Archive for Juli 2012

Die schärfsten EUV-Bilder der Sonnenkorona

21. Juli 2012

sind am 11. Juli während des 10-minütigen Fluges einer Suborbitalrakete über New Mexico entstanden: oben ein Beispiel, mit rund 220 km Auflösung, darunter ein anders eingefärbter Vergleich mit einer Zeit- und Wellenlängen-gleichen Aufnahme des AIA auf dem Solar Dynamics Observatory (mit 1100 km Auflösung), und unten die Rakete bei Start und Bergung. Dem High Resolution Coronal Imager (Hi-C) gelangen 165 Bilder in 620 Sekunden, eins alle 5 Sekunden und mit im Original 16 Megapixeln: Dabei wurde die ganze Zeit dieselbe Aktivitätsregion – die berühmte AR (1)1520 – in derselben Wellenlänge von 19 nm beobachtet. AIA schafft zwar nicht diese Schärfe, die dank einiger Innovationen gelang (Hi-C ist nicht größer, hat aber u.a. einen besonders guten Hauptspiegel), macht dafür aber ohne Pause Bilder der ganzen Sonne in 10 verschiedenen Wellenlängen.

Weitere größere Artikel

20. Juli 2012

Exotischer Airglow über ganz Deutschland beobachtet, anstatt eines Polarlichts.

5. Mond von Pluto entdeckt – weitere könnten folgen.

Amateure sollen Jupitermond-Atmosphären nachweisen, durch Verfinsterungen anderer Monde.

Kleinere Artikel

Heute vor 30 Jahren: meine erste SoFi-Expedition … mit der VSB auf den Rodderberg.

Amateure entdecken Kometen, der der Erde nahe kommen kann, denn P/2012 NJ (La Sagra) ist zugleich ein NEO.

In Köln bald “das größte, öffentlich zugängliche Fernrohr von NRW” mit 60 cm Öffnung.

Staubscheibe um jungen Stern urplötzlich verschwunden – und Astrophysiker ratlos.

Das wäre die Jupiter-Bedeckung durch den Mond gewesen … in Bildern & Videos der ersten Stunde danach.

»Baugerüst« aus Dunkler Materie nachgewiesen in Form einer ‚Stange‘ zwischen Galaxienhaufen, die messbares weak lensing verursacht.

Statt Jupiterbedeckung: Trostpreise gibt’s genug … in Gestalt von irrem Abendrot.

Polarlicht-Action in Neuseeland & Nordamerika

16. Juli 2012

nach dem Eintreffen der CME vom X-Flare: hier ein Video vom Lake Tekapo auf der Südinsel Neuseelands (wo gerade das größte Int’l Dark Sky Reserve ausgerufen wurde). Während es in der Nacht 14./15. Juli in Deutschland ruhig blieb, tat sich in Nordamerika um so mehr: Bilder auch hier (mehr), hier, hier (Video!), hier, hier, hier und hier; auch ein Video aus der Antarktis. In der Nacht 15./16. Juli gab’s dann in Deutschland zumindest violette Beamer, dito in den Niederlanden, und dann war wieder Nordamerika dran. Und wer weiß, vielleicht geht es noch weiter.

Ein kurzer Zusammenschnitt von ISS-Zeitraffer-Sequenzen mit der Erde bei Tag und Nacht, reichlich Airglow (der übrigens vorletzte Nacht über Deutschland ungewöhnlich stark gewesen zu sein scheint), Aurora und Sternenhimmel inklusive.

Der Start von Soyuz TMA-05M zur ISS am 15. Juli mit drei Weltraum-Veteranen, die sich der „Expedition 32“ anschließen und später zur Expedition 33 werden sollen.

Der Kugelsternhaufen Messier 107 auf einer HST-Aufnahme, heute ohne besonderen Anlass veröffentlicht – in dem Haufen stehen die Sterne nicht ganz so eng wie in manch anderem.

Die Gashülle um den Stern U Camelopardalis auf einer HST-Aufnahme: Der Kohlenstoffstern ist am Ende seines Lebens instabil geworden und stößt alle paar tausend Jahre besonders viel Gas ab; dies ist der Überrest des letzten derartigen Vorgangs.

Das Herbig-Haro-Objekt 110 auf einer HST-Aufnahme – hinter diesem Ausfluss steckt offenbar nicht wie üblich ein junger Stern, vielmehr hat ein anderes HH ein interstellares Hindernis getroffen, das seinen Jet um 60° umgelenkt hat.

Die Vela-C-Region aus der Sicht von Herschel bei 70 bis 250 µm Wellenlänge: Für den ‚blauen Schmetterling‘ sorgen junge, heiße Sterne, die den interstellaren Staub aufheizen.

Der „Flame Nebula“ aus der Sicht von WISE bei 3.4 bis 22 µm: Die große interstellare Struktur liegt ‚an der Hüfte‘ des Orion; auch der Pferdekopfnebel und NGC 2023 sind im Bild.

Die Spiralgalaxie NGC 4565 genau von der Seite gesehen vom HST, was ihr auch den Spitznamen „Needle Galaxy“ eingebracht hat.

Das war die Jupiter-Bedeckung durch den Mond!

15. Juli 2012

Die Jupiterbedeckung durch den Mond heute Morgen war zwar vielerorts clouded out, aber die Gemeinschaft der Sternfreunde Europas hat sie gewissermaßen als vieläugiges Wesen mehr als ausreichend im Blick gehabt: Schon in der ersten Stunde waren erste Videos und Bilder auf diversen Kanälen zu sehen – und in den folgenden neun Stunden sind es noch erheblich mehr geworden! Neben den sieben tollen Videos von Eis- und Austritt oben (in dieser Playlist gibt’s noch mehr) sind besonders die Bildseiten hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie Photos aus Rhodos (ich wusste es, wir hätten da bleiben sollen …) hier, hier und hier und aus Deutschland hier, hier, hier, hier und hier zu erwähnen. Zumindest in der Nähe des Jupiter wurde der Mond in Paris, Bonn, Stuttgart, Cumbria (UK) und Namur (Belgien) erwischt sowie zuvor über dem Dandi March Memorial (Gyarah Murti, Delhi) – und inzwischen ist er schon auf halbem Weg zwischen Jupiter & Venus angekommen.

Is this the night, with the Moon vs. Jupiter, some aurora and NLCs?

14. Juli 2012

Jede Menge Links zur AR 1520 und ihrem X-Flare am 12. Juli (s.a. Video oben; die CME trifft heute ein), der Jupiterbedeckung durch den Mond kommende Nacht, den 5. Plutomond, schöne NLCs im Juli, erstaunlichen Aurora-Sound und mehr im neuen Cosmos 4 U!

Ausführlicher Rückblick auf den Venus-Transit – im Web-TV

In der Juli-Ausgabe der interstellarum Sternstunde stellt dieser Blogger ab 9:20 ausführlich einige der interessantesten Ergebnisse des VT 2012 vor.

Weitere größere Artikel

Die “Monster”-Fleckengruppe 11520 ganz ohne Teleskop aufgenommen, eine Stunde vor dem X-Flare.

“Ein Abend mit dem Higgs-Teilchen” – so muss Wissenschafts-Vermittlung sein! An der Uni Bonn.

“Aus nach 60 Jahren”: Was wird nun aus dem Observatorium Hoher List?

Heute morgen bewiesen: Homer hatte recht! Mit den ‚Rosenfingern‘ der Morgenröte …

“Chaos and Order”: eine Planetariumsshow ohne Beispiel.

Trotz des neuen Bosons: warum die eigentlichen Entdeckungen – hoffentlich – erst noch kommen

13. Juli 2012

If it is the simplest type of Higgs, then the Standard Model […] may be the complete story of physics at the […] LHC […]. But if there is even the slightest thing about nature’s Higgs particle that is not exactly as predicted for a simplest Higgs, than this just by itself would imply that there are new particles and/or forces not included in the Standard Model. This would be a revolutionary discovery, as the Standard Model (with gravity, dark matter and neutrino masses added on) has been our best bet for four decades. […] Roughly, all we can say right now […] is that the data roughly resembles what would be expected of a Standard Model Higgs, it is therefore not possible to say the new particle is not a Standard Model Higgs, many possible alternatives to the simplest Higgs have now been ruled out by the data, though many others still remain. […] [W]e do see some deviations from the Standard Model Higgs hypothesis, but they aren’t even that statistically significant yet even if they were, there are reasons to be concerned about uncertainties from other sources than just statistics.“ (Matt Strassler, Rutgers Univ., NJ, USA)

Viel mehr kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen über das mit dem LHC entdeckte neue Boson: Es entspricht im Rahmen der bisherigen Mess-Statistik den Erwartungen an das Higgs-Boson des Standardmodells, und alle verdächtigen Abweichungen seiner Zerfalls-„Kanäle“ von der Theorie sind derzeit bei weitem nicht signifikant, einfach weil die Zahl der beobachteten mutmaßlichen Higgse – rund 200! – und ihrer Zerfälle noch gering ist. Dass das Teilchen an sich überhaupt mit haarscharf 5 Sigma bis Ende Juni nachgewiesen werden konnte, hat die meisten Physiker überrascht, aber die drei Monate LHC-Betrieb mit 8 TeV 2012 haben die gesamte Ausbeute mehr als verdoppeln können, und ‚die Natur‘ kam dem LHC mit einer Teilchen-Masse von 125-126 GeV entgegen. (Der Tevatron hätte übrigens noch Jahre laufen müssen, um das Teilchen mit 5 Sigma fest zu nageln, und der LHC-Vorgänger LEP hätte es nie geschafft. Der nicht zu ende gebaute SSC der USA allerdings um so schneller.) Der klarste Nachweis des neuen Teilchens basiert für die LHC-Detektoren ATLAS wie CMS auf seinem Zerfall in ein Photonenpaar – was zugleich beweist, dass es sich um ein Boson handelt, das schwerste je gefundene – und in zwei Z-Bosonen, die jeweils gleich wieder in zwei Leptonen zerfallen.

Zu weiteren Zerfallskanälen hat sich ATLAS am 4. Juli nicht geäußert, CMS schon – was am Ende die Gesamtsignifikanz des Teilchennachweises wieder knapp unter 5 Sigma drückte, denn auf den zusätzlichen Kanälen tut sich zu wenig. Insbesondere fehlen Paare aus W-Bosonen – während gleichzeitig CMS wie ATLAS ‚zu viele‘ Photonenpaare meldeten. Aus diesen Abweichungen haben manche externen Physiker schon keck auf eine Reihe alternativer Interpretationen des Teilchen – etwas als Superpartner des Top-Quarks – geschlossen, die allerdings alle keinen nennenswert besseren Fit der LHC-Daten als das Standardmodell-Higgs liefern. Da hilft nur: weiter messen, und da das CERN-Management dem LHC noch 2 bis 3 zusätzliche Monaten Kollisionen vor der zweijährigen Abschaltung 2013/14 geschenkt hat, sollte bis Jahresende die Zahl der beobachteten Kollisionen abermals verdoppelt worden und schon etwas mehr über das neue Teilchen zu sagen sein. Insbesondere werden die Winkel, in denen die Photonenpaare davon schießen, eindeutig entscheiden lassen, ob man es wirklich mit dem Higgs-Boson (mit dem Spin 0) oder aber einem anderen Boson mit Spin 2 zu tun hat; letzteres machen Beobachtungen am Tevatron allerdings unwahrscheinlich.

Während die physikalische Welt einerseits die offensichtliche Bestätigung der fast 50 Jahren alten Idee des Higgs-Mechanismus feiert (der die Symmetrie der elektroschwachen Wechselwirkung bricht und das Standardmodell überhaupt erst mathematisch möglich macht), schwebt zugleich das „Alptraum-Szenario“ im Raum: In dem findet der LHC exakt das Higgs-Teilchen des Standardmodells – und sonst gar nichts. Da muss aber etwas sein, denn das Standardmodell – so perfekt es die bekannten Teilchen und Kräfte beschreibt – ist eindeutig nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur ultimativen Theorie von Allem. Also ruhen die Hoffnungen der meisten auf den nächsten Jahren LHC-Betrieb, ab 2015 dann auch mit 14 TeV, auf dass klare Differenzen zwischen dem neuen Boson und dem hypothetischen Standard-Higgs oder auch weitere Teilchen jenseits des Standardmodells entdeckt werden mögen. Die Grundidee des Higgs-Mechanismus – ein universales skalares Higgs-Feld, das anderen Teilchen Masse verleihen kann (durch einen Prozess der entfernt an Lichtbrechung erinnert: das von Peter Higgs selbst favorisierte Analogon) – mag dabei neu interpretiert werden müssen.

Die einfachste Variante der popularen Standardmodell-Erweiterung Supersymmetrie ist zwar durch den ausbleibenden Nachweis irgendwelcher ihrer Teilchen durch den LHC inzwischen arg in Bedrängnis geraten, aber viele andere Versionen bleiben im Spiel: Schließlich hat man im Prinzip hunderte von freien Parametern, an denen gedreht werden kann. In exotischen Szenarien könnte es dann bis zu 5 verschiedene Higgs-Teilchen geben (von denen jetzt gerade das erste entdeckt worden wäre), oder das Higgs-Boson bestände aus mehreren Unterteilchen. Die Frage ist nur, wie weit der LHC bei der Aufklärungsarbeit kommen wird: Da bei seinen Proton-Proton-Kollisionen jeweils 6 Quarks plus Gluonen im Spiel sind, überlagert die Signale von Higgs wie ggf. neuer Physik eine Unmenge komplizierter Hintergrund. Besser wäre ein linearer Elektronen-Collider für klarere Signale, aber der würde mit der nötigen Energie 10 bis 20 Mrd. Euro kosten. Eine potenzielle Alternative wäre ein kompakter Myonen-Collider, der speziell auf das neue Boson zu geschnitten werden könnte (so es denn überhaupt gelingt, die quirligen Myonen auf Kurs zu bringen).

Solch eine „Higgs-Fabrik“ würde aber wieder gegenüber einem Universalinstrument das Risiko bergen, andere Effekte zu übersehen, die nicht mit dem 125-GeV-Boson zusammen hängen: Über den besten Weg nach vorn wurde bereits am Tag der Enthüllung des LHC-Bosons emsig debattiert. Die LHC-Forscher selbst sind jedenfalls optimistisch, ihr kompliziertes Gerät so gut im Griff zu haben, dass sie auch mit dem existierenden Beschleuniger die Physik noch entscheidend voran und in die neue Welt jenseits des Standardmodells tragen können: Das neue Boson ist dabei ein gewichtiger Meilenstein, aber vielleicht bzw. hoffentlich nur der erste von vielen. „The cold water of experiment may now wash away many of our wrong ideas and, perhaps more importantly, could point us in the right direction,hofft der bekannte US-Physiker Lawrence Krauss: „In the process I expect what we will discover about the universe may currently be beyond our wildest dreams. More than this, however, the Higgs field implies that otherwise seemingly empty space is much richer and weirder than we could have imagined even a century ago, and in fact that we cannot understand our own existence without understanding ‚emptiness‘ better.

Ein Essay, ein Artikel und Spektrum-Allerlei 13., Swansea TV, ein Entscheidungs-Schema, ein Chat-Transkript und Artikel hier, hier, hier 12., ein Veranstaltungsbericht und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier 11., Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier 10., eine komplette Higgs-PK in Edinburgh, eine PM des KIT, ein ICHEP-Bericht (Screenshots hier & hier & hier) und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier 9., ein Paper von Akula & al., ein Radio-Skript und Artikel hier, hier, hier, hier 8., Artikel hier, hier und hier 7., Videoclips von CERN, Edinburgh und FermiLab, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und ein Videoclip 6., ein Paper von Buckley & Hooper, STFC, Brown und Univ. of Buffalo Releases, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und ein Videoclip 5., ein Paper von Low & al., ATLAS Blog, Weizmann Inst., KIT und Kansas State Univ. Releases, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, ein Videoclip und eine bizarre Statistik 4.7.2012

X-Flare genau in der Sonnenmitte – das könnte (leuchtende und sonstige) Folgen haben

12. Juli 2012

Lange hat sich die neue große Fleckengruppe AR (1)1520 ruhig verhalten – aber vor rund einer Stunde hat sie es just in der Mitte der Sonnenscheibe krachen lassen. Zwar wurde nur eine maximale Stärke von X1.4 um 18:52 MESZ erreicht, aber: „Ein Massenauswurf (CME) ist höchstwahrscheinlich. Und damit auch Polarlichter in der Nacht von Samstag auf Sonntag oder sogar schon morgen.“ Oben ein SDO-Bild von 18:30 MESZ bei 13 nm, unten eine Weißlichtaufnahme dieses Bloggers eine Stunde früher, in der Mitte der Flare bei weiteren SDO-Wellenlängen. NACHTRAG: STEREO-B sieht eine CME – da kommt was!

NACHTRAG 2: Die CME von STEREO-B gesehen um 19:40 MESZ – gut gezielt auf die Erde! Dort steigt der Protonen-Fluss rapide. Und ein H-Alpha-Bild des Flares vom Teide. NACHTRAG 3: ein Kurzfilm über den Flare. Und erste Flare-Artikel hier, hier und hier (aber dieses Blog war doppelt so schnell) – plus die erste Geschwindigkeits-Messung der CME. NACHTRAG 4: Aus der eine Ankunft am Sa-Vormittag zwischen 2:00 und 14:00 MESZ folgt; einen Protonensturm haben wir jetzt schon. Laufende Updates auch im Meteoros-Forum.

NACHTRAG 5: das o.g. Filmchen hier eingebettet – und hier ist schon das nächste, mit dem Flare in mehr Detail. Und die NASA hat’s auch gemerkt.

NACHTRAG 6: die CME nun auch von STEREO-A aus gesehen, um 20:54 MESZ. Auch in den Niederlanden steigt die Erregung – ob’s Polarlichter gibt, hängt natürlich von der Polarität in der CME ab. Und noch ein Artikel über den Flare und AR 1520.

NACHTRAG 7: noch ein Bild des Flares bei 17 nm – aber nach weiterer Analyse sollen die Wirkungen auf die Erde nur bescheiden ausfallen; so jedenfalls soll sich die Wolke ausbreiten. NACHTRAG 8: Und „nothing is for certain“ … NACHTRAG 9: … aber wenn selbst ein Gummihuhn keinen Effekt erwartet, weil die CME die Erde nur streifend berühre, dann kann man den Thread hier wohl schließen, zumal auch der Solar Update nicht dramatisch klingt.

Auf der Suche nach dem ersten Beobachter der Venus-Atmosphäre – nächster Zwischenbericht

10. Juli 2012

Aus den – von russischen Astronomen nicht gern gesehenen – schweren Zweifeln an Lomonossows Beobachtungen der Venusatmosphäre beim Transit von 1761 hat sich inzwischen ein reger internationaler Disput entwickelt, bei dem auch dieser Blogger kräftig mitmischt: Einige der entscheidenden Dokumente sind nämlich auf Deutsch verfasst und amerikanischen wie russischen Astrohistorikern unbekannt. Schlüsselsätze werden daher nach und nach übersetzt, exotische Originale gescannt und eine Timeline und Quellensammlung erstellt. Die neuesten Erkenntnisse:

  • Egal was Lomonossow wirklich sah (und da wird inzwischen um die Bedeutung mancher russischen Vokabel gerungen, namentlich сияние – meinte er damit ein sehr helles oder nur irgendein Licht am Venusrand beim Eintritt?), er war definitiv nicht der erste, der einen Bericht mit mutmaßlichen Beobachtungen der Venusatmosphäre veröffentlichte! Wer ihm zuvor kam, entriss 1967 G. Mühlpfordt in der DDR der Vergessenheit, an den 2012 J. Hamel erinnerte.

  • Den ersten bekannten Bericht publizierte nämlich bereits eine Woche nach dem Transit der Magdeburger Amateurastronom(!) Georg Christoph Silberschlag, am 13. Juni 1761 in einer Zeitungsbeilage namens Historische und Gelehrte Merkwürdigkeiten, und wohl noch im selben Monat brachte Das Neueste aus der anmuthigen Gelehrsamkeit – eine Literaturzeitschrift! – den Bericht erneut. Lomonossows russischer Bericht erschien erst im Juli.

  • Silberschlag schrieb am Schluss seines Berichts, „daß als die Venus im Begriff war, den Rand der Sonne von innen zu berühren, derselbe über seine Circulförmige Rundung in einen solchen Bogen austrat, welcher vollkommen mit dem Rande der Veneris parallel war. Kenner werden dieses Phänomenon einmüthig für eine Würkung der Atmosphär der Veneris halten, in welcher gewiß eine starke Brechung der Licht-Strahlen statt finden muß.“

  • Mehr Details hat Silberschlag leider nicht hinterlassen und auch keine Zeichnungen; insofern ist Lomonossows Bericht erheblich vollständiger (nur eben nicht der erste, und auch nicht der erste, der einen Effekt der Lichtbrechung postuliert). Und Lomonossows Werk wird wiederum von einer Abhandlung Lambert Heinrich Röhls von 1762 übertroffen, der die Lichtbrechung in der Atmosphäre noch viel eingehender diskutiert.

  • Noch 1761, vor allem aber im späteren Zusammenstellungen wie einer von Kordenbusch 1769 tauchen etliche weitere Berichte aus mehreren Ländern auf, die Silberschlags und Lomonossows entscheidende Beobachtung eines Lichtsaumes der Venus außerhalb des Sonnenrand bestätigen, von berühmten Astronomen ebenso wie völlig unbekannten: Als der 1769-er Venustransit kam, waren die meisten Astronomen vom Nachweis der Venusatmosphäre überzeugt.

Indes, was haben sie wirklich gesehen? Wir wissen nicht zuletzt aus den 2012-er Bemühungen, sie zu fotografieren (1. Absatz), wie subtil die Atmosphären-Aureole der Venus wirklich ist. Dass man sie mit einigem Aufwand mit Top-Teleskopen des 18. Jh. sehen kann, haben diesmal gezielte Experimente – beschrieben hier, hier und hier – demonstrieren können, und Lomonossow hatte wohl ein gutes Instrument. Aber die lückenhaften Berichte unserer Kollegen vor 251 Jahren (auch Lomonossow lässt manch wichtiges Detail weg) erschweren es uns ungemein, eventuelle Aureolensichtungen Anno 1761 von Optik- und Seeing-Artefakten zu unterscheiden. Der überzeugende Bericht hat sich bisher nicht eingestellt: Die Detektivgeschichte geht weiter …

AR 1515 geht mit X-Flare – neue Gruppe kommt

7. Juli 2012

Kurz vor ihrem Verschwinden von der Sonnenscheibe hat die Aktivitätsregion 1515 nach zahlreichen M-Flares in der letzten Nacht auch einen X1.1-Flare geschafft, den 13. X-Flare des Zyklus: mehr zu dem harmlosen Event mit CME zur Seite auch hier, hier, hier, hier und hier. Und von der anderen Seite kommt schon die nächste große Gruppe, die schon M-Flares macht.

Ein Riesenpanorama vom Marsrover Opportunity aus 817 Bildern des letzten (Mars-)Winters, die zwischen Dez. 2011 und Mai 2012 entstanden, hat die NASA jetzt veröffentlicht: Das Falschfarbenbild kann man sich 23096 x 7981 Pixel groß herunterladen – oder mit diesem Tool darin herum schwenken. Seither ist der Rover – der gerade den 3000. Marstag auf der Oberfläche feierte, was der NASA offenbar egal war – wieder unterwegs und sieht z.B. dies. Und in einem Monat gibt’s Besuch …

Der Zentralberg des Mondkraters Copernicus aus besonders schräger Sicht des Lunar Reconnaissance Orbiter.

Ein hochgradig verarbeitetes „Foto“ der Erde mit Europa bei Nacht, zusammengestitcht aus Daten von einem halben Dutzend Satelliten und vor einen künstlichen Sternenhimmel gesetzt.

Eine Glorie aus dem Erdorbit aufgenommen vom Satelliten Terra: Das Wolken-Rückstreu-Phänomen mit bunter Lichtbeugung vor der mexikanischen Küste wurde hier stark im Kontrast angehoben. Bemerkenswert auch die Von-Kármán-Wirbel an einer Pazifikinsel.

Kein Luft- sondern tatsächlich ein Satellitenbild ist diese Aufnahme von Mont Saint Michel, die der französische Erdbeobachter Pleiades am 3. Mai aus 700 km(!) Distanz machte. Hier ein winziger Ausschnitt in der vollen – von der ESA zur Verfügung gestellten – Auflösung.

Und mal wieder eine ISS-Aufnahme der Erde mit viel ISS im Vordergrund, entstanden kurz vor der Rückkehr eines Teils der Expedition 31, die …

… hier in Kasachstan landet, am 1. Juli: Soyuz TMA-03M unmittelbar vor dem Zünden der Landeraketen für weicheres Aufsetzen.

Ein Ariane-Start mal am Tage, der am 5. Juli neben einem Nachrichtensatelliten auch den Wettersatelliten MSG 3 in den Orbit brachte: ein weiteres Video, viele Standbilder, ein richtiges Foto, ein TV-Bericht mit Apfel und Artikel hier, hier, hier, hier und hier.

Ein Delta 4 Heavy-Start mit einem geheimen Satelliten für das NRO am 29. Juni, über dessen Zweck – vielleicht SigInt – wild spekuliert wird: Startfotos, ein ULA Release und noch ein Artikel ohne Einsichten.

Ein Triebwerkstest des Merlin 1D von SpaceX am 25. Juni, bei dem ein kompletter Start simuliert wurde: Das verbesserte Triebwerk ist nicht nur für die Falcon 9 sondern auch die Falcon Heavy gedacht; 2013 soll das Triebwerk beim 6. Start ein Falcon 9 das erste Mal eingesetzt werden.

Weitere größere Artikel

6. Juli 2012

Jupiterbedeckung durch den Mond am Morgen des 15. Juli.

Wenn Sterne ihre Planeten zerstören: die Fälle HD 189733b und KIC 12557548.

Amateurentdeckungen schwacher Planetarischer Nebel – und vom Monstrum „Ou4“.

Bilder-Strecken

Auffällige leuchtende Nachtwolken über dem KBA-Land! Also Bonn; am 26. Juni.

Wunderwelt wohlgeformter westfälischer Wolkenschatten bei Unna am 30. Juni.

Noch mehr Wolkenstrahlen – und eine kurze aber heftige NLC-Show! Am Abend des 1. Juli; auch Horizontnahe Fortsetzung der Leuchtenden Nachtwolken und Die Abend-NLCs vom 1. Juli quasi in 3D dank mehrerer Standorte.

Kleinere Artikel

Auch Bonn hat bei der Higgs-Jagd mit gemischt mit dem Pixeldetektor von ATLAS.

Uralter Einschlagskrater auf der Erde entdeckt? Arg Erodiertes auf Grönland.

Wohin der Godesberger Sternfreund in den Urlaub fährt … am liebsten weit weg.

Rätsel um zwei Exoplaneten mit benachbarten Bahnen und drohendem Chaos.

Die Geschichte des Radioteleskops Effelsberg – jetzt open access im Web! So wie das gesamte Journal of Astronomical History and Heritage, das jetzt überhaupt nur noch online und open access erscheint.