Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

Venus in Konjunktion mit der Sonne nebst einer Coronal Mass Ejection derselben (was dank der STEREO-Satelliten inzwischen von der inneren Korona bis zur Erde verfolgt werden kann) am 17. August um 6:00 MESZ – vom 6. bis 26.8. ist deswegen auch der Funk mit dem Venus Express gestört: Man kann lediglich mit sehr geringer Datenrate nach dem Gesundheitszustand des Orbiters schauen. Derweil hat der MESSENGER seine zweite Bahnkorrektur im Orbit um den Merkur absolviert, um die Periode wieder auf exakt 12 Stunden zu bringen – und der Orbiter hat inzwischen alle denkbaren Licht- und Schatteneffekte mindestens einmal erlebt. BepiColombo dagegen steht das noch bevor: Grund für umfangreiche Tests an Modellen des ESA-Merkurorbiters.

Keine ESA-Landeübung bei der Marsmission 2016?

Um die Kosten für das Doppel-Mars-Projekt ExoMars („ExoMars-Missionen 2018 und 2016 …“) in den Griff zu bekommen, erwägt die ESA inzwischen, das Entry, Descent & Landing Module des 2016-er Orbiters weg zu lassen, mit dem eigentlich das weiche Landen auf einem anderen Planeten geübt werden sollte: 120 Euro (und 600 kg) würde das sparen – aber nur noch die Hälfte, sollte die Entscheidung erst 2012 getroffen werden. Sollte das EDL gekippt werden, müssten die marsianischen Industrieaufträge unter den ESA-Staaten neu verteilt werden, da die Landeeinheit vor allem von Frankreich und Italien geleitet wurde. Bzgl. des gemeinsamen ESA-NASA-Rovers 2018 soll derweil im September ein Konzept stehen, bei dem die ESA im Wesentlichen für das Fahrzeug und die NASA für alles rund um die Landung im MSL-Stil sorgen dürfte. (AW&ST 3.8.2011, auch zu Details der Landetechnik des MSL. Und Space.com 31.7., Discovery 2.8.2011 zu einer Idee, mit der Dragon-Kapsel auf dem Mars zu forschen)

Der LRO senkte seine Mondbahn für kurze Zeit auf nur 20 km statt der üblichen 50 km Höhe, um die Apollo-Landestellen mit noch höherer Schärfe als bisher aufnehmen zu können – morgen geht es aber wieder auf die normale Höhe zurück. Jeden Tag liefert der Lunar Reconnaissance Orbiter 400 Gigabit Daten, bisher z.B. über 371’000 hochauflösende Bilder, die bereits 20% der Mondoberfläche mit 50 cm bis 2 m pro Pixel abdecken (und man hofft auf genug Zeit, um dies auf den kompletten Mond auszudehnen). Die geringer auflösende Kamera WAC hat seine komplette Oberfläche bereits 20-mal aufgenommen. (Universe Today 10.8.2011. Und Asahi 31.7.2011 zu gleich drei Spielfilmen in Produktion über die Hayabusa-Asteroidenmission, deren letztendlicher Erfolg gegen alle Widerstände gerade jetzt Japan aufmuntern soll)

Stratosphären-Ballonflüge für zahlende Passagiere

will die spanische Firma Zero 2 Infinity (man beachte die bizarre URL) ab Mitte des Jahrzehnts mit einem sogenannten Bloon anbieten: Der bringt eine Kapsel mit 2 Piloten und 4 Passagieren bis in 36 km Höhe, wo sie bis zu 2 Stunden lang verbleiben kann, bevor es an einem steuerbaren Gleitschirm zur Erde zurück geht. 110’000 Euro pro Person soll das Vergnügen kosten, mehr als die Hälfte von einem Suborbitalflug bei Virgin Galactic, der bis in über 100 km Höhe führt. Aber Zero 2 Infinity argumentiert, dass der Blick aus dem Fenster in einem Drittel der Höhe praktisch schon derselbe sei, mit schwarzem Taghimmel und gekrümmtem Horizont – und pro Minute Erlebnis sei das mit dem Ballon dramatisch billiger. Außerdem sind die körperlichen Anforderungen an die Passagiere gegenüber einem Raketenstart deutlich geringer. Nachdem das erste Risikokapital gewonnen werden konnte, soll ein verkleinertes Modell eines Bloon noch dieses Jahr aufsteigen, gefolgt vom ersten bemannten Flug (oder sagt man bei Strato-Ballons noch „Fahrt“?) 2012, zunächst in Spanien. (Wired 12.8.2011)

Die NASA reserviert suborbitale Forschungsflüge bei 7 Anbietern mehr oder weniger luxuriöser Ausflüge in den „Near-Space“: Neben edlen Transportmitteln wie dem künftigen Touristenschiff SpaceShipTwo (schon 445 Reservierungen mit über 55 Mio.$ Vorkasse) sind auch eher bescheidene Raketenhüpfer dabei. Die zwei Jahre umfassenen Kontrakte belaufen sich auf 10 Mio.$. (NASA Release 9., Virgin Release 10., Space Today 11.8.2011)

Drei Millionen NASA-Dollar für 30 wilde Innovationen

mit – innerhalb von frühestem 10 Jahren – potenziellem Nutzen für die Raumfahrt sind ausgeschüttet worden, womit das alte Programm NIAC (NASA Innovative Advanced Concepts) von 1998-2007 wieder da ist. Die Gewinner-Ideen unter über 150 eingegangenen Anträgen, die alle jeweils 100’000$ bekommen, decken ein sehr breites Spektrum ab, von Satellitenstrukturen, die sich unter Lichteinfluss verändern über exotische Weltraumoptiken bis zu Studien über die optimale Sprengung von Asteroiden im „Armageddon“-Stil. Vielversprechende Ansätze können später auf weitere 500’000$ hoffen, sofern das Geld vorhanden ist – da wenige Mio.$ aber im NASA-Haushalt eine Marginalie sind, dürfte NIAC kein attraktives Ziel für drohende neue Kürzungswellen darstellen. (NASA Release, Parabolic Arc, Space Policy Online, Cosmic Log, 8., New Scientist, VoA, Universe Today, Space Today 9.8.2011)

Auch der zweite Mach-20-Gleiter versagte bald nach dem Abwurf von einer Minotaur, die das HTV-2b am 11. August mit 20-facher Schallgeschwindigkeit ausgesetzt hatte: Wie schon beim ersten Exemplar („Weiterer militärischer Gleitertest …“) riss bald danach der Funkkontakt ab, worauf hin automatisch der sofortige Sturz in den Pazifik eingeleitet wurde. Zwar spricht der Veranstalter DARPA von „einmaligen Daten während mehrerer Phasen“ des immerhin drei Minuten aerodynamisch kontrollierten Hyperschallflugs, aber Insider nennen das Experiment dennoch einen Fehlschlag: Obwohl Space Shuttles den Hyperschall-Gleitflug 134-mal erfolgreich absolvierten (und einmal nicht), ist er immer noch von enormen Unwägbarkeiten begleitet. Dann gibt’s eben vorerst keine Gleitbombe, die nach einem Start in den USA binnen 60 Minuten jedes Ziel auf dem Planeten treffen kann: Das war das letzte HTV-2, und eine Fortsetzung des Programms scheint ungewiss. (DARPA Releases 14., 11.8.2011; Space.com 18., CNN 15., New Scientist Blog, HobbySpace, TelePolis 12., Space News, AW&ST, Wired, Parabolic Arc, Spaceflight Now [früher], Guardian, Universe Today, Spiegel 11., Spaceflight Now, Nature Blog 10.8.2011)

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Eine Antwort to “Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

  1. NASA pleite, ESA verzweifelt: Jetzt soll Russland die 2016-er Hälfte von ExoMars retten « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] verstanden), dass sie wesentliche Komponenten des 2018-er Rovers samt Start und Landetechnik beisteuern („Keine ESA-Landeübung …“). Sollte der Deal mit Russland scheitern, bliebe der […]

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