Live-Blog von der ersten Tagung der Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien in Wolfsburg

Noch eine Demonstration moderner Planetariumstechnik in einer eigens installierten 4-m-Kuppel: ein Projektor der definiti-Familie (im Wesentlichen ein 4-K-Kinoprojektor mit Fischauge und 2400 Pixeln entlang des Meridians Auflösung), gefüttert von DigitalSky 2, das neben dem ‚Üblichen‘ auch viele Kuriosa bietet wie oben den Sonnenwind. [23:55 MESZ am 7. Mai – ENDE]

ESO und ESA fördern wieder große Planetariums-Shows

Wie schon zum IYA (ko-)finanzieren die Europäische Südsternwarte und Weltraumbehörde zwei aufwändige Fulldome-Shows, die in vielen Ländern und Sprachen gezeigt werden sollen: H20, notre histoire, die noch dieses Jahr Premiere feiern soll, und eine Show über die Milchstraße aus Anlass des Start der Astrometrie-Mission Gaia Ende 2013. Für die ESO-H20-Show wurde eigenes eine „panoptische“ Kamera entwickelt, die einem Insektenauge ähnlich die Halbsphäre mit dutzenden kleinen Kameras gleichzeitig aufnimmt: Sie wird in Kürze in Lausanne getestet und dann zur ESO nach Chile geschafft. Dass man auch schon mit „normalen“ Kameras und – guten und v.a. randscharfen – Fischaugen-Objektiven ziemlich gute Fulldome-Zeitrafferfilme des Himmels machen kann, demonstrierte in Wolfsburg Bernd Pröschold: Mit 6400 ISO und f/4 kommt man schon ziemlich tief, und es rauscht nur ein bisschen. Er brachte allerdings auch einen noch schärferen Clip eines ESO-Fotografen mit, der mit einer geheimnisvollen Spezialkamera (für € 30’000 …) noch knackigere Nachtvideos über dem VLT zustande bringt. [23:40 MESZ]

Eine 15-Meter-Kuppel mit einem einzigen Projektor ausgeleuchtet: Demonstration des Digitarium Kappa in der Wolfsburger Planetariums-Kuppel (Mitte: aus einem Fulldome-Video, oben ein vom Fachpublikum verlangtes Testbild). Die Abbildungsschärfe und Brillianz überzeugten, die Auflösung war gerade noch akzeptabel – und der Preis von 61’000 Euro dürfte für ein vergleichbares System kaum zu unterbieten sein. [17:50 MESZ am 6. Mai]

Fulldome-Content für Planetarien sprießt in alle Richtungen

Man kann über das Befüllen der Planetariumskuppel mit bunten Bildern denken was man will (siehe unten), aber die Technik hat inzwischen fast überall die klassischen Scharen von Diaprojektoren abgelöst, die jahrzehntelang die optomechanischen Planetariumsprojektoren ergänzten. Nun muss „Content“ her, und davon waren heute den ganzen Tag auf der Wolfsburger Kuppel vielfältige Kostproben zu sehen. Ein Weg sind immer ausgeklügelte Simulationen des realen Universums, die ich Echtzeit gerendert werden und für Liveshows wie für die Eigenproduktion kompletter Shows geeignet sind. R.S.A. Cosmos aus Frankreich überzeugte hier mit dem Sky Explorer V3, der u.a. einen Flug in die Saturnringe hinein erlaubt – die sich dann in eine Million detailliert dargestellte Brocken auflösen. Mit Riesenaufwand hergestellte Komplettshows stellten Softmachine und das Planetarium der Cal Academy („Life: A Cosmic Story“) vor – aber auch „Selbstgemachtes“ kann sich sehen lassen. Etwa die Kindershows des Bochumer Planetariums, Chaos and Order – und „Ferne Welten – fremdes Leben?“ Dieses ungewöhnliche Programm über Leben auf Exoplaneten stemmen derzeit 6 deutsche Planetarien gemeinsam, und was an Vorschau-Clips schon zu sehen war, kann sich ohne weiteres mit „amerikanischen“ Fulldome-Shows messen. Solche Gemeinschaftsprojekte dürften in den kommenden Jahren in der Planetariumsszene immer größeres Gewicht bekommen. [17:45 MESZ]

Planetariums-Philosophien im (sanften) Widerstreit

Als „Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Planetarien“ (AdP) gab es diese Mischung aus Fachtagung und Messe schon lange, aber nun existiert die frisch gegründete Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien, weshalb die Zählung der Tagungen wieder mit eins beginnt: Gerade hat sie in Wolfsburg im Alvar Aalto Zentrum und Planetarium begonnen. Und schon waren bei der ersten Session in der der Kuppel des letzteren die unterschiedlichen Ansätze modernen Planetariumswesens zu spüren: Während die japanische GOTO Inc. mit fulminanten Trailern ihrer Programme A Starry Tale (Astro-Mythen im raumgreifenden 3D-Anime-Stil; siehe Trailer) und Hayabusa dank der neuen VELVET-Projektoren Wolfsburgs (auch ISAN 106-11) die Planetariumskuppel zum Glühen brachte, setzte der Platzhirsch Zeiss auf klassische Visualisierung von Himmelsmechanik. Live vorgeführt und in behutsamer Kombination der nadelscharfen Sterne des optomechanischen Starmaster-Projektors (scherzhaft-sehnsüchtig als System mit „5 Gigapixeln“ bezeichnet) und Linienprojektion aus den VELVETs zur Verdeutlichung von Bewegungen. Aus diesem Kontrast ergab sich dann auch die erste echte Diskussion auf der Tagung, als der Zeiss-Planetariums-Chef das Mikrofon ergriff und sich vehement für diese Nutzung der modernen Technik und gegen kinoartiges Abspielen von fertigen Fulldome-„Filmen“ aussprach. Ja, wenn man denn genügend qualifiziertes Personal hätte, das live bestehen kann, war da aus den Reihen der Planetariumsbetreiber zu hören – die offenbar zudem ganz unterschiedliche Erfahrungen mit dem Zuspruch des Publikums gemacht haben. In einem Tiroler Planetarium z.B. sei man nach anfänglichem Fulldome-Farben-Rausch nach einigen Jahren wieder zu klassischeren Formaten zurück gekehrt, aber anderswo laufen die großen fertigen Produktionen viel besser als der alte Stil … [17:30 MESZ am 5. Mai]

Advertisements

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: