Archive for Oktober 2012

Paper-Berg open-access: Dunkle Materie für alle!

15. Oktober 2012

Woraus sie besteht, wissen wir zwar noch nicht – aber dafür gibt’s sie jetzt in großer Menge gratis: Die bereits seit 1799(!) erscheinenden Analen der Physik haben eine dicke Sonderausgabe zu allen Aspekten dieses fundamentalen Phänomens der Astronomie heraus gebracht. Und das Beste: Sämtliche der vielen Papers können über das Inhaltsverzeichnis der „Special Issue: Dark Matter“ kostenlos herunter geladen werden, weit über 100 Seiten!

Live-Blog zur Rekord-Fahrt des Stratos-Ballons

14. Oktober 2012

Die besten Standbilder des großen Stratosphären-Sprungs

sind zwei Tage danach im Red-Bull-Pool für Pressebilder eingestellt worden: 35 Kameras waren insgesamt im Einsatz. Und dieser neue Video-Clip von Red Bull enthält (auch) neue spektakuläre Aufnahmen weiterer Kameras auf Baumgartner! Und eine Mini-Doku ist auch schon fertig. [15:25 MESZ] Baumgartners Abschied von Roswell, warum er nicht verglühte und was das alles dem Sponsor gebracht hat – plus ein abgehobenes Essay und ein Cartoon. [20:50 MESZ am 16. Oktober – ENDE. NACHTRÄGE: ein Bild von Stratos vom Hobby-Ballon aus aus großer Distanz (mehr Bilder mit „Weiter“), ein TV-Bericht darüber, der Stratos-Ballon wieder am Boden, noch ein paar Bilder mehr, wesentliche Zahlen, eigene Berichte vom Debriefing und der Bergung von Kapsel und Ballon und Artikel zu Kittingers Gedanken, was das alles soll und dem Marketing-Aspekt]

Da fliegt er … ein Foto von der Kapsel aus nach dem Absprung ist gerade im Red Bull Content Pool für Medien-Nutzung aufgetaucht, hier etwas kontrastverstärkt, da die Linse beschlagen war. Und Baumgartner lässt wissen, dass er die letzte Nacht 4 Stunden geschlafen hat – und dass nun Schluss ist. [18:35 MESZ] Noch mehr Scherze – und Cat Content … [19:30 MESZ] … und wie schnell war er gleich noch mal? Plus fünf frühere „daredevils who helped science“. [23:10 MESZ am 15. Oktober] U. Walter gerade im RTL Nachtjournal: Dass Baumgartner beim Erreichen von Mach 1 nichts spürte, ist ein überraschendes wissenschaftliches Ergebnis. [0:05 am 16. Oktober] Wie, das war nicht so groß wie die Mondlandungen? [2:00 MESZ] Was, doch keine Wissenschaft? [2:45 MESZ] Wie, doch cool? [4:20 MESZ]

Ein Stück aus Baumgartners ChestCam-Video mit völlig unpassender Musik anstelle des österreichischen Kommentars, die wohl suggerieren soll, dass in der Stratosphäre wild rum zu torkeln ein Riesenspaß sei … [NACHTRÄGE: Das grausliche Musik-Video gegen die Originalfassung ausgetauscht; andere musikalische Schnittversionen hier und hier]. Auch ein Interview mit einem Physiker. [17:45 MESZ] Bis zur amtlichen Anerkennung der Rekorde kann es übrigens noch Monate dauern. [18:20 MESZ]

Ein neues (Video-)Standbild vom Absprung ist soeben veröffentlicht worden – häppchenweise streut Red Bull jetzt die optischen Goodies aus … [4:05 MESZ] Und die Tagesschau versucht’s nochmal (vgl. 22:30 MESZ am 14.10.). [4:20 MESZ] Zu dumm, dass der Sprung ungültig war: Baumgartner ist übergetreten! [NACHTRAG: erstaunliche Nachwirkungen dieses Juxes …] Die NSS feiert trotzdem; weitere Visuals sind in den vergangenen 12 Stunden weder hier noch hier noch hier aufgetaucht, weitere Artikel hingegen hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [16:15 MESZ] Ein kurzes aber heftiges Video aus Sicht Baumgartners ist aufgetaucht, auch hier und hier! [16:30 MESZ]

Ein hektisches Highlights-Tape des Sprungs aus dem Hause Red Bull – alles in 1:30, oft zeitgerafft – scheint auch ein paar Sekunden neues Material aus der Stratosphäre zu enthalten …

… und es gibt auch erste Standbilder von Kameras in der Kapsel, wie dieses vom Verlassen derselben auf 39 km Höhe. [3:40 MESZ] Die Nutzlast des anderen Ballons nach der Bergung: Eine Festplatte darin sollen tausende Fotos – auch von Stratos? – enthalten. [3:55 MESZ]

Na endlich ein ordentlicher Mitschnitt des kompletten Sprungs [NACHTRAG: Die Servus-TV-Version (Sprung um 4:02, Landung um 13:04) ausgetauscht]. Und noch jede Menge Screeshots mehr. [0:15 MESZ] Na sieh an, da hat ja gestern noch ein Promi die Schallmauer durchbrochen … [0:40 MESZ. NACHTRÄGE: mehr und mehr dazu] Mehr Artikel zum anderen hier, hier, hier, hier und hier. [1:00 MESZ] Der komplette Sprung dauerte übrigens 9 Minuten und 3 Sekunden. Und dann war da noch ein Hobby-Ballon, der gleichzeitig startete – und dann von Stratos-Leuten geborgen wurde. Ob es damit gelang, Stratos aus der Luft auf zu nehmen, ist (diesem Blogger jedenfalls) nicht klar. [2:30 MESZ]

Das bislang beste Bild von Baumgartner vor diesem Sprung: aus dem Videostream gegrabbt vom FreiZeit-Tiger, weiter prozessiert von diesem Blogger – und die leere Kapsel danach. Na ja, und gescherzt wird über den Sprung natürlich auch schon … [23:20 MESZ am 14. Oktober] Allerlei Pool-Fotos aus Roswell, gelandet wird auf der 2. Seite – wobei man kaum glauben mag, dass der da gerade in 39 km Höhe ausgestiegen ist … [0:00 MESZ am 15. Oktober]

Erklären was passierte: schwieriger als der Sprung …?

Die Headline-Dichter der Tagesschau haben es erst so und dann so versucht, aber irgendwie passt’s immer noch nicht … während gleich hier eine Pressekonferenz beginnt! [22:30 MESZ. NACHTRAG: Komplett-Mitschnitt] Dort gab’s als erstes die – vorläufigen – Zahlen: Baumgartner sprang in 39’045 Metern (128’100 ft) Höhe ab und fiel 4 Minuten und 20 Sekunden ohne Bremsschirm, wobei er vertikal 36’529 Meter (119’846 ft) zurücklegte – und dabei eine Spitzengeschwindigkeit von 373 m/s = 1342.8 km/h erreichte. Was Mach 1.24 entspricht! Das Durchbrechen der Schallmauer spürte er kein bisschen in seinem Druckanzug – er hatte kein Gefühl für die Geschwindigkeit. [22:45 MESZ]

Kittinger, Baumgartner und Thompson auf der PK. Letzterer – der technische Projektleiter – nennt Baumgartner einen „exzellenten Testpiloten“: Durch seine Erfahrungen mit sauberem Absprung, Taumeln und Stabilisierung habe er viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. [22:55 MESZ]

Kittinger (l.) grüßt all diejenigen ‚Experten‘, die vorausgesagt hatten, Baumgartner (r.) würde es beim Durchbrechen der Schallmauer zerreißen: großes Gelächter im Saal, Ende der Übertragung weil der Satellit nur bis 23:00 MESZ gemietet war. Wegen der geringen Luftdichte war der Nicht-Effekt allerdings wohl zu erwarten. [23:05 MESZ]

Ist dieses geniale Foto von diesem Sprung? Dieses animated GIF ist es jedenfalls. [21:10 MESZ. NACHTRAG: Das Standbild ist vom Testsprung im März aus ’nur‘ 21.8 km Höhe – trotzdem schön] In einem Exklusiv-Interview mit Servus TV [NACHTRÄGE: Aufzeichnung, auch früher einsetzend] erzählt Baumgartner gerade, dass sie die Fahrt beinahe abgebrochen hätten, weil seine Visier-Heizung nicht funktionierte! [21:11 MESZ] Und das Taumeln, in das er geriet, war „richtig violent“, er glaubte an einem Punkt, er werde das Bewusstsein verlieren: „Es war um einiges schwieriger wie alle angenommen haben.“ [21:29 MESZ] Drei Mitschnitte des Sprungs hier, hier und hier, keiner besonders gut. Aber diese 2 Minuten aus der BBC-Übertragung! [21:59 MESZ] Und ein Foto eines Amateurastronomen vom Ballon – aus 396 km Entfernung. [22:13 MESZ]

Baumgartners Rekordsprung ein sensationeller Erfolg!

Er ist gesprungen, er geriet schwer ins Trudeln, er stabilisierte seinen freien Fall, er zog die Leine. ohne Kittingers Rekord für den längsten Freifall zu brechen (vielleicht wegen der Trudelprobleme, vielleicht Ärger mit dem Visier), und er schwebte Minuten später punktgenau zu Boden, wo er stehend landete – links auch noch die Kapsel am Schirm. Jetzt kann man wieder atmen … [20:25 MESZ] Inofffiziell hat Baumgartner drei Rekorde in der Tasche, insbesondere sein „Belly Recorder“, der sofort nach der Landung einkassiert wurde, muss aber noch ausgewertet werden. Und seine Kapsel ist in diesem Augenblick auch sanft gelandet. [20:40 MESZ] Erste Artikel hier, hier, hier, hier und hier – und U. Walter glaubt, dass er die Schallgeschwindigkeit um 15% überschritten haben sollte. [21:05 MESZ]

Der Blick nach unten aus 125’000 Fuss Höhe, und der Ballon nähert sich bereits 39 km Höhe, steigt wieder schneller. [19:47 MESZ] 15 Minuten bis zum Sprung! [19:49 MESZ] U. Walter im Servus-TV-Studio ist sich bei der Höhe jetzt – 39.0 km – und den anderen Parametern völlig sicher, dass Baumgartner Mach 1 erreichen wird, egal wie er springt. [19:55 MESZ] Der Blick aus 39 km Höhe – und diese Marke wurde soeben überschritten. [20:00 MESZ] Die Ballonhöhe schwankt immer wieder um 39 km, der Druck in der Kapsel wird bereits abgelassen. [20:03 MESZ]

Baumgartner jetzt der höchste Ballonfahrer aller Zeiten!

Soeben hat er den bestehenden Rekord geknackt [NACHTRAG: Aufzeichnung der Momente] – und der Ballon, der sich 35 km Höhe nähert, ist schon ganz schön rund geworden. [19:34 MESZ. NACHTRAG: Aber amtlich ist der Rekord erst nach der Rückkehr]

Im Servus-TV-Studio spekulieren die Experten bereits, dass Baumgartner noch in 38 bis 39 km Höhe steigen könnte, bevor er springt. [19:37 MESZ] Blick auf die Erde aus 31 km Höhe; für die Horizontkrümmung ist aber v.a. die Fischaugenoptik verantwortlich. Und der Sprung wird vorbereitet! [19:43 MESZ] Schon über 37 km erreicht, die Minimalhöhe ist deutlich überschritten – das Erreichen von Mach 1 wird immer wahrscheinlicher. [19:45 MESZ]

Schon fast 30 km hoch ist der Ballon, der inzwischen (wieder) mit 5 m/s steigt (auch ein Bild in 25 km Höhe) und im Wind nach Westen fährt – der Kommentator von Servus TV insistiert, dass auch Stratosphärenballons nicht „fliegen“. [19:10 MESZ] 37 km könnten gegen 19:40 MESZ erreicht sein. Und der Punkt in 31 km Höhe, wo einst Kittinger ausstieg, wurde soeben passiert! [19:20 MESZ]

Schon 22 km hoch ist der Ballon gestiegen – und immer noch gut vom Boden aus zu sehen, auch wenn das Seeing manchmal das Bild verschleiert. Und die Kameras, die alles dokumentieren. [18:45 MESZ]

Und hier Bilder der Kapsel und des kompletten Enselmbles, von den nämlichen Spezialkameras erfasst. [18:50 MESZ] in RTL Aktuell hat die Reporterin aus Roswell erzählt, dass der Ballon so schnell aufgestiegen ist, dass der Absprung schon um 19:30 MESZ kommen könnte. Springen muss Baumgartner so oder so: In der Kapsel wieder zu landen, wäre selbst bei einem Abbruch zu riskant. [19:00 MESZ]

15 km Höhe sind bereits erreicht beim Aufstieg von Stratos, auch ein Bild aus 8 km Höhe. [18:15 MESZ] Und Bilder vom Start und aus 9 km Höhe in Full-HD-Auflösung! [18:25 MESZ] Baumgartner hat die „Armstrong-Linie“ passiert, über 20 km hoch. [18:40 MESZ]

Die große Reise des Felix Baumgartner hat begonnen!

Um 17:30 MESZ hat der Stratos-Ballon – nach vielen Wind-Verschiebungen zu guter Letzt sogar eine halbe Stunde früher als angekündigt – in New Mexico abgehoben: 5 Screenshots aus dem Webcast (ganz oben [NACHTRAG: durch eine Mini-Doku ersetzt]), als Kontrastprogramm Kittingers Sprung vor 52 Jahren unten. Einen überschwänglichen Webcast aus Österreich kann man hier verfolgen, einen Live-Ticker hat’s hier – und hier gibt’s disjunkte Meinungen, ob Baumgarnter die Schallmauer durchbrechen wird oder nicht. Wenn, dann auf den Tag genau 65 Jahre nach Yeagers erstem Durchbruch – welch ein Zufall! [17:45 MESZ]

Transport durch die Straßen von LA: Endeavour populärer als in ihrer aktiven Zeit …

14. Oktober 2012

Auch der zweite Tag des großen Straßentransports des OV105 („Intermezzo! Die allerletzte Reise der Endeavour“) neigt sich schon dem Ende entgegen (die beiden TV-Stills unten, vor ein paar Minuten), und noch immer ist der Transport (oben ein Video und ein Bild der NASA [NACHTRAG: mehr]) mit rund 3 km/h nicht im California Science Center angekommen. Manche Engstelle und zahllose Schaulustige am Wegesrand ließen die beispiellose Aktion immer wieder ins Stocken kommen. Weitere Bilderstrecken gibt’s z.B. hier, hier, hier, hier und hier, auch einen 2-Minuten-Beitrag der Tagesthemen, ein energisches Liveblog mit unzähligen Bildern, ein quasi-dokumentarisches Commercial über den Transporter und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.

NACHTRAG: Dramatische nächtliche Hubschrauber-Live-Bilder kurz vor 19:30 Uhr Ortszeit (4:30 MESZ) mit der Endeavour in Flutlicht und Blitzlicht-Gewitter. Die höchst komplizierte Operation ist inzwischen gut 2 1/2 Stunden hinter dem Zeitplan, und das California Science Center wird voraussichtlich nicht vor 2 Uhr Morgens Ortszeit (11:00 MESZ) erreicht, 5 Stunden verspätet.

NACHTRAG 2: Der Tross hat das Einbiegen um scharfe 90° in die MLK-Straße – was als besonders schwierig galt – offenbar gut hin bekommen, kurt vor 20:00 PDT. Ab jetzt geht’s im Wesentlichen geradeaus weiter, aber die Verspätung ist mindestens 3 Stunden.

NACHTRAG 3: Es geht auf 6 Uhr morgens PDT, und die Endeavour ist – nach erheblichen Verzögerungen durch Bäume – immer noch unterwegs. Ein kurioses Wettrennen mit dem nächsten Startversuch des Stratos-Ballons, der – nach ebenfalls mehreren Verschiebungen am 14.10. – nun für 16:45 MESZ angesetzt ist …

NACHTRAG 4: Und die Endeavour auf ihrem Very Low Earth Orbit erlebt ihren dritten Morgen, hier gegen 7:00 PDT. Die vielen Bäume an der Martin-Luther-King-Straße durften aus Pietätsgründen nicht gefällt werden, weil man sie einst zu Ehren des Bürgerrechtlers pflanzte. NACHTRAG 5: Erst gegen 14:00 PDT kam die laaange Reise zu einem guten Ende

Bestes Pulsar-Timing der Welt nun in Effelsberg

14. Oktober 2012

Mit kaum einen natürlichen System lässt sich die Allgemeine Relativitätstheorie besser testen als mit rasant rotierenden Neutronensternen, aber dafür muss man die Ankunftszeiten ihrer Radiopulse mit extremer Präzision messen – und das erfordert wiederum spezielle Radioempfänger mit besonders hoher Bandbreite. Genau so einer – mit 1.9 Mio. Euro von der EU gefördert – ist diesen Sommer am Radioteleskop Effelsberg installiert worden und wird gerade getestet: Das Projekt „Beacons in the dark“ wird hier auf den Seiten 3-7, in diesem EU-Antrag („I plan to build the ultimate pulsar observing system“) und oben einer Folie von der Tagung in Bensberg diese Woche von Paolo Freire beschrieben. Nicht nur kann mit BEACON die ART bestätigt sondern auch gezielt alternativen Gravitationstheorien der Garaus gemacht werden – insbesondere einer, die von Dunkel-Materie-Gegnern als deren bester ‚Ersatz‘ propagiert wird …

Weitere größere Artikel

13. Oktober 2012

Ein Paradigmen-Wechsel der Physik … verkündet in Bergisch-Gladbach von Jocelyn Bell (rechts, während eines Pressegesprächs im Schloss Bensberg).

Alter Stern umgibt sich mit riesiger Gas-Spirale – und ALMA löst sie auf!

“Beethoven und die Bonner Durchmusterung” – eine ungewöhnliche Veranstaltung in Bonn (wo sonst).

Kleinere Artikel

Riesen-Ausbruch der Draconiden? Wirre Zahlen vom 8. Oktober.

Komet Hergenrother nach Helligkeitsausbruch heller als 10 mag.

Jeder Rheinländer sollte ein Heim-Planetarium haben … findet eine ‚Regionalillustrierte‘.

Exoplanet bedeckt Exoplanet vor einem Stern – eine exotische Konfiguration.

Der Fall Lovejoy: beeindruckender Schweif ohne Komet – denn der Kern war kurz nach dem Perihel weg!

In München wächst ein großes Röntgenteleskop

12. Oktober 2012

Das letzte Mal hat die Welt – außerhalb der beteiligten Röntgenastronomen – wohl vor 3 Jahren von dem Projekt gehört, als ein Press Release des DLR von der Vertragsunterzeichnung kündete: Das deutsche Röntgenteleskop eROSITA (extended ROentgen Survey with an Imaging Telescope Array; Grafik Mitte) startet mit dem russischen Astro-Satelliten Spektrum Roentgen Gamma (SRG, oben). Seither ist das Instrument – ein stark verbesserter Nachfolger des unglücklichen 1999-er ABRIXAS – am MPI für Extraterrestrische Physik in Garchig im Bau, wie Peter Predehl gestern auf der Tagung from quantum to cosmos 5 berichtete. Es ist ca. 3.2 Meter lang (mit geöffnetem Deckel 4.7 m), 735 kg schwer und besitzt 7 parallele Spiegelmodule, jedes mit 36 cm Durchmesser und aus 54 ineinander geschachtelten Spiegelschalen, die das Röntgenlicht auf jeweils 3 x 3 cm große CCD-Kameras mit 384 x 384 Pixeln für einen Energiebereich von 0.2 bis 12 keV fokussieren. Nur noch ein anderes Instrument – aus Russland – ist an Bord, und als Gegenleistung für eROSITAs Mitflug überlassen die Deutschen, wie letztes Jahr ausgehandelt wurde, Russland genau die Hälfte seiner Daten des Himmels (Grafik unten)!

Intensive Tests des komplexen Instruments beginnen dieser Tage in Garching, Ende 2013 wird eROSITA dann nach Russland geschickt, und der Start des SRG auf einer Zenit mit Fregat in den L2-Punkt des Sonne-Erde-Systems ist jetzt für 2014 geplant: Einer 4-jährigen Himmelsdurchmusterung sollen noch 3 Jahre gepointete Beobachtungen folgen. Eines der Hauptprojekte auf deutscher Seite ist Kosmologie mit Galaxienhaufen, die das Wachstum der großskaligen Struktur des Universums nachzeichnen, und von denen eROSITA rund 100’000 geeignete Exemplare sichten sollte [NACHTRAG: ein Paper zu den Erwartungen]: Seine Empfindlichkeit für Punktquellen ist – bei 0.5 bis 2 keV – 30-mal so hoch wie beim ROSAT. Und auch wenn die Winkelauflösung viel schlechter als bei Chandra ist, kann der Himmel dafür 30-mal so schnell abgescannt werden. Außer den Galaxienhaufen sollten die – in Predehls Erwartung bahnbrechenden – Röntgenkarten auch 300’000 bis 500’000 Sterne zeigen und 3 Millionen Aktive Galaktische Kerne, dazu SN-Reste, das heiße Interstellare Medium usw. Nach zwei Jahren sollen die Daten der ‚deutschen‘ Himmelshälfte frei sein.

Live-Blog zum Start der nächsten zwei Galileos

12. Oktober 2012

Ein weiteres ESA-Foto vom Start – weitere im Stream – und ein Video ab t-3 min. [22:25 MESZ] Die Fregat brennt wieder, wird bestätigt! [23:55 MESZ] Und auch, dass der 2. Burn erfolgreich war. Jetzt wird die Stufe in die richtige Orientierung gedreht. [23:57 MESZ] Die Satelliten sind ausgesetzt! Wenn die beiden neuen Galileos einsatzbereit sind, kann mit den nunmehr vier operationellen zum ersten Mal tatsächlich eine Position auf der Erde bestimmt werden. [24:00 MESZ – ENDE. NACHTRÄGE: ESA und Arianespace Press Releases, Artikel hier, hier, hier, hier & hier, ein Jubel-Tweet und noch mehr Start-Bilder im Stream. NACHTRAG 2: Die ersten 1 1/2 Stunden ist alles bestens gelaufen. NACHTRAG 3: Auch Tags darauf die Satelliten beide glücklich, und die EU auch]

Intermezzo! Radioastronomen sehen grün auf diesem bemerkenswerten japanischen Bild vom ALMA-Interferometer in Chile im Mondschein – derweil dürfte man in München eher blau sein, wo der 50. ESO-Geburtstag gestern Abend heftig begossen vornehm gefeiert wurde … [22:15 MESZ]

Ein echtes Foto vom Soyuz-Start hat die ESA gerade veröffentlicht, mit dem Hinweis, dass die Galileos um 23:59 MESZ ausgesetzt werden sollen. Zuvor soll die Fregat ab 23:49 MESZ ein 2. Mal 5 Min. lang brennen. [21:30 MESZ]

Intermezzo! Die allerletzte Reise der Endeavour hat begonnen, mit dem zwei Tage währenden Landtransport vom Flughafen LAX – oben die Abfahrt heute ganz früh – ins California Science Center: Das Interesse ist groß. Unten noch Überflüge des Hollywood-Zeichens von LA und der Golden Gate Bridge in San Francisco (ein Amateur-Video vom Boden) bei der Ankunft an der Westküste am 21. September; Artikel dazu hier und hier, mehr Bilder, auch hier, hier, hier, hier und hier – und von einem Satelliten aus. [21:15 MESZ]

Die Fregat & die Galileos sind im Orbit in ballistischem Flug: In gut drei Stunden wird die Oberstufe erneut gezündet, bevor die Satelliten ausgesetzt werden. Der Webcast soll um 23:25 MESZ wieder aufgenommen werden. [20:45 MESZ]

Intermezzo! Richtige Fotos von der Ankunft des Dragon an der ISS mit DSLR-Kameras sind – diesmal mit erheblicher Verspätung – veröffentlicht worden. Und SpaceX und die NASA untersuchen gemeinsam, wieso der Falcon-Start beinahe schief gegangen ist … [20:35 MESZ]

Weitere Screenshots aus dem Arianespace/ESA-Webcast; die Zeit läuft von unten nach oben. Die Oberstufe Fregat hat gerade zum 1. Mal gezündet und wird 13 Minuten brennen. [20:25 MESZ]

Keine 2 Minuten mehr bis zum Start. [20:13 MESZ] Gut weg gekommen! Schöner Start am Tag, mit strahlendem Sonnenschein; auch der Abwurf der Booster war gut zu verfolgen. [20:18 MESZ]

Da sitzen sie drin: Fast exakt ein Jahr nach dem Start der ersten beiden operationellen Galileos („Der erste Start einer Soyuz in Französisch-Guayana“) warten nun die nächsten beiden auf ihren Start um 20:15 MESZ mit der 3. Südamerika-Soyuz. Ein Webcast hat soeben verspätet hier begonnen; mehr Artikel sind in dieser Sammlung und speziell hier und hier zu finden. [19:55 MESZ]

Sinn bringen in die irre Vielfalt der Exoplaneten

12. Oktober 2012

Das versuchte gestern Heike Rauer auf der Tagung from quantum to cosmos 5 mit diesem Log-Log-Diagramm: Aufgetragen ist die Dichte gegen die Masse für alle Exoplaneten, für die beide Größen halbwegs genau angegeben werden können; schraffierte Kurven markieren die Zusammensetzung der Planeten, die am besten passt. (Wie schwierig das ist, zeigt gerade der Fall des angeblichen „Diamant-Planeten“ 55 Cnc e, bei dem der Stand der Forschung weder eine reißerische PM noch das Echo hier, hier oder hier wirklich rechtfertigt. Und auch 55 Cnc b erstaunt.) Viele Exemplare sind’s leider noch nicht, aber die nicht gleichmäßige Verteilung in diesem Diagramm fällt doch auf. Dass es links und unten keine gibt, ist ein simpler Auswahleffekt: Messungen geringer Massen sind einfach furchtbar schwer. Aber die Lücke oben in der Mitte scheint für Rauer eine wesentliche Aussage zu beinhalten: Planeten mit grob 1/10 bis 1 Jupiter-Masse und sehr hohen Dichten stellt die Natur nicht her. (Die beiden Ausreißer ganz oben in dieser Zone lässt sie nicht gelten: zwei Kepler-Planeten, deren Massen nur durch Transit Timing Variations abgeschätzt wurden – womöglich falsch?)

Das Muster passt für Rauer zur klassischen Vorstellung der Planetenbildung, angedeutet durch die blauen Pfeile: Erst ballen sich feste Bestandteile zusammen, dann findet sich – ab Erreichen einer bestimmten kritischen Kern-Größe – massenweise Gas dazu, und die mittlere Dichte geht in den Keller. Der beste Weg, dies zu überprüfen und in die Vielfalt der Exoplaneten, die über die Beobachter gekommen sind, wieder Ordnung zu bringen, sind – wer hätte das gedacht – mehr und bessere Daten nötig: Für halbwegs verlässliche Aussagen über das Innenleben eines Planeten sollte man seinen Durchmesser auf 2% und die Masse auf 10% genau kennen, was präzise Transit-Lichtkurven und gute Spektren für den Radialgeschwindigkeits-Effekt erfordert. Und das ideale Werkzeug dafür wäre das Satelliten-Observatorium PLATO, das im ersten Anlauf gegen andere ESA-Kandidaten unterlag, sich aber schon wieder beworben hat: Ende 2013 wird über die M3-Mission entschieden. Rund 18’000 kleine Planeten im Transit um helle – und damit gut spektroskopierbare – Sterne könnte PLATO finden, über 100-mal mehr als von Kepler oder auch anderen Transit-Projekten zu erwarten sind.

Curiosity mit erster Bodenprobe „durchgespült“

11. Oktober 2012

Die erste „Autowäsche auf dem Mars“ ist gestern absolviert worden, mit der ersten Bodenprobe, die sich der Rover mit seiner Schaufel besorgt hatte (oben die Spuren im Sand): Die Arbeiten waren nach der Entdeckung eines sondernbaren hellen Objektchens (ibid.; NACHTRAG 4-5) zunächst unterbrochen aber wieder aufgenommen worden, nachdem man sich von dessen Harmlosigkeit überzeugt hatte. Es handelt sich offenbar um „some type of plastic wrapper material, such as a tube used around a wire“, und stammt vielleicht von der Landeeinheit. Bei der heutigen Telecon war das schon kein Thema mehr, stattdessen wurden ausgiebig APXS- und ChemCam-Analysen am Stein Jake Matijevic diskutiert: Dessen Zusammensetzung erinnert an bestimmtes exotisches Gestein aus dem Erdinneren. Wenn Curiosity mit dem „Rocknest“ fertig ist, geht es knapp 100 m nach Osten: Dann wird erstmals ein Stein angebohrt. Derweil sind auch Teile eines neuen Horizont-Panoramas eingetroffen – das allerdings 450 Pixel breit nicht gut kommen würde …

NACHTRAG: … aber einzelnes Rohbild kann man ja mal zeigen, etwas kontrastverstärkt … NACHTRAG 2: … und weitere Ausschnitte, alle ohne Himmel übrigens – plus Versuche, aus dem Marsstein schlau zu werden, hier, hier und hier.

NACHTRAG 3: Und ein MAHLI-Blick auf das ominöse Plastik-Stückchen vor Curiosity, das auch in dieser Auflösung wie ein kleiner toter Fisch aussieht … NACHTRAG 4: Der 2. Einsatz der Schaufel steht bevor; auch dieser Sand wird nur zur Reinigung benutzt. NACHTRAG 5: Und endlich die Jake-Matijevic-Analyse gaaanz genau erklärt! NACHTRAG 6: Curiosity hat wieder zugelangt. NACHTRAG 7: Noch mehr Panorama – und Gedanken dazu.

Eine Wolfram-Kugel im Orbit bestätigt „Frame-Dragging“ schon auf 1.5 Prozent genau

11. Oktober 2012

Wem ist eigentlich bewusst, dass seit diesem Februar eine 386.8 kg schwere und 36.4 cm große massive Kugel aus dem dichten Metall Wolfram in 1450 km Höhe um die Erde fliegt – und dabei eine wesentliche Voraussage der Allgemeinen Relativitätstheorie mit um eine Größenordnug höherer Genauigkeit als alle Vorgänger überprüfen soll? Und diesem italienischen Passiv-Satelliten namens LARES – oben bei den Startvorbereitungen – ist dies bereits im ersten halben Jahr seit seinem Start auf der ersten Vega-Rakete weitgehend gelungen, war heute auf der Tagung „from quantum to cosmos 5“ in Bergisch-Gladbach zu erfahren, wo Ignazio Ciufolini erste Ergebnisse aus der Bahnverfolgung dieses Satelliten per Lasermessung verriet, dessen Name gleichzeitig ein Akronym für LAser RElativity Satellite und ein Anagramm von LASER ist und zudem auf römische Schutzgötter Bezug nimmt.

Viele Details des Erfolges mochte Ciufolini vor einer formellen Publikation noch nicht verraten, aber doch genug: Noch nie war ein künstlicher Satellit gleichzeitig so klein und so massereich, und entsprechend ist auch noch nie einer so ungestört von Luftreibung auf seiner Bahn allein dem Schwerefeld der Erde gefolgt. LARES übertrifft damit seine Vorgänger LAGEOS I und II, aus deren sich langsam drehender Bahnebene bereits 2004 eine Bestätigung des relativistischen „Frame-Dragging“ auf 10% genau abgeleitet worden war (Artikel 963). Möglich gemacht hatte dies die höchpräzise Vermessung des Schwerefelds der Erde durch das Satellitenpaar GRACE (Artikel 713 und 447), denn der alles andere als kugelsymmetrische Aufbau des Planeten muss bei der Analyse der Bahnebenen-Drehung genauestens heraus gerechnet werden: Ciufolini beschreibt dies anschaulich in einem großen Review-Artikel in Nature 449 [6.9.2007] 41-47.

Inzwischen sind die GRACE-Vermessungen natürlich noch viel besser als damals, und die wesentlich störungsärmere Bahnvermessung des LARES hat zusammen damit und mit den früheren LAGEOS-Erkenntnissen den Relativitätstest dramatisch verbessern können. Nach dem gegenwärtigen Stand der Analyse beträgt das Frame-Dragging 100.3±1.6 % des erwarteten Wertes, d.h. das auch als Lense-Thirring-Effekt bezeichnete „Mitziehen“ des Raumes durch die rotierende Erde ist auf 1.5% genau bestätigt. Der weit aufwändigeren Gravity Probe B war dies nur auf 19% genau gelungen … Die erhofften 1% Genauigkeit sollte LARES in ein paar Jahren spielend schaffen – wobei es übrigens erstaunlich diffizil ist, solch einen scheinbar simplen passiven Satelliten mit (in diesem Fall 92) Laser-Retroreflektoren zu bauen: Die verziehen sich nämlich leicht unter Weltraumbedingungen, und der Satellit ist nicht mehr zu orten. NACHTRAG: Vier Jahre später spricht man von ~5% – nach einiger Diskussion