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Noch 33 Stunden: Was wann beim MSL passiert

4. August 2012

Zu sehen wird es in den entscheidenden Minuten nichts geben (außer angespannten Gesichtern in der Flugkontrolle), aber hören werden wir Allen Chen: Er wird während Entry Descent & Landing des Mars Science Laboratory ansagen, was der Marslander während seines Abstiegs berichtet, entweder direkt zur Erde über simple Signale („Semaphores“), wenn bestimmte Phasen erfolgreich absolviert werden, oder mit einigen Informationen mehr über Mars Odyssey; dieser Kommunikationsweg soll nicht nennenswert verzögert sein. Die Status-Informationen werden direkt in Computergrafiken umgesetzt, so dass man dem Abstieg in gewisser Weise zuschauen können wird. Als erste Nachricht wird – um 7:14 MESZ – die Abtrennung der Cruise Stage erwartet, gefolgt 7:24 MESZ vom ersten Kontakt mit der Marsatmosphäre. Während das MSL am Fallschirm hängt, versinkt es allerdings hinter dem Marshorizont, und Odyssey – derzeit in bestem Zustand – bleibt der einzige Weg für Live-Meldungen. Zugleich zeichnet auch der Mars Reconnaissance Orbiter den Datenstrom auf (der aber erst rund 10 Stunden später verfügbar sein wird) und der Mars Express den reinen Funkträger und sonst nichts (im Gegensatz zu dieser falschen Darstellung). Von einer erfolgreichen Landung würde ungebremster Jubel am JPL künden, und dann ist Odssey noch ein paar Minuten in Kontakt mit Curiosity: Mit viel Glück kann schon jetzt das erste Bild übertragen werden, ein (nur ~50 Pixel breites!) einer der Hazcams, mit einem Hinterrad Curiositys.

Auf viel mehr Informationen über den Zustand des Landers (und mehr Bilder) hofft man aber während des nächsten Odyssey-Überflugs 2 Stunden nach der Landung gegen 9:30 MESZ – aber dann sind die 1-1/2-stündigen Operationen des ersten Tages (Curiosity landet gegen 3:30 Uhr Nachmittags Marszeit) auch schon beendet. Weitere Downlinks sind wieder gegen 20:30 MESZ möglich, 13 Stunden nach der Landung, wenn auch wieder der MRO zwecks späterer Übertragung lauscht. Und 19 Stunden nach der Landung kann sich der Rover sogar noch einmal direkt bei der Erde melden. An Bilddatenprodukten darf am 6. August (immer auf die kalifornische Zeitzone bezogen) auf Hazcam-Aufnahmen mit 50, später 512 Pixeln Breite gehofft werden, am 7. August auf Thumbnails der Abstiegskamera MARDI und am 8. August auf Farbbilder der Mikrokamera MAHLI. Auch sonst wird man es langsam angehen lassen: Am 6. August wird die High-Gain-Antenne ausgerichtet, am 7. August der Kamera-Mast ausgefahren und am 8. August ein erstes Panorama aufgenommen, dass dann gemächlich übertragen wird. Erst Anfang September soll sich der Rover zum ersten Mal in Bewegung setzen, Mitte oder Ende September die erste Bodenprobe aufsammeln und im Oktober oder November zum ersten Mal den Bohrer einsetzen. Wenn denn mit der Landung alles klappt: An Bord des MSL ist jedenfalls alles bestens, und ein Staubsturm in 1000 km Entfernung von der Landestelle hat sich erwartungsgemäß in eine „harmless cloud of dust“ verwandelt, die den Krater Gale wohl nicht vor der Landung erreichen wird – und selbst dann harmlos wäre.

„Mars is playing nice“ (aber man wäre auch mit schlechtem Wetter fertig geworden) hieß es dazu heute auf einer weiteren Pressekonferenz, der auch der Großteil der obigen Informationen entstammt. Auch Science@NASA zu solaren Teilchen-Messungen mit RAD unterwegs, ein CSIRO Release zur Rolle Australiens und ein ESA Release und Blogeintrag zur Rolle Europas beim Datenempfang, der HiRISE-Blog und Universe Today zum Versuch des MRO, das MSL am Fallschirm aufzunehmen, eine PM der MPG zu deutschen Missionsbeiträgen, Sky & Tel. mit einer Gesamtbilanz aller Marsmissionen und das Observatorium Sydney zu Gale (dem Mann); weitere Infos u.a. hier, hier und hier. Die Bilder oben zeigen Adam Steltzner mit einem Modell der MSL-Aeroshell auf einer PK vorgestern (auch ein Video-Interview), Richard Cook (ein Pathfinder-Veteran!) heute und eine Grafik zu den Mars- und Erdtagen: Am Anfang arbeiten natürlich alle auf Marszeit. Weitere Videos: Projektwissenschaftler John Grotzinger in Action, schöne Vorberichte von CBS und PBS, eine Ansprache und ein Comedy-Show-Auftritt von NASA-Science-Chef John Grunsfeld, viele weitere Videos und ein Audio-Interview. Oh, und auf der PK heute hat der stellvertretende MSL-Projektwissenschaftler den Berg in Gale doch tatsächlich mal „Aeolis Mons“ genannt, auch wenn der das Griechisch für Latein hält …

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