Mysterium um vermeintliche alte Sternwarte im norwegischen Bergen endlich gelöst …

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Es war bei der Rückkehr von der zweiten Aurora-Reise auf der Hurtigruten gewesen, als diesem Blogger bei der Annäherung an die Halbinsel Nordnes der Stadt Bergen ein imposantes Gebäude mit einer großen offensichtlichen Sternwarten-Kuppel aufgefallen war – auf der wiederum äußerst unastronomisch eine waagerecht schauende Richtantenne angebracht war. Dem Staunen wurde damals hier, hier und hier Ausdruck verliehen: Mit Hilfe von Google Maps konnte immerhin festgestellt werden, dass das Gebäude einerseits den typischen Grundriss einer alten Sternwarte hatte und dass dort andererseits heute das Institutt for sosialfag og vernepleie – „Soziale Arbeit und Soziales“ in Google-Übersetzung – der Høgskolen i Bergen residiert. Aber jede Suche nach einer astronomischen Vergangenheit des Gebäudes lief ins Leere. Hingegen fand sich das Paper Astronomy in Service of Shipping: Documenting the Founding of Bergen Observatory in 1855 – und dessen Autor, der Geodäsie-Professor B. R. Pettersen, klärte das Mysterium dankenswerterweise gegenüber diesem Blog endlich auf.

Es handelt sich bei dem heute sichtbaren – und dank seiner Lage sogar ziemlich auffälligen – Bauwerk um eine ehemalige Schule für Navigation, die ca. 1903 genau am Ort der dafür abgerissenen ursprünglichen Bergener Sternwarte errichtet worden war! In der Kuppel saß einst ein Transitinstrument, das für die genaue Zeitbestimmung benutzt wurde: Damals hat man die noch an vorbei fahrende Schiffe weiter gegeben, z.B. mit einem „Timeball“ (wie er heute noch auf der Sternwarte in Greenwich sitzt). Später wurde das Teleskop stillgelegt (bei einem Besuch vor ein paar Jahren fand Pettersen keinerlei Astro-Hardware mehr vor), und zwecks Unterrichtung modernerer Navi-Methoden ein Schiffsradar kurzerhand auf die Kuppel gesetzt! Und als das Gebäude im Rahmen von Umstrukturierungen der Hochschule umgewidmet wurde, hat man Kuppel wie Radar kurzerhand oben gelassen. Als der Blogger dieser Tage zu einer dritten Hurtigruten-Aurora-Fahrt aufbrach, warteten sie schon, wie die Bilder unten – direkt vom Anleger in der Dämmerung bzw. kurz vor’m Ablegen vom Rettungsdeck aus – zeigen.

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2 Antworten to “Mysterium um vermeintliche alte Sternwarte im norwegischen Bergen endlich gelöst …”

  1. Josef Müller Says:

    Hallo Daniel, dass dir als erfahrener Spezialist das passiert und du unumwunden zugibst, in die Irre geführt worden zu sein, beruhigt mich etwas. Ich erinnere mich nämlich noch gut an die vielen Familienurlaube in den 80er Jahren in der Schweiz. Dort sah ich damals mit Interesse – astronomisch sehr unbedarft! – auf den Bergen häufig Kuppeln! Wie sich später herausstellte, waren es alles andere als astronomische Kuppeln!!
    Gruß Josef

  2. skyweek Says:

    Wieso „in die Irre“? Es war die Kuppel für ein Teleskop, und das Gebäude folgt auch klar dem Design typischer Sternwarten des 19. Jh. – nur war’s halt eine anwendungs/ausbildungsbezogene und nicht (mehr) forschende Einrichtung. In einer bedeutenden Hafenstadt quasi direkt am Hafen liegend war ein direkter Bezug zur Seefahrt aber auch zu erwarten: Eine astronomische Sternwarte hätte man sicher auf den Hausberg o.ä. gesetzt und nicht so nah ans Wasser.

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