Nachrichten aus der Astronomie kompakt

Strahlungsdruck beeinflusst Bahn von Mini-Asteroid

Der Klein(st)planet 2009 BD, der auf seiner ziemlich erdähnlichen Bahn gerade dicht an der Erde vorbei geflogen kam (Minimalabstand 0.9 Monddistanzen), hat etwa 7 Meter Durchmesser: klein genug, dass der Strahlungsdruck der Sonne seinen Orbit geringfügig aber messbar verändert. Dieser Effekt wurde jetzt anhand früherer Astrometrie eindeutig nachgewiesen, womit sich die Dichte avon 2009 BD abschätzen ließ: offenbar ein natürlicher Körper und kein Relikt aus der Raumfahrt, was bei der geringen Relativgeschwindigkeit zur Erde von 3.7 km/s denkbar gewesen wäre. Fragt sich nur, wie das Asteroidchen auf seine exotische Bahn gekommen ist: Das wahrscheinlichste Szenario ist ein Brocken vom Mond, der nach einem Impakt auf Fluchtgeschwindigkeit kam, was bei dieser Größe gerade noch plausibel erscheint. (Micheli & al., Preprint 3.6.2011)

Der Hauptgürtel-Komet 238P/Read ist wieder aktiv und damit der zweite Vertreter dieser mysteriösen Klasse von Kleinkörpern, der wiederkehrende Aktivität zeigt (der andere ist 133P/Elst-Pizarro): Da muss zumindest bei einigen Volatiles unter einer Kruste geparkt sein, das sich gelegentlich Bahn bricht, denn dass derselbe Brocken gleich mehrfach von einem anderen getroffen wird, ist doch sehr unwahrscheinlich. Auch diesmal ist wieder ähnlich viel Staub in Reads Koma wie beim Ausbruch von 2005 (Hsieh & al., Preprint 31.5.2011)

Charon und Pluto bedeckten nacheinander einen Stern

am 4. Juni für Beobachter in Südamerika, wo drei Beobachtungsstationen in Brasilien und Chile jeweils beide Male erfolgreich waren: Charon verfinsterte den Stern 45 bis 51 Sekunden lang, und der Ein- und Austritt am Pluto dauerte dank dessen Atmosphäre jeweils über zwei Minuten. Ein weiteres Ergebnis der Doppelbedeckung, der ersten überhaupt mit durchgehenden Lichtkurven, die Verfinsterungen durch beide Körper zeigen, ist der Abstand zwischen Zwergplanet und Mond auf 0.0001 Bogensekunden genau. 2008 hatten auch beide denselben Stern bedeckt, aber kein Standort hatte beide Ereignisse sehen können. (Lecacheux, PLANOCCULT-Mailingliste 5.6.2011)

Der Kepler-Satellit kann Exoplaneten auch ohne Transits nachweisen, hat er am Beispiel von KOI-13.01 bewiesen: Die Helligkeit aus Richtung des Sterns außerhalb der Transits dieses Planeten variiert allein durch dessen reflektiertes Sternlicht bzw. die aufgeheizte Seite (und noch andere Effekte) so stark, dass der Planet zweifelsfrei bewiesen werden kann! Mit dieser Technik könnten Planeten von Jupitermasse um helle Sterne aus den Kepler-Lichtkurven gefiltert werden. (astrobites 26.5.2011 letzter Absatz)

184 Sterne mittels Bedeckungen durch den Mond vermessen

hat man mit dem Very Large Telescope, als der Mond im September 2009 vor einem besonders sternreichen Feld im galaktischen Bulge her zog: Eine Bedeckung jagte die nächste, und die nahinfraroten Lichtkurven wurden mit dem ISAAC-Instrument mit 3.2 msec Zeitauflösung aufgezeichnet. 24 der Sterne erwiesen sich als Doppel- oder Mehrfachsysteme, bei 164 konnten Obergrenzen für ihre Winkeldurchmesser angegeben werden, während mindestens zwei eine mit dieser Technik messbare Größe hatten: Hier liegt wohl zirkumstellares Material vor. Die Mondmethode schafft etwa eine Millibogensekunde Auflösung bis einer K-Helligkeit von 12 hinab: Das schafft selbst das VLT-Interferometer nicht. (Richichi & al., Preprint 24.5.2011)

Symbolische Hubble Space Telescope-Beobachtungen am ersten Cepheiden in M 31 („V1“), mit dem Hubble (der Mann) 1923 bewies, das der Andromedanebel eine andere Galaxie ist, sind kürzlich mit Hilfe von Amateurastronomen gemacht worden: Sie überwachten V1 und bestimmten, zu welchen 4 Zeitpunkten das HST den Stern aufnehmen sollte, um die Lichtkurve optimal abzudecken. Null Wissenschaft zwar, aber eine beachtete Aktion. (STScI Release 23.5.2011)

Eine neue Art von Sternhaufen zwischen offen & Kugel

scheint NGC 6791 darzustellen: Eigentlich ein offener Sternhaufen mit doppeltem Alter der Sonne enthält er auch Sterne des klassischen Horizontalastes, wie man sie nur in viel älteren Kugelhaufen erwarten würde, wie ein umfassender Zenus ergeben hat. Möglicherweise ist der Haufen mit gleichzeitig metallarmen und -reichen Sternen im Bulge der Milchstraße entstanden. (JHU Press Release 1.6.2011)

Sternstrahlung, nicht Supernovae, demolieren Giant Molecular Clouds, nachdem darin massereiche Sterne entstanden sind: Das zeigen detailreiche Simulationsrechnungen, in denen der Strahlungsdruck der Sterne die Wolmen bereits zerreißt, bevor auch nur der erste Stern explodiert. (CASCA Press Release 1.6.2011)

Ein verschlungener Molekülwolken-Ring im Galaktischen Zentrum

ist vom IR-Satelliten Herschel entdeckt worden: Er ist 100 x 60 parsec groß und windet sich in der dritten Dimension zweimal entlang seines Umfangs. Die Struktur aus 30 Mio. Sonnenmassen dichten kalten Wolken hat offenbar etwas mit dem Gravitationsfeld des zentralen Balkens der Milchstraße zu tun. (Molinari & al., Preprint 27.5.2011)

Mit der klassischen Dichtewellen-Erklärung der Spiralarme stimmt etwas nicht, deuten harte mathematische Analysen an 12 nahen Spiralgalaxien an: In keinem Fall sieht man das Muster an Sternentstehungsgebieten, das bei langlebigen Spiralarmen zu erwarten wäre. (Foyle & al., Preprint 25.5.2011)

Gravitationslinse vergrößert ferne Spiralgalaxie 22-mal

Und dabei halten sich die Verzerrungen dank einer zufällig nahezu perfekten Position des linsenden Galaxienhaufens zwischen Galaxie und uns in Grenzen: Mit der Natur-Linse plus dem Hubble- bzw. Keck-II-Teleskop ist es so möglich, die Struktur von Sp1149 und sogar den Gradienten ihrer Sauerstoffhäufigkeit vom Kern zur äußeren Scheibe hin zu messen, was bisher nur bei lokalen Galaxien möglich war. Das Licht der Galaxie war 9.3 Mrd. Jahre unterwegs, der Kosmos damals nur 1/3 so alt wie heute. (Keck Press Release 26.5.2011)

Eine Antwort to “Nachrichten aus der Astronomie kompakt

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 18. Juni 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] eingeschaltet werden, um die NEOWISE-Asteroiden-Jagd wieder aufzunehmen! [16:15 MESZ] Für den Asteroiden 2009 BD wurde schon mal eine Referenzmission durchgerechnet. Derlei Objekte könne man auf fernen […]

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