Archive for Dezember 2012

Drei unzusammenhängende Gedanken zum Tage

28. Dezember 2012

Heute vor 400 Jahren „entdeckte“ Galilei den Neptun

Dass der Teleskop-Pionier Galileo Galilei am 28. Dezember 1612 den Planeten Neptun sichtete und auch 1613 wieder, gilt als sicher – und bis 2009 auch, dass er ihn für einen Fixstern hielt und wieder vergaß. Dann allerdings kam der Verdacht auf, Galilei habe doch eine Bewegung bei dem für seine Instrumente punktförmigen Himmelskörper festgestellt, was seinerzeit für allerlei aufgeregte Schlagzeilen sorgte. Oder ist das alles voller Fehler und nichts als eine „spekulative Blase“?

Gestern starb Jesco von Puttkamer überraschend mit 79

Wie heute bekannt wurde, ist gestern völlig überraschend der dienstälteste NASA-Mitarbeiter Jesco von Puttkamer gestorben – in seiner deutschen Heimat, die er oft besuchte, war er vor allem als charismatischer Verfechter der bemannten Raumfahrt in den Medien und bei öffentlichen Vorträgen bekannt, aber was hat er eigentlich in seinen 50(!) Jahren bei der NASA selbst getan? War er „gleichzeitig Legende und Visionär“ der NASA, dabei ein oder gar der „Vater des US Space Shuttles“ und „maßgeblich“ an der Planung der ISS beteiligt, kurz ein „Raumfahrt-Pionier“ und „einer der führenden Köpfe“ der NASA? Der offizielle Nachruf der NASA bleibt verblüffend detailarm, nennt auch auf US-Seite eher publizierende Leistungen wie die Tagesberichte von der ISS – sein letzter, vom 23.12.2012 – in der Funktion als „a technical manager“ des Programms oder auch die Förderung der Übersetzung der Chertok-Memoiren. Die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion bzw. Russland scheint er auch wiederholt unterstützt zu haben. In eher raren US-Nachrufen wird von Puttkamer v.a. als langjähriger Weggefährte Wernher von Brauns gewürdigt (im Videointerview oben erzählt er die Anfänge), vom Überschwang der deutschen keine Spur. NACHTRÄGE: Dem sich auch Thomas Reiter angeschlossen hat – während NASAs Human Exploration and Operations Public Outreach Manager von Puttkamer als „the Forest Gump of space“ beschreibt: „always right on the fringes of every historical space moment.“ Die Diskussion wird interessanter – und noch ein Fundstück von 1976

Wird Komet ISON in einem Jahr „heller als der Vollmond“?

Anlässlich des nahenden Jahres 2013 und wohl ausgelöst durch diesen Independent-Artikel [NACHTRAG: der bald gelöscht wurde aber hier noch zu finden ist] ist der in einem knappen Jahr als sehr hell erwartete Komet ISON plötzlich in aller medialen Munde, so auch hier und hier [NACHTRAG: und hier]: „Heller als der Vollmond“ oder gar „der hellste Komet aller Zeiten“ sind die Kernaussagen. Hoffentlich gelingt es in den kommenden Monaten, dieses zentrale Missverständnis aus zu räumen: Wie man bei den Kometen McNaught Anfang 2007 und erst recht Lovejoy vor einem Jahr eindrücklich lernen konnte, ist die Koma-Helligkeit oft irrelevant, wenn es um den visuellen Impakt eines Großen Kometen geht. Lovejoy hatte ja nicht mal mehr einen Kern oder nennenswerten Kopf, als er mit seinem langen Post-Perihel-Schweif begeisterte. Vielleicht wird ISON in Perihel tatsächlich eine extrem negative Helligkeit von -15 mag. oder so erreichen (und technisch gesehen wirklich ‚heller als der Vollmond‘) – aber dann steht er auch extrem dicht neben der Sonne am Taghimmel, und die Maximalhelligkeit hält auch nur ein paar Stunden an. Viel spannender ist, was danach passiert, wenn der Komet – mit heißem Kern – wieder am Nachthimmel steht. Und da sind just beim sonst an so ziemlich allen neu entdeckten Kometen zweifelnden Kometen-Veteranen John Bortle die Erwartungen hoch (letzter Absatz), dass es einen „tail of amazing length and surface brightness“ an einer unbedeutenden Koma hängend zu sehen geben wird. Derzeit kann man das dem Kometen – Bilder vom 18. (mehr) und 17. Dezember – natürlich noch nicht ansehen.

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Xmas-Konjunktion im „Goldenen Tor der Ekliptik“

25. Dezember 2012

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Die z.B. auf deutschen, englischen und spanischen Webseiten angepriesene Konstellation heute Abend war am Standort dieses Bloggers bei stundenlang klarem Himmel – NRW-Prognose des DWD noch von 12 Uhr: „In der Nacht zum 2. Weihnachtstag gibt es bei vielen Wolken weitere schauerartige Niederschläge“ … – bestens zu verfolgen: erst Jupiter und Mond noch durch dünne Wolken (unten), dann Mond, Jupiter, Aldebaran (auch hier und hier) und auch noch die ISS (Mitte) und schließlich die Konjunktion im „Goldenen Tor“ (oben), bei höherer Vergrößerung sogar mit ein paar Jupitermonden.

Sieh an: ZDF schafft „Stern von Bethlehem“ ab!

25. Dezember 2012

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Ausgerechnet am ersten Weihnachtstag zur Primetime – und als eigentlich keine Hoffnung mehr für das Fernsehen als sinnvollem Medium zu bestehen schien – hat es das ZDF gewagt, in einer 45-Minuten-Sendung (derzeit in der Mediathek verfügbar) einen gehörigen Teil der Mythen aus der Weihnachtsgeschichte kurzerhand als frei erfunden nachzuweisen. Darunter auch den angeblichen „Stern von Bethlehem“, den auch im Jahre 2012 u.Z. mal wieder etliche Astronomen zu „identifizieren“ versuchten, die Matthäus‘ Werbeschrift mit einem antiken Beobachtungsbuch verwechseln. Dabei genügt heute ein Blick in die Wikipediae, um auf klarere Gedanken zu kommen …

Große Party für die Unha – und der Satellit blinkt

25. Dezember 2012

Der Oberste Führer hat es am 21. Dezember gewaltig krachen lassen – auf einem rauschenden Fest ließ 김정은 die für den ersten erfolgreichen Satellitenstart Nordkoreas Verantwortlichen hoch leben, die sich selbst wiederum nicht vor Begeisterung bremsen konnten: eine lange „Doku“ des Abends auf Koreanisch und eine Kurzfassung mit englischem Voice-Over; in seiner Rede versprach Gim Jeong-eun mehr und größere Raketen. Bemerkenswert war während des Festaktes auch ein durchaus fetziges Konzert der Moranbong-Band, der ersten Pop-Band Nordkoreas, die eigens für derlei Events geschaffen wurde. Im Hintergrund waren in großer Videoprojektion zuweilen detaillierte Bilder des Unha-3-Starts zu sehen, so auch bei dem oben „ausgekoppelten“ Stück. Den Satelliten sieht man dabei nur einmal in einem Standbild, wie er von Kim Chŏngŭn inspiziert wird: Ihn erwähnen auch schon lange die täglichen Jubelmeldungen der nordkoreanischen Nachrichtenagentur nicht mehr, die sich immer nur auf den Start beziehen. Dafür kümmern sich inzwischen Amateurastronomen gut um Kwangmyongsong 3-2, den man im Video in der Mitte am 20. Dezember 8.5 Sekunden blinken sieht. Und Radioamateure hören weiter rein gar nichts von ihm. Analysiert worden ist derweil die geborgene erste Raketenstufe der Unha-3 (auch Videoclip unten [NACHTRAG: und ein detaillierter Artikel mit Bildern]), die sich als etwas primitiv aber aber militärisch verwendbar entpuppt.

Dramatische „Nebenwirkung“ des letzten Soyuz-Starts: Beim Aufstieg zur ISS (ganz unten) am 19. Dezember nach Sonnenuntergang gerieten die Rakete und ihre Abgase noch einmal ins Sonnenlicht, was hier ein Amateurfilmer in Қарағанды – ebenfalls Kasachstan – brilliant eingefangen hat. Und weil’s so schön war, gleich noch ein Video und noch eins und noch eins und noch eins und noch eins und noch eins und …

Ein kleiner Raketentest, der nicht wirklich Neuland betritt, wurde von SpaceX am 17. Dezember durchgeführt: Der „Grashopper“ stieg 40 Meter hoch und landete wieder sanft auf seinem Düsenstrahl, wie auch hier, hier, hier, hier und hier gefeiert wird. Wie diesem Blogger und auch dieser Raumfahrt-Veteranin gleich auffiel, errinnert dieser Demonstrator für ein Reusable Launch Vehicle doch sehr an den DC-X – und der hüpfte schon vor bald 20 Jahren. Bis zu einer wiederverwendbaren Rakete ist’s noch weit … [NACHTRAG: … und von einem „giant leap“ kann schwerlich die Rede sein.]

Ein Fan-Video über die Internationale Raumstation – wo die mit o.g. Soyuz gestarteten Raumfahrer inzwischen angekommen sind und sich v.a. Chris Hadfield schon mit zahlreichen Tweets gemeldet hat – aus Zeitraffer-Nachtaufnahmen mit vielen Polarlichtern; gegen Ende wird’s ein wenig sehr gerafft, und man hat fast den Eindruck, die ISS würde in ein Schwarzes Loch gesaugt …

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Der erste Gleitflug des SpaceShip2 in endgültiger Konfiguration mit Triebwerk und Tanks wurde am 19. Dezember absolviert: Der erste Flug mit eingeschalteter Rakete rückt damit immer näher – aber ein Zeitplan für den ersten Raumflug und erst recht den ersten mit zahlenden Passagieren wird natürlich weiterhin nicht verraten. [NACHTRAG: Man munkelt da von 2015 … NACHTRAG 2: … oder doch schon 2014, mit einem bemannten Testflug sogar noch 2013.]

Nachrichten vom Rande der Wirklichkeit: 2012 …

23. Dezember 2012

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Jede Menge Meldungen und Hintergrund-Informationen zum Nicht-Ereignis des Jahres gibt es in diesem „Ist es wahr?“ Spezial, und wer sich nunmehr gänzlich unbe-Baktun-t mit der Maya-Forschung beschäftigen möchte, dem seien auch die Blogs Archaeological Haecceities und Maya Decipherment angeraten. (Die Bilder 2 und 4 zeigen die Mitwirkenden – inkl. dieses Bloggers, r. bzw. M. – der Bochumer Show zum Thema, die einmalig am 21.12. zur Aufführung kam, und der Gag unten bezieht sich auf die bereits hier diskutierte alternative Eichung des Long Count durch A. Fuls. Während sich dieses Paper für den 24.12.2012 stark macht – worauf auch schon wieder welche abfahren …)

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Weitere größere und kleine Artikel

Chinas Besuch bei Toutatis ein voller Erfolg (hier eine neue Grafik; weitere Bilder gibt’s immer noch keine, aber es sind angeblich derer 500 gelungen).

18400 Planetenkandidaten in den Messungen von Kepler?

Sieben Galaxien mit Rotverschiebungen über 8,5 im HUDF.

347. Cosmic Mirror abgeschlossen

Mit dem Missionsende der GRAILs, den Erfolgen Chinas an Toutatis und Nordkoreas mit seiner Satelliten-Rakete, unzähligen Links zu den ersten knapp 5 Monaten von Curiosity auf der Marsoberfläche (hier das letzte Status-Video vor der Weihnachts-Pause) sowie tonnenweise Astrophysik insbesonders von Exoplaneten im Cosmic Mirror #347 vom 6.8. bis 23.12.2012!

Ein Kessel bunter Kosmos zum Jahresende

19. Dezember 2012

Dies ist keiner von diesen grässlichen Jahresrückblicken – dies ist ein Rückblick auf die vergangenen 30 bis 35 Stunden, in denen die NASA und die ESA besonders spendabel mit schönen Motiven waren. Und die vermutlich beiden letzten Weltraumstarts des Jahres erfolgten, beide heute.

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Vor einer Stunde startete die letzte Rakete des Jahres, eine Ariane 5 mit zwei Satelliten in Kourou: ein Screenshot aus der Live-Übertragung im Moment der Booster-Zündung. [NACHTRAG: ein ESA Release.]

The giant star Zeta Ophiuchi is having a "shocking" effect on the surrounding dust clouds in this infrared image from NASA’s Spitzer Space Telescope. Stellar winds flowing out from this fast-moving star are making ripples in the dust as it approaches, c

Der Bugschock des Sterns Zeta Ophiuchi im interstellaren Medium, durch das der mit 24 km/s schießt, aufgenomnen vom Spitzer Space Telescope: Eigentlich würde man das Glühen auch im sichtbaren Licht sehen (vgl. ISAN 76-4), das in diesem Fall aber von Staub blockiert wird. Bei 3.6 bis 24 µm kein Problem.

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Ein neuer Saturn im Gegenlicht von Cassini aufgenommen am 17. Oktober während des 174. Orbits um den Planeten, als sich die Sonde 19° unter der Ringebene in seinem Schatten befand. 60 Bilder durch verschiedene Filter wurden hier kombiniert.

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Der Planetarische Nebel NGC 5189 vom Hubble Space Telescope: Dessen WFC3 gelang das bisher detailreichste Bild der komplexen Struktur. Die dominante S-Form des Gases deutet auf einen Doppelstern im Zentrum hin, doch nur ein einzelner Weißer Zwerg wurde dort bislang aufgespürt.

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Der Mars am 15. Dezember von der Visual Monitoring Camera des Mars Express gesehen, die nach längerer Unterbrechung wieder Bilder liefert, während des 11,396. Umlaufs. Mit dem Empfang dieses Bildes wurde gestern die neue ESA-Bodenstation in Argentinien eingeweiht.

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Schon wieder etwas Neues bekommt Curiosity zu sehen, nachdem der Marsrover die „Yellowknife Bay“ erreicht hat; „Shaler“ wurden diese Platten getauft. Irgendwo hier wird Anfang 2013 auch der Bohrer ausprobiert, die einzige noch nie benutzte Hardware. Und das ganze Jahr hindurch wird dann Richtung Aeolis Mons gefahren.

Expedition 34 Launch

Der andere Start des Tages: Soyuz TMA-07M mit der zweiten Hälfte der Expedition 34 zur ISS: mehr dazu auch hier, hier (eine buchstäblich „coole“ Reportage vor Ort), hier und hier.

Mini-Live-Blog zum Mond-Crash der GRAIL-Orbiter

17. Dezember 2012

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Die GRAILs sind Geschichte: Planmäßig gegen „Sally Ride“

geknallt sind die beiden Mondorbiter – denn die Wand Gegend in der Nähe des Nordpols wurde seitens der NASA nach der verstorbenen Astronautin, die auch ein GRAIL-Teammitglied war, benannt, was unmittelbar nach den Impakten bekannt gegeben wurde (ob die Taufe auch mit der IAU abgesprochen ist, wurde nicht erwähnt). Die Echtzeitgrafik zeigte, wie die beiden von links kommend jeweils einen Berg überwanden, und dann gegen die Wand flogen. [23:32 MEZ] Und schon ist die NASA-Übertragung [NACHTRAG: Aufzeichnung] zuende. [23:34 MEZ] Hier noch mal Screenshots der Echtzeit-Grafik in den letzten Minuten; zum Schluss wurde jeweils die Horizontale stark gestreckt. Den eigentlichen Loss of Signal gab es allerdings nicht zu sehen, er wurde jeweils nur verkündet. [23:36 MEZ] Die offizielle Formulierung ist, dass „the final resting place“ nach Ride getauft worden sei – nicht gerade klar formuliert … [23:52 MEZ] Und der erste Artikel nach dem Crash. [23:59 MEZ – ENDE. NACHTRAG: ein NASA Release, der aber auch nicht erklärt, wie zwei Meter-große Krater in Kilometern Abstand voneinander mit einem Namen bedacht werden können … NACHTRAG 2: Ah, ein Eingeständnis, dass „Sally K. Ride Impact Site“ in keiner Weise eine offizielle Bezeichnung ist]

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Eines der letzten Bilder der MoonKam auf GRAIL, die hundertausende von Bildern geliefert hatte: entstanden am 19. November; das allerletzte Bild 80 Minuten später ist nicht so attraktiv. In der letzten, extrem niedrigen Flugphase, waren die Kameras demnach nicht mehr im Einsatz. [21:40 MEZ] Die Bilder aus dem LRO Press Release noch mal, benutzerfreundlicher dargestellt: passend zu diesen Tagen auch die Einschlagsstelle, markiert auf einem Mondbild von Chang’e 2. [21:55 MEZ] Die beiden Orbiter haben ihre finalen Triebwerkszündungen begonnen; in 10 Minuten beginnt hier ein 35-minütiger Live-Kommentar. [22:50 MEZ] Der Burn ist komplett – und die Übertragung hat begonnen, während hier live diskutiert wird. [23:00 MEZ] Aller Sprit wurde verfeuert („Burn to Depletion“), auch ein Teil der allerletzten Experimente mit den Sonden: Man wollte wissen, wieviel noch übrig war und ob man das korrekt abgeschätzt hatte. [23:05 MEZ] Und es war etwas mehr in den Tanks als erwartet: Die Triebwerke brannten 4 bzw. 5 Minuten. Noch 5 Minuten bis zu den Crashs. [23:23 MEZ] Alle Augen jetzt auf dem Doppler-Signal: Der Funk geht von Goldstone zu den GRAILs und kommt zurück. [23:25 MEZ]

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In drei Stunden hat der Mond zwei Mini-Krater mehr

wenn die beiden GRAIL-Orbiter gezielt zum Absturz gebracht (20:00 MEZ am 13. und 22:40 MEZ am 14.12.) werden. Kurioserweise waren die GRAILs zuletzt noch an – noch nie möglich gewesenen – gegenseitigen Beobachtungen von Mondorbitern beteiligt: Während die kleine Kamera auf „Flow“ den Lunar Reconnaissance Orbiter filmte, konnte umgekehrt der LRO beide GRAILs aufnehmen und sogar räumlich auflösen (oben). Weitere Artikel zu GRAILs Ende auch hier (mit einer Aufsuchkarte für den Mond-Impakt-Ort, wo es aber nichts zu sehen geben wird), hier (mit Details zu den letzten Operationen im Orbit), hier (aus der Perspektive des verantwortlichen MIT), hier, hier, hier, hier und hier und zu den bereits berichteten Ergebnissen der GRAIL-Mission hier (waaahnsinnig detailliert), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Apropos Impakte aller Art:

hier noch ein Video mit ~400 Geminiden aus drei Nächten aus den USA mit einer empfindlichen Schwarzweiß-Videokamera (auch schön: weitere Bilder aus Indien und Argentinien [NACHTRAG: und Rumänien])

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und ein ganz frischer Fünffach-Impakt-Krater auf dem Mars, der zwischen 2005 und 2008 entstanden ist – der Impaktor scheint sich aufgespalten zu haben, so dass die Krater alle gleichzeitig entstanden, anders ist das Muster auf diesem HiRISE-Bild kaum zu erklären. [20:30 MEZ]

Die Nazca-Linien als Wege interpretiert: ein aktuelles Paper – mit einem Déjà-vu-Effekt

16. Dezember 2012

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Die riesigen Scharrbilder in der peruanischen Wüste haben seit ihrer Wiederentdeckung 1924 zu zahllosen Spekulationen Anlass gegeben, archäoastronomischen inklusive – und jede neue Hypothese sorgt fast automatisch für Aufsehen. So auch ein soeben erschienenes Paper (Ruggles & Saunders, „Desert labyrinth: lines, landscape and meaning at Nazca, Peru“, Antiquity 86 [2012] 1126-40), in dem ein bisher übersehener schiefwinkliger Geoglyph beschrieben wird (Abb.). Die Autoren sind den 4.4 km langen geschlossenen Weg entlang gelaufen, vielleicht zum ersten Mal seit 1500 Jahren, und kommen zu dem Schluss, dass dieses „Labyrinth“ – und auch manch anderer Nazca-Geoglyph – genau dafür gedacht gewesen sein könnte, als Pilger- oder Prozessionsweg. Aber ist das wirklich eine neue Idee? Dieser Blogger fühlte sich bereits nach den ersten Hinweisen auf das Paper – das sich leider hinter einer Paywall verbirgt und erst jetzt anderweitig aufgetrieben werden konnte – vor gut einer Woche spontan an eine uralte „Querschnitte“-Sendung erinnert, in der Hoimar von Ditfurth selbst vor Ort einer ähnlichen Hypothese nachgegangen war.

Und, oh wunderbares Internet, genau diese Sendung gibt es online: Hier sind die Teile eins und zwei der Nazca-relevanten Hälfte der Querschnitte-Sendung „Warum der Mensch zum Renner wurde“ vom 20.12.1981! Nun gut, die – auf Überlegungen von Georg von Breunig basierende – Hypothese, in den geometrischen Mustern seien Scharen von Läufern unterwegs gewesen, deckt sich nicht ganz mit der Ruggles/Saunders’schen von einzeln entlang wandernden Pilgern. Insbesondere sei das neue Labyrinth so gut erhalten, dass dort nur vorsichtig entlang gegangen worden sein könne (oder auch überhaupt nur in gedachter Weise), während Ditfurth in der Sendung an einem anderen Geoglyphen in scharfen Kurven die möglichen Folgen besonders energischer sportlicher Nutzung nachgewiesen zu haben scheint. Aber die grundsätzliche Idee der Geoglyphen als Wegemuster ist schon vor über 30 Jahren zu finden, wobei weder von Breunigs viele Papers noch ein Geo-Artikel von Ditfurths, der parallel zur Sendung erschien, in der neuen Arbeit zitiert werden. Und auch nicht die Ideen von Alan Sawyer, der noch früher in den Linien rituelle Labyrinthe zum Entlangwandern vermutete.

Live-Blog zu ereignisreichen Tagen im All …

13. Dezember 2012

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Eine wesentlich schärfere Aufnahme von Toutatis durch Chang’e-2 wurde – von der Moderatorin (oben), als Ausdruck (Mitte) – während der unten erwähnten Sondersendung mit Experten im Studio (unten) diskutiert, scheint aber sonst nirgends im Web zu finden zu sein. Die Aufnahmen entstanden offenbar nicht mit der (scannenden) Mond-Kamera sondern einer anderen kleineren, wie u.a. auch eine im chinesischen TV gezeigte und hier als 2. Bild reproduzierte Grafik nahe legt. Die Nahaufnahme scheint der Beschriftung nach aus 47 km Abstand entstanden zu sein und 5 m Auflösung zu haben; die Minimaldistanz zur Oberfläche sollen erstaunliche 3.2 km gewesen sein. Seit der Xinhua-Meldung vor fast 24 Stunden hat es leider keine weiteren (schriftlichen, englischsprachigen) Informationen zum Verlauf des Flybys und noch zu erwartender Daten gegeben. [23:35 MEZ am 15. Dezember – ENDE. NACHTRÄGE: Dieser neue Artikel, auch hier diskutiert, bestätigt dass nur eine Mini-Kamera im Einsatz war, und nennt 15 km als die geplante Vorbeiflug-Distanz, während das schärfste Bild in einer offiziellen Bildergalerie ebenso fehlt wie hier und hier. Bzgl. Nordkoreas Satellit werden die Taumel-Gerüchte inzwischen visuell bestätigt, während ein angeblicher Funkempfang dubios ist. Auch ein Bild der 1. Unha-Stufe nach der Bergung und die Identität der 4 Objekte, die sie in den Orbit brachte. Und von den Geminiden 2012 noch pretty pictures hier, hier und hier sowie ein Zeitraffer-Video – während von Wirtanen nichts zu sehen war]

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Das waren die Geminiden 2012: Basierend auf den visuellen Beobachtungen von fast 6000 Meteoren stabilisiert sich die ZHR-Kurve (Zeit in UTC, y-Achse in 20-er-Schritten) allmählich, und das Maximum scheint tatsächlich gegen Mitternacht in der Nacht 13./14.12. eingetreten zu sein, gefolgt vom bekannten steilen Abfall. Noch ein US-Bericht aus dieser Nacht, die Bahnen von 328 Video-Geminiden im Raum und ein Foto aus Indien. Vom Toutatis-Flyby Chang’e-2s liegen weiter nur die bekannten Bilder vor – und eine einstündige(!) chinesische TV-Doku! Und der Satellit Nordkoreas hat drei Begleiter im Orbit: Auf dieser Seite werden die Bahndaten automatisch geplottet. Während die KCNA gestern wieder zahllose Meldungen hatte … [20:15 MEZ]

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So sah die chinesische Sonde Chang’e-2 den Asteroiden Toutatis beim Vorbeiflug vorgestern – nach eisigem Schweigen allerorten sind plötzlich mehrere Bilder auf Weibo aufgetaucht, dem „chinesischen Twitter“: Sie haben bis zu 10 m/Pixel Auflösung und können nun mit den Radar-Aufnahmen verglichen werden. Auch schön: von den Geminiden ein Komposit vom Paranal, analysierte Bahnen und ein Himmel voller Meteore – und auf der Sonne eine fette Protuberanz. [1:15 MEZ] Ein Xinhua-Artikel zum Toutatis-Flyby. [2:55 MEZ] Auch ein Fernseh-Bericht, das Cosmic Diary und UMSF. [3:15 MEZ] Wo es schon Bildverarbeitung durch Phil Stooke gibt! [3:45 MEZ] Weitere Berichte hier und hier – und noch schärfere Bilder sind angekündigt und offenbar schon unterwegs! [13:00 MEZ]

Vor exakt 40 Jahren wurde der Mond bis heute verlassen

als in dieser Minute die Landefähre Challenger von Apollo 17 abhob – wobei Ed Fendell in Houston die Kamera steuerte, natürlich die Signallaufzeiten berücksichtigend „vorhaltend“: einer der heute weniger bekannten „Stars“ des Programms. Die Abreise (bisher) ohne Wiederkehr wird viel betrauert und nach einer baldigen Rückkehr gerufen – dabei sollte man die Angelegenheit viel gelassener sehen … Potentielles Astronauten-Mini-Ziel per Radar erfasst: Sollte die nächste Reise Unkenrufen zum Trotz tatsächlich zu einem NEA gehen, dann stünde der nur 2-3 Meter(!) große 2012 XB112 auf der Kandidatenliste – letzte Nacht wurde er per Radar inspiziert. Vor 50 Jahren besuchte die erste Raumsonde einen anderen Planeten, als Mariner 2 an der Venus vorbei eilte (mehr & mehr) – das waren noch Zeiten … Als Zugabe noch die neuesten Mars-Bilder von Curiosity und die nach Mittel-Erde benannten Krater auf Titan. [23:55 MEZ am 14. Dezember]

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Das Ende der GRAILs ist jetzt nicht mehr aufzuhalten, nachdem beide Mondorbiter heute je eine knappe Minute lang ihre Triebwerke zündeten, um den kontrollierten Crash in 3 Tagen einzuleiten: Ab 23:00 MEZ am Montag gibt’s Live-Kommentar – bis knapp über’s Ende hinaus. Vom Start der Unha sind weitere Bilder aus dem Kontrollraum aufgetaucht und von den Geminiden ein weiterer Jubel-Bericht und ein paar Fotos und noch mehr (aber keine Wirtanen-Meteore). [22:40 MEZ]

Animierte Radar-„Bilder“ von Asteroid Toutatis, entstanden am 12. und 13. Dezember mit 3.8 Metern Auflösung aus 7 Mio. km Entfernung; der Rotationszustand ist komplex. Von den Geminiden gibt es einen weiteren US-Bericht der letzten Nacht, einen rumänischen TV-Bericht über kühle Beobachter (maschinell übersetzter Artikel dazu), ein japanisches Video und Bilder hier und hier. Und als Zugabe ein Jupiter aus dem Weltraum aufgenommen vom neuen französischen Pléiades 1B zu Testzwecken. [18:40 MEZ]

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Ein scharfes Bild vom erfolgreichen Start der Unha-3 ist über den Iran eingetroffen – und aus Japans gibt’s die gestrigen KCNA-Stories auf Englisch hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier: Mehrfach wird betont, dass alle Komponenten Made in DPRK waren – und dass weitere Satelliten folgen sollen, wie auch hier, hier und hier berichtet wird. Die Identifikation der drei Objekte im Orbit als Satellit, Oberstufe & Debris ist bestätigt, aber Funksignale sind von ausländischen Beobachtern bisher weder bei 470 MHz noch anderen Frequenzen empfangen worden. Derweil hat Südkorea Teile der 1. Unha-Stufe aus dem Meer gefischt, von denen man sich wesentliche Erkenntnisse verspricht. Die US-Satellitenüberwachung hat Nordkorea – ein cooles Bild von Kim Jong Un im Kontrollzentrum – jedenfalls offenbar ausgetrickst – und Obamas Experten waren wohl schon in Party-LauneDie Geminiden haben nach einer guten Nacht 12./13. auch vergangene Nacht wieder ZHR > 100 erreicht – wenn man’s sehen konnte; Bilder auch hier, hier und hier. Und noch ein Toutatis bei der Passage einer Galaxie abgelichtet. [14:25 MEZ]

Geminiden schon in der Vor-Maximums-Nacht sehr aktiv

Die Geminiden – hier Bilder einer Allsky-Kamera in New Mexico – erschienen in Arizona letzte Nacht schon wie im Peak, und auch in Colorado tat sich einiges. Von Toutatis lediglich noch ein paar irdische Bilder mehr, und der Zustand von Nordkoreas Satellit bleibt herzlich unklar, mit widersprüchlichen Angaben (hier wie dort ohne Quelle), während ebenso über den Sinn des Ganzen spekuliert wird. Immerhin ist ein längeres Video vom Unha-Start aufgetaucht. [23:25 MEZ am 13. Dezember]

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Hier werden in 4 Tagen die GRAILs auf den Mond schlagen

Bei 76°N 27°O liegt eine Kraterwand, in die die beiden NASA-Mondorbiter nach dem Ende ihrer erfolgreichen Mission am 17. Dezember um 23:29 MEZ gezielt entsorgt werden: Das wurde soeben auf einer noch laufenden Telecon erläutert [NACHTRAG: vollständige Aufzeichnung]. Die beiden Orbiter werden in 30 Sekunden Abstand und 40 km Entfernung voneinander mit ~1.6 km/s einschlagen, wobei nicht mit einer nennenswerten Explosion zu rechnen ist: Sie sind klein, und die Tanks sind praktisch leer, was auch der Grund für das planmäßige Ende der Mission ist. Der Lunar Reconaissance Orbiter wird gleichwohl hinschauen (vielleicht sieht LAMP ja freigesetzte Volatiles) und auch Aufnahmen der Region von vor und nach den Impakten liefern. Die liegt am 17.12. im Dunkeln, ein Resultat der Lage der letzten Orbits, bei denen zur Maximierung der Wissenschaft die mittlere Bahnhöhe auf 11 km abgesenkt worden war. [20:00 MEZ] Ein Press Release zur Telecon, mit weiteren Details zu Aktivitäten an den letzten Tagen – und eine 3D-Grafik der letzten Kilometer. [20:10 MEZ] Die Impaktkrater werden nur wenige Meter groß sein, und nichts wird auf Fluchtgeschwindigkeit beschleunigt werden. [20:20 MEZ]

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Nordkoreas Satellitenstart aus der Sicht der Unha-3

Auf einem kommentarlosen Video der nordkoreanischen Nachrichtenagentur – Bild anklicken! – sind neben der abhebenden Unha-3 auch Live-Bilder zahlreicher(!) Kameras an Bord der Rakete zu sehen, allerdings alles nur abgefilmt von der Videowand der Flugkontrolle. Jetzt wird dort angeblich behauptet, der Satellit sende fleißig; eine entsprechende Story von heute ist bei den Meldungen in Englisch aber (noch) nicht zu finden, wo man zum Übersetzen immer gut einen Tag braucht. Aber allerlei Früheres zum Start gibt’s da schon, in der Reihenfolge der URL-Nummern dies, dies (erstaunlich detaillierte Zahlen), dies, dies, dies, dies, dies, dies (hier wird angedeutet, schon gestern habe der Satellit „immortal revolutionary hymns“ gesendet) und dies – Weltraum-News „Pyongyang Style“ … [18:25 MEZ] Zu den Geminiden noch ein paar Tipps – und auch in Portugal vermisst man Nachrichten von Toutatis und Chang’e-2. [18:50 MESZ] Und noch ein weiteres Video und mehrere mehr von Toutatis am Himmel. [19:25 MEZ]

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Die Geminiden entwickeln sich gut, wie Videodaten der letzten Nacht und dieser noch sehr instabilen visuellen ZHR-Kurve zu entnehmen ist – ihr Maximum wird allgemein erst kommende Nacht erwartet. Von Toutatis gibt es weiterhin keinerlei Regung as China, wie auch schon im Vorfeld des Chang’e-2-Flybys nicht, und auch keine neuen Radarbilder aber wenigstens noch ein paar Amateur-Aufnahmen hier oder hier. (Schöner anzuschauen allerdings der auf 9.5 mag. gestiegene Komet C/2012 K5 [LINEAR], hier auf einem Bild von heute Morgen von M. Jäger und auf Bildern von gestern und vorgestern.) Und Nordkoreas Satellit zieht weiter seine Bahn und gibt Anlass zu Konfusion: Haben US-Militärs wirklich echte Daten über seine Lage im Raum? Gemeldet hat er sich jedenfalls offenbar noch nicht. Der militärische Wert der Unha-3 hält sich übrigens auch in Grenzen. [16:35 MESZ]

Chang’e 2 bei Toutatis, Erkenntnisse über Nordkoreas Satellit, die Geminiden & „Wirtanen-iden“ (und noch mehr)

In der zweiten Wochenhälfte sollte eine Menge passieren, das hier in zeitnahen Häppchen serviert werden soll. Von Toutatis liegen weder irgendwelche chinesischen Updates zum Sondenbesuch in ein paar Stunden noch neue Radarbilder vor, dafür gibt’s aber allerlei Amateurbeobachtungen seiner Erdnähe, die z.B. auch hier, hier und hier zu sehen sind. Nordkoreas Satellitenstart – oben nach Stunden freigegebene Aufnahmen aus der Mission Control; auch Radioberichte auf Englisch – war zwar ein Erfolg, und der Satellit wurde im Orbit fotografiert. Aber von empfangenen Funksignalen wurde bisher nichts bekannt, dafür streuen die USA Gerüchte über eine Funktionsstörung. Die internationale Berichterstattung ist durchweg grottig, lesenswert höchstens Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und die Aktivität der Geminiden ist inzwischen angestiegen, sogar aus Singapur gibt es Bilder. Während die Zahl der Wirtanen-Meteore bisher in keinem Verhältnis zur Zahl der Artikel darüber steht … [0:05 MEZ]

USA bestätigen Nordkoreas Satellit im Orbit!

12. Dezember 2012

Die überschwängliche Verkündigung des Erfolgs im nordkoreanischen TV (in einer Sondersendung um 4:00 MEZ = Mittags Ortszeit) ist das Eine. Aber entscheidend ist die Zuteilung einer Nummer durch das US-Militär: Völlig überraschend – alle Beobachter gingen von technischen Problemen und einem Startversuch erst Ende des Monats aus – hat die Unha-3 jetzt geschafft, was im April misslungen war (die neueste Erklärung) und Kwangmyongsong 3-2 in eine Erdumlaufbahn gebracht. Diesmal war die Nachrichtenlage weit konfuser als im April – praktisch nur ein US-Astronom blickt jetzt schon durch … [NACHTRÄGE: Erst später kam diese Mitteilung von NORAD – und es werden 3 Objekte in ähnlichen Orbit verfolgt, was nicht überraschend ist.]

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Das erste Bild des französischen Satelliten Pleiades 1B

zeigt den Hafen von Lorient in Frankreich: Der am 1. Dezember auf einer Soyuz in Französisch-Guyana gestartete Satellit dient ziviler Erdbeobachtung wie Militär gleichermaßen und hat 50 cm Auflösung.

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Die allerneuesten Radarbilder von Toutatis, nunmehr vom 11. Dezember. Während der eine oder andere Webcast mit dem Asteroiden am Himmel funktioniert hat, gibt es keinerlei Update von China bezüglich des morgen bevorstehenden Flybys von Chang’e-2. Die Spannung steigt …