UARS: plötzlich doch eine präzise Absturzstelle

War es das öffentliche Murren angesichts der vagen Aussagen zum Ende des Satelliten oder hat es wirklich über drei Tage gedauert, alle Daten über den finalen Orbit des Upper Atmosphere Research Satellite auszuwerten? Noch heute Nachmittag hatte die ESA dieselben unscharfen Zahlen verbreitet, die die NASA vor 3 Tagen genannt hatte (nicht ohne via Twitter immerhin auf diese Webseite zur schlechten Lage Europas in Sachen Weltraumüberwachung zu verweisen), aber am Abend versah die NASA urplötzlich die UARS-Homepage mit einem „Final Update“. Danach stürzte der Satellit um Punkt 6:00 MESZ am 24. September ab (nunmehr ganz ohne eine Angabe von Fehlergrenzen; laut anderen Informationen lauten sie ±1 Minute), bei 14.1°S und 170.2°W in der generellen Nachbarschaft der Weihnachtsinsel – keinerlei Chance also, dass irgendwelche Trümmer das nordamerikanische oder auch sonst irgendein Festland erreicht haben könnten.

Der neuen Zeit – erst falsch als 6:01 MESZ angegeben, dann nochmal korrigiert – und Koordinaten sei man sich „sehr, sehr sicher,“ verkündet dazu der NASA-Chefwissenschaftler für Raumschrott Nick Johnson in einem kurzen Video – und woher weiß man das so plötzlich, wo der Fehlerbereich doch eben noch mindestens ±20 Minuten betrug? „Eine große Anzahl von Datenpunkten“ sei in die neue Analyse eingeflossen, gibt sich Johnson geheimnisvoll – aber man muss nicht lange grübeln, was die Quelle ist: offensichtlich einer oder mehrere jener Frühwarnsatelliten, die mit Infrarotaugen auf Raketenstarts feindlich gesonnener Länder warten und über deren Details das US-Militär am liebsten schweigt. Dass es nur ein solcher – oder ein anderer militärischer erdbeobachtender – Satellit gewesen sein kann, dem wir die exakten Crash-Koordinaten des UARS verdanken, ergibt sich auch aus Johnsons Aussage, dass weder von Flugzeugen noch Schiffen noch kleinen Pazifikinseln aus irgendeine visuelle Beobachtung des Reentrys eingegangen ist.

Erste Berichte zum neuen Stand – und ohne Hinterfragung der Ursachen für den plötzlichen Genauigkeitssprung – hier, hier und hier, hier und hier, ältere Berichte hier, hier und hier (sowie eine Tonaufzeichnung der zu Grunde liegenden NASA-Telecon vom 24. September), weitere Stories über einen kanadischen UARS-Hoax hier, hier und hier (man wird nichts gegen den Verursacher unternehmen), eine frühere unabhängige Analyse des Falls (nun Makulatur) und Gedanken zur Raumschrott-Beseitigung per Sonnensegel. (Einige sind übrigens auf dieses angebliche UARS-Video hereingefallen, das natürlich dasjenige des ATV-1-Reentrys aus einem Flugzeug war.) Nun geht der Blick schon nach vorn zum Wiedereintritt des ROSAT – eine extra scharfe Amateur-Aufnahme vom Juni – voraussichtlich im Oktober oder November: Die Bahn verfällt mit 1 km/Tag. Bemerkenswert auch lange Tabellen abgestürzter Satelliten – da werden Erinnerungen an den nuklear bestückten Kosmos 1402 wach, der 1983 unkontrolliert zurück kam, unter großer Anteilnahme auch deutscher Medien.

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Eine Antwort to “UARS: plötzlich doch eine präzise Absturzstelle”

  1. ROSAT kommt! DLR: 21.-25. Zimmer: 24.±1 Tag « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] überstehen sollte als letzten Monat vom UARS (siehe ISAN 146-6). Der endete schließlich mitten im Pazifik und folgte damit der statistschen Erwartung, aber noch kann der ROSAT jeden Punkt zwischen 53°N […]

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