Live-Blog vom ersten europäischen „SpaceUp“

Das war’s! Überraschend, anstrengend – und gehaltvoll

War es der Zufall – der bei Unkonferenzen über das Arrangement der meisten Beiträge entscheidet – oder heimliche Planung: Der letzte Vortrag vor der Verabschiedung der Teilnehmer erregte das meiste Aufsehen und löste die angeregteste, ja fast schon aufgeregte Diskussion aus. Ein Vertreter [NACHTRAG: Bas Lansdorp] des auf den ersten Blick völlig abseitigen Projekts „Mars One“ (Bilder unten) machte verblüffend plausibel [NACHTRÄGE: das komplette Event – und ein langer Artikel], warum man mit einer weltweiten TV-Gameshow Kandidaten für eine Reise zur Marsoberfläche casten sollte, anzutreten per Dragon-Kapseln im Jahr 2023 und ohne jede Möglichkeit einer Rückkehr: Auf die (meisten) ethischen Bedenken aus dem Publikum hatte er eine Antwort. Zuvor war noch einmal eine große Vielfalt an Themen in rasanten Pecha-Kucha– oder längeren Vorträgen präsentiert worden, von Reisen zu Polarlichtern über das öffentliche Bild des Astronauten bis zur Erfahrung International Space University, erneut waren genug Beiträge aus dem Teilnehmerkreis für mehrere Parallelsessions ans „Grid“ – siehe 13:40 MESZ – gepappt worden.

Bleibt nur die Frage, ob diese anarchische Methode, bei der sich der generelle Konferenzverlauf abrupt in wenigen Minuten und aus vagen Gefühlen heraus entscheidet, wirklich am effizientesten Gebrauch von dem reichen Angebot [NACHTRAG: viele Videos von den Vorträgen beider Tage] macht. Würde nicht z.B. ein systematischeres Zusammenführen verwandter Beiträge – sei es klassisch per Komitee im Vorfeld, bei einer moderierten Koordinations-Session zu Konferenzbeginn oder virtuell mit irgendeinem neumodischen Liquid Dingens – vielleicht zu einer eleganteren Tagungsstruktur führen, die für den Teilnehmer transparenter und angenehmer (und mit weniger hektischen Raumwechseln verbunden) wäre? Oder sollte, auch ein Vorschlag, die Hälfte der Beiträge schon vorher festgelegt werden (wie es in Genk bei den Keynotes der Astronauten, den Videokonferenzen und auch den ersten T-5-Talks zum Warmwerden eh schon der Fall war), mit lediglich der Füllung der Lücken spontan auf dem Event?

Auch die bei unzähligen „normalen“ Tagungen ‚gelernte‘ Regel, dass Weltraum-Fans häufige Kaffeepausen brauchen und viel Zeit für den direkten Austausch in langen Freiräumen, sollte konsequent(er) umgesetzt werden. Auf jeden Fall ist das partizipative SpaceUp-Format per se erheblich erfüllender und thematisch überraschender als – auf frontale Bespaßung der Teilnehmer ausgelegte – TweetUps. Die bieten dafür – im Idealfall – auch Einblicke in normalerweise verschlossene Einrichtungen derWeltraumforschung: Die beste aller Welten wäre vielleicht eine Kombination aus Konferenz, Unkonferenz und TweetUp. Meint jedenfalls dieser Blogger, der trotz des engen Genker Programms auch noch eine Reihe interessante persönliche Kontakte knüpfen konnte – und sei es in der plötzlichen Ruhe einer morgendlichen Busfahrt zwischen Hotel und Planetarium … [19:10 MESZ am 23. September; mangels Netz erst später hochgeladen. Oben noch Bilder der „Abschlusskundgebung“ und von allen versammelten Weltraum-Maskottchen; weitere Impressionen vom SpaceUpEU gibt’s auch hier (von heute) und hier {NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier und hier} (alle Tage) – ENDE! NACHTRÄGE: noch ein und noch ein Artikel]

Impressionen vom Sonntagvormittag, von unten: die European Solar Challenge zu Gast am Cosmodrome (das heute mit mehrfachen Polizeisperren abgeriegelt daher kam wie ein Militärcamp), das immer noch fitte Orga-Term, das heutige „Grid“ wird befüllt (auch mit einem Kurzvortrag dieses Bloggers [NACHTRÄGE: ein Beweisfoto – und ein niederländischer Artikel, den der Vortrag auslöste] über wenig bekannte Aspekte rund um die Entdeckung der ersten Exoplaneten) – und die zweite Keynote eines Astronauten, in der Paolo Nespoli mit seinem lockeren Charme begeisterte. [13:40 MESZ]

Abschluss des ersten Tages mit einer Art Starparty

auf dem Observatorium des „Cosmodrome“ mit einem 20-cm-Refraktor mit 3 m Brennweite: Leider zog sich jetzt – nach einem weiteren Google-Plus-Hangout mit Astronaut Ron Garan, einer Vorführung der „Augen im All“ im Planetarium und Unkonferenzundinner – der tagsüber strahlend blaue Himmel doch zu, so dass außer einem schemenhaften Mond nichts zu bieten war. [22:45 MESZ] Bilder des Tages gibt’s hier zu sehen. [23:10 MESZ am 22. September] Und das Gruppenfoto – siehe gestern 14:35 MESZ – ist endlich entwickelt … [2:05 MESZ]

Virtueller Besuch aus Kalifornien: Emily Lakdawalla von der Planetary Society beantwortete über 9 Zeitzonen Hinweg Fragen aus dem SpaceUp [NACHTRAG: ein kompletter Mitschnitt] – und nahm kein Blatt vor den Mund: Bilder der Planetenmissionen gehören im Stil von Curiosity in die Öffentlichkeit! Bei Dawn klappte das im Anflug nicht – und bei der ESA hakt’s auch gewaltig. Die Aufforderung an sie: bei Rosetta zumindest so häufig Bilder des größer werdenden Kometenkerns vorzeigen, dass der Eindruck des Mitfliegens aufkommen kann! [17:35 MESZ]

Viel Amateurastronomie unter den freien Beiträgen

konnte man sich in den ersten Stunden aussuchen: Seit 14:30 laufen jetzt vier Sessions gleichzeitig ab, da ist wirklich für jeden was dabei. Gerade erzählt ein Mazedonier [NACHTRAG: ein Video des Vortrags] aus dem Leben des Sternfreunds (oben), zuvor hatte Nick Howes charismatisch für den Einsatz der Faulkes-Teleskope (siehe ISAN 161-9) in Schulen geworben – und über seine eigenen Erlebnisse mit den ferngesteuerten Instrumenten berichtet. [15:50 MESZ]

Sonnenbeobachtung in allen Wellenlängen im Rahmenprogramm des SpaceUp – and don’t forgt your towel: Das Kalzium-Bild ist seeehr finster … [15:40 MESZ]

Intermezzo reloaded: Es war ein Meteor und kein Reentry

Der Orbit war äußerst un-Satelliten-mäßig, es wird keiner vermisst bzw. war kein Reentry erwartet worden, und es hat langsame, zerbrechennde Meteore gewesen, die so aussahen wie das Ereignis über Nordeuropa vergangene Nacht (siehe 3:05 MESZ): Damit ist praktisch sicher, dass es sich um eine natürliche Feuerkugel gehandelt hat, egal was angebliche Experten herum erzählen. [14:50 MESZ]

Der erste „invited talk“, von Astronaut Christer Fuglesang: Der schwedische Physiker referierte ziemlich tiefschürfend über die Begriffe vob Mass und Gewicht, aus der speziellen Perspektive eunes ISS-Bewohners.

Darf bei keinem Space-Nerd-Event fehlen: Camilla, das Maskottchen des Solar Dynamics Observatory, das die NASA zu Outreach-Events aller Art entsendet – hier mit der offiziellen Betreuerin des populären Gummihuhns, währed es für das Gruppenfoto kurzfristig entführt wurde …

Das Herz jedes SpaceUp: Die Tafel, wo die Teilnehmer Ihre Beiträge in die freien Slots kleben – und markieren, welche andere Session sie interessant finden. Soeben hat dieser „freie“ Teil der Unkonferenz begonnen … [14:35 MESZ]

Der SpaceUp hat begonnen! Mit T-5-Vorträgen

In diesem Format werden 20 Slides automatisch im 15-Sekunden-Rhythmus gezeigt, und exakt nach 5 Minuten ist Schluss. Allererstes Thema: Planetenwege! Die Referentin „Pillow Astronaut“ kommt perfekt klar – und schon was gelernt: Deutschland ist Weltmeister mit 107 Planetenwegen. Bilder oben: das Orga-Team in Redshirts (wir sind ja nicht bei Star Trek …), eine taped address von Bill Nye von der Planetary Society, der das ersten Wort hatte, und das Registration Desk – Ordnung muss auch bei Unkonferenzen sein. Dem SpaceUpEU kann man mit nämlichem Hashtag auf Twitter folgen – und live SpaceLivecast! [12:55 MESZ] Ein Spanier hat uns gerade erzählt, wie man Space-Shuttle-Starts fotografiert … [13:07 MESZ] Der Zeitplan füllt sich schon für heute. [13:10 MESZ] Und ein 5-Minuten-Vortrag über den Galaxy Zoo und Hanny’s Voorwerp. [13:15 MESZ]

Intermezzo: Heller fragmentierender Meteor oder Reentry über Nordengland! Das fängt ja gut an: Kaum von der SpaceUp-Party zurück (nicht leicht bei der extremen Taxi-Armut Genks) ist das Netz voll von Berichten, Fotos und Videos – noch ist unklar, ob es ein Reentry (für den es keinen offensichtlichen Kandidaten gibt) oder eine natürliche Feuerkugel war: mehr, wenn sich der Nebel gelichtet hat. [3:05 MESZ]

Während die Endeavour an der amerikanischen Westküste angekommen ist (viel mehr Bilder später), versammeln sich in der belgischen Provinz in der Kleinstadt Genk rund 100 „Space Nerds“ zur ersten Weltraum-„Unkonferenz“ SpaceUp Europe. Die dynamische Community kennt sich schon, seit dem ersten europäischen SpaceTweetup vor einem Jahr, den EifelDisches oder einem ILA-Tweetup. Mal gespannt, ob das „Barcamp“-Verfahren auch für Weltraumkonferenzen funktionioniert – in den USA gibt’s das schon … [23:55 MESZ am 21. September]

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Eine Antwort to “Live-Blog vom ersten europäischen „SpaceUp“”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 22. Juli 2013 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] One” (“Raumfahrt-Splitter”: “Eine Pressekonferenz …”; siehe auch diese Eindrücke) wird ein Artikel und auch gleich die Titelseite gewidmet. Lehre 1: Am Wochenende muss […]

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