Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

Globaler Magma-Ozean von Io in Galileo-Magnetfeld-Daten

Erst jetzt sind Modellrechnungen ausgefeilt genug geworden, um in 11 Jahre alten Daten des Magnetometers auf dem Jupiter-Orbiter Galileo nach Effekten durch das Innenleben des Mondes Io zu fahnden: Dabei ist – unabhängig von mehreren früheren Argumenten – bestätigt worden, dass es unter seiner Kruste eine globale Schicht zumindet zähflüssigen Magmas gibt. ultramafisches Gestein wird nämlich in geschmolzenem Zustand ein guter elektrischer Leiter und beeinflusst das Jupiter-Magnetfeld in ähnlicher Weise wie der salzige Ozean von Europa- Allerdings sind die Aussagen über Ios 50 bis 200 km dickem Magma-„Ozean“ (aus mindestens zu 20% geschmolzenem Lherzolith?) nur vage, basiert doch die Analyse auf nur zwei nahen Vorbeiflügen Galileos an Io 1999 und 2000: Ja, wenn man einen eigenen Io-Orbiter hätte … (JPL Release, Ars Technica, Bild der Wissenschaft 12., Gish Bar Times, Space Today 13.5.2011)

Titans Atmosphäre könnte durch Kometeneinschläge entstanden sein, während des Late Heavy Bombardements vor 3.9 Mrd. Jahren: Das legen Laborversuche nahe, bei denen Projektile auf eine Mischung aus Ammoniak und Wassereis geschossen wurden, die der Kruste des Saturnmonds entspricht. Dabei wurde etwas Ammoniak in Stickstoffgas umgewandelt: Man kann hochrechnen, dass die gesamte dichte Stickstoffatmosphäre Titans auf diese Weise gebildet worden sein könnte. (New Scientist 8.5.2011. Und Ars Technica 9.5.2011 zu weiteren Indizen für einen unterirdischen Titan-Ozean)

MESSENGER schon mehr als 100-mal um den Merkur gesaust

Am 6. Mai war dieser Meilenstein erreicht: Der erste Merkur-Orbiter hatte bis dahin fast 2 Mio. Kommandos ausgeführt, über 70 Mio. Magnetfeldmessungen gemacht, 300’000 Spektren von Gamma bis IR und 16’000 Bilder aufgenommen. Zur Zeit geht es besonders „heiß her“, da MESSENGER die Tagseite Merkurs beim höchsten Sonnenstand überfliegt – dafür geht es umgekehrt immer wieder in den Schatten des Planeten: Der Orbiter hat damit aber – dank umfassender Vorbereitung – keine Probleme. (Mission News 6.5.2011)

Genesis-Analyse fördert Isotopen-Differenz Sonne(nwind) / innere Planeten zu Tage: Mühsam ist die Auswertung der Sonnenwindteilchen, die die Genesis-Mission einsammelte und die dann unsanft in der Wüste landeten (siehe Artikel 946) – aber es geht. Gelegentlich erscheinen Papers zur Mission, jetzt mit überraschenden Sauerstoff-Isotopenverhältnissen. (Los Angeles Times 9.5.2011)

Japan gibt Satellit ALOS auf: symbolisches „letztes Kommando“

Gehört hat der ausgefallene Advanced Land Observing Satellite („Japanischer Erdbeobachter …“) das finale Kommando am 12. Mai – Sender & Batterien aus! – wohl nicht mehr: Die Elektrik war schon drei Wochen vorher zusammen gebrochen, jeder Versuch der Kontaktaufnahme fehlgeschlagen. Nach der Ursache wird weiter gesucht, aber immerhin hatte ALOS alis Daichi seine nominelle Lebensdauer von 3 Jahren klar überschritten und die gewünschten 5 Jahre gerade eben erreicht. Vor allem Bilder von frischen Naturkatastrophen wie den Erdbeben in Sichuan 2008 und Japan selbst diesen März hat ALOS geliefert: Rund 100-mal pro Jahr gab es Anfragen. (JAXA Release, Spaceflight Now, Space.com 12.5.2011)

Investment-Firma will argentinischen Satelliten als Geisel nehmen: Die auf den Cayman-Inseln ansässige NML Capital Ltd. fordert vom argentinischen Staat mehrere Milliarden Dollar – und hat versucht, den kurz vor dem Start stehenden argentinisch-amerikanischen Forschungssatelliten SAC-D/Aquarius („Ozeansatellit …“) beschlagnahmen zu lassen. Daraus wird aber wohl nichts, und die Vorbereitungen für den Start am 9. Juni gehen planmäßig weiter. (Space News 12.5.2011)

Chinesische Raumstations-Pläne öffentlich diskutiert

Die langfristige Finanzierung für eine zweite Raumstation im Erdorbit scheint jetzt zu stehen, da China wohl noch lange nicht bei der ISS mitspielen darf: Geplant ist der Start von drei Teststatiönchen, gefolgt vom Aufbau einer größeren. Zuerst kommt Tiangong-1 („In rund einem …“) dieses Jahr: Daran wird zunächst die unbemannte Shenzhou-8-Kapsel das Andocken üben, bevor 2012 zweimal Besatzungen jeweils kurz einziehen. Die in den folgenden drei Jahren geplanten Stationen Tiangong-2 und -3 können dann bereits 20 bzw. 40 Tage lang bewohnt werden – und dann beginnt der Aufbau der eigentlichen chinesischen Raumstation mit einem Kernmodul (18.1 m lang) und zwei Forschungsmodulen (à 14.4 m): immer noch kleiner als einst die russische Mir. (Nature News 4., Spaceflight Now 12.5.2011)

Panspermie-Experimente während des vorletzten Shuttle-Flugs STS-134, der jetzt für morgen angesetzt ist (mit weiterhin 70% Wahrscheinlichkeit für gutes Wetter) hat die Planetary Society vorbereitet: Im Rahmen von Shuttle LIFE gehen Bärtierchen sowie je zwei Bakterien- und Archäen-Arten auf die Reise – als Testlauf für eine MFG auf der russischen Fobos-Grunt-Mission zum Mars. Auch die Exobiologen des DLR in Köln sind beteiligt! (Planetary Society Press Release 13.5.2011)

NASA bucht Flüge auf zwei – noch nicht fertigen – Suborbital-Systemen

Die meisten der 16 Mikrogravitations-Experimente, für die die NASA jetzt Träger gebucht hat, werden auf Parabelflügen beim kommerziellen Anbieter Zero G im Juli durchgeführt – aber ein paar sollen mit dem Xaero von Masten Space Systems und dem Super Mod von Armadillo Aerospace fliegen, im Rahmen von Tests noch dieses Jahr. Mit diesem Vertrauen in diese beiden noch unerprobten Vertical-Takeoff-Vertical-Landing-Vehikel will die NASA auch die kommerzielle wiederverwendbare Suborbital-Träger-Industrie des Landes fördern. (NASA Release 13.5.2011)

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3 Antworten to “Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

  1. Live-Blog zu STS-134, Endeavours letzter Mission « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] AMS-02, der hier und hier ausgiebig in Deutsch vorgestellt wird; andere Passagiere sind das LIFE-Experiment („Panspermie …“) und drei ‘Chip-Satelliten’ („Drei […]

  2. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Kiste benutzen, in der insgesamt 17 Experimente stattfinden. Die Hoffnung ist, später auch bei der kommenden chinesischen Raumstation („Chinesische …“) beteiligt zu werden – die soll schließlich just dann […]

  3. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] auf den gewünschten 350-km-Orbit gebracht, wo sie während ihrer 2 Jahre Lebensdauer dreimal von Shenzhou-Kapseln angeflogen werden soll („Chinesische Raumstations-Pläne …“), um das automatischen Andocken […]

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