Archive for 4. August 2011

Nachrichten von diversen Teleskopen kompakt

4. August 2011

Eine Aufnahme des New Technology Telescope vom Planetarischen Nebel Shapley 1 = PK 329+02.1 = „Fine Ring Nebula“: Darin sitzt ein Doppelsternsystem, auf das wir genau von oben schauen, d.h. der Ring ist vermutlich ein Torus, den wir genau von einer Seite sehen.

Ein Ausschnitt aus einem HST-Bild des Reflexionsnebels NGC 2023 im Orion: Der B-Stern, der ihn beleuchtet, liegt links oben außerhalb des Gesichtsfelds.

9 von 96 neuen Offenen Sternhaufen, die VISTA fand, das große Infrarot-Teleskop der ESO: Im Rahmen von „Variables in the Via Lactea“ (1929 Stunden Beobachtungszeit für den Zentralbereich der Milchstraße) wurden sie trotz staubigen Vordergrunds aufgespürt.

Der Kugelsternhaufen NGC 6401 aus Hubbles Sicht – berühmt insofern, als er mehrfach Astronomen in die Irre führte.

Das Leo-Triplet mit dem neuen VLT Survey Telescope aufgenommen, die Galaxien NGC 3628, M 65 und M 66 im Löwen – Originalauflösung zeigt das 15513 x 12558 Pixel große Bild auch Asteroidenspuren, Vordergrundsterne und Hintergrundgalaxien.

Die ersten 16 ALMA-Teleskope stehen auf dem Gelände

des Atacama Large Millimeter/sub-millimeter Array auf dem Chajnantor-Plateau in Chile: Am 27. Juli ist die erste europäische Antennenschüssel eingetroffen. Bereits mit diesen 16 von später einmal 66 Antennen wird sich – ab Ende des Jahres – erste Wissenschaft betreiben lassen: Fast 1000 Beobachtungsanträge sind für diese „early science“ eingegangen, eine Überbuchung um etwa einen Faktor 9. Die maximale Basislinie ist derzeit nur 400 Meter, aber wenn ALMA 2013 fertig ist, wird der Abstand zwischen den Antennen bis zu 15 km betragen. (ESO Announcememt 8., Press Release, BBC 28.7.2011)

Die Prozedur für die Standortwahl des Square Kilometer Array steht: Im Februar 2012 – dem Vernehmen nach am 29.2. – wird die Entscheidung fallen, ob das noch viel größere Radiointerferometer ins südliche Afrika oder das westliche Australien kommen wird. Die Republik Südafrika und Australien rühren weiter mächtig die Werbetrommel; in Australien verweist man z.B. darauf, dass man bereits ein Datennetz von SKA-Format aufgebaut habe. (Xinhua 5., SKA Release 6., CSIRO Release 7., New Scientist 19., Discovery 24.7.2011)

„Indizien“ für flüssiges Wasser jetzt auf dem Mars

4. August 2011

Nur „circumstantial evidence“ aber keinen klaren Beweis hat die HiRISE-Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter liefern können, dass an sieben Stellen auf dem Mars auftretende und sich ständig verändernde dunkle Streifen – hier eine 3D-Ansicht eines Details aus dem Krater Newton vom 30. Mai 2011 – dort von salzigem aber flüssigem Wasser hin getragen werden, das aus dem Grundgestein quillt. Denn für die IR-Kamera CRISM, die die spektrale Signatur von Wasser nachweisen könnte, sind sie zu schmal, und so kann man einstweilen nur mit der Plausibilität von Wasser – mit Salz-reduziertem Schmelzpunkt – in den mittleren Mars-Breiten argumentieren, wo diese Streifen immer dann auftreten, wenn es besonders warm ist. Mit den berühmten und viel verbreiteteren „Gullies“, über deren feuchte oder trockene Entstehung seit einem Jahrzehnt gestritten wird, haben sie nichts zu tun. Da mit den Mitteln der Fern- wie Naherkundung einstweilen keine Klarheit über den Entstehungsmechanismus der Streifen geschaffen werden kann, sind nun Laborexperimente auf der Erde geplant, um die Situation möglichst exakt nach zu stellen, hieß es gerade auf einer Pressekonferenz, über die (und das Paper dazu) z.B. auch hier, hier, hier, hier, hier,hier, hier, hier und hier berichtet wird.

Die Reise des Marsrovers Opportunity zum Krater Endeavour als rezentrierte Diaschau, aus Aufnahmen – oft bruchstückhaft, da der Rover lieber weiter fuhr als groß herum zu knipsen – vom Sol 2553 bis 2671. Das Ziel ist nahe!

Vesta aus 3700 km Abstand am 31. Juli aufgenommen – die Auflösung erreicht bereits 700 Meter. Am 2. August hat Dawn gemäß dem Missions-Status einen Abstand von 2700 km und damit den ersten „science orbit“ erreicht, wo ab dem 11. August mit der systematischen Kartierung des Kleinplaneten begonnen werden soll.

Die ganz junge Mondsichel am 31. Juli von der ISS aus aufgenommen – der Spruch des Fotografen von „simultanen“ Sonnen- und Mond-Untergängen macht hingegen weniger Sinn …

Leichte Aktivität des Anak Krakatau am 31. Juli, aufgenommen vom Advanced Land Imager (ALI) auf dem Satelliten Earth Observing-1 (EO-1) – in den letzten Jahrzehnten dampfte es da immer wieder mal.

Nachrichten aus der Astronomie kompakt

4. August 2011

Eine neue Ring-Galaxie mit Rekord-Rotverschiebung 0.111

ist das „Auriga-Rad“, das mit dem Subaru-Teleskop als Abfallprodukt einer Milchstraßen-Durchmusterung entdeckt wurde (hier g‘- und r‘-Bilder der SUPRIME-CAM): Hier ist eine Galaxie praktisch zentral durch eine andere gesaust und hat Sternbildung in einem Ring ausgelöst. Die meisten der 127 bekannten Collisional Ring Galaxies haben spektroskopisch gemessene Rotverschiebungen von 0.002 bis 0.088, ein paar befinden sich bei photometrisch geschätzten 0.4 < z < 1.4, aber diesmal ist die Rotverschiebung auch eine spektroskopische – und der Fall ist ein besonders klarer, denn die Kollision fand erst vor etwa 50 Mio. Jahren statt. (Conn & al., Preprint 25.7.2011)

Jede Menge Wasser in einem Quasar mit z=3.91 ist mit dem Caltech Submillimeter Observatory entdeckt worden, das sechs Übergänge des Moleküls fand: das größte – 140-Billionen-mal so viel wie in den Weltmeeren – und früheste Reservoir. (Bradford & al., Preprint 18., U. CO, U. MD, Carnegie, JPL Releases 22.7.2011. Und ESO Release 13.7.2011 zur Aktivierung von AGNs ohne Mergers, allein durch Prozesse in den Galaxien)

Jede Menge Staub in der Supernova 1987A in der LMC

ist irgendwann zwischen der Sternexplosion vor knapp 25 Jahren und heute entstanden, wie nun Beobachtungen im Fern-IR (Herschel) und Sub-mm-Bereich zeigen: Mindestens eine halbe Sonnenmasse kalter Staub hat sich – mit erstaunlicher Effizienz – aus den Ejekta de Supernova gebildet. Daraus kann man auch schließen, dass der viele Staub in jungen Galaxien bei sehr hohen Rotverschiebungen allein durch Supernovae erklärt werden kann. (Lakicevic & al., Preprint, Matsuura & al., Herschel News (mehr), ESA, JPL Releases 7., Preprint 14.7.2011. Und Hakobyan & al., Preprint 15.7.2011, zu einer Abhängigkeit der Rate von Ia-Supernovae von der Morphologie und Farbe ihrer Galaxien)

PanSTARRS fand zwei ultrahelle Supernovae, die mit bolometrischen Absoluthelligkeiten von -22.5 zu den leuchtkräftigsten überhaupt gehören: Radioaktiver Zerfall reicht nicht aus, um das zu erklären. Stattdessen werden ein frisch entstandener Magnetar, der Rotationsenergie abgibt oder die Wechselwirkung mit einem dichten zirkumstellaren Wind vorgeschlagen. (Chomiuk & al., Preprint 18., astrobites 21.7.2011. Und Utrobin & Chugai, Preprint 2.8.2011, zur SN 2000cb, die eine energiereichere Variante der SN 1987A zu sein scheint)

Aufruf an alle, die können: Planeten Weißer Zwerge jagen!

Und zwar im September bei einem Pilotprogramm, für das die hellsten Weißen Zwerge mit hoher Zeitauflösung überwacht werden sollen: Wenn es da einen Planeten gibt und er vor dem Ex-Stern vorbei läuft, dann gibt es einen dramatischen Helligkeitseinbruch, der aber auch gleich wieder vorbei ist. Eine möglichst lückenlose Überwachung der Zielsterne ist also vonnöten, und Amateurastronomen sind explizit eingeladen, sich am Pro-Am White Dwarf Monitoring (PAWM) zu beteiligen, zunächst einen Monat lang. Ein Erfolg könnte dazu führen, dass für diesen Zweck spezielle Teleskope in Stellung gebracht werden. Dummerweise sind nur 168 der bekannten Weißen Zwerge heller als 14 mag. (Agol, Preprint 29.3., systemic 24.7., S&T 3.8.2011)

Komplizierte Strukturen rund um den „Kopf“ von Mira

(Omicron Ceti) bei ihrer schnellen Bewegung durch das interstellare Medium hat das PACS-Instrument von Herschel bei 70 und 160 µm gesichtet, u.a. fünf durchbrochene Bögen – und die Orientierung passt nicht nur bekannten Bewegungsrichtungs Miras (siehe ISAN 45, „Mira hinterlässt eine ultraviolette »Schleifspur«“): Offenbar liegt das eine komplexe dreidimensionale Struktur vor. (Mayer & al., A&A 531 [Juli 2011] L4)

Wasserstoff-Peroxid im interstellaren Medium ist mit dem APEX-Teleskop in der Nähe des Sterns Rho Ophiuchi nachgewiesen worden: Vermutlich spielten Staubteilchen eine Rolle bei der Bildung dieses Moleküls, das bei der Erde eine Schlüsselrolle in der Atmosphäre spielt. (MPIfR PM, ESO, Swedish Research Council Releases 6.7.2011)

Keine Vielzahl Brauner Zwerge in der Nähe der Sonne

gibt es nach einer Durchmusterung von 8200 Quadratgrad des Himmels auf der gezielten Jagd nach Zwergen der Spektralklasse T, bei der Pan-STARRS, 2MASS und WISE einbezogen waren: Nur ein neues und ein bekanntes Objekt wurden aufgespürt. Daraus lässt sich hochrechnen, dass es in den 10 Parsec rund um die Sonne kein bislang übersehenes Reservoir von T-Zwergen jenseits der Spektralklasse T8 gibt. (Liu & al., Preprint 22.7.2011)

Bilder der Planeten von HR 8799 mit einer neuen Technik zeigen immerhin 3 der 4 (siehe ISAN 125-5) im M-Band: mit 4.7 µm die längste Wellenlänge, bei der sie bisher gesichtet wurden. Damit ist auch die photometrische Basis vergrößert: Ihre Spektraltypen lassen sich nun als L, aber nahe dem L/T-Übergang, angeben. (Galicher & al., Preprint 5.7.2011)