Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

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Die letzten Hilferufe des ESA-Satelliten Herschel, als heute sein Bordcomputer herunter gefahren wurde, nachdem alle Experimente mit dem kühlungslosen Satelliten („Helium alle: Herschels Missions heute schlagartig vorbei“) abgeschlossen und der Tank mit einem Burn to Completion entleert worden war: auch ein Video-Clip und Artikel hier, hier und hier. [NACHTRÄGE: die letzte Telemetrie, dann Schweigen … und Nachrufe hier und hier]

Planeten-µ-Lensing in 3D: was Kepler noch können würde

In einem detaillierten Paper haben zwei Astronomen eine mögliche Weiternutzung des Satelliten Kepler vorgeschlagen, wenn sich seine präzise Lageregelung nicht wieder herstellen lassen sollte: Das Großfeld-Teleskop könnte sich auch weniger stabil nützlich machen, indem es – zusammen mit Teleskopen auf der Erde – statt Richtung Schwan zum Zentrum der Milchstraße starren und Microlensing durch Sterne und ggf. deren Planeten beobachten würde. Dazu wäre der Satellit allein auch nicht besser in der Lage als speziell dafür ausgelegte Teleskope auf der Erde – aber der Abstand Keplers von der Erde von 1/2 au ließe sich verwenden, um gemeinsam die Mikrolinsen-Parallaxe zu messen und wesentlich mehr über die linsenden Planeten heraus zu finden als die einfache Beobachtung der Lichtverstärkung erlaubt, wenn er in die Sichtlinie zu einem ferneren Stern tritt. Die Planeten, die auf diese Weise beobachtet würden, sind viel kühler als Keplers Funde mit der Transittechnik, weil sie sich meist in viel größerem Sternabstand – jenseits der Schneelinie – befinden. [NACHTRAG: Hat’s noch wer mitbekommen.]

Starke Argumente für einen WFIRST-Satelliten mit 2.4 Metern Hauptspiegel an Stelle der ursprünglich für das Infrarot-Weitwinkel-Teleskop vorgesehenen von 1.1 bis 1.3 m liefert diese Studie, die sich für die Verwendung einer der überraschend geschenkten Optiken für das nächste große US-Weltraumteleskop nach dem JWST stark macht. Die größere Lichtmenge und Bildschärfe käme den – v.a. kosmologischen – Hauptaufgaben von WFIRST sehr zu Gute, und es würden sich auch noch weitere Anwendungen ergeben.

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Die ULIRG IRAS 22491-1808 auf einer Hubble-Aufnahme: Eine Galaxien-Kollision hat hier nicht nur zu der verwegenen Gestalt sondern auch starker Sternbildung geführt, die wiederum Ultra-Leuchtkräftige Infra-Rot-Strahlung liefert. Und was dem Röntgensatelliten NuSTAR letztens so alles vor’s Teleskop kam.

Vertrag unterschrieben: ExoMars 2016 kommt wirklich

Der Vertrag zwischen der ESA und Thales Alenia Space über den Bau des 2016-er Mars-Orbiters im Rahmen des ExoMars-Programms mit Russland ist heute unterzeichnet worden: Dieser Trace Gas Orbiter (TGO) wird vom Entry, Descent and Landing Demonstrator Module (EDM) begleitet. Nachdem ExoMars mehrmals beinahe eingestellt worden wäre, geht es nun tatsächlich los: Für den 2018-er Lander fehlen zwar noch 150 Mio. Euro, aber die werden schon noch gefunden werden. [NACHTRÄGE: ein ASI Release und Artikel hier, hier und hier] Auch eine DLR-PM zu einem deutschen Beitrag für Japans Hayabusa 2, den hüpfenden Lander MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout).

Es bleibt bei der schon immer geplanten Vorbeiflugdistanz am Pluto für die NASA-Sonde New Horizons, ist nun beschlossen worden, trotz der Entdeckung mehrerer kleiner Monde, die auf unerwartet viel Staub in der Nähe des Zwergplaneten hinweisen dürften – aber nach 18 Monate langen Beratungen glaubt man nun, das Risiko sei erträglich: Unter 0.3% soll die Wahrscheinlichkeit für einen fatalen Treffer liegen.

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Die Ankunft des ATV-4 an der ISS vorgestern (ein Video [NACHTRAG: ein längeres], ein Artikel von Bord, ein ESA Release und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier) – aber aufgrund eines nicht näher ausgeführten Konflikts zwischen den ISS-Partnern verzögert sich das Öffnen der Tür um mehrere Tage. Auch hoch auflösende Amateur-Aufnahmen der ISS – und eine Erklärung für das Falcon-9-Triebwerks-Versagen letzten Oktober.

Deutsche Mittel freigegeben: Nachfolger für GRACE kommt

Das 2002 gestartete Satelliten-Duo GRACE wird voraussichtlich 2017 einen Nachfolger bekommen: Die deutsche Seite des mit den USA durchgeführten Langzeitprogramms zur Vermessung des Erdschwerefelds und seiner Veränderungen u.a. aufgrund von Klimaeffekten hat 49.2 Mio. Euro frei gegeben, um GRACE Follow-on den Weg zu ebnen. Mit ursprünglich für das Gravitationswellen-Instrument LISA entwickelten Laser-Interferometern soll die Distanz zwischen den beiden hintereinander her fliegenden Satelliten noch 50-mal genauer als via Radio gemessen werden. Das Interesse an noch besseren Daten ist hoch.

Amateurastronomen zur Mithilfe bei der Mission LADEE eingeladen: Wenn der NASA-Mond-Orbiter („LADEE hat die Mission Critical Design Review passiert“) nach einem Start im September diesen Winter im Tiefflug die Exosphäre des Erdtrabanen erkundet, will man wissen, wann und wie oft es dort gerade Impakte gibt. Deswegen jetzt der Aufruf an alle Beobachter, entweder mit Videokameras die dunkle Mondseite auf Impaktblitze zu überwachen – oder Meteore in der Erdatmosphäre zu zählen, woraus sich auch der Fluss auf den Mond ergibt.

Eine Antwort to “Nachrichten aus der Raumfahrt kompakt

  1. NASA-Astro-Satelliten: IRIS kommt – GALEX geht | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] im Rahmen eines Webinars gestern (Aufzeichnung, Screenshot) hat die NASA näher erläuert, wie sich Amateurastronomen für LADEE nützlich machen können (“Amateurastronomen zur Mithilfe …”), den Lunar Atmosphere and Dust […]

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