Allgemeines Live-Blog vom 9. bis 11. März 2013

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Die drei Schweife von PANSTARRS – aus Sicht von STEREO B

Die ersten Bilder der HI-1-Kamera auf dem Satelliten STEREO B in voller Auflösung liegen nun vor: oben ein das letzte Einzelbild aus einer Animation (anklicken!) hoch-prozessierter Versionen. Neben dem sehr hellen Staubschweif ist auch der Plasmaschweif rechts und vermutlich ein Natriumschweif links zu erkennen. Auch animierte Beacon-Bilder (mehr) vom Satelliten, neue erdgebundene Bilder vom 11. März aus Indien und von den Philippinen und vom 10. März aus CA, AZ (gemalt!), TX und La Palma, ein Bericht aus AZ, ein S&T Press Release und Artikel in Deutsch (mehr) und Englisch (mehr, mehr und mehr). Plus ein anderer hübscher Komet, C/2011 R1 (McNaught) in der Leier – und das letzte Chelyabinsk-Opfer im Krankenhaus. [21:15 MEZ am 11. März] Der Dämmerung ist er noch nicht entflohen: weitere mäßig überzeugende PANSTARRS-Bilder von heute aus Dänemark, Ungarn und Japan und drei heutige Helligkeits-Schätzungen von 1.6-1.9, 2.0 und 1.5 mag. – und eine knappe Sichtung aus München gestern. [23:25 MEZ] Die Experten staunen derweil über das komplexe Bild des Kometen für STEREO B. Der wirklich „PANSTARRS“ geschrieben wird. [23:57 MEZ – Ende]

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Drei Rohbilder von Cassinis letztem Rhea-Vorbeiflug vorgestern (s.u.), bei dem der Saturn-Orbiter bis auf 997 km an den Mond heran kam – es ging v.a. um Schwerefeld-Messungen, und die Bilder waren nachrangig, aber v.a. der kuriose Graben im oberen Bild sorgt doch für Interesse. Und der letzte ‚targeted flyby‘ an diesem Mond ist irgendwie auch der Anfang vom Ende der langen Cassini-Mission. [19:45 MEZ]

Paar Brauner Zwerge in nur 6.5 Lichtjahren Entfernung!

Es ist das sonnennächste „Stern“-System, das in fast einem Jahrhundert entdeckt wurde und nun das drittnächste bekannte: ein Paar Brauner Zwerge in 6.5 LJ Abstand, das nur von Alpha Centauri und Barnards Pfeilstern ‚geschlagen‘ wird. Entdeckt wurde es vom IR-Satelliten WISE bei seiner mehrfachen Himmelsdurchmusterung: Die Quelle war jedes Mal ein Stück weiter gewandert. Dann fand man sie auch in früheren Surveys – und bei Detailbeobachtungen von der Erde aus, dass es nicht einer sondern zwei Braune Zwerge sind. [18:55 MEZ]

Da geht er unter: PANSTARRS über New Mexico vor wenigen Stunden, zum Vergleich der Untergang von Gran Canaria aus. Jede Menge Bilder aus den USA vom 10. März mit allen Arten von Himmelsfarben füllen bereits die Sammlung, z.B. aus CA, AZ (mehr & mehr), NM (mehr & mehr) und TX – und vom 9. März noch eine Untergangs-Sequenz aus Thailand. [4:45 MEZ] Visuelle Berichte aus Arizona mit und ohne Fotos, New Mexico und Australien – und obiges Video wurde durch eine schärfere Version ersetzt. [6:05 MEZ] Blogberichte über Sichtungen am 10. März aus Arizona und Rumänien – wo auch eine offene FB-Gruppe für PANSTARRS entstand. [7:55 MEZ]

„Größte Astro-Schulstunde der Welt“ in Texas – irgendwie

Keine Frage, es gab am Ende eine ganz amtliche Urkunde, und die entsprechende Guinness World Records-Seite wird wohl bald aktualisiert – aber die „largest astronomy lesson ever taught“ vor einer Stunde in Austin, Texas, war letztens nur ein Werbegag der Northrop Grumman Corporation, um Stimmung für das JWST zu machen, von dem die NASA ein großes Modell angeschleppt hatte. Um das herum versammelten sich 526 Zuhörer – mehr als jene 458, die 2011 bei einem Astro-Event in der Wüste in Mexiko dabei waren – und bekamen eine Vorlesung über Farbe und Licht nach gewissen didaktischen Regeln geboten (eine rudimentäre Aufzeichnung). Dieses Open Air und nachts erreicht und das Publikum 30 Minuten festgehalten zu haben, erfüllte die Guinness-Kriterien – auch wenn z.B. der Freiluft-Charakter gar nicht auf Urkunde oder Webseite steht. Insofern möchte dieser Blogger auch einen Orden haben, ‚lehrte‘ er doch 1991 auf einer Sci-Fi Con vor rund 2000 Zuhörern über moderne astronomische Instrumente … [3:45 MEZ]

PANSTARRS-Untergang in Athen – der Film von heute Abend, auch gestackte Bilder daraus: geht doch (und offenbar ziemlich hell)! Ferner ein heutiger Erfolg aus Rumänien, ein gestriger aus Kalifornien und ein aktuelles Bild vom – überforderten! – STEREO B. Und eine vage Wetterprognose für’s Blogger-Land … [20:55 MEZ am 10. März] Konfusion um die aktuelle Helligkeit, möglicherweise verursacht durch eine fehlerhafte ‚offizielle‘ Extinktions-Korrektur: Man meldet in den letzten Stunden +1.4 mag. (mehr) aus Spanien, -1 mag. aus Kalabrien, -0.3 mag. aus Australien und -1 mag. (mehr) mit Riesenfehlerbalken aus Hawaii. Und weitere Bilder von heute von Gran Canaria, Teneriffa und Sizilien und aus Kalabrien (mehr), FYROM (dito, dito), Indonesien und China. Während bei einem Aufenthalt auf La Palma ein Beobachter gestern erstmals knapp erfolgreich war. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: der beste Nord-PANSTARRS bisher aus Teneriffa, auch animiert, und mehr überzeugene Südeuropa-Bilder von gestern hier, hier und hier. Und in den USA – wo es auch noch nicht eben leicht ist – wurde danach anhand des Mars eine Helligkeit von -0.5 mag. geschätzt]

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PANSTARRS im Perihel! Für STEREO B eine große Leuchte

in 0.8 AU Entfernung vom Sonnensatelliten und dank Staub-Vorwärtsstreuung noch zusätzlich aufgehellt (ein „Beacon“-Bild, auch ein früheres; die volle Auflösung gibt’s später, auch die weitere Bahn durch’s HI1-Gesichtsfeld) – auf der Erde tut man sich dagegen gerade schwer, auch wenn er die Nordhemisphäre inzwischen endlich erreicht hat: Bilder vom 10. März aus Japan und von den Philippinen (mehr) und vom 9. März aus Kalifornien (mehr) und Nevada (mehr und mehr) – und vielleicht aus New Jersey. [18:15 MEZ] In Südeuropa hat’s heute geklappt: Bilder aus Sizilien, Macedonien und Griechenland – und vorher nochmal Japan. [19:45 MEZ]

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Komet PANSTARRS auf den Kanaren gesichtet! Diese Aufnahme – dankenswerterweise gezwitschert von Victor R. Ruiz – entstand am Abend des 9. März mit einem 300-mm-Teleobjektiv und 3 Sekunden bei Blende 5.6 und ISO 800 auf Gran Canaria auf 28°N. [2:00 MEZ] Das muss gefeiert werden: gleich noch ein anderes Kanaren-Bild – sowie ein Erfolg auf dem spanischen Festland auf 37° Nord. Und zuvor noch Bilder aus Indien und Malaysia und tags zuvor ein Taghimmel-‚Nachweis‘ aus Deutschland, eine neue Helligkeitsanalyse (die zur Prognose dieses Bloggers vom Januar passt) sowie Foto-Tipps und ein DPA-Artikel. [17:50 MEZ]

Impakt-Wahrscheinlichkeit Komet/Mars nur noch ~1:2300

Mit neuer Astrometrie des Kometen Siding Spring hat sich die Wahrscheinlichkeit eines Impakts auf dem Mars 2014 deutlich reduziert: telnet horizons.jpl.nasa.gov 6775 liefert jetzt eine wahrscheinlichste Vorbeiflugdistanz von 110’000 km, eine maximale von 345’000 km und eine Impakt-Wahrscheinlichkeit von 0.000430. „Non-zero values less than approximately 0.001 may not be numerically significant due to the linearization process,“ heißt es allerdings. [1:30 MEZ]

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Ein Ausrufezeichen von der ISS getwittert und -facebookt, nur mit einem „!“ als ‚Unterschrift‘ – aber die Schwarmintelligenz des WWW fand rasch heraus, dass es sich um zwei kleine Inseln (die größere heißt Yılan Ada, die kleine Sıçan Adası) direkt südwestlich der türkischen Stadt Kalkan handelt; das Bild aus dem Orbit war gesüdwestet. Nur wenig östlich liegt übrigens die griechische Insel Kastelorizo – weltraumrelevant insofern als es sich um einen der ganz wenigen Punkte handelte, wo die Totalität der SoFi 2006 (politisch gesehen) Europa traf. [0:40 MEZ]

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Impressionen vom Gedenk-Kolloquium für Hilmar Duerbeck

heute in Bonn: Gastgeber Wolfgang Dick und Michael Geffert sowie Chris Sterken mit der kumulativen Publikations-Statistik des „bedeutenden, aber eher dezent im Hintergrund wirkenden“ Astronomen, der in den letzten Jahren überwiegend als recherchefreudiger Historiker in Erscheinung trat. Die Beiträge von der abwechslungsreichen Veranstaltung und noch viel mehr soll kommendes Jahr in einem Buch erscheinen – wer etwas (auch Kurzes) zu Leben und Werk Duerbecks, der eigentlich Dürbeck hieß aber den Namen irgendwann ‚international‘ machte, beizusteuern hat, möglich sich bei Dick melden! [22:20 MEZ am 9. März. NACHTRAG: ein längerer Artikel]

Ein tschechisches Video einer hellen Feuerkugel vom 6. März. Und von PANSTARRS Teleskop-Bilder aus Chile, der Komet über einem See in Australien und zwei Untergangs-Zeitraffer hier und hier. Aber aktuelle gute Bilder gibt’s unmittelbar vor dem Nord-Fenster scheint’s nicht. [1:55 MEZ] Keine überzeugende Sichtung bisher nördlich von 20°N – aber von STEREO Behind (der Blob unter „2013“), während letzte visuelle Schätzungen um 1.1 mag. liegen. Irdische Bilder vom 9. März aus Thailand und Singapur und vom 8. März aus Hawaii, Barbados, Malaysia und Australien sowie Artikel in Englisch (auch einer mit absurder Headline …) und Deutsch. [21:30 MEZ]

Heute besucht Cassini Saturns Mond Rhea zum letzten Mal

während der Mission des Orbiters von 2004 bis 2017: Cassini kommt bis auf 1000 km an die Oberfläche heran, in erster Linie zur Vermessung der Schwerkraft des Mondes (und damit seines Inneren: differenziert oder homogen?), aber auch ein paar andere Instrumente sind aktiv. Im Februar 2015 geht es zwar noch einmal bis auf 10’000 km an Rhea heran, aber das gilt nicht. [1:45 MEZ]

Das Riesen-Radio-Interferometer ALMA wird am 13.3. eingeweiht, nachdem inzwischen 56 der Schüsseln akzeptiert sind, die auf dem chilenischen Hochplateau stehen – und die Welt kann zugucken: Erst wird am 12. März um 12:00 MEZ eine PK über das gewaltige Instrument gestreamt, dann am 13. März 15:30 bis 17:00 MEZ der Festakt aus der Operations Support Facility. [1:40 MEZ. NACHTRÄGE: noch’n und noch’n Artikel]

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Das war die Erdtemperatur der vergangenen 11,300 Jahre

Sie wurde neu rekonstruiert aus 73(!) verschiedenen „Proxies“ im geologischen Record der Erdgeschichte und umfasst das gesamte Holozän, direkt ab dem Ende der letzten Eiszeit. Danach ging es nach oben, es gab ein längeres Plateau, dann einen kontinuierlichen Rückgang bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts. Die Dekade 1900-1909 war kühler als 95% aller anderen des Holozäns. Und seither geht es durch menschlichen Einfluss steil nach oben, mit der letzten Dekade 2000-2009 wärmer als 82% aller anderen, und mit einer so lange nicht gesehenen Geschwindigkeit. Die Entwicklung seit 1880 ist hier zu sehen – und dass die Sonnenaktivität rein gar nichts damit zu tun hat, macht dieses ‚Widget‘ klar. [1:25 MEZ. NACHTRAG: direkt messbare Folgen für die Vegetation der Erde, auch in einer Science@NASA-Version]

Schwerkraft-Satellit „hört“ Erdbeben: Der Gravity field and steady-state Ocean Circulation Explorer oder GOCE – bekannt für seine Gravitations-Karten der Erde („Das beste Geoid aller Zeiten …“) – fliegt so niedrig, dass er die obere Erdatmosphäre schon deutlich spürt. Und dabei auch Infraschall-Wellen darin, die starke Erdbeben in der Atmosphäre auslösen: Das wurde jetzt in Bahndaten während des schweren Japan-Bebens vor zwei Jahren nachgewiesen. Und so kann ein Satellit in 260 km Höhe als Seismometer verwendet werden, zumindest für besonders schwere Beben. [1:10 MEZ. NACHTRÄGE: ein später und ein noch späterer Artikel]

Chinesischer Weltraumschrott traf russischen Satelliten

Die Bahn des kleinen Laser-Reflektor-Satelliten Ball Lens In The Space (BLITS) und sein Spin-Zustand haben sich im Januar abrupt verändert: Das wird als das Ergebnis einer Kollision mit Resten des chinesischen Antisatelliten-Experiments von 2007 interpretiert. Es scheint noch unklar zu sein, ob der Nanosatellit weiter als Laser-Ziel taugt. [0:55 MEZ. NACHTRAG: spätere Artikel hier, hier und hier]

„Nanosatellit mit Smartphone“ für operationell erklärt: Der am 25. Februar zusammen mit 6 anderen Satelliten gestartete britische STRaND-1 gilt als erster „Telefon-Satellit“ im Orbit, aber noch sind die Funktionen nicht auf das Smartphone umgeschaltet. [0:50 MEZ]

Die nächste ISS-Besatzung nimmt die schnelle Route zur Raumstation: Nach dem Start am 28. März soll Soyuz TMA-08M in sechs Stunden die Raumstation erreichen. Das Manöver, bei dem die Bahnkorrekturen viel enger als sonst aufeinander folgen, wurde bereits für Progress-Transporter erprobt aber noch nie bemannt. [0:45 MEZ]

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