Delhis alte Sternwarte: noch für Messungen gut

Es ist einer der faszinierendsten Orte auf diesem Planeten für Freunde der Astronomiegeschichte: fast genau im Zentrum der 11-Millionen-Metropole Delhi gelegen, in leidlich gutem Erhaltungszustand und größtenteils zugänglich und aus nächster Nähe zu inspizieren. Von den fünf riesigen Fernrohr- und sogar Metall-freien Sternwarten, die der Maharaja Jai Singh II. zwischen 1724 und 1734 errichten ließ, ist zwar das Exemplar in Jaipur am größten und bekanntesten – aber dessen Instrumente sind vor den Besuchern abgesperrt. Das als erstes gebaute Jantar Mantar in Delhi jedoch kann – nach Entrichten einer Eintrittsgebühr von derzeit Rp. 100 = EUR 1.40 für Ausländer oder Rp. 5 = EUR 0.08 für Einheimische – fast nach Belieben ‚benutzt‘ werden, wie es dieser Blogger im Rahmen der Reise zur SoFi-Tagung mehrere Stunden lang getan hat (Panoramen [NACHTRÄGE: es geht noch krasser – und mehr normale Fotos] & Details oben); eine an der Kasse verkaufte Broschüre für Rp. 25 erwies sich dabei als recht guter Führer. Jai Singh misstraute nicht nur dem damals im Westen schon ein Jahrhundert etablierten Teleskop sondern auch den klassischen Winkelmessinstrumenten aus Messing: Stattdessen setzte er auf präzise konstruierte Monumentalbauten, um die gewünschte Messgenauigkeit zu erreichen.

Dass dies gelungen ist, haben in den letzten Jahren umfassende Forschungen und Experimente durch Mitarbeiter des Nehru-Planetariums in Delhi unter Leitung von dessen energischer Direktorin Rathnasree Nandivada (unten) gezeigt: So kann man – wie ein regelrechter Blindtest mit Studenten bewiesen hat – mit dem zentralen Instrument, der Riesensonnenuhr Samrat Yantra, die Zeit auf etwa eine Sekunde genau ablesen. Leider fehlen dort wie auch bei den meisten anderen Instrumenten inzwischen die Skalen, nur im Ram Yantra sind noch allerlei Messmarken erkennbar (s.a. oben die Aufnahme aus dem Planetarium, wo ein Horizontal-Koordinatensystem über ein Fulldome-Mosaik gelegt wurde) – und hier finden sogar wieder konkrete öffentliche Beobachtungen statt. Seit Jahrzehnten wird über eine Restauration der gesamten Anlage diskutiert, wie z.B. einem Paper von 1993 und Artikeln von 2000 (noch einer), 2007 und 2010 (noch einer) zu entnehmen ist. Gerade wird darüber gestritten, ob man die verlorenen Skalen durch besonders haltbare aus Marmor ersetzen sollte: Dagegen spricht, dass sich Schatten auf dem durchscheinenden Material weniger scharf als auf der vermutlich in der Vergangenheit verwendeten weißen Farbe abzeichnen. Zeitpläne für eine tatsächliche Wiederherstellung der faszinierenden astronomischen Instrumente, die architektonisch unerwartet modern wirken, waren einstweilen nicht in Erfahrung zu bringen …

Schlagwörter: , , , ,

Eine Antwort to “Delhis alte Sternwarte: noch für Messungen gut”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 10. März 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Events am Griffith Obs. zu Ehren von John Dobson – und eine Astrofoto-Ausstellung in Delhi am Jantar Mantar. [1:40 […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: