Ein Falcon-Triebwerk zerbricht, keiner merkt’s, und der Dragon erreicht die korrekte Bahn

So sah der Start der Falcon 9 mit dem ersten Dragon im NASA-Auftrag in der Live-Übertragung von SpaceX aus: Bei 5:21 erkennt man eine Art Explosion eines der Triebwerke und etwas fällt herunter, vermutlich die Düse eines Triebwerks – die anderen brannten dann länger und die Dragon kam trotzdem auf die korrekte Bahn, wo sie am 10. Oktober um 13:22 MESZ von der ISS eingefangen werden soll.

Wie wenig die Rakete von dem möglicherweise gravierenden Vorfall beeinträchtigt wurde, erkennt man auch daran, dass der Startkommentator der NASA – die eine völlig andere Übertragung mit eigenen Kameras produzierte – überhaupt nichts mitbekam! Bei 2:26 erklärt er 2 Minuten nach dem Abheben alle 9 Triebwerke der ersten Stufe für einwandfrei – da war die Nr. 1 schon 40 Sekunden tot …

Ansonsten verlief dann (wieder) alles wie am Schnürchen, wie in dieser hektischen Re-Animation von Screenshots zu sehen ist: Der Dragon wurde ausgesetzt, seine Solarzellen entfalteten sich, und auch die Sekundärnutzlast setzte die Falcon korrekt aus. Standbilder vom Start auch hier, hier und hier, ein Statement vom POTUS (zur Politik, nicht dem Triebwerks-Problem) und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. NACHTRAG: Während Beobachter die Explosion der Turbopumpe vermuten, feiert SpaceX – wo man ebenfalls erst einen völlig nominalen Start behauptete [HINWEIS: siehe den ursprünglichen Text der inzwischen manipulierten PM] – lieber die Robustheit des Systems … NACHTRAG 2: … mit der es aber nicht weit her ist: Offenbar wurde die zweite Nutzlast auf eine falsche Bahn gebracht! Über den Merlin-Ausfall während des Starts gibt es noch nichts Neues, also kann hier und hier munter weiter spekuliert werden.

NACHTRAG 3: Jetzt gibt’s das Video des Zwischenfalls mit dem Triebwerk Nr. 1 auch Bild für Bild – bevor sich SpaceX näher dazu äußert, viel Stoff für weitere Spekulationen … NACHTRAG 4: Endlich ein Artikel, der indirekt die unterirdische Informationspolitik von SpaceX kritisiert, und ein anderer, der die Dramatik und möglichen Konsequenzen der Ereignisse realisiert. Sonst kaum Reaktionen bisher.

NACHTRAG 5: Nach 17 Stunden hat SpaceX – aus deren Galerie auch dieses Start-Foto stammt – erste Informationen zum Zwischenfall mit dem Triebwerk 1 gegeben. Danach ist es nicht explodiert, denn es lieferte auch nach dem Ausfall 79 Sekunden nach dem Start weiter Telemetrie: Die sprach von einem abrupten Druckabfall, woraufhin es sofort abgeschaltet wurde. Dann sei durch die plötzliche Druckentlastung seine Verkleidung zerrissen; die anderen 8 Triebwerke seien dabei nicht zu Schaden gekommen, und der Bordcomputer sorgte mit ihnen für das Erreichen der korrekten Bahn für den Dragon (dessen entscheidende Klappe über den Rendezvous-Sensoren auch offen ist). Über die falsche Bahn für die zweite Nutzlast äußerte sich SpaceX nicht: Die ist nach Berechnungen von J. McDowell nur auf einer 203×323- statt 350×750-km-Bahn gelandet, weil die zweite Stufe kein 2. Mal zündete. NACHTRAG 6: Genau so war es, bestätigt endlich ORBCOMM – man will versuchen, die Satellitenbahn anzuheben. NACHTRAG 7: Die wahrscheinliche Erklärung, warum die 2. Stufe kein 2. Mal zünden durfte: Man konnte nicht garantieren, dass der Satellit nicht auf einer zu ISS-ähnlichen Bahn landen würde.

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3 Antworten to “Ein Falcon-Triebwerk zerbricht, keiner merkt’s, und der Dragon erreicht die korrekte Bahn”

  1. Live-Blog zur zweiten Dragon-Reise zur ISS « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Skyweek Zwei Punkt Null Alles über's All … von Daniel Fischer … seit 1985 – und jetzt online im klassischen Blog-Format « Ein Falcon-Triebwerk zerbricht, keiner merkt’s, und der Dragon erreicht die korrekte Bahn […]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 18. Januar « Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] ersten Dragon-Flug zur ISS geben Space X und auch die NASA, die zwar bei der Untersuchung mitmachte aber nichts verraten darf […]

  3. Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] mehrere Tage. Auch hoch auflösende Amateur-Aufnahmen der ISS – und eine Erklärung für das Falcon-9-Triebwerks-Versagen letzten […]

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