Die Nazca-Linien als Wege interpretiert: ein aktuelles Paper – mit einem Déjà-vu-Effekt

ruggles

Die riesigen Scharrbilder in der peruanischen Wüste haben seit ihrer Wiederentdeckung 1924 zu zahllosen Spekulationen Anlass gegeben, archäoastronomischen inklusive – und jede neue Hypothese sorgt fast automatisch für Aufsehen. So auch ein soeben erschienenes Paper (Ruggles & Saunders, „Desert labyrinth: lines, landscape and meaning at Nazca, Peru“, Antiquity 86 [2012] 1126-40), in dem ein bisher übersehener schiefwinkliger Geoglyph beschrieben wird (Abb.). Die Autoren sind den 4.4 km langen geschlossenen Weg entlang gelaufen, vielleicht zum ersten Mal seit 1500 Jahren, und kommen zu dem Schluss, dass dieses „Labyrinth“ – und auch manch anderer Nazca-Geoglyph – genau dafür gedacht gewesen sein könnte, als Pilger- oder Prozessionsweg. Aber ist das wirklich eine neue Idee? Dieser Blogger fühlte sich bereits nach den ersten Hinweisen auf das Paper – das sich leider hinter einer Paywall verbirgt und erst jetzt anderweitig aufgetrieben werden konnte – vor gut einer Woche spontan an eine uralte „Querschnitte“-Sendung erinnert, in der Hoimar von Ditfurth selbst vor Ort einer ähnlichen Hypothese nachgegangen war.

Und, oh wunderbares Internet, genau diese Sendung gibt es online: Hier sind die Teile eins und zwei der Nazca-relevanten Hälfte der Querschnitte-Sendung „Warum der Mensch zum Renner wurde“ vom 20.12.1981! Nun gut, die – auf Überlegungen von Georg von Breunig basierende – Hypothese, in den geometrischen Mustern seien Scharen von Läufern unterwegs gewesen, deckt sich nicht ganz mit der Ruggles/Saunders’schen von einzeln entlang wandernden Pilgern. Insbesondere sei das neue Labyrinth so gut erhalten, dass dort nur vorsichtig entlang gegangen worden sein könne (oder auch überhaupt nur in gedachter Weise), während Ditfurth in der Sendung an einem anderen Geoglyphen in scharfen Kurven die möglichen Folgen besonders energischer sportlicher Nutzung nachgewiesen zu haben scheint. Aber die grundsätzliche Idee der Geoglyphen als Wegemuster ist schon vor über 30 Jahren zu finden, wobei weder von Breunigs viele Papers noch ein Geo-Artikel von Ditfurths, der parallel zur Sendung erschien, in der neuen Arbeit zitiert werden. Und auch nicht die Ideen von Alan Sawyer, der noch früher in den Linien rituelle Labyrinthe zum Entlangwandern vermutete.

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2 Antworten to “Die Nazca-Linien als Wege interpretiert: ein aktuelles Paper – mit einem Déjà-vu-Effekt”

  1. Matthias Says:

    Da ich beruflich viel mit Peru zu tun habe, lese ich auch immer wieder über die Nazca Linien. Wirklich interessant, welche Spekulationen es hierzu gab, aber vorallem auch manchmal schön zu sehen, dass es auch in unserer heutigen Zeit, in der fast alles erforscht ist, noch Geheimnisse gibt. Bin gespannt, was die nächsten Spekulationen sind😉

  2. Wim Says:

    Der Asteroid, der die Nazca-Kultur veränderte

    In den Wüstenebenen im Süden Perus erstrecken sich auf 450 Quadratkilometer riesige Bilder und bis zu 20 Kilometer lange Linien, die meist eine Nord-Süd-Ausrichtung haben. Die ersten dieser Geoglyphen sollen bereits 800 Jahre v. Chr. entstanden sein – dem Beginn der Nazca-Kultur. Wie in jeder Kultur verehrten die amerikanischen Ureinwohner Dinge, die sie nicht verstanden, als Gottheit. So auch die Sonne. Es entwickelte sich die Kunst, Bilder in den Boden zu ’scharren‘, bis vor 2.000 Jahren etwas geschah, das einen Boom bei den Nazca-Linien ausgelöst haben muss.

    Abends, nachdem die Sonne untergegangen war, erschien am Himmel ein leuchtendes Objekt. Ein Asteroid flog aus südlicher Richtung über Chile und Peru in Richtung Norden, wobei er vor seinem Aufprall in viele Teile zerbrach. Für die Menschen musste dies wie ein Besuch ihres Sonnengottes gewirkt haben. Völlig unerwartet war die „Sonne“ aus der Dunkelheit aufgetaucht, und sie schien sogar auf der Erde gelandet zu sein. So zumindest musste die Vorstellung der Ureinwohner gewesen sein.

    Auch in Pisco und in der chilenischen Provinz Antofagasta wurden Geoglyphen entdeckt. Das Gebilde in der Bucht von Pisco wird als Dreizack beschrieben, wobei drei Linien parallel zueinander in den Boden gestanzt wurden. Ebenso könnte man diese Linien als parallel fliegende Teile eines zerborstenen Asteroiden deuten, was nur eine Spekulation darstellt, wenn da nicht noch etwas wäre.

    Falls wirklich ein Asteroid vor 2.000 Jahren über Peru gerast sein sollte, müsste er im Norden Südamerikas aufgeschlagen sein. Und in der Nähe von Kolumbiens Hauptstadt Bogota liegt der Guatavita-See, der durch einen erwiesenen Meteoriteneinschlag vor knapp mehr als 2.000 Jahren entstanden ist. Die Region ist übersät mit Krater und Kratergewässer, die als heilig galten, wobei der Guatavita-See für die Einheimischen noch heute ein heiliger See ist, der die Ankunft des „goldenen Gottes“ symbolisiert, der am Grund des Sees leben soll. Deshalb wurde von den dort ansässigen Stämmen Gold als Opfergabe versenkt, was auch den Mythos von El Dorado begründet hat.

    Zu den Einschlägen in Kolumbien vor mehr als 2.000 Jahren ergibt sich eine weitere historische Parallele. Dieser Asteroid ist offenkundig der sogenannte Stern von Bethlehem. Wahrscheinlich sind die Gesteinsbrocken zur damaligen Spätherbstzeit der Nordhalbkugel zwischen 17 und 18 Uhr in Kolumbien detoniert. Zur selben Zeit wurde in Palästina, wo bereits Mitternacht herrschte, jener steil aus dem Weltraum über Südamerika einfallende Asteroid beobachtet, der mehrere Minuten lang das Dunkel erleuchtete. Wegen dieses Himmelsschauspiels sind Sternkundige („Gelehrte aus dem Morgenland“) aus Babylon (südlich von Bagdad) nach Westsüdwest (genau in Richtung des Aufprallortes in Kolumbien) zum Toten Meer bis nach Bethlehem gewandert, wo das Leuchten am Nachthimmel ebenfalls registriert wurde. Vgl. These im Buch: „Dinosaurier – kosmisch ausgebombt“ (auch im Web).

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