Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 24. Juli 2013


24. Juli

Dumm gelaufen … Ein neuer Trailer für „Gravity“, einen SF-Film über eine Kollision im LEO während einer EVA, wirft die Frage auf: Ob das wohl gut ausgeht …? [22:15 MESZ – Ende. NACHTRAG: Es gibt noch weitere Ausschnitte aus dem Film]

Kepler zuckt! Beide kaputten Drallräder bewegen sich doch

noch, das schwerer beschädigte Nr. 4 nur in einer, die früher still gelegte Nr. 2 sogar in beiden Richtungen: Das ist das erste Ergebnis der laufenden Tests. Die Frage der Reibung steht aber weiter im Raum, und es bedarf noch weiterer Messungen, um einen möglichen erneuten Einsatz eines der Räder – und damit die Wiederaufnahme der Exoplaneten-Suche des Satelliten – in Erwägung zu ziehen. [NACHTRAG: Offenbar ist die Reibung erheblich höher als normal.] Auch das überraschende Wiedererwachen des Satelliten UK Strand 1 nach 4 Monaten Schweigen, eine MRO-Aufnahme vom MSL und seinen Spuren, ein neuer Fallschirm-Test der Orion mit einem simulierten Notfall [NACHTRAG: mehr Links] und Details des NASA-Budget-Krachs. [21:45 MESZ]

Das war der aktuelle Ausbruch des Kometen 29P/Schwassmann-Wachmann im Juni und Juli: eine Überblende-Slideshow aus 15 rezentrierten Bildern, die toll die Evolution der Koma zeigt. Auch eine finstere Begegnung mit einem Asteroiden am 30. Juli – trotz Erdnähe und großem Durchmesser nicht hell. Und ein ungewöhnliches Zeitraffer-Video des Himmels über San Francisco in einem ganzen Jahr, mit allen Tagen parallel arrangiert. [21:40 MESZ]

Die Abwicklung der ehem. Bonner Uni-Sternwarte beginnt

In einem Rundschreiben der Universitäts-Verwaltung an die deutsche (Fach-)Astronomie ist vorgestern angekündigt worden, nach der bereits vor einem Jahr verkündeten endgültigen Schließung des Observatoriums Hoher List in der Eifel seien nunmehr „einige astronomische Teleskope abzugeben. Abbau-, Transport- und Rückbaukosten eventuell notwendiger baulicher Veränderungen müssen vom Übernehmer getragen werden. Kostenschätzungen dazu liegen nicht vor.“ Man bitte, „eine entsprechende Bekundung bzw. ein Angebot möglichst bis zum 30.09.2013“ einzureichen: „Die eingehenden Schreiben werden ausgewertet und eine Entscheidung herbeigeführt.“ Erste Anfragen liegen dem Vernehmen nach bereits vor. Ob da die erhoffte Anmietung des 1-m-Spiegels durch den Förderverein noch zustande kommt, und ob die September-Deadline mit dem hier erwähnten Moratorium identisch ist, bleibt noch zu klären – die Hoffnung, die Anlage als Ganze zu retten und einer neuen Nutzung zugunsten öffentlicher Bildung zuzuführen, schwindet jedenfalls täglich. [21:30 MESZ. NACHTRAG: Nach Angaben der grünen RP-MdL R. Ratter bezieht sich das Moratorium bis September nur auf die Liegenschaft und nicht die Teleskope]

pluto

Der New-Horizons-Chef glaubt jetzt an Zwergplaneten!

Seit der IAU-Entscheidung, den Pluto in diese neu geschaffene Kategorie zu verschieben (siehe ISAN 24-1), hatte sich der Mann hinter der ein halbes Jahr zuvor gestarteten Mission dorthin (siehe Artikel B77) mit Händen und Füßen – und krassen Sprüchen – gegen die lange überfällige Neuordnung des Sonnensystems gewehrt. Zwei Jahre vor der Ankunft scheint sich Alan Stern besonnen zu haben: Auf dieser Folie eines gerade im Rahmen einer Tagung streamenden Vortrags [NACHTRAG: komplette Aufzeichnung] ist Pluto nun bei den Zwergen angekommen – allerdings als einer von 90 bis 900. Diese Einschätzung, dass es um Größenordnungen mehr Zwergplaneten als die derzeit akzeptierten fünf gibt, teil er sogar mit seinem Haupt-Widersacher im Pluto-Streit der Vergangenheit: Hier gibt es tatsächlich noch Handlungsbedarf für die IAU. (Oh, und Curiosity ist gerade erstmals 100 m an einem Tag weit gefahren.) [2:05 MESZ]


23. Juli

ison-spitz

So sah der Satellit Spitzer den Kometen ISON im Juni, links dominiert bei 3.6 µm der Staub, rechts wurde diese Komponente von einer 4.5-µm-Aufnahme abgezogen (wo es ebenfalls staubt), so dass die runde Gaskoma übrig bleibt. Sie wird vermutlich von Kohlendioxid dominiert, das damals in 3.4 AU oder 500 Mio. km Sonnenabstand der Treiber der Aktivität war – das ist jedenfalls so üblich, direkt bestimmen kann Spitzers Kamera die Chemie natürlich nicht. Wie die Beobachter heute im CBET #3590 ausrechnen, wäre die Produktionsrate von CO2 dann 2 x 10^26 Moleküle/Sekunde gewesen (was 1000 Tonnen/Tag wären), handelte es sich dagegen um CO, sogar 2 x 10^27. Die Gaskoma war an diesem 13. Juni jedenfalls mindestens 200’000 km groß und der Staubschweif über 300’000 km lang: Das Gas trieb rund 55’000 Tonnen Staub/Tag aus dem Kern. [23:25 MESZ. NACHTRÄGE: eine Tabelle mit ‚harten‘ Zahlen zu ISON – und wie ISON vom Mars aus und später Siding Spring beobachtet werden sollen]

xmm

372’728 einzelne Röntgenquellen im neuen XMM-Katalog

zufällig bei gezielten Beobachtungen mit dem ESA-Röntgensatelliten mit im Bildfeld befindlicher Objekte enthält dessen neuese Version (mehr und mehr), der 3. XMM-Newton Serendipitous Source Catalogue (3XMM-DR4). Insgesamt sahen die EPIC-Röntgenkameras 531’261 Quellen (typischerweise 70 pro Aufnahme) in den Jahren 2000 bis 2012, von denen aber etliche mehrfach ins Feld gekommen waren: Die All-Sky-Karte zeigt die Dichteverteilung der Objekte – nur 1400 Quadratgrad sind allerdings abgedeckt – und für ein Feld auch die individuellen Quellen. Auch der Stand der NASA-Budget-Debatte im US-Kongress und eine formelle Untersuchung des ISS-EVA-Zwischenfalls. [23:00 MESZ. NACHTRAG: mehr Links dazu]

Wenn Ihnen der Komet ISON spanisch vorkommt, dann sind Sie hier richtig (eine 5-Minuten-Doku aus Chile, mit englischen Untertiteln). Auch warum ISON und Kirch nichts miteinander zu tun haben, eine kuriose Timeline-Grafik, bei der just im Perihel Schluss ist, und die Problematik von HST-Aufnahmen. Und der verblassende 29P, das Paar Mars & Jupiter (mehr), zwei CMEs gleichzeitig und die 153. Supernova-Entdeckung von Tom Boles. [0:55 MESZ] Bei einer mühsamen Jupiter-Beobachtung heute Morgen hat sich der GRF als „intensiv orange“ gezeigt. Und heute vor 18 Jahren wurde Komet Hale-Bopp entdeckt. [18:20 MESZ]


22. Juli

wave-waco

wave-wac

wave-nac

Die „offiziellen“ Versionen der Cassini-Erde/Mond-Bilder

liegen nun auch vor: oben einer der 33 „Footprints“ der Weitwinkelkamera, die insgesamt 323 Aufnahmen machte, als Echtfarb-Komposit aus R-, G- und B-Aufnahmen, mit überbelichtetem F- und künstlich aufgehelltem E- und G-Ring, darunter ein Ausschnitt (der Mond macht sich aus Ausbuchtung der Erde nach rechts bemerkbar) und ganz unten Erde und der – künstlich aufgehellte – Mond weit getrennt gesehen von der Telekamera, ebenfalls eine Echtfarb-RGB-Darstellung, bei der der E-Ring für den blauen Hintergrund sorgt. Zum Vergleich ein paar Amateur-Experimente mit dem Bildmaterial. [23:50 MESZ. NACHTRÄGE: Science@NASA, ESA und NASA EO Releases und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

mess

Und so sah MESSENGER die Erde und den Mond am 19. Juli aus dem Merkur-Orbit aus 98 Mio. km Entfernung – mit Blooming da (es ging ja um eine Suche nach schwachen Monden) überbelichtet [NACHTRAG: Artikel hier und hier]. Derweil wird in diesem NASA-Blog eifrig von einer laufenden Pluto-Konferenz berichtet – und der ESA-Astrometrie-Satellit Gaia hat ein Startfenster, das vom 17.11. bis 5.12. reicht. [23:30 MESZ]

mars

Welch ein Aufmacher (einer regionalen Boulevardzeitung) heute: Einem der zigtausend Bewerber um einen Marsflug ohne Wiederkehr beim verrückten Projekt „Mars One“ („Raumfahrt-Splitter“: „Eine Pressekonferenz …“; siehe auch diese Eindrücke) wird ein Artikel und auch gleich die Titelseite gewidmet. Lehre 1: Am Wochenende muss im Rheinland rein gar nichts los gewesen sein. Und Lehre 2: Mars geht immer, egal wie dünn die Story ist … [20:35 MESZ. NACHTRAG: Der war schon vor Wochen auf n-tv. NACHTRAG 2: Und warum nicht nochmal aufwärmen …]

Im Gedenken an Loriots „Astronaut“: Den Schauspieler und männlichen Counterpart Loriots Heinz Meier, der gestern im Alter von 83 Jahren starb, kennen die meisten wohl als Lottogewinner Erwin Lindemann – aber seine allererste Rolle in einer TV-Sendung Loriots war 1972, das Apollo-Programm lief noch, „der Astronaut“, der gar keiner war, gewesen. [20:25 MESZ]

„Gold entsteht in Gamma-Ray-Bursts!!“ Ach, wirklich …?

Mal wieder so ein Fall, wo der atemlose Press Release („Earth’s Gold Came from Colliding Dead Stars“) und eine dramatisch inszenierte Pressekonferenz dazu – und erst recht viele folgende Artikel wie hier, hier oder hier – mit dem eigentlichen Paper (zuvor hier nüchtern bewertet) nicht viel zu tun haben. Konkret beobachtet wurde 9 Tage nach dem kurzen, harten GRB 130603B an seiner Stelle am Himmel eine extrem schwache rötliche Punktquelle 26. Größe – mehr nicht. Das Paper bietet dafür als Erklärung wahlweise ein Nachglühen des Gammabursts an – oder aber einen bislang hypothetischen Transienten, der über den r-Prozess und den Zerfall der dabei entstandenen Elemente in den GRB-Ejekta Energie liefert. Dieses „Kilonova“-Szenario – da 1000x so stark wie eine Nova-Explosion – wird für die Verschmelzung von zwei Neutronensternen (oder einem Neutronenstern und einem Schwarzen Loch) vorhergesagt, dem populären aber letztlich unbewiesenen Mechanismus hinter den kurzen GRBs. Das Wort „Gold“ kommt im Paper kein einzes Mal vor … [20:05 MESZ. NACHTRAG: noch’n Artikel, mit Zweifeln wenigstens ganz unten]

Physik-Splitter: Mit einem cleveren Online-Tool kann man hier die Parameter des Kosmos verändern (und so erfahren, dass nur das Konkordanz-Modell die Realität produziert). / Pierre Auger sieht zu viele Myonen in der Kosmischen Strahlung. / Kein neutrinoloser Doppelbetazerfall im Experiment GERDA gesehen. / Neutrino-Oszillationen bei T2K: Muon-Flavor wird Elektron-Flavor. / 5 Mrd. Euro für die „Neutrino Factory“ gefordert. / Ein neuer Magnet-Typ für den LHC erfolgreich getestet. / Wie der LHC das das Standard-Modell immer besser bestätigt und damit zugleich weniger Raum für Erweiterungen lässt. / Und die Eigenschaften des Top-Quarks genauer bestimmte. [19:35 MESZ]

lentic

Ein altes WFPC2-Bild einer Lenticular-Galaxie, NGC 524, aber neu aufbereitet und deshalb erwähnenswert. Auch ein neues Galaxy-Zoo-Projekt, bei dem man auch gleich ein Paper schreiben soll („science from beginning to end“ – und im September alles fertig), die anhaltenden Probleme mit dem LBT, eine neue Sternwarte in Tibet in 5100 m Höhe, das neue australische Radioteleskop MWA [NACHTRÄGE: ein Press Release und mehr], der Gruber-Preis 2013, allgemeine astronomische Befindlichkeiten hier, hier und hier – und drei neue astronomische Romane kurz besprochen. [11:35 MESZ]

Raumfahrt-Splitter: Wie Indien seine Mars-Mission ‚verkauft‘: als wichtige Technologie-Demonstration [NACHTRAG: was ein Ex-ISRO-Chef ganz anders sieht] / Wie Curiosity ISON beobachten soll, und die Route zum Aeolis Mons / Warum es keine Wellen auf dem Titan zu geben scheint / Was man bisher über Lucas EMU-Versagen herausgefunden hat / Und die Probleme der Asteroid Redirect Mission im US-Kongress. [11:10 MESZ]

Die leuchtenden Nachtwolken vom 20.-21. Juli, die für manche die besten der Saison – und für andere die ersten überhaupt – wurden: mehr auch hier, hier und hier. Plus der arg verblasste PANSTARRS am 17. Juli und Astronomen-Pläne für ISON, Mars & Jupiter am 21. Juli (mehr), die H-Alpha-Sonne am 20. Juli mit vielen Protuberanzen und die SN 2013dy in NGC 7250. [1:35 MESZ]

2 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 24. Juli 2013”

  1. In gespannter Erwartung des Kometen ISON … | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] dazu sind die Daten freilich noch Mangelware. Zwar konnte das Spitzer Space Telescope am 13. Juni die Gaskoma isolieren (“23. Juli”; auch ISAN 193-4): oben von Yan Fernández seine Bilder bei 3.6 und 4.5 µm […]

  2. Sandra gegen die Raumfahrt: “Gravity” im Kino | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] “Gravity”, über das selbst hier schon zweimal berichtet worden war, hier (unten) und hier (oben): Da mehrere Trailer – hier der neueste – und v.a. drei Schlüssel-Clips längst […]

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