Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

Dritter erfolgreicher Satellitenstart im Iran

Eine Safir 1 hat am Morgen des 3. Februar den 50-kg Satelliten Navid-e Elm-o Sanat – „Gute Nachrichten aus Wissenschaft und Industrie“ – in eine niedrige Erdumlaufbahn (nach iranischen Angaben 250 bis 370 km und 55° Neigung) gebracht, aus der er 18 Monate lang Erdaufnahmen (unbekannter Schärfe) liefern soll; auch andere Aufgaben meteorologischer Art werden zuweilen genannt. Der dritte Orbitalerfolg nach 2009 und 2011 („Zweiter iranischer …“): Die Rakete ist die Weltraum-Variante der ballistischen Shahab 3. (Press TV Video, Payvand News, Fars News Agency, SpacePorts, Spaceflight Now, Discovery, Russia Today 3., Press TV, Space Policy Online, Space Today 4.2.2012)

Der erste Start der Vega ist jetzt für den 13. Februar geplant; die Startkampagne in Kourou („Die erste Vega-Rakete …“) für die neue europäische Kleinrakete läuft bereits seit letztem November. Bis zum 14.2. muss der Start gelungen sein, sonst verschiebt er sich um einen weiteren Monat: Die Startvorbereitungen für das nächste ATV haben dann Vorrang. An Bord bei der Vega-Premiere („VV01“) gleich 9(!) Satelliten: LARES (Laserreflektor für Relativitäts-Studien), ALMASat-1 und 7 CubeSats. Die Rakete ergänzt im europäischen Arsenal die starke Ariane 5 und die mittelstarke Soyuz (s.u.) nach unten: Je nach Bahn kann sie 300 bis 2500 kg Nutzlast tragen, etwa 1.5 t auf eine 700-km-Bahn. 2014 soll z.B. eine Vega den Reentry-Demonstrater IXV („Die ESA will …“) in 450 km Höhe absetzen. (ESA Release, Space News 3.2., ESA Release 27., DLF 26., ESA Releases 19.1.2012, 16., 15.12.2011)

Soyuz-Kapsel bei Test zerstört – ISS-Zeitplan rutscht

Bei einem Bodentest ist die Abstiegskapsel von Soyuz TMA-04M zu hohem Druck ausgesetzt und so stark beschädigt worden, dass das Raumschiff nicht mehr verwendet werden kann. In der Folge verschiebt sich der nächste Crew-Start zur ISS um sechs Wochen vom 30. März auf den 15. Mai. (Russian Space Web; Space Policy Online 29.1., CBS 2., Space Today 3.2.2012)

Die erste Dragon zur ISS startet erst im April, nachdem Sorgen über die krtitische Software für das Rendezvous mit der Raumstation aufgetaucht waren. Dass die Kapsel von Space X überhaupt die ISS anfliegen darf, wo sie dann mit deren Robotarm eingefangen werden soll, hatte die NASA erst am 9. Dezember bestätigt; damals war noch der 7. Februar als Starttermin vorgesehen. Wenn’s dann so weit ist, wird etwa 3 Tage nach dem Start angedockt, die – nicht kritische – Nutzlast ausgeladen und nach ein paar Wochen wieder abgedockt; die Kapsel landet dann am Fallschirm wie schon beim ersten Testflug. (Musk-Tweet 4., Spaceflight Now 3.2., 20.1.2012, NASA Release 9.12.2011. Auch Space News 18.1.2012 zum Ausscheiden des Astronauten Ken Bowersox bei Space X, LMU Magzine 11.11.2011 mit einem Interview mit einem Space-X-Mann und Air & Space Januar 2012 mit einem umfangreichen Portrait des ungewöhnlichen Raumfahrtunternehmens)

Neuer Fehlschlag, neue Erfolge für die Soyuz-Rakete

Am 23. Dezember 2011 versagte abermals eine Soyuz (Modell 2.1b) bei einem Satellitenstart in Plesetsk: Verloren ging der militärische Kommunikationssatellit Meridian 5, und Trümmer fielen auf bewohntes Gebiet in Sibirien – u.a. wurde ein Hausdach beschädigt. Wieder einmal versagte die 3. Stufe. Nur 5 Tage später lieferte zwar eine Soyuz-Fregat von Baikonur aus sechs Globalstar-Satelliten auf perfekten Bahnen ab, aber der Ärger in der russischen Politik war gewaltig: Eine grundsätzliche Untersuchung der sich häufenden Qualitätsprobleme wurde eingeleitet und die Bestrafung Verantwortlicher angedroht … (Forbes, Space.com 1.12., Space Today 29., Spaceflight Now, BBC 28., Novosti 27., Reuters 26., Spiegel 24., Novosti, NASA Spaceflight, Spaceflight Now, BBC, Space Today, Spiegel 23.12.2011)

Auch der zweite Soyuz-Start in Französisch-Guyana war am 17. Dezember ein voller Erfolg: an Bord diesmal sechs Satelliten, die Astrium für Frankreich und Chile gebaut hatte. Am interessantesten wohl der französische Dual-Use-Erdbeobachter Pleiades 1, der schon nach wenigen Tagen ein patriotisches Bild des Place de la Concorde in Paris lieferte. Die 4 ebenfalls französischen ELISA-Satelliten sollen Radaremissionen von der Erde überwachen, und Chiles SSOT ist wiederum ein dualer Erdbeobachtungssatellit. (Spaceflight Now, Space Today 17., Space.com 19., BBC 22.12.2011)

Auch die letzten 8 Galileo-Satelliten bei OHB bestellt

hat die Europäische Komission, die dem deutschen Unternehmen schon den Auftrag für 14 Satelliten („Fortschritte …“) erteilt hatte – insgesamt sind damit 26 der Navigationssatelliten geordert. Die Tests mit den ersten Galileos im Orbit gehen derweil voran: Per Laser wurden die Bahnen genau vermessen und ihre Navitationssignale empfangen. (Space Today 4., ESA, SSTL Releases, Spaceflight Now 2., Space News 1.2.2012, Helmholtz Release 23., ESA Releases 15., 14.12.2011)

Das chinesische Beidou-NavSat-System ist eingeschaltet worden, aber es ist nicht recht klar, wieviele der bisher 10 gestarteten Satelliten zum Stichtag 27.12.2011 überhaupt sinnvolle Navigationssignale abstrahlten. Bis 2020 sollen es jedenfalls 37 Satelliten sein, die die ganze Welt abdecken: ein echter Konkurrent für GPS und Galileo, nicht so präzise, dafür aber mit einem Messaging-Service gekoppelt, den die anderen beiden Systeme nicht haben. (South China Morning Post, Space Today 28., GPS World 27.12.2011)

Das NanoSail D ist bereits am 17. September verglüht

Aber bekannt gegeben hat dies die NASA erst am 29. November 2011 – und damit Amateurastronomen, die ja explizit zum Beobachten aufgerufen waren, mehr als zwei Monate vergeblich an den Himmel starren lassen! Auch sonst war und ist die Berichterstattung über das originelle Experiment („Das NanoSail D …“) – wie schnell sinkt ein Segel in der Erdatmosphäre? – äußerst dürftig, was mit der Kopplung des Minisatelliten an einen militärischen Satellitenstart zusammen hängen dürfte. Immerhin sollen Anfang 2012 die Gewinner des NanoSail-Fotowettbewerbs bekannt gegeben werden: Vielleicht wird man bei diesem Anlass mehr über die eigentliche Fragestellung des Experiments erfahren, nämlich die räumliche Lage, die der Segler einnahm. Und was man dabei über den möglichen Einsatz solcher Segel zum gezielten Deorbiting von Satelliten gelernt hat – dieses jedenfalls blieb mit gut 240 Tagen viel länger im Orbit als erwartet, auch wenn es am Ende wegen erhöhter Sonnenaktivität um so schneller abwärts ging. (Boston Globe 28., NASA Release 29.11., Huntsville Times Blog 5.12.2011)

Die Rettung des teuren Satelliten AEHF 1 ist geglückt, der sich allein mit seinem Ionenantrieb („Der US-Satellit …“) auf die geostationäre Bahn hieven musste, nachdem die Liquid Apogee Engine wegen eines Stück Stoffs(!) in einer Treibstoffleitung versagt hatte. 14 Monate und 500 einzelne Manöver waren nötig, aber nun in der 1 Mrd.$ teure militärische Nachrichtensatellit am Platz – und sollte die vorgesehenen 14 Betriebsjahre schaffen. (Spaceflight Now 3.1.2012)

Und noch kurz gemeldet

Ex-Astronaut John Grunsfeld ist jetzt Wissenschafts-Chef der NASA, in der Nachfolge von Ed Weiler: Als gleichzeitig professioneller Astronom (mit Dutzenden von Veröffentlichungen) und Astronaut, der mehrfach an Hubble Hand anlegte, möchte er eine Brücke zwischen Wissenschaft und bemannter Raumfahrt schlagen. Und muss die Sorgen der Planetenforscher und Erdbeobachter zerstreuen, dass er sie womöglich vernachlässigen würde. (Nature News 21.11., NASA Release, Space, Nature News, Spaceflight Now, Baltimore City Paper 19., Sky & Tel., Space Today 20.12.2011)

Die meisten Weltraumstarts seit 14 Jahren gab es 2011 mit 84, davon 4 in den interplanetaren Raum – allerdings hatte es auch die Zahl der Fehlstarts von 6 lange nicht mehr gegeben. Und China steht mit 19 Starts erstmals auf Platz 2. (Orion 2.1.2012, Space.com 2.12.2011. Und Space News, New York Times 29., Xinhua 30.12.2011 zu einem neuen chinesischen 5-Jahres-Plan)

Das ESA-Budget 2012 ist praktisch dasselbe wie 2011, nämlich 4 Mrd. Euro – und größter Zahler ist mit 750.5 Mio. Euro erstmals Deutschland. Die Finanzprobleme mancher kleinen Mitglieder wie Griechenland oder Portugal fallen nicht ins Gewicht, da es den ‚großen‘ gut genug geht. (Space News 11.1.2012. Und Space News 12.1.2012 zur unklaren Zukunft der Sentinel-Satelliten)

Gute Fortschritte bei der 3D-Erdkartierung mit TanDEM-X und TerraSAR-X nach einem Jahr koordinierter Radarmessungen: Der ganze Globus ist bereits mindestens einmal erfasst worden, aber bestimmte schwierige Geländeformen wie schroffe Gebirge erfordern weitere Beobachtungen. Das Gesamt-DTM, das dasjenige der SRTM weit in den Schatten stellen soll, dürfte erst 2014 vorliegen. (BBC 18.1.2012. Und LiveScience 15.11.2011 zu mysteriösen Landmarken in China, die offenbar der Kalibration von Aufklärungssatelliten dienen)

Satellitenstarts mit einer Falcon 9 von einem riesigen Flugzeug aus verspricht das gemeinsame Projekt „Stratolaunch“ von Space X und Scaled Composites, das bereits mit dem Bau eines Hangars in New Mexico begonnen hat. Allerdings stellt sich die Frage, ob es für diesen Startservice – der ab 2015 oder 2016 erste Tests erleben soll – überhaupt einen ausreichenden Markt geben wird. (Spaceflight Now 13., Space Today 14., New Space Journal 15., KosmoLogs 22.12.2011, Popular Mechanics 20.1.2012)

Das SpaceShipTwo könnte Ende des Jahres erstmals den Weltraum erreichen, heißt es jetzt – auf jeden Fall stehen 2012 entscheidende Testflüge mit dem Suborbitalschiff für Touristen an. (Space.com 3.2., Cosmic Log 20.1.2012, Rhein-Zeitung 23.12., Parabolic Arc 17., Reuters 16., Space.com 15., Allianz PR 14.11.2011. Auch FlightGlobal, HobbySpace 11.1.2012 zu bevorstehenden Lynx-Tests und Blue Origin Videos von einem Short Hop)

Die Rakete Taurus II heißt jetzt „Antares“ – damit dieser Träger der Cygnus-Kapsel zur ISS nicht mehr an die Unglücksrakete Taurus XL desselben Herstellers erinnert, die zweimal nacheinander versagte. (Space Today 13.12.2011. Und Current Science 25.1.2012 zur Bergung von Trümmern einer 2006 verunglückten indischen GSLV-Rakete aus flachem Wasser in der Bay of Bengal)

Ein Computervirus bei der JAXA hatte sich in einen Rechner geschlichen, der mit dem HTV-Transporter zur ISS zu tun hatte – es ist aber nicht klar, ob Schaden angerichtet oder brisante Daten geklaut wurden. (JAXA Release, Space.com 13.1.2012. Und All Things Nuclear 1.12., Reuters 16.11.2011 zur Absurdität der Behauptung, China hätte sich in zivile Erdbeobachtungs-Satelliten gehackt)

Der zweite X-37B-Mysterien-Shuttle ist immer noch im Orbit, wo er aber weniger Manöver als das erste Exemplar durchführte: Beobachter gehen davon aus, dass es den geheimnistuerischen Militärs jetzt um einen Langzeittest geht – und aus der Bahnneigung schließen manche, dass die an Bord vermuteten Systeme für künftige Aufklärungssatelliten vornehmlich an Afghanistan und dem Nahen Osten ausprobiert werden. (Space.com 20., Space Daily 7., IEEE 6.1.2012, Discovery, Space Today, Science Journalism Tracker 30., Spaceflight Now, LA Times Blog, Space.com 29.11.2011)

Warum schweigt die DARPA über die Vergabe des 100-Year-Starship-„Auftrags“? Dass die restlichen 500’000 Dollar aus der kuriosen Studie („Das Symposium …“) an ein Konsortium unter Leitung der Jemison Foundation gegangen sind, ist inzwischen hinreichend oft geleakt worden – aber Mitgewinner Icarus ließ einen Jubel-Tweet (hier re-tweetet) rasch wieder verschwinden, und die DARPA hat bislang keinerlei Statement abgegeben. Sehr merkwürdig … (Cosmic Log, Slashdot 7., Centauri Dreams 6., BBC 5.1.2012, Icarus Newsletter 9.12.2011)

2 Antworten to “Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

  1. Premiere der Vega-Rakete ein kompletter Erfolg! « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Beginn des Startfensters heute um 11:00 MEZ hob der erste neue europäische Träger in Jahrzehnten in Französisch-Guyana (“Der erste Start …”) ab, dank seiner ersten Feststoff-Stufe besonders rasant. […]

  2. 20 Kilometer hoher Dust Devil auf dem Mars « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Pazifik-Atoll Bora Bora, aufgenommen von Pléiades 1A, dem neuesten Erdbeobachtungssatelliten (“Auch der zweite …”) der französischen Weltraumbehörde […]

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