Archive for Oktober 2012

Die erste Röntgen-Beugungs-Messung auf Mars!

30. Oktober 2012

Genau 100 Jahre nachdem die Röntgenbeugungs-Analyse erfunden wurde, hat Curiosity das erste Beugungsbild an Marsstaub geliefert, mit dem sich die gesamte heutige Telecon – die erste nach 12 Tagen – beschäftigte [NACHTRÄGE: Aufzeichnung & Zusammenfassung]. Die Probe aus dem „Rocknest“ (unten) war am 15. Oktober genommen und am 17.10. in das CheMin-Instrument gefüllt worden – nur 25 cm groß, während entsprechende Geräte im irdischen Labor so groß wie ein Kühlschrank sind. CheMin lässt die höchstens 150 µm großen Sandteilchen kräftig vibrieren, so dass ein sauberes Beugungsbild auf einer CCD entsteht, da die Röntgenstrahlen die Kristallstruktur unter zufälligen Winkeln treffen. Das Ergebnis: Der Rocknest-Sand besteht aus kristallinem Feldspat, Pyroxenen und Olivin aber auch amorphem Material – verwitterter Basalt also, nicht unähnlich den Hängen des Mauna Kea. Er dürfte teilweise lokal im Gale-Krater entstanden und teilweise durch Staubstürme angeweht worden sein. Die miniaturisierte CheMin-Technologie wird übrigens inzwischen auch in der Archäologie eingesetzt.

NACHTRAG: Vorgeschmack auf ein „Selbstportrait“ von Curiosity mit MAHLI – zusammen-gestitcht von S. Atkinson aus den Thumbnails der Aufnahmen der „Handkamera“, die bereits auf der Erde sind (hier korrekt gespiegelt). NACHTRAG 2: Wie das Bild gemacht wurde, ein gaaanz langes Panorama vom Rocknest – und am 2.11. gibt’s schon die nächste Telecon, diesmal nach nur 3 Tagen: Das heizt natürlich Spekulationen an, dass Curiosity auf Methan in der Atmosphäre gestoßen ist.

NACHTRAG 3: Die hochauflösenden Bilder des MAHLI-Selbstportraits sind da – auch der ganze Rover in voller Auflösung. Natürlich von einem Fan; seitens der NASA gibt’s erstmal nur ein eigenes Thumbnail-Mosaik. Haben halt nicht die Rechenpower …

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Ein Teleskop im Orbit. Für Amateurastronomen. Unter deutscher Federführung. Wie war das?!

28. Oktober 2012

Neu ist die Idee ja nicht: Schon vor 30 Jahren träumten amerikanische Amateurastronomen von einem Amateur Space Telescope im Orbit (AST; siehe auch hier und hier, „Independent Space Research Group“ und Referenz 18), und zwanzig Jahre später war ein International Space Station Amateur Telescope (ISS-AT; siehe auch hier und hier und vermutlich auch hier, „There were a couple of things …“) in Planung – beide Projekte verschwanden nach anfänglichem Enthusiasmus sang- und klanglos wieder. Aber jetzt ist die Idee erneut aufgetaucht, diesmal sogar primär ‚made in Germany‘: Auf der 31. Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen präsentierte Heiko Wilkens (u.) gestern dem verblüfften Publikum eine Art Business Plan für ein 80-cm-Teleskop im Erdorbit, dessen 80 bis 130 Mio. Euro Kosten Sponsoren aufbringen und zu dessen Betriebskosten zusätzlich auch die Nutzer pay per view beitragen sollen, mit einigen hundert Euro pro Stunde.

Eine bislang hinter den Kulissen operierende Planungsgruppe, zu der insbesondere die Amateur-Optik-Spezialisten Richard Berry und Harrie Rutten und der Astronaut Gerhard Thiele gehören, hat offenbar bereits einige bedeutende Organisationen zumindest ideell ins Boot holen können und ist in Sachen Sponsorensuche diesmal guten Mutes: Als entscheidend wird eine Ausweitung der Zielgruppe für das orbitale Gerät weit über die Amateurastronomie gesehen, was bei den gescheiterten früheren Projekten nicht gelang. So beginnt nun – und der BoHeTa-Auftritt war ein nicht unwichtiger Schritt dabei – eine öffentliche Werbekampagne bei allen möglichen potentiellen Nutzern, auch im Bildungs- und Wissenschaftsbereich (die Projekt-Webseite ist bislang allerdings noch rudimentär). Und es darf nahezu beliebig ‚out of the box‘ gedacht werden: Sollte z.B. ein gewisser Getränkehersteller, der letztens in die Schlagzeilen kam, etwas springen lassen, dann – so Wilkens (im Bild links) zu diesem Blog – könnte man den Satelliten natürlich problemlos wie eine seiner Dosen anstreichen … NACHTRAG: ein weiterer BoHeTa-Bericht – die hier und hier erwähnte Astrium-Initiative ist wohl eine andere, ähnliche Idee?

Weitere größere Artikel (und der Kern von Komet Hergenrother hat sich soeben gespalten)

26. Oktober 2012

Komet Hergenrother mit ersten Auflösungserscheinungen – und heute ist auch ein größeres Stück Kern abgebrochen (Bild)!

Zweifel am Exoplaneten von Alpha Centauri, weitere Tests notwendig.

Irisierende Wolken über Köln (aus einem fahrenden Zug).

Die schärfsten Bilder von Uranus und wie’s gemacht wurde.

First Light für drei 1m-Teleskope des LCOGT-Netzwerks binnen 30 Stunden.

Kürzere Artikel

Astronom entdeckt gravierende Raketen-Explosion im Erdorbit einer Briz M nach August-Fehlstart.

Irdische Überwachung der Io-Vulkane zeigt Innehalten großer Eruptionen.

Neue Erklärung für mittelgroße Monde des Saturn durch Kollisions-Kaskade.

So sieht Satellit NuSTAR das Galaktische Zentrum

23. Oktober 2012

Einen kleinen ‚Sneak‘ hatte es hier schon gegeben („Intermezzo: Erstes “richtiges” Bild von NuSTAR …“), nun auch ganz amtlich: die ersten Bilder des Nuclear Spectroscopic Telescope Array, die mehr als nur eine Punktquelle zeigen. Sondern das Zentrum der Milchstraße bei 3 bis 30 keV Energie: in der linken Falschfarben-Darstellung ist Rot 3-7, Grün 7-10 und Blau 10-30 keV zugeordnet, in der Zeitreihe rechts sind Photonen aller Energien aufaddiert. Im mittleren Bild leuchtet Sgr A* auf, einer der bekannten Röntgen-Flares des mutmaßlichen Supermassiven Schwarzen Lochs im Galaktischen Zentrummit 100 Mio. K heißem Gas. Die diffuse Röntgenemission drum herum wird einem Supernova-Überrest zugeschrieben.

Helle Nova in den Hyaden? Leider doch nicht …

23. Oktober 2012

Die Nachricht kam um 20:00 MESZ über einen seriösen Nachrichten-Dienst für Astrophysiker und stammte von einem der Co-Entdecker der Supernova 1987A, und wohl deswegen hat sie die große Veränderlichen-Organisation AAVSO auch sofort weiter geleitet, wenn auch unter Vorbehalten: Da sei gestern in den Hyaden ein neuer und sehr roter Stern mit 6. Größe fotografiert worden, möglicherweise eine Nova. Aufregung in der Variablen-Szene, aber als die ersten die Hyaden ins Visier nehmen können, ist da nichts bis zur 9. Größe hinab (so eine visuelle Beobachtung von P. Schmeer um 23:25 MESZ). Und inzwischen hatte man sich das einsame „Entdeckungsfoto“ – oben ein Ausschnitt – längst genauer angesehen und das vermeintliche Objekt als doch ziemlich anders als die echten Sterne erkannt: vermutlich ein technisches oder anderweitiges Artefakt. Dann eben nicht – aber irgendwann wird es doch wieder eine richtig helle Nova geben …

NACHTRAG: auch bis 10.5 mag. nix an der Stelle; auch hier inzwischen diverse Negativ-Meldungen. NACHTRAG 2: Fünf Stunden nach dem (Fehl-)Alarm hat die AAVSO den Beobachtungs-Aufruf per E-Mail zurück gezogen; seltsamerweise sind aber weder diese Special Notice #301 noch der Aufruf (#300) auf den Webseiten zu finden. NACHTRAG 3: Sehr witzig – es war ein Geisterbild des Aldebaran, hat der Nicht-Nova-Entdecker heraus gefunden … NACHTRAG 4: Die AAVSO Special Notices 300 und 301 sind online – und wegen der Zweifel an der Geisterbild-Interpretation (siehe Kommentar) wird mal nachgeforscht. NACHTRAG 5: Gegenüber diesem Blog hat der Fotograf I. Shelton detailliert erklärt, was passiert ist. Er setzte erstmals einen Anti-Lichtverschmutzungs-Interferenzfilter ein, der – trotz aktiver Unterdrückung – Geisterbilder in einigem (konstantem) Abstand von hellen Objekten produziert. Die falsche Nova ist auf allen Bildern zu sehen – und auf einigen auch ein Geister-Jupiter: So hat er’s raus bekommen.

Mal eben einen UFO-Klassiker at Acta gelegt …

23. Oktober 2012

Es war am 11. Dezember 1998, als ein Astronaut vom Space Shuttle Endeavour aus während der Mission STS-88 diese auf den erste Blick erstaunlichen Bilder schoss: mit einer Hasselblad auf Diafilm, hier Ausschnitte aus Scans in der maximalen Auflösung, die die Datenbank der NASA für Erdaufnahmen durch Astronauten hergibt. Anklicken zeigt jeweils das gesamte 6×6-Bild in geringerer Auflösung, und auf diesem Bild noch vor dem 1. gezeigten (oben) und diesem und diesem nach dem letzten ist das ‚Close Encounter‘ auch noch dokumentiert. Damals erregten die Bilder offenbar keinerlei Aufsehen, das WWW war ja auch noch jung und direkter Zugang zu den zigtausenden von Fotos, die während amerikanischer bemannter Flüge entstanden, nahezu unmöglich. Als die Bilder aber schließlich – inzwischen war 2009 – viel leichter auf zu treiben waren, geriet der Wirbel in UFO-philen Kreisen um so größer, wie etwa dieser, dieser, dieser und dieser Fund zeigen; es gibt aber noch viele mehr. Und vor ein paar Stunden sind die Bilder schon wieder aufgetaucht, in diesem Video eines UFO-Spinners, der hier die Vorboten einer Invasion im nächsten Monat gewahrt – und das sogleich von einer indischen „Nachrichten“-Webseite angepriesen wurde („Nasa Insider Leaks HD Pics Of Alien Ship (UFO) In Orbit“). [NACHTRAG: Video wie Artikel sind inzwischen futsch.]

Und was war es wirklich? Da Googeln nach STS-88 in Kombination mit allerkei Keywords einfach nicht weiter half und immer nur neue Spinneren auftischte, hatte die ‚Sache‘ offenbar außerhalb dieser Kreise keinerlei Wirkung entfaltet, weder 1998 noch 2009. Schließlich hat dieser Blogger einfach mal auf den Webseiten des Weltraum-Gurus Jim Oberg nach STS-88 gesucht – und auf der letzten Seite dieses Artikels tatsächlich die Antwort gefunden! Dort wird auf diese Video-Dramatisierung der Bilder hingewiesen – und dass „the space-walking STS-88 astronauts who took the photos were apologizing for dropping an insulation blanket they had removed during wiring up the first module of the International Space Station“. Der Verlust der Isolationsmatte ist auch in diesem Orbital Debris Quarterly auf Seite 8 dokumentiert: Wie ein weiterer Raumfahrt-Experte mitteilt, wurde sie einfach ersetzt. Das langsam rotierende und sich verformende Stück – natürlich als „Shapeshifter“ eine besonders bedenkliche Alien-Technologie … – blieb länger in der Nähe des Shuttles und wurde schließlich auch mal abgelichtet. Wie übrigens auch manch anderes, das bei EVAs verloren geht. Case closed also – fünf Minuten vor der internationalen Debatte der Präsidentschafts-Bewerber: Dann braucht ja doch keine interstellare draus zu werden …. NACHTRAG: spätere Slides von Oberg und ein langer Artikel zum Thema.

ESA guckt Exoplaneten mit Kleinsatellit Cheops

21. Oktober 2012

Die beiden Spezialsatelliten für die Suche nach Exoplaneten mit der Transitmethode, Europas CoRoT von 2006 und Amerikas Kepler von 2009, bekommen 2017 Verstärkung durch den „CHaracterising ExOPlanets Satellite“ alias Cheops: Vorgestern hat ihn die ESA als erstes Projekt der neuen S-Serie von Kleinsatelliten genehmigt. Cheops beobachtet im Gegensatz zu den beiden Pionieren nur Sterne, wo schon Exoplaneten bekannt sind und konzentiert sich auf besonders helle Sterne, bei denen Planetenfunde dann wiederum mit anderen Teleskopen besonders gut weiter verfolgt werden können: Die Tabelle oben aus einem aktuellen Vortrag von H. Rauer vergleicht Cheops mit den beiden existierenden und zwei erhofften Exoplaneten-Satelliten, die beide auf ihre Auserwählung nächstes Jahr hoffen, sowie der erdgebundenen Next-Generation Transit Survey. Von Cheops, seinem 33.5-cm-Teleskop und einer CCD-Kamera für 400 nm bis 1.1 µm verspricht man sich exakte Radien der Transit-Planeten, was dann zu besseren Aussagen über ihre mittlere Dichte und damit ihren Aufbau führt.

Die erwähnte Next-Generation Transit Survey mit einem ganzen Feld voller Teleskope auf dem Cerro Paranal sollte bis 2017 etwa 50 nahe Exoplaneten mit einem bis sechs Erddurchmessern aufgespürt haben, deren Durchmesser Cheops dann auf 10% genau betimmt, während wieder andere Teleskope mit Spektrographen genaue Radialgeschwindigkeiten messen (die Massen braucht man für die Dichte schließlich auch hochgenau). Nicht weniger als 26 Missionen waren für die erste der S-Klasse vorgeschlagen worden, bei der aber noch nicht sicher zu sein scheint, ob es weitere Aufrufe geben wird: Cheops soll deutlich unter den im Prinzip erlaubten 150 Mio. Euro kosten, die zu je einem Drittel vom Wissenschaftsprogramm der ESA, von der federführenden Schweiz und weiteren beteiligten Nationen aufgebracht werden. PM der Uni Bern, ESA Science (alt.) Press Release, Space Policy Online 19., SEN, Raumfahrer 20., Eureka (am detailliertesten; selbst eine Maschinen-Übersetzung aus dem Spanischen lohnt sich) 21.10.2012. NACHTRAG: spätere Artikel von Space News, Guardian und Spaceflight Now – mit der Betonung, dass die endgültige Entscheidung über den Bau des Satelliten erst 2014 falle

Erste Bodenprobe erreicht Curiosity-Chemielabor

19. Oktober 2012

Nach dem dritten Zugriff – oben ein Bild von Sol 69 = dem 15. Oktober – hat jetzt Curiosity zum ersten Mal eine Bodenprobe ‚im Magen‘: Nach Begutachtung auf dem erstmals benutzen Beobachtungsteller gelangte sie in das Instrument Chemistry and Mineralogy (CheMin), wo mittels Röntgenbeugung ihrer Mineralogie nachgegangen wird. Ansonsten ging es gestern auf der wöchentlichen Telecon v.a. um kleine Fortschritte hier und da (die MSL-Mission geht halt deutlich bedächtiger zu Werke als die MER; irgendwelche nennenswerten Vorfälle gab es aber nicht) und einen zeitweisen Ausfall des MRO, für den Opportunity als Relais-Satellit einsprang, der es nun aber wieder tut: weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG: das ganze als kurzes Video. NACHTRAG 2: ein Interview mit dem „Sarcastic Rover“, der gerade selbst die Erfinderin von ‚Curiosity‘ interviewte.

NACHTRAG 3: Inzwischen ist Curiosity mit der 4. Bodenprobe zugange – und es gibt interessantes Gestein zu sehen, hier an Sol 76. NACHTRAG 4: Die erste Woche seit der Landung ohne Pressekonferenz oder Telecon hat es nun gegeben – erst am 30. Oktober ist wieder eine.

NACHTRAG 5: eine MAHLI-Aufnahme des Steins „Et-Then“ am 82. Sol bzw. 29. Oktober, eines Brockens im „Rocknest“, der vielleicht noch näher untersucht wird. Ansonsten wird immer noch mit Marsstaub der Sampling-Mechanismus gereinigt.

Kalifornische Feuerkugel sorgt für Aufsehen

18. Oktober 2012

So sah die Kamera in einem Fahrzeug eine beachtliche Feuerkugel über der kalifornischen Küste vergangene Nacht, die auch in dieser Bildergalerie, Überwachungskamera-Videos vom Lick-Observartorium hier und hier und Fotos hier, hier und hier, hier und hier zu sehen ist. Definitiv kein Orionid, aber wenn es Meteoriten gegeben haben sollte, sind sie nach erster Einschätzung leider in den Pazifik gefallen; allerlei Augenzeugen-Berichte, ein ganz früher, ein späterer und ein bildreicher TV-Bericht und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Oh, und in Finnland hat es auch einen großen Boliden gegeben.

NACHTRAG: das wohl beste Video bisher, allerdings mit der Feuerkugel recht klein! Das vorhandene Bildmaterial scheint recht begrenzt zu sein. NACHTRAG 2: Und auch die Berichterstattung hält sich in Grenzen – ein Nachzügler, aber mit einem interessanten Videoclip featuring Peter Jenniskens, ein krass überbelichtetes Video und einen wilden Meteoriten-Jäger … NACHTRAG 3: … wobei Details über nämliches Video hier zu finden sind. Zusammen mit anderen folgt eine erste Bahnanalyse: „The asteroid entered at a speed of 14 km/s, typical but on the slow side of other meteorite falls for which orbits were determined. Good chance a relatively large fraction of this rock survived. The fall area is in the North Bay. The orbit in space is also rather typical: perihelion distance close to Earth’s orbit (q = 0.97 AU) and a low-inclination orbit (about 5 degrees).“ NACHTRAG 4: ein Aufruf, weiteres Material einzusenden.

NACHTRAG 5: Der erste Meteorit ist gefunden! [Reingefallen; siehe NACHTRAG 7] [Nein, doch echt; siehe NACHTRAG 9] Der war hörbar auf das Dach eines Hauses in Novato gefallen, und nachdem sich herumgesprochen hatte, dass in der Gegend Meteoriten der Feuerkugel gefallen sein könnten, wurde der 63-Gramm-Stein aus dem All entdeckt. Dank dieses ersten Fundes kann das Streufeld bereits genauer eingegrenzt werden. NACHTRAG 6: spätere Artikel hier, hier, hier und hier. NACHTRAG 7: Der gefeierte Stein hat sich als ein ganz gewöhnlicher entpuppt – die Suche geht weiter, und es gibt schon einen zweiten Kandidaten …

NACHTRAG 8: Besagter zweiter Meteorit scheint echt zu sein! Die Grafik oben zeigt, wo Stücke welcher Masse noch zu bergen sein könnten, in den kalifornischen Counties Marin und Sonoma.

NACHTRAG 9: Der erste Meteoriten-Fund ist doch einer, womit schon zwei Meteoriten des Falles gefunden sind (hier der 2., ebenfalls aus Novato; rechts angeschnitten) – siehe auch die Diskussion unter diesem Artikel zu den bizarren Entwicklungen …

Live-Blog zur 44. Tagung der DPS der AAS in Reno

15. Oktober 2012

Die drei(!) Sonnen-Transits der Venus im Jahre 2012

waren auch ein Thema auf der 3. und letzten Pressekonferenz der 44. DPS-Tagung der AAS (ab 28:37; Aufzeichnungen auch vom 15. und 16. Oktober): Jay Pasachoff zeigte in rasender Geschwindigkeit Ergebnisse seines Teams vom Halekala, wo 680’000 Bilder entstanden, darunter auch obiges Bild eines speziellen Koronographen, das ein Stück Licht-zur-Erde-brechende Venusatmosphäre bereits zeigt, bevor deren anderer Rand überhaupt den Sonnenrand berührt hat [NACHTRAG: die ganze Sequenz]. Auswertungsergebnisse der Datenflut bzgl. der Eigenschaften der Venusatmosphäre gab es noch nicht zu hören, wohl aber von den anderen beiden Venus-Transits des Jahres! Am 20. September hat Hubble 14 Orbits lang immer wieder den Jupiter durch diverse Filter aufgenommen (Pasachoff zeigte einige der hübschen Bilder, im oben verlinkten Video ab 37:40), und der leichte Rückgang der Einstrahlung, während die Venus vor der Sonne stand, wird sich vielleicht nachweisen lassen. Am 21. Dezember schließlich gibt es einen Venus-Transit für den Saturn: Den wird Cassini mit dem VIMS-Instrument zu beobachten versuchen. [23:30 MESZ am 17. Oktober – ENDE]

Typische Jupiter-Anblicke 2009, 2010, 2011 und 2012 (von oben; von links in RGB und im thermischen IR bei 4.8 und 8.7 µm) im vielsagenden Vergleich: Das Verschwinden und die Wiederkehr des SEB (unten) sind ebenso zu sehen wie die aktuellen Veränderungen am NEB. Auf der DPS-PK verwies Referent Glenn Orton explizit auf die immer größere Rolle der Jupiter-Überwachung durch Amateurastronomen, was inbesondere auch die Beobachtungen von Impakten. Nach dem letzten diesen September zeigten IR-Beobachtungen keinen Effekt: Der Körper war keine 15 m groß gewesen. [23:10 MESZ]

Io-Vulkane von der Erde überwacht: Ruhe seit Juni 2010

Mit Teleskopen der 8- bis 10-m-Klasse und Adaptiver Optik ist es ein Leichtes, die Vulkan-Aktivität auf dem Jupiter-Mond Io zu überwachen, wozu vor Ort bis zur Ankunft von JUICE 2030 keine Sonde in der Lage sein wird: Eine Gesamtschau von Daten über 9 Jahre hinweg zeigte zunächst ständig irgendwo Aktivität, v.a. bei einem mindestens 530 Tage langen Ausbruch von Tvashtar 2006/7 – aber die letzten 13 Beobachtungen seit Juni 2010 haben nichts mehr ergeben. Ist Io plötzlich ruhig geworden, oder hatte man nur Pech mit den Zeitfenstern? Auf der heutigen DPS-PK wussten sie es nicht. Die Bilder Ios im nahen IR werden jedenfalls bald noch besser: erst in ~3 Jahren mit neuer AO am Keck-Teleskop – und dann mit der nächsten Generation optischer Großteleskope. Das für den Mauna Kea angedachte Thirty Meter Telescope z.B. sollte 30 km Auflösung auf dem Mond schaffen, so wie auf vielen Aufnahmen der Galileo-Sonde. [23:00 MESZ. NACHTRAG: noch ein Press Release]

Die mittelgroßen Saturnmonde entstanden durch Kollisionen von Vorgänger-Körpern untereinander, als das Saturnsystem im Rahmen des ‚Umbaus‘ des jungen Sonnensystems – Stichwort Nice model – in Unordnung geriet, wurde heute auf der letzten DPS-PK vorgeschlagen: Bei 3 bis 4 energiereichen Verschmelzungs-Ereignissen entstanden einerseits der heutige Titan und andererseis aus Trümmern die mittelgroßen Eismonde. Deren Vielfalt so zu erklären ist, dass ihre Bestandteile aus unterschiedlicher Tiefe kamen. Solcherlei Monde fehlen dem Jupiter dessen System aus den vier großen Galileischen Monden einfach zu stabil gebaut ist. Auf derselben PK wurden auch verfeinerte Vorstellungen zur Entstehung des Erd-Monds durch einen Riesenimpakt in eine schnell rotierende Erde ausgeführt. [22:45 MESZ. NACHTRAG: noch ein Artikel]

Mars-Gletscher als guter Test für globale Klimamodelle

wurden gestern auf der PK der DPS-Tagung angepriesen: Die starken Schwankungen der – nicht durch einen dicken Mond stabilisierten – Rotationsache des Mars führen zu (gut berechenbaren) starken Klimaschwankungen – die wiederum zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten die Bildung von Gletschern fördern. Die Spuren letzterer sind auf Orbiter-Aufnahmen zu erkennen (im Krater Greg besonders gut untersucht), datieren kann man sie anhand der Zahl der Impaktkrater – und siehe da: Alles passt zusammen! Das hat auch eine politische Dimension für unseren Planeten: “Some public figures imply that modeling of global climate change on Earth is ‘junk science,’ but if climate models can explain features observed on other planets, then the models must have at least some validity.” [20:35 MESZ. NACHTRAG: Berichte vom 2. Konferenztag hier und hier]

Curiosity kann zur Aufklärung des Mars-Methan-Mysteriums beitragen, das die Planetenforschung seit einem Jahrzehnt umtreibt: Fernerkundungsdaten aus dem Orbit und von der Erde aus werden – nicht ganz unumstritten – als rasant auftauchendes und wieder verschwindendes Methan interpretiert. Wie es gestern auf einer DPS-PK hieß, sollte es mit dem TLS-Instrument auf Curiosity möglich sein, die behaupteten Methan-Mengen vor Ort nach zu weisen. Und ihre zeitliche Veränderungen würde – im Zusammenspiel mit Klimamodellen – endlich konkrete Aussagen über die Quellen erlauben. [20:25 MESZ. NACHTRAG: ein Press Release dazu]

Titans Ozeane werden alle 50’000 Jahre „umgepumpt“

Nämlich vom Nordpol des Saturnmonds, wo man derzeit ausgedehnte Methan-Meere findet, zum Südpol – wo jetzt auf Cassini-Radarbildern leere Becken vergleichbarer Größe ausgemacht wurden – und zurück: Dafür sorgen langfristige Klimaverschiebungen in Analogie zu den Milanković-Zyklen der Erde, die nun für den Titan als bestätigt gelten, hieß es gestern auf einer DPS-PK. Wie Cassini aber auch feststellte, können jeweils nach dem Ende der langen feuchten Sommer am entsprechenden Pol Methan-Tümpel zurück bleiben, so wie derzeit der „Ontario-See“ am Südpol (Bild), der in 50’000 Jahren wieder ein Ontario-„Meer“ in den markierten Grenzen werden dürfte. Präbiotische Chemie in derartigen Tümpeln braucht sich also nicht zu beeilen, sie kann unabhängig vom aktuellen Titan-Klima weiter laufen. [20:15 MESZ]

Intermezzo: Planet mit einer Erdmasse ganz nahe bei Alpha Centauri B gefunden – RV-Amplitude 50 cm/s!

Weil ein gewisser „NJD“, dessen Identität noch unklar ist [NACHTRAG: nicht mehr; siehe 2:35 MESZ!], unbedingt der erste sein wollte und mit diesem Artikel ein strenges News-Embargo brach, hat man sich entschieden, gut 19 Stunden früher als vorgesehen alles publik zu machen: Der erdnächste helle Stern Alpha Centauri B hat offensichtlich einen Planeten von nur einer Erdmasse auf einer extrem engen Umlaufbahn mit 3.2 Tagen Periode, was aber trotzdem selbst für den führenden Spektrographen HARPS der ESO nur ein sehr verrauschtes Signal liefert (2. Bild, aus einer geheimen Telecon gestern Nachmittag). Die Amplitude der Radialgeschwindigkeit von 1 m/s Peak-to-Valley ist nur halb so groß wie die Messfehler, aber dank einer sehr langen Messreihe soll die Wahrscheinlichkeit für ein falsch positives Signal nur bei 1:1000 liegen: gut genug für die Beobachter und die Referees von Nature, wo das Ganze heute erscheint (daher das ehemalige Embargo), noch nicht restlos überzeugend allerdings für einen anderen Exoplaneten-Forscher, der im selben Heft einen Kommentar abgeben durfte. Es ist der masseärmste Planet, den HARPS je beobachtete, und das Signal tauchte überhaupt erst auf, nachdem mit großem Aufwand Effekte durch Sternflecken heraus gerechnet wurden.

Die internationale Konkurrenz bei der Jagd nach Alpha-Cen-Planeten („“Noch eine Jagd …“) ist noch lange nicht so weit, um das schwache Signal bestätigen oder widerlegen zu können, man müht sich aber. Dummerweise kommen sich Alpha Cen A und B jetzt immer näher, und das Licht des ersteren strahlt nur noch bei sehr gutem Seeing nicht dazwischen. Andererseits besteht angesichts des extrem engen Orbits eine 10%-Chance auf Transits – ein ESO Press Release mit Link zum freien Original-Paper, eine Nature-Zusammenfassung und erste schon vorbereitete Artikel hier, hier und hier, die binnen Sekunden nach Aufhebung des Embargos online waren. [0:35 MESZ] Wie das Embargo gebrochen und aufgehoben wurde (dieser Blogger spielt auch mit!), die Story für Kinder und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [2:35 MESZ] Und noch mehr hier, hier, hier, hier und hier. [4:05 MESZ] Unabhängig viele Details zur Zuverlässigkeit der HARPS-Analyse, an der es – wie dieses Blog erfahren hat – auch Zweifel gibt: Deswegen bestand Nature darauf, dass die Original-HARPS-Daten sofort frei zugänglich werden müssen. Und auch die US-Konkurrenz schläft nicht. [19:20 MESZ] Eine Aufzeichnung der Telecon, eine Gratulation der NASA und ein Artikel der AAVSO. [19:45 MESZ]

Neun alternative „Fluchtwege“ durch das Pluto-System

für New Horizons hat man sich inzwischen ausgedacht, um den befürchteten Staubwolken um den Zwergplaneten („New-Horizons-Planer besorgt …“) ggf. entgehen zu können, hat der Sonden-Chef heute auf einer PK in Reno erzählt: Noch bis 10 Tage vor der größten Annäherung kann auf eine der Alternativbahnen (Grafik) gewechselt werden. Die inzwischen 5 entdeckten Monde werden allgemein als Spitze eines Eisbergs interpretiert, denn das ganze System ist offenbar „kollisional“, was auch ein ausgeprägtes – von der Erde aus aber nicht nachweisbares – Ringsystem produziert haben dürfte. Werden nämlich die kleineren Monde getroffen, fallen die Splitter nicht wie bei Pluto und Charon zurück sondern entweichen auf Bahnen um den Zwergplaneten. Dort bildern sie dann eine ziemlich dreidimensionale Staubwolke: Die wird New Horizons in den letzten Wochen des Anflugs mit allen Mitteln zu charakterisieren versuchen, bevor allerspätestens am 4. Juli 2015 die Entscheidung fällt, wo man am 14. Juli mit 14 km/s entlang schießen will. Die 9 SHBOTs – Save Haven Bail Out Trajectories – mussten schon jetzt fest gelegt werden, weil sie zu programmieren noch eine Menge Arbeit ist. Morgen sind es exakt 1000 Tage bis zum Flyby! [23:25 MESZ am 16. Oktober. NACHTRAG: Artikel auch hier, hier und hier]

Intermezzo! Curiosity greift jetzt zum 3. Mal zu, und diese Bodenprobe wird zum ersten Mal in das CheMin-Labor geschickt. Die ganze Gegend – oben eine neue Perspektive; da liegt manch seltsamer Stein herum – hat sich als verschmutzt mit kleinen Resten von Lande-Hardware erwiesen: Man muss aufpassen, dass davon nichts eingesammelt wird. [2:20 MESZ] Zurück nach Reno: Was dort am 1. Konferenztag sonst noch so passierte. [6:35 MESZ. NACHTRAG: noch’n Artikel über Tag 1]

Immer neue Exoten unter Exoplaneten-Systemen

Das 44th Annual Meeting of the Division for Planetary Sciences (DPS) of the American Astronomical Society (AAS) diese Woche in Reno, Nevada, wird von ein paar Pressekonferenzen begleitet – hier gibt’s die Highlights. (Und am Mittwoch zwischendurch noch was ganz Besonderes, das dieser Blogger schon kennt aber noch nicht verraten darf.) Eine Erkenntnis – aus der Kepler-Statistik – heute: 85% aller Exoplaneten haben Bahnneigungen < 3°, die meisten Planetensysteme sind "platt wie Pfannkuchen".

Ein weiterer Kepler-Fund war dank des Papers und Projekt-Blogs ebenfalls bereits bekannt: das System KIC 4862625 mit dem Planeten „PH1“ – der im Transit beobachtet wird und um vier Sterne gleichzeitig kreist, eine Konfiguration, die noch nie gesehen worden war. Interessant auch, dass der Fund den Planet Hunters gelang, also echte Citizen Science ist – gefolgt von viel Nacharbeit der Profis natürlich. [NACHTRAG: Eine andere Gruppe fand den Planeten unabhängig und hat jetzt auch ein Paper fertig.]

Schon eine Weile bekannt ist auch das System KOI 500, das zu einer großen Gruppe von Kepler-Planetensystemen gehört, die inzwischen STIPs = Systems with Tightly Packed Inner Planets genannt werden: Mit 5 Planeten(kandidaten) im Transit hat es sich inzwischen allerdings als eine Seltenheit heraus gestellt, zumal es besonders kompakt geraten ist. Alle 191 Tage nehmen die äußeren 4 Planeten dieselbe Konfiguration ein („two interlocking 3-body resonances“), was man noch nirgendwo sonst sah. Diese Konfiguration hat sich wohl während der Migration der Planeten bei der Entstehung des Systems eingestellt: ein wichtiger Test für Modelle dazu, der auch die Frage aufwirft, warum es im Sonnensystem nicht so gekommen ist. [NACHTRAG: ein weiterer Artikel].

Als Zugabe noch Statistik des WISE-Satelliten zu den Trojanern des Jupiter, von denen der IR-Satellit bei seiner gleichmäßigen Himmelsdurchmusterung etwa 2000 fand: 40% mehr in der voraus laufenden Gruppe, aber die Körper in beiden Haufen waren gleich dunkel, rötlich und „primitiv“. Die könnte sich der Jupiter schon bei seiner Entstehung eingefangen haben. Und WISE konnte den Erd-Trojaner 2011 TK7 (aus ISAN 142-5) vermessen: Durchmesser 380±120 m, Albedo 6±5 % – ein mögliches Ziel für einen Besuch. Und WISE hat auch noch weitere NEAs auf erdähnlichen Bahnen gefunden und vermessen. [22:25 MESZ am 15. Oktober]