgürtel entdeckt (und insgesamt über 154’000 Objekte detektiert) sondern auch 135 Near Earth Objects (bei über 584 insgesamt beobachteten NEOs) – und schon aus den IR-Helligkeiten bei verschiedenen Wellenlängen lassen sich recht zuverlässig Größen und Albedos ableiten, selbst wenn man keine visuellen Helligkeiten hat. Auch in diesem Katalog – leider sind ein paar der WISE-NEOs nicht rechtzeitig nachverfolgt worden und wieder verloren – könnten die Raumfahrtplaner fündig werden. (Mainzer & al., Preprint 9.2.2011)

Schlagwörter: , , , , , ,

Eine Antwort to “Scheilas Ausbruch: Kollision die beste Erklärung”

  1. Nachrichten aus der Astronomie kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Hauptgürtel-Komet 238P/Read ist wieder aktiv und damit der zweite Vertreter dieser mysteriösen Klasse von Kleinkörpern, der wiederkehrende Aktivität zeigt (der andere ist 133P/Elst-Pizarro): Da muss zumindest bei […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: