Archive for Juni 2013

NASA-Astro-Satelliten: IRIS kommt – GALEX geht

29. Juni 2013

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Der gestrige 28. Juni 2013 (MESZ) hat gleich doppelte Bedeutung für die Astronomie mit NASA-Satelliten erlangt: Erst erreichte um 4:40 Uhr der Interface Region Imaging Spectrograph („Der nächste Astronomiesatellit …“) seine Umlaufbahn, nachdem die Pegasus mit IRIS um 4:27 MESZ abgeworfen worden war (oben drei Screenshots aus dem Replay einer Kamera, die hinter der Flügelrakete auf der L-1011-Trägerflugzeug „Stargazer“ saß, auch ein komplettes und ein langes Video, viele Schnipsel, mehr Screenshots, optische Effekte danach, NASA und Orbital Releases und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), und arbeitet einwandfrei. Und am Abend gaben die NASA und das zuletzt für ihn sorgende („Ein Kepler-Resultat …“) Caltech bekannt, dass der Galaxy Evolution Explorer („Der UV-Satellit GALEX …“) um 21:09 MESZ abgeschaltet worden ist – er war vor 10 Jahren ebenfalls auf einer Pegasus gestartet worden, hatte die Primärmission absolviert und noch drei Verlängerungen. In ca. 65 Jahren wird er verglühen. [NACHTRAG: ein Nachruf]

Wie sich Amateurastronomen bei LADEE einbringen können

Auf einer neuen Webseite sowie im Rahmen eines Webinars gestern (Aufzeichnung, Screenshot) hat die NASA näher erläuert, wie sich Amateurastronomen für LADEE nützlich machen können („Amateurastronomen zur Mithilfe …“), den Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer, der im September starten soll: zum einen mittels genau koordinierter Video-Überwachung des Mondes auf Impaktblitze, zum anderen mit Meteor-Beobachtung in der Erdatmosphäre. Eine spezielle Kampagne zur Überwachung des Mondes auf mutmaßliche aus dem Inneren stammende Transient Lunar Events gibt es zwar nicht, aber die NASA – so die Antwort auf eine Frage dieses Blogs – möchte natürlich hören, wenn was passieren sollte: Dann könnte man nach Korrelationen mit Messungen des Orbiters suchen.

Voyager 1 ist wieder ein Stückchen weiter Richtung Rand des Sonnensystem vorgedrungen, wie JHU, JPL und NASA verkünden: 18 Mrd. km von der Sonne entfernt macht sich zunehmend Galaktische Kosmische Strahlung bemerkbar, während diejenige der Sonne verdrängt word – aber ihr Magnetfeld ist noch da. Das eigentliche Verlassen des Sonnensystems kann nun nur noch Monate oder aber noch Jahre in der Zukunft liegen; auch Science@NASA und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch Amateur-Erfolge bei der Bestimmung des heliozentrischen Orbits von Herschel nach dem Missionsende: 2027 kommt Herschel wieder und auch im Jahr 2042. [NACHTRAG: Details zur Herschel-Astrometrie]

Der Arkyd könnte das erste „Stretch Goal“ noch schaffen

Das erste Ziel von einer Million US-Dollar wurde schon vor einer guten Woche erreicht, aber das Crowdfunding für das erste Volks-Weltraumteleskop läuft immer noch gut 50 Stunden – und die automatische Trendanalyse deutet auf 1.33 Mio.$ als wahrscheinlichstes Endergebnis in der Nacht zum 1. Juli hin, mit allerdings einer Projektionsbreite von 1.28 bis 1.36 Mio.$. Mit 1.3 Mio.$ wäre das erste sog. Stretch Goal erreicht, bei dem eine zweite Bodenstation für die doppelte Datenrate für den – übrigens teilweise per 3D-Printing entstehenden – Minisatelliten gebaut werden könnte. In gewisser Weise sind solcherlei Details Peanuts, da Planetary Resources bereits ein Mehrfaches der Million an Eigenmitteln in das Arkyd-Projekt gesteckt hat. Aber wer weiß: In der letzten Nacht wird es von 0:00 bis 4:00 MESZ noch mal eine große Final-Show zum Eintreiben weiterer Beiträge geben, bei der sich die Arkyd-Manager regelrecht zum Affen machen wollen, wie es gestern in schon wieder einem Hangout hieß …

Ist „Europa Report“ der erste Science-Fiction-Film speziell für Astronomie-Nerds seit langer Zeit? Erste Kritiken des Low-Budget-Films („Drei Trailer …“) wie insbesondere diese hier deuten auf einen fast schon dokumentarisch angelegten Expeditionsbericht zum Jupitermond hin – der aber nach wie vor keinen bekannten deutschen Kinostart hat.

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Weitere größere Artikel

28. Juni 2013

Dark-Sky-Aktivist nutzt Crowdfunding für „Skyglow Berlin“ – noch läuft die Kampagne! (Dazu weitere Artikel hier und hier sowie einer über Lichtverschmutzung in Berlin – und einer über die „promises and perils“ von Crowdfunding für die Wissenschaft.)

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Noch mehr Himmels-Feuer, Abschied von Merkur – und was das alles mit ISON zu tun hat (auch hier im Nachtrag zitiert).

Lokales Universum als Trickfilm umgesetzt, Galaxien-„Fluss“ inklusive.

Kürzere Artikel

Drei Supererden in der habitablen Zone desselben Sterns, mit leisen Zweifeln.

Mond mit Goldenem Henkel – und Spica dicht daneben am 18. Juni.

Meilenstein: 10000. erdnaher Kleinplanet im Katalog der NEOs.

Der Satellit Gaia ist fertig: Start am 25. Oktober?

27. Juni 2013

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Der nächste große Astronomiesatellit der ESA, der Hipparcos-Nachfolger und Astrometrie-Satellit Gaia, ist fertig getestet und kann Europa verlassen: Wann er in Kourou starten soll, darüber wird weiter ein großes Geheimnis gemacht – aber heute wurde der 25. Oktober genannt, was aber seitens Arianespace aber noch nicht bestätigt worden ist [NACHTRAG: mehr Bilder]. Und ein kurzer Talk über den ESA-Satelliten Euclid, der von Thales Alenia Space gebaut wird (und Neutrino-Forschung).

Der nächste Astronomiesatellit soll aber heute Nacht starten, der Interface Region Imaging Spectrograph der NASA, dessen Pegasus-Abwurf wegen eines Stromausfalls in der Vandenberg AFB in Kalifornien um einen Tag auf 4:27 MESZ kommende Nacht verschoben wurde – jetzt ist aber alles go: der Status, ein Press Release aus Montana zum Sinn des Ganzen, eine IRIS-Broschüre, die Aufzeichnung einer früheren PK und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: noch ein Artikel – und Updates hier, hier und hier]

Das Sterilisieren von Marslandern macht keinen Sinn

So argumentieren zwei Exobiologen: Es seien eh schon reichlich Erdbakterien via Meteoriten zum Mars gereist, dann könne man das viele Geld für die Sterilisierung von Marslandern besser in leistungsfähigere Technik oder mehr Missionen investieren. Heftigen Widerspruch gibt es aber auch schon. [NACHTRAG: noch ein Artikel] Auch eine bevorstehende Entscheidung über das Fahrgestell des Marsrovers von ExoMars 2018 und Unterstützung der NASA für den indischen Marsorbiter dieses Jahr durch das Deep Space Network.

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Wie der große Sturm auf dem Saturn funktionierte, den Cassini 2010/11 beobachtete, ist in Computermodellen nachvollzogen worden: Er begann demnach 300 km über den sichtbaren Wolken und zog große Mengen feuchte Gase in die Höhe. Ein Grund mehr, dem Planeten zuzuwinken: eine neue Seite für das Rahmenprogramm für die große Cassini-Show am 19. Juli.

Ein kurioser japanischer Roboter fliegt auf die ISS, wo er sich mit Astronauten unterhalten soll – allerdings kann der wunderliche „Kirobo“, den ein weiterer Roboter begleitet, nur Japanisch … Und noch was Ernsthaftes von der ISS: In diesem CERN-Hangout – scheint der letzte Schrei in Wissenschafts-Kommunikation zu sein – über Dunkle Materie spielt das AMS-Experiment daselbst ab Minute 9 mit.

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Jede Menge Qualm weht(e) über Singapur als Folge von illegalen Wandbräden auf Sumatra, hinter denen Palmöl-Plantagen stecken sollen: ein Bild des Satelliten Aqua vom 19. Juni; Aufnahmen aus dem Weltraum gehörten zur Beweisführung.

Noch kurz gemeldet: Gleich 28 Nanosatelliten auf einer Rakete sollen beim ersten Cargo-Flug der Antares zur ISS dabei sein: der „Flock-1“ zur Erdbeobachtung. / Die TWINS-Satelliten sind schon 5 Jahre im All, in denen die beiden die Erdmagnetosphäre in 3D erkundeten. / Eine Deep Space Atomic Clock wird auf dem Satelliten OTB in den Orbit gebracht. / Ein paar Erkenntnisse der Radioastron-Mission mit Spektr-R. / Und Forschung auf einer Suborbital-Rakete zu kritischen Phasen der Planetenbildung.

Die Rückkehr von Shenzhou 10 – Live-Bilder satt

26. Juni 2013

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Eine über zweistündige Livesendung von CCTV News, dem englischen Kanal des chinesischen Staatsfernsehens von der Rückkehr von Shenzhou 10 (Artikel hier, hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier; die Live-Sendung dauerte übrigens 3 1/2 Stunden]) von der Proto-Raumstation Tiangong-1 hatte erheblich mehr zu bieten als typische Übertragungen einer Soyuz-Landung auf NASA TV: Erst erzählte der Moderator, im Jahr 2020 werde China eine permanent bemannte Raumstation haben, gerade rechtzeitig, um die dann die veraltete ISS abzulösen – dann gab es Livebilder satt. Das Abtrennen der Landekapsel vom Servicemodul wurde von einer Außenkamera auf dem letzteren übertragen, und bald erfasste eine Infrarotkamera die Kapsel (oben: links) und dahinter das allmählich zerfallende Servicemodul (2. Bild: weiteres Auseinanderbrechen).

Das Öffnen von Vor- und Hauptschirm und wie sich letzterer mit Luft füllte war bestens zu sehen, dann ging die Sicht wegen Wolken zeitweise verloren, aber der Bodenkontakt und die rasch von der Bergungsmannschaft erreichte Kapsel am Boden waren wieder bestens im Bild. Und wenn es mal Längen gab, dann wurden halt die Highlights noch mal gezeigt, schon zusammen geschnitten. Und mitunter mit schmissiger Musik unterlegt, die erstaunlich an das „Dallas“-Thema erinnerte … (Zwei Tage vor der Rückkehr hatte die Kapsel schon einmal ab- und manuell wieder angedockt [mehr und mehr]. Und auf der ISS gab es eine EVA [mehr, mehr, mehr und mehr], während die ESA einen Wasserungs-Test des IXV [mehr und mehr] durchführte – und sich Bakterien im Space Shuttle wohl fühlten.)

Allgemeines Live-Blog vom 25. Juni 2013

25. Juni 2013

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Gibt es heute zwei Soyuz-Starts innerhalb von 86 Minuten? Vor 2 Minuten hat in Baikonur eine solche Rakete mit einem Resurs-Satelliten abgehoben (Screenshot aus einer stummen Live-Übertragung) – und um 20:54 MESZ könnte in Kourou eine weitere folgen: Der Start wurde gestern wegen zu viel Wind abgesagt, aber heute ist sie immerhin schon betankt worden. [19:30 MESZ] Resurs-P1 ist im Orbit: der erste einer neuen Serie von Erdbeobachtern. [19:40 NACHTRÄGE: Artikel hier und hier] Und die Übertragung aus Kourou läuft. [20:35 MESZ] Aber los gekommen ist man wetterbedingt erst mit 33 Minuten Verspätung: Lagen eben 119 Minuten zwischen beiden Starts. [21:30 MESZ] Ein weiterer Screenshot: Der Qualm nahm die Sicht, die Bildregie war überfordert … [21:55 MESZ] Ein Arianespace Release zum Start – und ein vages Startfenster für Gaia. [22:55 MESZ] Alle 4 Satelliten der 2. Soyuz sind ausgesetzt worden. [23:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: Artikel dazu hier, hier und hier – mit den 2 heute damit schon 10 erfolgreiche Soyuz-Starts 2013]

Drei Supererden in der habitablen Zone desselben Sterns

sollten eigentlich erst morgen Mittag verkündet werden, aber jemand in Frankreich konnte in der Nacht nicht mehr an sich halten, und so wurde das Embargo jetzt aufgehoben: Es geht um den bekannten Stern Gliese 667C, der nach neuen HARPS-RV-Daten zwischen 5 und 7 Planeten hat. Und seine HZ ist „dicht gepackt“ – es sind also keine weiteren stabilen Bahnen mehr möglich – mit drei Supererden zwischen 2.5 und 4 Erdmassen: Press Releases von ESO, Carnegie, Keck und Washington und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [19:20 MESZ. NACHTRÄGE: Da gibt’s auch ein Filmchen, das Paper im ArXiv und einen NSF Release – aber einer glaubt’s nicht recht und mehr Zweifel auch hier und hier aber nicht hier, hier und hier]

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Wieder reichlich Beachtung für den Vollmond im Perigäum gab es in den vergangenen zwei Nächten – über die Bedeutung des Phänomens konnte man diskutieren (mehr und mehr), aber ein Fotomotiv war es ohne Frage: zahlreiche Sammlungen hier (mit Abstand die beste), hier, hier, hier (früher, noch früher), hier, hier (mehr), hier, hier und hier, ein Zeitraffer-Aufgang und Bilder einzelner hier (von diesem Blogger), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein Webcast. Plus eine Foto-Idee und die nächsten Perigäums-Vollmonde sowie ein Making-Of eines bekannten RingSoFi-Videos, ein Flare (mehr) und NLCs vorgestern (sowie früher), eine Planetariums-Schließung auf Guam und die Krise in Halle. [2:05 MESZ. NACHTRAG: nochmal die aufgehende Ring-SoFi, am Anfang eines größeren Astro-Zeitraffer-Videos made in Singapore]

Das 10’000ste Near Earth Object (aller Größen) entdeckt

hat am 18. Juni Pan-STARRS, den 300-m-Asteroiden 2013 MZ5, und seitdem sind schon wieder weitere dazu gekommen: Seit den Anfängen der Suche ist schon viel erreicht worden, aber es warten noch zehnmal so viele auf ihre Entdeckung, die für die Erde einmal unangenehm werden könnten. NEOs nähern sich der Erde bis auf mindestens 45 Mio. km: Die kleinsten katalogisierten erdnahen Asteroiden messen nur Meter, der größte ist (1036) Ganymed mit 41 km. Rund jeder 10. der 10’000 ist größer als 1 km: Von diesen Asteroiden, deren Impakt eine globale Katastrophe wäre, sind bis auf wenige Dutzend alle entdeckt. Aber bis 140 m hinab dürfte es etwa 15’000 und bis 30 m eine Million NEOs geben: Von denen sind erst 30% bzw. unter 1% im Katalog. Derzeit liegt die jährliche NEO-Entdeckungsrate aller Größen bei etwa 1000, und fast alle sind Fänge von NASA-finanzierten Programmen. [1:35. NACHTRAG: das Ganze nochmal]

Ein russisches Spätwarnsystem für Asteroiden bereits im Anflug verbirgt sich vermutlich hinter dem Projekt „Megatortor“, das Artikel vorgestern und im Februar (auch auf Deutsch) beschrieben, und es gibt auch den Vorschlag, Asteroiden mit alten „Satan“-Raketen im Anflug abzuschießen – alles Nachwirkungen von Chelyabinsk, wo übrigens weiter über einen Riesenmeteoriten im Chebarkul-See spekuliert wird. Plus der Status der US-„Asteroid Initiative“ auf der Suche nach einer klaren Richtung und Zuspruch im Kongress. [1:30 MESZ. NACHTRAG: eine neue Zusammenfassung bisheriger Chelyabinsk-Erkenntnisse]

Erfolgreicher Amateur-Test von Strahlrudern einer Rakete

Vorgestern ist es den rührigen Copenhagen Suborbitals mit ihrer Sapphire-Rakete gelungen, eine Schubvektorsteuerung per Strahlruder zu demonstrieren: Die Rakete stieg nahezu senkrecht bis in 8.3 km Höhe – geborgen werden konnte sie allerdings nicht, da das Fallschirmsystem versagte. Trotzdem gilt der Testflug als wesentlicher Schritt, um die größeren HEAT-Raketen endlich auf Höhe (und irgendwann wirklich in den Weltraum) zu bringen: oben der Start aus vielen Kamera-Positionen, auch Artikel in Englisch und Dänisch, die über 5-stündige Aufzeichnung des Tages, ein weiteres Foto der Kampagne 2013 und Updates des Projekts. [1:00 MESZ. NACHTRAG: noch mehr Fotos]

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Dieser Mini-Satellit soll 2014 Technik des Arkyd testen

Bei einem weiteren Hangout zum Mini-Weltraumteleskop wurde gestern Abend nicht nur (ab ~18:30) ein wenig über die Technik des Arkyd-Satelliten verraten, sondern auch dieses Bild des noch viel kleineren „Arkyd 3“ präsentiert, mit dem wichtige Technologien dieser superbilligen Serie von Orbitalteleskopen validiert werden sollen. Und man erfuhr, dass nämliches Satellitchen aus drei CubeSats ungefähr im April aus der Internationalen Raumstation geworfen werden soll – ein zünftiger Start. Das Crowdfunding steht inzwischen bei 1.16 Mio.$ und läuft noch 5 1/2 Tage. [0:50 MESZ. NACHTRAG: noch ein informativer – Arkyd-3-Details ab ~39:00 – und ein lausiger Hangout, plus ein bizarres japanisches Fan-Video]

Der Satellit CoRoT ist endgültig aufgegeben worden

Bereits letzten November war ein entscheidender Computer ausgefallen, und nach intensiver Analyse wurde diesen Monat entschieden, die Rettungsversuche für den ersten Satelliten, der – ab 2006 – Exoplaneten per Transitmethode gejagt hatte, auf zu geben. Auch ein längerer Vortrag über seinen großen Bruder Kepler, nun auch lahm liegend. [0:40 MESZ NACHTRAG: Hat’s noch hier, hier und hier wer mitbekommen]

Nachrichten zum Himmelsgeschehen kompakt

21. Juni 2013

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Ein M2.9-Flare samt Eruption und Koronalem Massenauswurf heute Morgen hat zwar die Ionosphäre durcheinander gebracht, dürfte aber wegen seiner Randlage der verantwortlichen Aktivitätsregion 1777 kaum Nachwirkungen haben, wenn die CME die Erde morgen streifend trifft: auch ein Video und weitere Bilder hier, hier und hier.

Wieder steht der größe Vollmond des Jahres am Himmel

Und wieder wird jede Menge Unfug über diesen „Supermond“ übermorgen verzapft: Während auf der einen Seite gar Angst vor Werwölfen(!) geschürt wird, überbieten sich auf der anderen vermeintliche Experten mit Versicherungen, es gäbe nichts Besonderes zu sehen und wenn doch, dann sei’s sicher die Mondillusion. Dass die unterschiedliche Größe des (v.a. vollen) Mondes auf seiner elliptischen Bahn für das bloße Auge durchaus wahrzunehmen ist, mit dem Mond illusionsfrei hoch am Himmel, gab dieser Blogger schon 2011 und erst recht 2012 zu Protokoll, aber was schert’s die Schreibtischtäter, die lieber das ‚Offensichtliche‘ in die Tastatur hacken als mal selber nach zu sehen. Die Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier verbreiten zumindest den Alle-Vollmonde-sehen-gleich-aus-Mythos nicht und liefern auch nützliche Zahlen zum Juni-Perigäum und wie es im Vergleich da steht.

Ein später Blick auf den Kometen Lemmon von gestern: seine Show ist nahezu vorbei. Auch PANSTARRS von gestern und vorgestern (mehr und mehr) und 29P im Ausbruch heute (erstaunliches Komadetail; mit einem 20″er) und am 18. Juni. Plus ein 15-kg-Meteorit in einem Maisfeld, die chinesische Raumstation Tiangong-1 vor der Sonne, leuchtende Nachtwolken am Morgen des 18. Juni (seither kam fast nichts mehr) – und die viel beachtete Supernova 2011fe in M 101 hat sich als vorbildlich normal heraus gestellt (mehr und mehr).

Ehemaliger NOAO-Direktor wird Chef des LCOGT-Netzes

Ersteres ist das National Optical Astronomy Observatory der USA, das von der öffentlichen Hand gefördert wird und dessen Sternwarten quasi das Rückgrat der professionellen US-Astronomie bilden, letzteres das Las Cumbres Observatory Global Telescope aus immer mehr ferngesteuerten Sternwarten rund um den Globus (siehe z.B. ISAN 174-9). Und Todd Boroson vom ersteren löst nun am 1. August als neuer Direktor gleich den Gründer und Präsidenten und den wissenschaftlichen Direktor des letzteren gemeinsam ab: Das soll auch den Übergang aus der Aufbau- in die wissenschaftliche Nutzungsphase symbolisieren.

Erste Echos auf die „Winkt Saturn zu“-Kampagne des Cassini-Projekts reichen von Unverständnis bis zu heller Begeisterung, wobei die Zustimmung unter Amateurastronomen und -outreachlern in Deutschland recht einstimmig zu sein scheint. NACHTRAG: von mysteriösen NASA-Plänen um dem 19. Juli herum ganz zu schweigen.

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

20. Juni 2013

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Million im Kasten: Weltraum-Telesköpchen Arkyd kommt!

Heute Morgen um 3:25 MESZ hat die Crowdfunding-Kampagne für ein 8-zölliges Weltraumteleskop für jedermann – siehe ISAN 190-7 – die entscheidende erste Schwelle von 1 Mio. US-Dollar genommen, 10 1/2 Tage vor der Deadline, bei der alles verloren gewesen wäre: Das musste natürlich gefeiert werden (Bild & Video). Die Spenden waren zuletzt eher zäh geflossen, aber einige wenige Postings der populären Bizarr-Cartoon-Serie „The Oatmeal“ in einem Blog und auf Facebook und Twitter ließen es gestern schlagartig wieder in der virtuellen Kasse klingeln. Während einer nächtlichen Web-TV-Livesendung überstieg die Zahl der Spender 11’000, und ein paar Stunden später war die Million an Dollars geknackt. Gesammelt wird aber weiter in der Hoffnung, das eine oder andere „Stretch Goal“ auch noch zu erreichen: Dann gäbe es eine zusätzliche Bodenstation, mehr Goodies für die Einzahler und schließlich eine bessere Lageregelung. Für einen Satelliten, über dessen astronomischen Nutzen bisher herzlich wenig gesprochen wurde: Das ‚Verkaufs-Argument‘ waren ganz klar die ‚Space Selfies‘, also die Bilder vom Kunden, von einer Minikamera auf dem Satelliten von einem Display abfotografiert.

Zehn ESA-Wissenschaftsmissionen werden verlängert

Das Science Programme Committee der Europäischen Weltraumbehörde hat jetzt 10 Missionen neue Extensions gewährt, die allesamt schon jetzt in der Verlängerung sind aber nocn gute Wissenschaft liefern: Cassini-Huygens, Cluster, Hinode, Hubble Space Telescope, INTEGRAL, Mars Express, SOHO, XMM-Newton. Proba 2 und Venus Express – die die ESA ganz oder als Partner betreibt – dürfen nun bis mindestens Ende 2014 weiter machen.

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Eine HST-Aufnahme der kollidierenden Galaxien Arp 142 mit der WFC3: So etwas – manchmal als „der Pinguin“ oder „der Delfin“ tituliert – kann aus einer harmlosen Spirale werden, wenn ihr ein Begleiter arg nahe gekommen ist.

Der Lunar Reconnaissance Orbiter ist vier Jahre unterwegs, nach seinem Start am 18. und der Ankunft im Mondorbit am 23. Juni 2009 – und noch bis mindestens Oktober 2014 geht die Mission weiter. Zu den neueren Erkenntnissen gehört ein Verständnis der Produktion molekularen Wasserdampfs aus Eis an den Polen, durch Kosmische Strahlung, die in den Regolith eindringt. Auch eine Vorschau auf Chinas Mondrover Chang’e 3 und die beiden folgenden Mondmissionen.

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Ein Mars-Panorama mit 1.3 Milliarden Pixeln ist aus rund 900 Aufnahmen Curiositys vom letzten (Erd-)Herbst erstellt worden: Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Derweil ist in Daten des MER Spirit auf eine sauerstoffreiche Atmosphäre des Mars vor 4 Mrd. Jahren geschlossen worden (Artikel hier, hier und hier) – aber das scheint nicht eindeutig zu sein. Plus Jubel über ein Bild des Mars Express.

Seltsame Veränderungen der Windgeschwindigkeiten auf der Venus innerhalb von ein paar Jahren hat der Venus Express festgestellt: Insbesondere nahm in niedrigen Breiten der Höhenwind seit Beginn der Mission ständig zu, von 300 km/h auf 400 km/h von 2006 bis 2013 – Ursache unbekannt [NACHTRAG: hat’s noch wer gelesen]. Auch ein Update zu der russischen Hoffnung, bei der ESA-Mission JUICE zum Jupiter eine eigenen Ganymed-Lander mit zu schicken.

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Die Vegetation der Erde, kartiert von NPP Suomi innerhalb eines Jahres mit der Visible-Infrared Imager/Radiometer Suite: Die Daten des Satelliten gehen in einen Normalized Difference Vegetation Index ein, der das photosynthetische Potenzial der Vegetation angibt.

Noch kurz gemeldet: Auf der chinesischen Raumstation gab es heute eine viel beachtete Schulstunde, über die z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier berichtet wird, Videoschnipsel und Stills inklusive [NACHTRAG: 10-Minuten-Mitschnitt und noch ein Artikel]. / Details über die nächsten deutschen militärischen Radar-Satelliten werden bekannt (bei den drei SARah werden OHB und Astrium kooperieren, und alle starten auf der Falcon 9). / Und ebenso zur Ariane 6, der notwendigen Weiterentwicklung der Nr. 5.

Nachrichten aus der Astro-Geschichte kompakt

19. Juni 2013

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Kosmologie als prähistorische Landschaftskunst?

Fast 100 Orte von über 6000 Jahre alter Felsenkunst wie der obigen in den Appalachian Mountains der südöstlichen USA bilden nach einer neuen Interpretation selbst wiederum eine Art dreidimensionales Bild, das den kosmologischen Vorstellungen der damaligen amerikanischen Urbevölkerung am Cumberland Plateau entspricht: „The cosmological divisions of the universe were mapped onto the physical landscape using the relief of the Cumberland Plateau as a topographic canvas.“

Die Himmelsscheibe von Nebra gehört jetzt zum „Memory of the World“ der UNESCO, d.h. dem Welt-Dokumenten-Erbe, zu dem sie gerade hinzu gefügt wurde (Artikel hier, hier, hier und hier): „In einer schriftlosen Zeit vereinigte die Himmelsscheibe […] ein außergewöhnliches Verständnis astronomischer Phänomene mit religiösen Vorstellungen.“

Die Astronomie des indischen Stammes der Gond

(einer Ethnie der Ureinwohner des Subkontinents) ist Gegenstand eines umfassenden Papers: Jahrtausende alt und weitgehend isoliert lassen sich bei ihnen „parallel aspects of human intellectual growth“ untersuchen, und ihr Weltbild unterscheidet sich erheblich von dem bekannteren „indischen“.

Auch die Astronomie der Aborigines Australiens ist in einer aktuellen Übersicht zusammen gefasst, natürlich von den beiden Haupt-Experten, die „a deep understanding of the motion of objects in the sky“ konstantieren, „and this knowledge was used for practical purposes, such as constructing calendars.“ So klingt’s übrigens – manchmal – bei den dort betrachteten Yolngu.

Das erste Buch über einen Venustransit neu übersetzt

Die „Venus in Sole visa“ von Jeremiah Horrocks wurde letztes Jahr neu aus dem Lateinischen übersetzt – und das erste Mal überhaupt sorgfältig und kompetent ins Englische: Die „Venus vor der Sonne gesehen“ ist ein Dokument nicht nur der Astronomiegeschichte von 1639 sondern auch der jugendlichen Begeisterung von Horrocks über den Erfolg seiner so raren Beobachtungen und die Astronomie dieser aufregenden Epoche – ein seltener Astro-„Geek“ des 17. Jahrhunderts.

140 Jahre populäre Wissenschafts-Darstellung sind schlagartig verfügbar geworden, nachdem die Zeitschrift Popular Science ihr gesamtes Archiv – kostenlos! – online gestellt hat. Die Suche nach Artikeln erfolgt über Keywords – allein „Venus“ fördert schon 125 Beiträge zutage, darunter z.B. diesen über Venus-Transits – von 1873.

Der Mondrover Lunochod 2 kam 42, nicht 37 km weit

Das ist das Ergebnis einer neuen russischen Analyse seiner Spur auf Bildern des Lunar Reconnaissance Orbiters (die Odometer der urigen Mondfahrzeuge waren ziemlicher Schrott). Das ha den Nebeneffekt, dass es noch sehr lange dauern wird, bis der Marsrover Opportunity – z.Z. bei 36.8 km – diesen Rekord brechen kann.

Neue Enthüllungen über die Todesumstände Gagarins – beim Absturz seines Jets 1968 – durch seinen Zeitgenossen (und Ohrenzeugen) Leonov werden derzeit allerorten als der Weisheit letzter Schluss gefeiert: Da scheint es aber nur dieses Interview zu geben, in dem sich Leonov auf einen deklassifizierten Untersuchungsbericht beruft – wobei dieses angeblich „newly released document“ aber weiter unter Verschluss zu sein scheint.

The Space Program Under Presidents Nixon and Ford war das Thema mehrerer aufgezeichneter Vorträge aus dem amerikanischen Nationalarchiv – los geht’s erst in Minute 10. In der 1. Hälfte der 1970-er Jahre wurden Weichen (für das bemannte Programm, um das es hier ausschließlich geht) gestellt, deren Folgen heute noch spürbar sind.

Allgemeines Live-Blog vom 18. Juni 2013

18. Juni 2013

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„Winkt dem Saturn“ am 19. Juli zwischen 23:27 und 23:42 MESZ, wenn Cassini eine weitere Gegenlicht-Aufnahme Saturns mit der Erde im Bild machen wird, fordert eine PR-Kampagne der NASA, für die jetzt allerorten geworben wird. In dem ‚kritischen‘ Zeitraum steht der Saturn noch ein Dutzend Grad hoch am dunklen Abendhimmel: Das könnte man doch an Anlass für öffentliche Beobachtungen nehmen?! [22:05 MESZ. NACHTRÄGE: zum Timing bei 80 min Licht-Laufzeit, mehr Aufrufe hier, hier und hier und ein Artikel] Die Idee nochmal ausführlicher. Z.Z. steht übrigens der Mond bei Spica & Saturn. [23:25 MESZ] Voila – samt Goldenem Henkel der Mond und Saturn vor wenigen Minuten. [23:55 MESZ. NACHTRAG: noch mehr Bilder, mit technischen Daten]

Die NASA informiert über ihre „Asteroid Initiative“

Das ungeliebte neue Ziel für künftige NASA-Astronauten wird jetzt zwei Stunden lang vorgestellt. [15:30 MESZ] Der Webcast läuft – und hier steht, was wohl gleich kommen wird. [15:40 MESZ. NACHTRAG: die komplette Aufzeichung des Events]

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NASA-Vize Lori Garver berichtet über – ausschließliche – Begeisterung allerorten über die Asteroiden-Pläne in Politik, Presse, Public. Dieser Blogger hat es (leider!) ganz anders empfunden … [15:45 MESZ. NACHTRAG: alle Folien ihrer Präsentation]

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NASA-Wissenschafts-Chef John Grunsfeld freut sich über einen Pallasiten – aber konkret geworden ist die Veranstaltung bislang noch nicht … [16:10 MESZ] Das ganze Bild – und die erste Neuigkeit: Der Satellit WISE soll wieder eingeschaltet werden, um die NEOWISE-Asteroiden-Jagd wieder aufzunehmen! [16:15 MESZ. NACHTRAG: alle Folien der Präsentation – WISE kommt auf Seite 7] Für den Asteroiden 2009 BD wurde schon mal eine Referenzmission durchgerechnet. Derlei Objekte könne man auf einem fernen Mondorbit („deep retrograde orbit“, DRO) deponieren, der ein Jahrhundert stabil sei. Alternative Idee: einen Felsen von einem großen NEA abholen und in den DGO schaffen. [16:25 MESZ. NACHTRAG: alle Folien dieser Präsentation] Diese Grafik fasst zusammen, warum sich die NASA für die ‚Asteroid Initiative‘ als nächsten Schritt für die bemannte Raumfahrt entschieden hat: Die Reisezeit zum Ziel ist entscheidend. [16:35 MESZ]

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Na sowas, die erste Frage bei Q&A darf Chris Lewicki von Planetary Resources stellen. Der wissen will, auf welchen Typ Asteroid es die NASA abgesehen hat, was aber noch keiner recht zu wissen scheint. [16:40 MESZ, NACHTRAG: Kein wirklich guter Kandidat scheint z.Z. bekannt zu sein] Die Vorstellungen, wie „die Massen“ bei der ganzen Sache mitmachen sollen, scheinen ziemlich unausgegoren zu sein: irgendwas mit crowd-sourcing die Datenflut von den NEO-Surveys, mit Lichtkurven-Analyse und so. Ansonsten sollen Industrie wie Öffentlichkeit schlaue Ideen äußern … [17:10 MESZ. NACHTRAG: alle Folien der Präsentation – die Lichtkurven gibt’s auf Seite 7] … und zwar über einen Request for Information, der bis zum 18. Juli beantwortet werden soll. [17:35 MESZ] Heute wurde auch in Wien vor der UNO für die Asteroid Initiative geworben: Hier gibt’s einen Audio-Mitschnitt der Bolden-PK. [18:10 MESZ. NACHTRAG: noch ein UN Release dazu] Ein NASA Release zur „Asteroid Grand Challenge“, genau so detailarm wie die Veranstaltung. [18:55 MESZ] Artikel zur „Grand Challenge“ ohne weitere Einsichten hier und hier. [21:30 MESZ] Die Talking Heads bei dem Event. [22:00 MESZ. NACHTRÄGE: jubilante Reaktionen hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier]

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Die Entladung des ATV-4 wird vorbereitet: Nach – weiterhin nicht näher erläuterten – Verzögerungen ist heute die Luke geöffnet worden, und nach Tests der Luftqualität kann mit dem „Betreten“ begonnen werden. Oben ein weiteres Bild von der Ankunft vor 3 Tagen. [15:25 MESZ. NACHTRÄGE: erste Video-Aufnahmen aus dem Inneren – und die vermutliche Ursache der Verzögerungen]

Hier rotiert der Asteroid 1998 QE2 für’s Arecibo-Teleskop

Während ihn gleichzeitig sein Mond umkreist: ein Pseudo-Film aus Radar-Echos der 300-m-Schüssel auf Puerto Rico (mehr und mehr), die auch auf eine möglicherweise neue Asteroidenklasse schließen lassen. Auch ein Spektrum von 2012 DA14, eine neue NEO-Webseite der ESA, Komet 29P/Schwassmann-Wachmann im Ausbruch (mehr Bilder), PANSTARRS am 17. Juni, 14. Juni (mehr) und 13. Juni sowie ein guter und ein schlechter Artikel über ISON. [1:55 MESZ]

Eine Supernova 13. Größe in NGC 4414 war die SN 2013 df, die schon wieder viel schwächer ist: ein Artikel, Bilder hier, hier und hier – und drei mögliche Vorgänger. Auch Venus & Merkur am 16. Juni und 15. Juni, NLC am Morgen des 17. Juni – und das betrübliche Schicksal des Planetariums in Halle nach der Flut. [1:50 MESZ. NACHTRAG: ein aktuelles Bild der Kuppel]

Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

17. Juni 2013

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Die letzten Hilferufe des ESA-Satelliten Herschel, als heute sein Bordcomputer herunter gefahren wurde, nachdem alle Experimente mit dem kühlungslosen Satelliten („Helium alle: Herschels Missions heute schlagartig vorbei“) abgeschlossen und der Tank mit einem Burn to Completion entleert worden war: auch ein Video-Clip und Artikel hier, hier und hier. [NACHTRÄGE: die letzte Telemetrie, dann Schweigen … und Nachrufe hier und hier]

Planeten-µ-Lensing in 3D: was Kepler noch können würde

In einem detaillierten Paper haben zwei Astronomen eine mögliche Weiternutzung des Satelliten Kepler vorgeschlagen, wenn sich seine präzise Lageregelung nicht wieder herstellen lassen sollte: Das Großfeld-Teleskop könnte sich auch weniger stabil nützlich machen, indem es – zusammen mit Teleskopen auf der Erde – statt Richtung Schwan zum Zentrum der Milchstraße starren und Microlensing durch Sterne und ggf. deren Planeten beobachten würde. Dazu wäre der Satellit allein auch nicht besser in der Lage als speziell dafür ausgelegte Teleskope auf der Erde – aber der Abstand Keplers von der Erde von 1/2 au ließe sich verwenden, um gemeinsam die Mikrolinsen-Parallaxe zu messen und wesentlich mehr über die linsenden Planeten heraus zu finden als die einfache Beobachtung der Lichtverstärkung erlaubt, wenn er in die Sichtlinie zu einem ferneren Stern tritt. Die Planeten, die auf diese Weise beobachtet würden, sind viel kühler als Keplers Funde mit der Transittechnik, weil sie sich meist in viel größerem Sternabstand – jenseits der Schneelinie – befinden. [NACHTRAG: Hat’s noch wer mitbekommen.]

Starke Argumente für einen WFIRST-Satelliten mit 2.4 Metern Hauptspiegel an Stelle der ursprünglich für das Infrarot-Weitwinkel-Teleskop vorgesehenen von 1.1 bis 1.3 m liefert diese Studie, die sich für die Verwendung einer der überraschend geschenkten Optiken für das nächste große US-Weltraumteleskop nach dem JWST stark macht. Die größere Lichtmenge und Bildschärfe käme den – v.a. kosmologischen – Hauptaufgaben von WFIRST sehr zu Gute, und es würden sich auch noch weitere Anwendungen ergeben.

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Die ULIRG IRAS 22491-1808 auf einer Hubble-Aufnahme: Eine Galaxien-Kollision hat hier nicht nur zu der verwegenen Gestalt sondern auch starker Sternbildung geführt, die wiederum Ultra-Leuchtkräftige Infra-Rot-Strahlung liefert. Und was dem Röntgensatelliten NuSTAR letztens so alles vor’s Teleskop kam.

Vertrag unterschrieben: ExoMars 2016 kommt wirklich

Der Vertrag zwischen der ESA und Thales Alenia Space über den Bau des 2016-er Mars-Orbiters im Rahmen des ExoMars-Programms mit Russland ist heute unterzeichnet worden: Dieser Trace Gas Orbiter (TGO) wird vom Entry, Descent and Landing Demonstrator Module (EDM) begleitet. Nachdem ExoMars mehrmals beinahe eingestellt worden wäre, geht es nun tatsächlich los: Für den 2018-er Lander fehlen zwar noch 150 Mio. Euro, aber die werden schon noch gefunden werden. [NACHTRÄGE: ein ASI Release und Artikel hier, hier und hier] Auch eine DLR-PM zu einem deutschen Beitrag für Japans Hayabusa 2, den hüpfenden Lander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout).

Es bleibt bei der schon immer geplanten Vorbeiflugdistanz am Pluto für die NASA-Sonde New Horizons, ist nun beschlossen worden, trotz der Entdeckung mehrerer kleiner Monde, die auf unerwartet viel Staub in der Nähe des Zwergplaneten hinweisen dürften – aber nach 18 Monate langen Beratungen glaubt man nun, das Risiko sei erträglich: Unter 0.3% soll die Wahrscheinlichkeit für einen fatalen Treffer liegen.

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Die Ankunft des ATV-4 an der ISS vorgestern (ein Video [NACHTRAG: ein längeres], ein Artikel von Bord, ein ESA Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) – aber aufgrund eines nicht näher ausgeführten Konflikts zwischen den ISS-Partnern verzögert sich das Öffnen der Tür um mehrere Tage. Auch hoch auflösende Amateur-Aufnahmen der ISS – und eine Erklärung für das Falcon-9-Triebwerks-Versagen letzten Oktober.

Deutsche Mittel freigegeben: Nachfolger für GRACE kommt

Das 2002 gestartete Satelliten-Duo GRACE wird voraussichtlich 2017 einen Nachfolger bekommen: Die deutsche Seite des mit den USA durchgeführten Langzeitprogramms zur Vermessung des Erdschwerefelds und seiner Veränderungen u.a. aufgrund von Klimaeffekten hat 49.2 Mio. Euro frei gegeben, um GRACE Follow-on den Weg zu ebnen. Mit ursprünglich für das Gravitationswellen-Instrument LISA entwickelten Laser-Interferometern soll die Distanz zwischen den beiden hintereinander her fliegenden Satelliten noch 50-mal genauer als via Radio gemessen werden. Das Interesse an noch besseren Daten ist hoch.

Amateurastronomen zur Mithilfe bei der Mission LADEE eingeladen: Wenn der NASA-Mond-Orbiter („LADEE hat die Mission Critical Design Review passiert“) nach einem Start im September diesen Winter im Tiefflug die Exosphäre des Erdtrabanen erkundet, will man wissen, wann und wie oft es dort gerade Impakte gibt. Deswegen jetzt der Aufruf an alle Beobachter, entweder mit Videokameras die dunkle Mondseite auf Impaktblitze zu überwachen – oder Meteore in der Erdatmosphäre zu zählen, woraus sich auch der Fluss auf den Mond ergibt.