Wie die Venus als Raute ins Fernsehen kam …

Es war am Montag, dem 23. April, gewesen, als das WDR-Fernsehen und das Planetarium Bochum parallel eine E-Mail mit der detaillierten Schilderung einer UFO-Sichtung aus Wuppertal-Vohwinkel erhielten: Um 23:50 Uhr am Sonntag war da „ein heller, größerer Stern“ im Nordwesten gesichtet worden, „einen ‚Tick‘ zu groß“ für den Abendstern. Und vor allem nahm er beim Heranzoomen mit einer Videokamera eine erstaunliche Form an, eine Art schattierte Raute; zwei Einzelbilder hingen der Mail an. Aus diesen und den Umständen der Beobachtung war diesem hinzu gezogenen Blogger sofort klar, dass dies sehr wohl die Venus war (in diesen Wochen in der Tat extrem hell und auffällig) und die verrückte Form ein klassisches Optik-Artefakt. „Bei Ihren Aufnahmen schlagen vor allem Phänomene zu, die im Fachjargon als Unschärfekreis und Bokeh bezeichnet und auf Webseiten wie http://digicam-experts.de/wissen/17 und http://de.wikipedia.org/wiki/Bokeh anschaulich beschrieben sind,“ teilten wir vom Planetarium dem Beobachter am Dienstag mit: „Was Sie aufgenommen haben, ist letztlich die Form der Blende Ihres Kameraobjektivs, die über nur vier Lamellen zu verfügen scheint und daher ein schlechtes Bokeh aufweist. Mit der wahren Gestalt der Venus (die z.Z. wie eine winzige Mondsichel aussieht) haben die Bilder nichts zu tun.“ Eine Kopie an den WDR unterblieb, in der festen Erwartung, dass man dort der Sache sicher nicht weiter nach gehen würde.

Aber weit gefehlt: Am heutigen Freitag kam die Story richtig ‚gross raus‘, sowohl in der Aktuellen Stunde (3 Minuten: 18:32-21:27; auch ein Text und Bilder dazu) wie auch in der Regionalzeit Bergisches Land – und letzterer 4-Minuten-Beitrag wurde zudem in die Mediathek der ARD aufgenommen! Beide Beiträge zeigen den Beobachter zuhause mit seinem Video, zunächst noch ganz geheimnisvoll – die Aufklärung des Phänomens liefert dann in der Aktuellen Stunde der technische Leiter des Planetariums Bochum (der über den Zusammenhang des Interviews über die besondere Helligkeit der Venus am Freitag mit der UFO-Geschichte gar nicht informiert worden war), während es in der Lokalzeit der Leiter der Sternwarte Solingen ist. Dass die detaillierte Aufklärung des Video-Mysteriums durch noch jemand anderen erfolgt war, erfuhr der Zuschauer in keinem Fall. [NACHTRAG: Der Wuppertaler hatte unsere Mail da auch noch nicht gelesen, sagt er.] Aber immerhin wird er – auch wenn ihm die Details der Entstehung der „Video-Venus“ nicht erklärt wurden – die Message mitgenommen haben, dass die Venus derzeit besonders hell am Abendhimmel strahlt. Und daher leicht missverstanden werden kann, was (etwa der Trigger der aufwändigen WDR-Aktivitäten?) just am Freitagmittag Gegenstand einer kleinen DPA-Meldung aus dem Hause CENAP gewesen war! Und um bei dieser Gelegenheit gleich noch mit einem aktuellen Venus-Mythos auf zu räumen: Entgegen vielen Medienstories ist der Planet vor der Maschine keineswegs eindeutiger Verursacher eines wilden Flugmanövers im Januar 2011 gewesen, wie man dem Original-Untersuchungsbericht entnehmen kann …

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