Schrödingers Heiner? Quantenkrimi „Reality XL“

Hat dieser Blogger etwa ein neues Naturgesetz entdeckt? Je geringer das Budget eines Science-Fictions-Films, desto origineller die Umsetzung der Idee – und desto mehr wird der Zuschauer zu echtem Nachdenken angeregt. So war es zuletzt bei „Another Earth“ (USD 200’000) – und so ist es erst recht beim deutschen Indie-Mystery-Thriller „Reality XL“ (EUR 90’000), der seit dem 12. Januar mit nur rund 20 Kopien vergeblich nach Kino-Zuschauern sucht. Was ausgesprochen schade ist, denn auf diesem Niveau und mit einem so originellen Ansatz wurden in einem Spielfilm wohl noch nie grundlegende Fragen der Realität im Spiegel (nicht nur) der modernen Physik erörtert. Die Ausgangssituation sei gerade noch allen verraten: Ein Physiker des LHC wird verhört, weil er als einziger dessen Kontrollraum wieder verließ, den er doch zusammen mit 23 Kollegen betreten hatte. Wer den Film – der bald auf DVD erscheint – doch noch sehen will, sollte gar nicht mehr wissen (und keinesfalls das detaillierte Plot-Summary auf der Wikipedia-Seite lesen, was auch dieser Blogger zum Glück vermied), denn die kafkaeske Handlung – nur vier Personen und ein Schauplatz im Wesentlichen, kurioserweise der Fuß einer der Antennen der ehemaligen Erdfunkstelle Raisting – nimmt immer wieder neue Wendungen.

SPOILER AB HIER! So ist der – von Heiner Lauterbach ebenso brilliant wie unter Rückstellung seiner Gage gespielte – Physiker aufgrund von (leider nicht näher ausgeführten) Messungen bei LHC-Kollisionen zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich gar keine Materie gäbe und alles nur existiere, weil es sich jemand vorstelle und darob die Wellenfunktion kollabiere. In diesem Falle sorge halt er für die Entstehung der Realität – und weil seine Kollegen ihm da nicht folgen wollten, habe er sie kurzerhand ’nichtexistent‘ gemacht. Und als nächster ist dann wohl der nervende Staatsanwalt dran … oder ist etwa alles ganz anders? ENDE DER SPOILER! Wenn Sie nun glauben, das sei Lauterbachs erster Ausflug in die Science-Fiction gewesen, dann liegen Sie falsch: Der bekennende Weltraumfan spielte 1985 in der Fernsehproduktion „Das Gespinst“ einen Astronomen, und gedreht wurde damals u.a. im Radioteleskop Effelsberg. Den LHC selbst gibt es diesmal hingegen nie im Bild zu sehen, und bis auf einen einsamen Tweet scheint sich CERN auch nicht um den Film geschert zu haben; bei „Angels & Demons“ war das noch ganz anders gewesen. Wenn Sie den Beschleuniger auf der Leinwand sehen wollen, müssen Sie wohl in einen anderen aktuellen Film gehen, The Muppets nämlich – siehe 0:18-0:26 mit dem ATLAS-Detektor als Backdrop …

Schlagwörter: , , , ,

2 Antworten to “Schrödingers Heiner? Quantenkrimi „Reality XL“”

  1. quantenlog Says:

    Klingt lustig. Danke für den Hinweis!

  2. Daniels Dies & Das | Für “Coherence” bis nach Krefeld: eine Perle des SF-Kinos Says:

    […] Meisterwerke wie Another Earth (mit dem es gewisse Parallelen, no pun intendedm geben mag) und Reality XL bewiesen hatten! Zu dumm nur, dass es dieses cineastische Glanzstück – mehr Infos hier, […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: