Archive for August 2013

Allgemeines Live-Blog vom 31.8. bis 6.9. 2013

31. August 2013

6. September

nirspec

Astrium übergibt das JWST-Instrument NIRSpec an die ESA

Astrium, Europas führendes Raumfahrtunternehmen, hat das Flugmodell des Spektrometers NIRSpec (Near Infrared Spectrograph) fertig gestellt und an seinen Kunden, die europäische Weltraumorganisation ESA, übergeben. Das Instrument wird in Kürze in die USA verschifft, wo es nach weiteren Tests bei der NASA in das James Webb Space Telescope (JWST) integriert werden wird: Pressemitteilungen zu diesem Meilensteinchen hier, hier und hier [NACHTRAG: und ein Artikel zur einjährigen Verspätung NIRSpecs und dem – ganz guten – Status des JWST insgesamt]. Auch Dutzende Ideen für eine künftige Nutzung von Kepler, Spitzer auf der Spur der kühlsten Braunen Zwerge (ein weiterer Fall, Press Releases hier und hier und ein Artikel), die ersten 10 SMBH-Kandidaten von NuSTAR, der L2-Orbit von Gaia, der Phobos-Transit vor der Sonne aus Curiositys Sicht als Video und CO2-Überwachung der Erde aus dem Orbit – und ein Kosmonaut nimmt den Hut und verzichtet auf den schon gebuchten ISS-Trip, weil … er einen „besseren Job“ gefunden hat. [13:00 MESZ – Ende]


5. September

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Ein Berg aus sulfathaltigen Sedimenten im Krater Becquerel auf dem Mars in einer simulierten 3D-Ansicht aus Daten der HRSC auf dem Mars Express. Auch das ‚Breaking Heritage‘-Dilemma des Curiosity-Klons – und ein chinesischer Chang’e-3-Artikel mit wunderlicher Headline. [23:40 MESZ]

Das SpaceShipTwo warf zum zweiten Mal den Motor an – hier kommentiert R. Branson Hi-Res-Astro-Amateur-Aufnahmen – und demonstrierte weitere Techniken vor dem ersten Flug in den Weltraum [NACHTRÄGE: mehr Links – und der Flug vom Boden aus verfolgt sowie aus der Sicht des Piloten!]. Auch das Aussetzen des HTV-4 von der ISS (mehr Links) und nötige Umplanungen bei Cygnus & Dragon zu ihrer Versorgung – und mehr Gaia-Vorbereitungen. [22:45 MESZ]

ison-5-9

So sah Komet ISON heute Morgen aus, auf einer Aufnahme von Michael Jäger – und aus einer anderen wurde eine Helligkeit besser als 13.0 mag. bestimmt [NACHTRÄGE: dito auch von visuellen Beobachtern hier und hier, plus noch ein 3. Bild von heute – und Schweif-Simulationen für später]. Auch die Aufzeichnung von ISON live auf SLOOH, die MPC-Asteroiden-Statistik, in der jetzt mehr als 10’000 NEAs auftauchen, und NASA-geförderte Amateur-Jagd von Exoplaneten. [10:40 MESZ]


4. September

P1330661

Die Mondsichel heute Morgen, 30 Stunden vor Neumond und in 15.7° Elongation – aufgenommen aus einem Flugzeug über Bulgarien. Auch dasselbe vom Boden aus (und früher), der Jupiter heute (noch einer), am 30. August und früher, der große Saturn-Sturm, der gut beschweifte Komet P/2013 CU129 (PANSTARRS), Fotos von ISON vom 4. September (Details und ein anderes) und 3. September (noch eins), visuelle Beobachtungen vom 4. und 3. September (zwischen 12 und 13 mag.), der Fehlschlag von Deep Impact (Safemode statt ISON [NACHTRAG: noch ein Artikel]), der kommende Mars-Flyby, viele Kometenmessungen, Vorhersagen der Kernrotation von ISON, 96 ausgewählte Asteroiden-Ideen für die NASA, vier Kandidaten für InSights Landeplatz [NACHTRÄGE: ein Artikel mit öder Hed und mehr Links], Press Releases hier, hier und hier zu einer Art gemeinsamer Ausrichtung Planetarischer Nebel, der Beginn der Dark Energy Survey auf dem CTIO, Plancks CMBR in diversen Darstellungen, die Zukunft des Green Bank Telescope, ALMA mit 500 GHz, ein missratenes Hochhaus als gefährliches ‚Brennglass‘, mal wieder [NACHTRAG: eine Analyse und ein Video], Weltraumbilder von historischer Bedeutung und Raketen-Amateure. [21:05 MESZ]


3. September

Ein schönes Farbvideo eines stattlichen Boliden heute Morgen in Norditalien [NACHTRAG: die Story dazu]. Auch immer bessere französische ISONs (ein weiteres Bild von heute), die Problematik der Kern-Durchmesser-Bestimmung, die besser werdende Morgensichtbarkeit und eine Flickr-Gruppe für Bilder, ein detailreicher Jupiter von heute – und die Statusse von Dawn, Chang’e 3 und Gaia. [16:15 MESZ]


2. September

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16’000$: Der erste Amateurflug zum Mond ist finanziert

Fehlen da nicht ein paar Nullen? Nö: Die per Crowdfunding eingeworbenen 15’817 Dollar sind praktisch genau das, was nach dem Budget-Plan nötig ist, um die „first crowdsourced mission to cislunar space“ zu realisieren. Das Geld soll einem Non-Profit zur Anschaffung der CubeSat-Hardware und Montage eines kleinen Sonnenseglers reichen, der dann – bitte kostenlos von der NASA gestartet – langsam zum Mond reisen und in eine Umlaufbahn einschwenken soll. 2017 will man startklar sein [NACHTRAG: ein später Artikel]. Auch weitere Details zum Problem mit der Epsilon-Rakete – und Asteroiden-Bekämpfung made in Freiburg. [16:25 MESZ] Und das DLR auf der Suche nach Raumschrott mit Amateur-Mitteln. [21:20 MESZ]


1. September

Hat Komet ISON noch 13. oder schon 11. Größe erreicht?

Während ein Beobachter unter extrem guten Bedingungen ISON heute auf 11.2 mag. geschätzt hat, da er auch eine bislang übersehene äußere Koma wahrnehmen konnte (die auf diesem heutigen Foto wohl fehlt), war ein anderer gestern mit Mühe auf 13.2 mag. gekommen, als der Komet fotografisch so bzw. so aussah (zwei SLOOH-Aufnahmen). Noch ist unklar, wie glaubwürdig der „11-er“ Wert ist, der den Kometen allen Prognosen vorauseilen ließe – der September wird jedenfalls spannend. Auch ein fetter C/2012 V2 (LINEAR) von gestern und ein Paper über einen neuen Transneptun mit der zweitgrößten Periheldistanz – sowie allgemeine September-Vorschauen hier, hier und hier. [12:50 MESZ] ISONisches Kaffeesatzlesen mit kühnen Kurven – wem’s Spaß macht … [18:20 MESZ] … und noch’n Bild aus China von gestern und eins aus Belgien von heute. [22:25 MESZ] Und noch ein bunter LINEAR von heute (mit Plasmaschweifchen) plus ein paar Perseiden-Daten – und Christopher Go hat den Jupiter wieder im Blick! [23:35 MESZ]


31. August

canary

Das William Herschel Telescope auf La Palma schießt scharf mit seinem neuen Adaptive-Optics-Laser-System CANARY, das bereits Technologie für das E-ELT der ESO testet. Und zum anhaltenden Arbeitskampf bei ALMA in Chile ein langer Artikel (der konstatiert, das Chile den besten Himmel hat, die Ausländer den haben wollen und Chile zu wenig zurück bekomme) und eine PM der ALMA-Gewerkschaft, die Chaos auf Seiten der internationalen Verhandlungspartner beklagt … [1:55 MESZ. NACHTRAG: … während sich erste erste Astronomen mit den Streikenden solidarisieren]

Komet ISON auf HiRISE-Bildern vom 20.8. nicht gefunden

Der erste Versuch, den Kometen ISON mit der Kamera HiRISE auf dem Mars Reconnaissance Orbiter aufzunehmen, ist möglicherweise gescheitert: Wie dieses Blog erfahren hat, zeigen die Rohbilder offenbar gar nichts bis zur Grenzgröße 12 – die der Komet vielleicht auch aus der günstigeren Stellung des MRO aus (nur 145 Mio. km Distanz) noch nicht erreicht hat. Oder es gab bei der trickreichen Operation ein Problem mit der Ephemeridenrechung – die korrekte Ausrichtung der Kamera konnte anhand des Sternfelds bestätigt werden. Wie später zu erfahren war, läuft die Auswertung der Bilder noch, aber auf ein gutes Kometenbild möge keiner warten. Dazu passend: warum die NASA ISON – noch – nicht beobachten kann, im Gegensatz zu Amateuren. Auch Berechnungen eines Meteorsturms für den Mars, wenn 2014 der Komet Siding Spring vorbei schrammt, die aktuelle US-Feuerkugel und ein Peach-Jupiter von gestern. [1:45 MESZ]

blob

Die Lenticular-Galaxie PGC 10922 auf einer HST-Aufnahme: Sie ist von schwach erkennbaren Schalen aus Sternen entstanden, die sich im Rahmen einer Verschmelzung bildeten. Auch die Montage des LISA Pathfinders, das 1. Startjubiläum der Van Allen Probes, die Wieder-Erweckung von WISE für die Asteroiden-Suche, ein neuer Weitwinkel-Modus des deutschen Radar-Satelliten TerraSAR-X, ein Arianestart vorgestern (mehr Links), der GSLV-Start nun im Dezember, mögliche Lieferprobleme des Triebwerks für die Atlas 5, neue Verspätungen bei Galileo und geleakte interne Namen der NRO-Satelliten – da hat sich Snowden sogar mal um die Raumfahrt verdient gemacht … [1:25 MESZ]

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Weitere größere Artikel

30. August 2013

nova-lc

Nova Delphini 2013 erreichte 4,m4 und nähert sich 7m (auch Nah-IR-Fotometrie hier, hier und hier sowie Gamma-Emission, die neuerdings bei Novae interessanter wird).

»Superflares« auf sonnenähnlichen Sternen keine Seltenheit? Eine Kepler-Statistik.

Exoplaneten mit Umlaufszeiten von 3 bis 10 Stunden? Auch dies ein – möglicher – Kepler-Fund.

Wie Scharen Freiwilliger 300000 Galaxien einordneten im Galaxy Zoo 2.

Twitter – die ideale Ergänzung zum interstellarum-Newsletter.

Kürzere Artikel

Komet ISON wieder unter Beobachtung mit ca. 13. Größe (auch ein SLOOH-Foto von heute und die Passage an der Präsepe nebst Mars Anfang September, wenn die Sichtbedingungen allmählich besser werden).

Eine Supernova dicht neben dem Ringnebel in Bayern entdeckt.

5.0 mag. erreicht: eine Nova für’s bloße Auge über dem KBA-Land!

Kleinplaneten-Jäger WISE der NASA wird wieder aktiviert für drei Jahre.

Ein Himmelsblitz mit 5. Größe aus dem Nirgendwo im Jahr 2012.

Der Weg zu einer »echten« Namensgebung für Exoplaneten von der IAU frei gemacht.

Allgemeines Live-Blog vom 23. – 29. August 2013

23. August 2013

29. August

sgra_gas

35 Tage lang Röntgenlicht vom Zentrum der Milchstraße

gesammelt – 3 Millionen Sekunden – hat der Satellit Chandra, um der ungewöhnlich geringen Strahlung von Sgr A* auf den Grund zu gehen, die mit 10^33 erg/s um das 100-Mio.-fache unter dem liegt, was beim Sturz des Gases naher Sterne in das mutmaßliche Schwarze Loch von 4.1 Mio. Sonnenmassen dort zu erwarten wäre. Gefunden wurde eine deutlich längliche Struktur (o.r.; das große Bild ist ein Röntgen/NIR-Komposit), zu der eine Punktquelle nur zu 20% beiträgt: Offenbar strömt hier auch etwas von der Akkretionsscheibe nach draußen und behindert so erheblich den Massenfluss nach innen – ein Fall von radiatively inefficient accretion flow (RIAF). Der Ausfluß entspricht nahezu exakt dem Einströmen: Höchstens 1% des im Prinzip zur Verfügung stehenden Gases erreicht überhaupt den Ereignishorizont (weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier). Die Passage der Wolke „G2“ („Teile der Gaswolke G2 sind bereits …“) hat übrigens bisher auch nicht zur Fütterung von Sgr A* beigetragen. [23:30 MESZ – Ende. NACHTRAG: Detail-Beobachtungen der geringen Röntgen-Emission]

cater

Ein junger Protostern wird kräftig erodiert von der harten Strahlung aus einem benachbarten Sternentstehungsgebiet: Auf dieser alten Hubble-&-INT-Aufnahme greift das UV-Licht von 65 Sternen aus Cygnus OB2 den Protostern IRAS 20324+4057 an und bläst sein Gas davon – was übrig bleiben wird, ist unklar. Auch der erste Daten-Release des NuSTAR-Satelliten, das gefundene Problem beim Start von SPRINT-A (die Epsilon-Rakete stand gar nicht schief, entsprechende Messungen waren falsch gewesen), die weiteren Startvorbereitungen von Gaia in Kourou, 24 Pulsar-Entdeckungen mit dem Parkes-Teleskop via Einstein@Home – und eine etwa -11 mag. helle Feuerkugel über dem Südosten der USA gestern Morgen. [22:15 MESZ]

bang

In dieser Appartur wurde letztens der Urknall nachgespielt – jedenfalls ein Teilaspekt: Beobachtet wurden an ultrakalten Cäsium-Atomen Sakharov Oscillations in Quenched Atomic Superfluids, wobei ein den akustischen Peaks in der kosmischen Hintergrundstrahlung vergleichbares Powerspektrum beobachtet wurde. Auch ein Interview mit S. Perlmutter – und aktuelle Artikel hier, hier, hier, hier und hier zum Status des LHC und seiner bisherigen (Nicht-)Entdeckungen. [21:35 MESZ]

trojan

Die Bahn des Uranus-Quasi-Trojaners 2011 QF99, über den hier schon im März berichtet wurde („Ein Asteroid teilt sich die Bahn mit dem Uranus“) und dem in diesem Augenblick die Ehre eines Science-Papers zuteil wird, in den nächsten 59’000 Jahren: Der Asteroid bewegt sich ungefähr in der Bahn des Uranus vor und zurück. Simulationsrechnungen zeigen weiter, dass zu jedem Zeitpunkt 3% aller Asteroiden zwischen Jupiter und Neptun derartige co-orbitale Objekte von Uranus oder Neptun sind: 2011 QF99 z.B. ist vor ein paar 100’000 Jahren einer geworden und wird den Uranus in ca. 1 Mio. Jahren wieder verlassen. Auch eine Langzeit-Analyse der Venus-Wolken – und ein Nachruf auf Bruce Murray, der u.a. Direktor des JPL war. [20:00 MESZ] Mehr Nachrufe hier, hier und hier. [21:05 MESZ. NACHTRÄGE: und hier und hier sowie mehr Links]

mars-sofi

Die besten Bilder einer Sonnenfinsternis vom Mars aus

sind dem Rover Curiosity am 17. August mit der rechten Mastcam gelungen: In drei Sekunden zieht der Phobos – in seiner charakteristischen Kartoffel-Form – über das Sonnenscheibchen; Curiosity hatte eigens die Fahrt zum Aeolis Mons unterbrochen, um diese seltene Konstellation einzufangen. Es war gegen Mittag, und der Marsmond stand über dem Rover und damit praktisch so nahe wie es überhaupt geht: Mehr SoFi als diese eckige ringförmige ist auf dem Mars nicht. Dies sind die ersten 3 Bilder in voller Auflösung auf der Erde – mit weiteren könnte sogar ein Filmchen draus werden. [1:45 MESZ]

Die Nova Delphini 2013 ist bereits auf 6.6 mag. gefallen

und damit klar > 2 mag. unter ihr Maximum: Die Zeit t2 für die ersten 2 mag. war etwa 12 Tage, die Nova ist damit eine „schnelle“. Auch Strömungen unter der Sonnenoberfläche, die komplizierter als gedacht sind, mit zwei Lagen übereinander, ein Peach-Jupiter von gestern, eine ISON-Bestandsaufnahme sowie erste Werbung für das ISON-Buch dieses Bloggers hier und hier, viele Vorträge eines Kometen-Amateur-Meetings im Mai mit Sound und Viewgraphs, ein langer Vortrag über „Breaking the Seeing Barrier for Planetary Astronomy“ v.a. mit Adaptiver Optik, die aktuelle Verwendung des bald 75 Jahre alten Otto Struve Telescope, die Übernahme des JKT auf La Palma durch die USA, die Unterstützung des Streiks bei ALMA durch den Macher der bekannten Chile-Astro-Doku „Nostalgia de la Luz“ – und der neueste Dark Sky Park ist der Chaco Culture National Historical Park geworden. [0:55 MESZ]

Ein chemischer Beweis, dass das irdische Leben in einem Meteoriten – vom Mars – angereist gekommen sein muss …?

Eine kühne Behauptung wird heute auf einer Geochemiker-Tagung in Florenz der rührige – und sich selbst als ‚crackpot‘ empfindende – Prof. Steven Benner von der Foundation for Applied Molecular Evolution aufstellen, wie vorab einem bis zu dieser Minute gesperrten Press Release zu entnehmen ist: Danach „an oxidized mineral form of the element molybdenum, which may have been crucial to the origin of life, could only have been available on the surface of Mars and not on Earth. […] It’s only when molybdenum becomes highly oxidized that it is able to influence how early life formed. […] This form of molybdenum couldn’t have been available on Earth at the time life first began, because three billion years ago the surface of the Earth had very little oxygen, but Mars did. It’s yet another piece of evidence which makes it more likely life came to Earth on a Martian meteorite, rather than starting on this planet.“ Benner sieht vier „Paradoxien“, die die Entstehung von Leben auf der Erde praktisch unmöglich gemacht hätten – und der Import vom Mars würde schon mal zwei davon auflösen … [0:05 MESZ] Eine Kopie des Press Releases. [0:15 MESZ] Und ein erster Artikel dazu. [0:50 MESZ. NACHTRÄGE: und weitere – z.T. weiter führende – Stories hier hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und noch mehr Mars-Chemie]

Raumfahrt-Splitter: Der Titan hat nach Schwerkraft-Messungen Cassinis eine verblüffend dicke Eiskruste. / Die MRO-Kameras HiRISE „spricht“ jetzt auch Latein. / Chinas Mondlander Chang’e 3 ist fertig und soll wohl am 1. Dezember auf die Reise gehen. / Erste Arbeiten mit dem Hayabusa-2-Lander MASCOT in Japan und dem Astrometrie-Satelliten Gaia in Kourou. / Eine Delta 4-Heavy startete einen neuen KH-Aufklärer: Bilder hier und hier [NACHTRAG: und hier] und Artikel hier, hier und hier [NACHTRAG: sowie mehr Links]. / Und die indische GSLV leckte eine Menge – wobei die Rakete soviel wiegt „wie 80 gut genährte erwachsene Elefanten“ … [0:00 MESZ]


28. August

aurora

Das Nordlicht vergangene Nacht über Finnland – Thomas Kast kann sich nicht erinnern, solch eine Show (Bilder auch aus Schweden, Schottland und Island) schon mal im August gesehen zu haben. In other news: eine abhebende Protuberanz gestern, der älteste sonnenähnliche Stern, mit ähnlicheren Eigenschaften als jeder andere ‚Zwilling‘ aber doppelt so alt, ein Amateur-Spektrum der Nova Del 2013 vom 26. August – und ein langes Interview mit einem Astronomen von Pan-STARRS. [16:30 MESZ] Und die Tages-Crateriden sind aktiv geworden. [17:30 MESZ] Wo man sie bei Dunkelheit sehen könnte. [19:40 MESZ]

Ein kleiner Schritt für einen Stratos-Bären … Der Stratosphären-Sprung von 2012 ist am 26. August mit einem High-Tech-Teddy ziemlich realistisch von einem Ballon-Fan nachvollzogen worden, wie Bildern zweier Kameras und Artikeln z.B. hier, hier und hier zu entnehmen ist. In anderen Robot-Nachrichten ist Curiositys Auto-Navigation aktiviert worden: Jetzt geht es noch zügiger gen Aeolis Mons. Und das Leck in Parmitanos EVA-Anzug trat bei einem Test prompt wieder auf und befindet sich offensichtlich im Kühlsystem – aber wo genau, das ist auf der ISS einfach nicht exakt raus zu bekommen. [1:00 MESZ]

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Noch drei Monate sind’s bis zum Perihel des Kometen ISON

Und auf dieser Aufnahme Bruce Garys von gestern Morgen scheint zumindest der Schweif schon spürbar länger geworden zu sein, was auch (nicht frei verfügbare) Bilder der SLOOH-Teleskope zu bestätigen scheinen. Auch wie man ISON in Stellarium bekommt und wie das aussieht, Komet Lemmon gestern mit 75′ Gegenschweif, der neue P/2013 P5 (PANSTARRS), der evtl. mit P/2010 A2 (LINEAR) verwandt oder gar Teil der Flora-Familie ist, der ebenfalls neue C/2013 P4 (PANSTARRS) – und nun schon 1000 Kometenbilder im Archiv der BAA. Außerdem ein instruktives Video über Pläne der American Meteor Society, noch effizienter Feuerkugel-Berichte des Volkes zu sammeln, Artikel hier, hier, hier, hier und hier zu Eigenschaften der Chelyabinsk-Meteoriten, Polarlicht-Action diese Nacht, ein Bericht über „Practical Observational Astronomy“ auf dem San Francisco State Field Campus in den kalifornischen Bergen, etwas Geld für das Green Bank Telescope, der 25. Geburtstag des ATCA in Australien, die Taufe der britischen LOFAR-Station nach dem tragisch umgekommenen Radioastronomen Steven Rawlings – und mehr Artikel zum ALMA-Streik (siehe unten, „Herbig-Haro 46/47 …“) in Englisch hier und hier und in Spanisch hier, hier, hier und hier: Inzwischen geht es auch um die Sicherheit der Mitarbeiter an dem entlegenen, extremen Ort. [0:05 MESZ. NACHTRAG: mehr Links dazu]


27. August

Raumfahrt-Splitter: Die japanische Epsilon-Rakete ist nicht gestartet, weil sie offenbar zu schief auf der Rampe stand: Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, mehr Links und der Status. / Ein statischer Test mit der Rakete für Indiens Mars-Orbiter war erfolgreich. / Ein Instrument auf Chandrayaan-1 hat magmatisches Wasser auf der Mond-Oberfläche entdeckt, also welches, das aus dem Mond-Inneren gekommen ist. / Und ein Paper beschreibt ein Studenten-Experiment zur Planetenbildung, das auf einer Rakete geflogen war. [20:05 MESZ]


26. August

Orion_A

Ein neu verarbeitetes Herschel-Bild von Orion A, einem großen Sternentstehungsgebiet, das den Orionnebel (die hellste Zone) einschließt. Auch eine vermeintliche Korrelation von Sonnenaktivität und europäischer Winter-Strenge, die sich in Luft aufgelöst hat, Bilder und Videos der NEAs 2013 QR1 (mehr und früher) und 1999 CF9 – und weiter keine Sorgen um ISON sowie mehr zu seinen Hubble-Aufnahmen vom 30. April und 10. April. [23:45 MESZ]


25. August

Raumfahrt-Splitter: Es gibt einen neuen Start-Termin für Japans erste Epsilon-Rakete mit SPRINT-A (6:45 MESZ am 27. August), und ein Webcast ist geplant. / Das Potenzial von ‚SmallSats‘ in der Planetenforschung. / Von 20 Jahren verschwand der Mars Observer spurlos. / Was Curiosity seit Anfang Juli getrieben hat. / Und personelle Konsequenzen aus dem Proton-Disaster. [23:25 MESZ]


24. August

nova-lc

Die Nova Delphini 2013 ist wieder auf 6.0 mag. gefallen

und damit genau dort, wo sie in der ersten europäischen Nacht nach der Entdeckung am 14. August gestanden hatte: So schätzte es gerade dieser Blogger und bestätigen es hier die gesammelten AAVSO-Helligkeiten im Visuellen (grün = CCD, schwarz = geschätzt) bis zu diesem Augenblick. Inzwischen sind auch 2500(!) Messungen während des steilen Anstiegs vor der Entdeckung aufgetaucht, plus ein frühes Amateurspektrum (mehr) und neuere Photometrie im nahen IR. Und eine ISON-bei-Mars-Vorschau. [2:20 MESZ. NACHTRÄGE: Artikel dazu auf Deutsch & Englisch und eine weitere Webseite zur Coma Morphology Campaign, hier beworben] Plus warum es dem Kometen gut geht – und geplante Spezial-Video-Aufnahmen auf der ISS. Und Komet Encke ist auch wieder da. [22:55 MESZ. NACHTRAG: plus ein Lemmon von heute] Außerdem ein erster Rückblick auf die mitteleuropäische NLC-Saison 2013. [23:40 MESZ]


23. August

gaia

Willkommen in Französisch-Gu(a)yana! Der große Astrometrie-Satellit Gaia der ESA ist vor wenigen Stunden in einer Antonov 124-100 aus Toulouse kommend auf dem Flughafen von Cayenne eingetroffen, womit die Startkampagne beginnt: Das Startfenster für die Soyuz-STB/Fregat öffnet sich am 17. November. [16:10 MESZ. NACHTRÄGE: Arianespace und Astrium Releases zum Gaia-Transport und ein Artikel, der vom 20.11. als Starttermin ausgeht – während Spitzer sein 10-jähriges im Orbit feiert]

Protuberanzen im Zeitraffer am 20. August, von einem Amateur aus 120 Bildern einer Stunde erstellt (und mit schrecklich aufdringlicher Musik unterlegt). Auch detailreiche Jupiters vom 22. August und 21. August mit intensiver gewordenem GRF, und ein neuer heller Sungrazer-Komet im Sonnen-Anflug am 22. August [NACHTRAG: und heute], die Klassiker Lemmon und PANSTARRS am 21. August und NLCs aus der ISS Anfang des Monats. [1:00 MESZ]

alma-hh

Herbig-Haro 46/47 in einer kombinierten Radio- und optischen Ansicht, mit einer Radiokarte in der Emission von Kohlenmonoxid des ALMA-Interferometers in der Dunkelwolke einem Bild des NTT überlagert: Die Jets aus dem gerade entstehenden Stern erweisen sich als stärker als nur aufgrund des letzteren zu erwarten. Auch ein Streik(!) bei ALMA (ein Bild [NACHTRAG: und Artikel hier, hier und hier sowie ein Video]), australische SKA-Investitionen, Ergebnisse der MagAO am Magellan-6.5-m-Teleskop, die jetzt 1/50″ Auflösung erreicht (mehr), ein Hangout zu neuen Projekten zur Erforschung der Dunklen Energie, viele Hubble-Bilder des Jets von M 87, die Verladung des GAIA-Satelliten, das neue Cherenkov-Observatorium HAWC in Mexiko und fünf Jahre Gamma-Satellit Fermi. [1:00 MESZ]

Der IR-Satellit WISE wird für drei Jahre reaktiviert!

Was schon länger angestrebt worden war, ist jetzt offiziell genehmigt: Der NASA-Infrarot-Satellit WISE wird wieder eingeschaltet, um ab diesem September drei Jahre lang seine erfolgreiche Asteroiden-Suche wieder auf zu nehmen (mehr, mehr und mehr) – wobei unter den erwartenen 150 neuen oder 2000 zum ersten Mal charakterisierten bekannten Near Earth Objects vielleichht ein passendes Ziel für einen Astronautenbesuch zu finden sein wird (oben ein neues Werbevideo, auch Standbilder). Dieser Asteroidenbesuch bleibt weiter das nächste Ziel der bemannten US-Raumfahrt jenseits der ISS, hat gerade der NASA-Chef nochmals klar gestellt: Dass in einer neuen internationalen ‚Roadmap‘ – auch – neue bemannte Mondlandungen auf dem Weg zum Mond liegen, hat keine Bedeutung für die NASA-Richtung (mehr Links). Auch deutsche Beiträge zu Hayabusa 2, eine SoFi durch Phobos von Curiosity gesehen, die nun zügig voran kommt, MAVEN am KSC, ein Cassini-Gag (Bild), die Verlängerung der AIM-Mission, ein koreanischer Radarsatellit von einem alten Russen-ICBM gestartet [NACHTRAG: mehr Links], Luca Parmitano in dramatischen Worten über den bedenklichen EVA-Zwischenfall (mehr und mehr), eine weitere ISS-EVA gestern (mehr [NACHTRAG: und mehr Links]), ein leicht identifiziertes ISS-„UFO“, Fragen zum Aufräumen im Orbit und Crowd-Science per Amateurfunk mit Phonesats. [1:00 MESZ. NACHTRAG: weitere Artikel zu WISE & ARM hier, hier, hier und hier]

Der Ursprung des „ISON ist ein UFO“-Schwindels / The Origin of the ‚ISON is a UFO‘ Hoax

21. August 2013

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Eigentlich sollte all der Unfug, der bereits über den armen Kometen ISON ausgeschüttet wird, in diesem Blog schlicht nicht stattfinden, doch ein Recherche-freier Artikel der Augsburger Allgemeinen, der unreflektiert z.B. diese absurde Blogstory verlinkt, erfordert nun doch ein Einschreiten. Der Schwindel von ISON, dem UFO, basiert auf dem obigen Bild: dem missratenen Ergebnis eines Versuchs, mit Hubble eine tiefe Aufnahme des Kometen vor dem Himmelshintergrund zu machen, die durch die Bahnbewegung ISONs und v.a. Hubbles vereitelt wurde. Wie das passierte und warum man schließlich als Notlösung eine Schwarzweiß-Aufnahme des Kometen in das farbige Komposit kleben musste, haben die Verantwortlichen wiederholt erklärt, z.B. hier und hier. Es ist einfach nur widerlich: Da war die NASA einmal richtig offenherzig und hat ein misslungenes Hubble-Resultat präsentiert (wo sie doch angeblich immer alles Verdächtige verschwinden lässt) – und der Lohn ist gleich die nächste Verschwörungstheorie. Die deutsche „Journalisten“ nun auch noch weitergeben statt aufzuklären …

Originally all the nonsense already distributed about poor comet ISON should find no place in this blog, but an article in a German paper devoid of any inquiries and linking to e.g. this absurd blog story instead demands action. The hoax about ISON being a UFO is based on the image shown above: the failed attempt to get a Hubble image of comet ISON in front of the deep sky, thwarted by the comet’s and especially Hubble’s orbital motions. How that happened and why they – as a kludge to save the day – eventually pasted a black & white ISON onto a color sum image, has been explained in public numerous times, such as here, here and here. It is just disgusting: Here NASA – which ‚covers up‘ everything suspicious in many loonies‘ minds – has once been even more open than usual and shown a mishappen result. And all it gets is yet another conspiracy theory. Which German ‚journalists‘ now spread instead of debunking … [ADDENDA: the whole thing in one strip, a mighty rant about all this nonsense – and finally the STScI has reacted, too, as have the Comet ISON Observing Campaign and once more the Hubble folks]

Zum Ausgleich auch eine positive ISON-Nachricht: Auch in Indien wird jetzt eine große Beobachtungs- wie Informations-Kampagne initiiert (mehr und mehr). [NACHTRÄGE: Auf einen Bild mit 5″-Refraktor vom 21.8. aus Japan erscheint ISON arg schwächlich, zwei Tage früher mit 10″ überzeugender mit 13. Größe.] Und ein theoretisches Paper sagt voraus, dass Rosettas Zielkomet schon früher aktiv werden könnte als bisher berechnet. Auch Fan-Verarbeitung von Vesta-Daten, ein schockierend detailreiches Uranus-Bild eines Amateurs, natürlich des ‚üblichen‘ Verdächtigen, ein koronaler Massenauswurf der Sonne Richtung Erde und gleich noch einer [NACHTRÄGE: mehr und mehr dazu] und eine Link-Sammlung zur Nova Del 2013, deren normaler Abstieg begonnen hat (mit ungewissem Fortgang freilich) und die Gamma– aber keine Röntgen-Strahlung aussendet. NACHTRAG: weitere Helligkeiten vor dem Ausbruch, alle 17 mag.

Allgemeines Live-Blog vom 17.-19 August 2013

17. August 2013

19. August

sungrazer

Der dicke Sungrazer-in-spe sieht immer noch gut aus auf dieser SOHO-Aufnahme von heute Nachmittag: auch eine Animation. Unterdessen verbreitet eine gewisse Zeitschrift weiter Unfug über ISON (basierend auf einem einzigen zweifelhaften Datenpunkt und alle Diskussion darüber wie auch neuere Daten ignorierend) – glauben Sie nichts Schlechtes, das wegen dieser unterirdischen „Pressemitteilung“ in der Zeitung steht. Und weiter hängt die Nova Del 2013 bei rund 4.9 mag: So was kann dauern. [23:10 MESZ] Oder auch nicht: Helligkeits-Schätzungen der letzten Stunden haben die Nova konsistent bei 5.1 bis 5.3 mag. [23:45 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: So sieht das in gemittelten Werten aus. Das Spektrum der Nova hat sich derweil gestern dramatisch verändert, das P-Cyg-Profil der H-Alpha-Linie und anderer Balmer-Linien ist weg. Ferner – inzwischen eher selten gewordene – Worte der Vernunft zu ISONs Status. Und der Sungrazer ist in LASCO C2 aufgetaucht – und hat sich sogleich aufgelöst; die Halo-CME hat damit natürlich nichts zu tun]

Raumfahrt-Splitter: Wegen eines Treibstofflecks konnte Indiens Indiens GSLV nicht starten (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, mehr, früher und mehr) – einen neuen Starttermin gibt’s noch nicht. / Was Opportunity jetzt vorhat. / Und ESA-Impaktor-Tests für künftige Missionen. [22:55 MESZ. NACHTRÄGE: Das wird dauern, bis das GSLV repariert ist, plus mehr Links]

nova-smooth

Die gemittelte Lichtkurve der Nova Delphini 2013 bisher, mit dem anhaltenden Helligkeits-Plateau: Verglichen mit 93 anderen Nova-Lichtkurven gibt es nur wenige ähnliche Fälle. Auch eine große Pluto-Beobachtungs-Kampagne parallel zum New-Horizons-Besuch (am 22. August gibt es übrigens eine Sternbedeckung, sichtbar in Europa) und der Daten-Release des Galaxy Zoo 2. [10:50 MESZ. NACHTRAG: ein detaillierterer Artikel über die Galaxy-Zoo-2-Prozedur]

Meteoroide des Holmes-Ausbruchs zum 2. Mal gesichtet

Wie vorausgesagt (siehe ISAN 193-1) ist es diesen Monat zum zweiten Mal gelungen, die 2007 beim Riesenausbruch des Kometen 17P/Holmes freigesetzten Staubteilchen am Himmel nachzuweisen, wo sie einen halben Sonnenumlauf später wieder zusammen finden: Wie heute im CBET 3633 berichtet, gelangen neue Aufnahmen der streifenförmigen schwachen Wolke am 10. und 11. August. Die Bahnebene wird heute durchstoßen, und noch bis Ende des Monats könnten Sichtungen des dann wieder breiter und schwächer erscheinenden Trails (der leider -31° Deklination hat) gelingen. Dito im November und bis Herbst 2014, wenn der Staub immer mehr zusamen rückt: Diese Grafik zeigt die Lage und Orientierung des Holmes-Trails am Himmel. Auch Komet ISON heute mit SLOOH mit hoher (alt.) und geringer Vergrößerung und viele Perseiden-Bilder. [10:30 MESZ. NACHTRAG: Ergebnisse einer Provence-Perseiden-Kampagne – einer sah 1700 Stück …]


18. August

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Neuer Sungrazer-Komet könnte 0. Größe durchbrechen

Ein überraschendes Vorprogramm für das Perihel von Komet ISON in einem Vierteljahr: Dieser frisch entdeckte Sonnenkratzer – hier auf einer SOHO-LASCO-3-Aufnahme von 15:30 MESZ – ist mit 6 mag. schon in diesem Sonnenabstand ein ungewöhnlich großer, der erste nach langer Zeit. Und könnte, bevor er in ein paar Tagen auf die Sonne stürzt, +2 bis -1 mag. erreichen, was auch ISON – mindestens – schaffen sollte. Von der Erde aus hat man vom SOHO-Kometen allerdings wohl nichts. [17:35 MESZ]

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Trend? Welcher Trend? Offenbar sollen wir uns an einen neuen gut 5 mag. hellen Stern am Himmel gewöhnen, hat die Nova Delphini 2013 wohl beschlossen, bei deren Helligkeit sich seit bald zwei Tagen nichts mehr bewegt: In dieser AAVSO-Lichtkurve sind grün elektronisch und schwarz durch visuelle Schätzung bestimmte V-Werte dargestellt. [17:20 MESZ]

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Amateure haben den Kometen ISON jetzt fest im Blick

So wie hier Michael Jäger heute Morgen mit 25 cm Öffnung oder gestern SLOOH auf den Kanaren mit 35 cm. Auf Jägers Bild zeigt der Komet einen 2′-Schweif aber keine äußere Koma, doch der visuell auf überraschend helle 9 mag. geschätzte C/2013 N4 (Borisov) sah fotografisch auch nicht besser aus, als er ähnlich tief stand: Ein weiteres Argument, dass die derzeit aus Fotos durch viel Airmass bestimmten 13 bis 14 mag. die wahre Helligkeit ISONs deutlich unterschätzen könnten. Auch ein PANSTARRS vom 9. August, 2574 Perseiden von 3 Videokameras in 2 Wochen registriert, Amateur-Radio-Perseiden und ein M-Flare (mehr) auf der Sonne – und die Nova Delphini 2013 steht weiter konstant bei ca. 4.8 mag., seit nunmehr rund 40 Stunden. [15:50 MESZ]

Ein großer Vulkanausbruch auf dem Jupitermond Io ist am 15. August mit Keck II und Adaptiver Optik entdeckt worden: mit 5 Terawatt Leistung und von einer seltenen Sorte mit Lavafontänen. Und vor allem „passt“ das Timing, wie gestern im CBET 3632 zu lesen: In nur zwei Wochen soll der japanische Satellit SPRINT-A starten, und mit seinem Extreme Ultraviolet Spectroscope for Exospheric Dynamics (EXCEED) kann er die Entwicklung von Jupiters Plasmatorus in der Folge der Eruption verfolgen. Deren weiteren Verlauf deswegen auch andere (IR-)Astronomen verfolgen mögen. [14:30 MESZ. NACHTRAG: später Artikel dazu]


17. August

Phobos bedeckt Deimos, gefilmt von Curiosity auf der Mars-Oberfläche am 1. August: Solch eine Sequenz gab es noch nie; Artikel hier, hier, hier, hier und hier. Auch 1 1/2 Stunden über Curiositys erstes Marsjahr, die neuesten Bilder von Opportunity und Mars Express und eine Radar-Sequenz von Asteroid 2005 WK4 vom 8. August. [20:35 MESZ]

Raumfahrt-Splitterchen: Eine ISS-EVA von 7:29 Dauer war die längste für Russland, beim Orion-Programm hakt’s (mehr Links), am Montag gibts den nächsten GSLV-Start-Versuch und im September sollte die Proton wieder fliegen. [20:25 MESZ. NACHTRAG zu den Erfolgsaussichten der Asteroid Retrieval Mission]

kurios

Ein Hubble-Bild, bei dem man zweimal hingucken muss: Da stoßen unten links zwei Spiralgalaxien zusammen – aber das große Sterngewusel hat nichts damit zu tun sondern ist eine wesentlich näher liegende Zwerggalaxie. Auch ein VLT-Chandra-Komposit der Spiralgalaxie NGC 1232, in die vermutlich tatsächlich gerade eine – unsichtbare – Zwerggalaxie kracht: Dies macht sich nur durch einen röntgenhellen Fleck bemerkbar. [20:05 MESZ]

Ein außergewöhnlich dramatischer Flare eines Sterns scheint sich 2012 ereignet zu haben – aber nur eine Digitalkamera „bemerkte“ es, wie erst jetzt bekannt wurde: Das Objekt leuchtete offenbar etliche Sekunden 5 mag. hell im Bootes und wäre auch mit dem bloßen Auge zu sehen gewesen. Und an der Stelle kommen nur ein paar mindestens 12 mag. schwächere und völlig unverdächtige Sterne als Kandidaten in Frage … [19:55 MESZ]

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Die Nova Delphini 2013 scheint von der „schnelle Sorte“

zu sein, findet diese Analyse – in der Tat fällt die Lichtkurve (oben) mit etwa einer Größenklasse pro Tag kaum weniger schnell als sie zuvor angestiegen war, nämlich um 2 mag. in 1 1/2 Tagen. Radioastronomen schätzen ihre Entfernung auf mehr als 2 kpc, und es gibt noch mehr Spektren in Wort und Bild, ein Update von Beobachtungen, mehr Bilder hier, hier, hier und hier und noch einen Zeitungsartikel. [19:45 MESZ. NACHTRAG: Die Nova hat es sich doch anders überlegt und ihre Helligkeit in der Nacht 16./17.8. bei ~5.0 mag. kurzerhand eingefroren …]

Ein weiteres Prediscovery-Bild der Supernova „bei M 57“ ist gerade aufgetaucht, entstanden am selben 8. August wie das deutsche Entdecker-Bild („Eine Supernova-Entdeckung aus Deutschland …“). Die SN 2013ev steht weiter bei 17. Größe: neuere Bilder hier, hier (seitenverkehrt) und hier, dort auch von der SN 2013ej in Messier 74, die weiterhin 12. Größe hat. [19:30 MESZ]

ISON auch in Europa wiedergefunden: Jäger sieht 13 mag.

Während der – nach eigenem Bekunden in Sachen Kometen völlig unerfahrene – Bruce Gary in Arizona dem Kometen ISON (den er inzwischen ein 2. Mal fand) weiter nur 14 mag. Gesamthelligkeit zugesteht, schätzt ihn der überaus erfahrene Kometen-Fotograf Michael Jäger aus Österreich auf einem Bild von heute auf 13. Größe, was gut im Trend liegen würde. Die Absurdität der Reaktion zweier amerikanischer Astro-„News“-Seiten, die ISON aufgrund eines einzigen Gary-Datenpunkts für erledigt erklärten (und damit leider allseits zitiert wurden), ist nun überdeutlich und bereits Gegenstand angemessener Häme („AUGUST 17th 2013“) in der weniger sensationslüsternen Kometen-Blogosphäre. [14:25 MESZ. NACHTRAG: Auch hier wird das „energische Einschreiten“ dieses Blog(ger)s gegen die ISON-Zweifler gelobt …] Um Verwirrung vorzubeugen: Das Jäger-Bild ist wirklich von heute Morgen. [17:20 MESZ] Und es wird von echten Experten als Indiz für einen positiven Trend ISONs gewertet. Auch SLOOH hat ISON geortet, aber Details gibt’s keine. [19:25 MESZ. NACHTRAG: auch aus Frankreich die ersten Marginal-ISONs nach der Konjunktion]

Nova Delphini 2013 erreichte mit 4.4 mag. die „Top 30“ – und der Abstieg hat schon begonnen

16. August 2013

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Die Nova Delphini 2013 heute Abend (mit der Kamera auf einem Parkplatz im Ruhrgebiet an einem Bordstein lehnend): der helle Stern oben rechts, etwa so hell oder etwas heller als 29 Vulpeculae oben links. Weitere Aufnahmen aus diesem Zeitraum hier, hier und und hier – und Massen von Helligkeits-Schätzungen, die heute Abend zwischen 4.5 und 4.8 liegen: Diese neue Karte mit Vergleichssternen bietet sich derzeit ein. Ihr Maximum hatte die Nova Del 2013 heute gegen 14 Uhr MESZ mit etwa 4.3 bis 4.4 mag. erreicht – und es damit auf den 30. Platz unter den beobachteten Maximalhelligkeiten von klassischen Novae gebracht; auch frühere Bilder hier, hier und hier, noch einige mehr, ein weiteres Spektrum, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und Grundlegendes zum Phänomen Nova. NACHTRAG: Photoelektrische Fotometrie bestätigt 4.7 mag. am Abend des 16. August. Plus ein kurioses Foto (und die SN 2013ev bei M 57 ist auch noch da). NACHTRAG 2: Nova & Umgebung in wunderlicher Verarbeitung (und kopfstehend, da aus Australien). Und die Helligkeit wird schon wieder nahe 5.0 mag. geschätzt. NACHTRAG 3: Die erste – diesem Blogger – bekannte Erwähnung der Nova Del 2013 in einem nicht-astronomischen Medium kommt von einer russischen Nachrichtenagentur („Der hellste neue Stern am Himmel in 14 Jahren“), mit Leonid Elenin als dem Experten; derweil hängt die V-Helligkeit knapp drei Tage nach dem Ausbruch weiter um 4.9.

Allgemeines Live-Blog vom 11.-15. August 2013

11. August 2013

15. August

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Die Nova Delphini 2013 hat inzwischen 5.0 mag. erreicht!

Jetzt ist sie (s.u.) schon der hellste Stern in einigem Umkreis, wie auf dieser Aufnahme dieses Bloggers von vor wenigen Minuten, und bei halbwegs dunklem Himmel mit dem bloßen Auge zu sehen: Das erlaubt auch erstaunlich gute Spektren von Amateuren. Auch eine Prediscovery-Aufnahme und eine spätere der SN 2013ev in IC 1296, ein gewaltiger Flare eines M-Sterns um 9(!) Größenklassen, der Komet Lemmon heute, eine unabhängige Analyse der Gesamt-Helligkeit ISONs aufgrund der nach wie vor einzigen vorliegenden Aufnahme, eine Vorschau aus ISON-Beobachtungen durch die Mars-Orbiter, weitere Perseiden-Berichte aus den USA vom 13./14. und 12.-14. August, ein Jubelbericht des Video-Netzwerks aus dem UK, ein neues Komposit-Bild, ein Zeitraffer eines Persistent Trains und eine Perseiden-Expedition in Deutschland. [23:45 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: Um 2:15 MESZ am 16.8. die Nova mit 29 Vul & HIP 100754 in 8×40-FS auf 5.0 mag. geschätzt – auch gut mit dem bloßen Auge zu sehen. Zeitgleich ein pretty picture, 8 sec bei f/3.3 und ISO 800, und das Ganze noch mal in einem Guss. Auch eine Prediscovery-Aufnahme, noch mehr Spektroskopie und eine andere Sichtung mit bloßem Auge heute]

Drallräder zu kaputt: Kepler sucht eine neue Aufgabe

Auch wenn es bei energischen Tests gelungen war, beide ausgefallenen Drallräder des Kepler-Satelliten wieder in Bewegung zu setzen: Die Reibung in ihnen ist einfach zu stark, um die Sternfotometrie zwecks Exoplaneten-Suche wieder auf zu nehmen. Diese Entscheidung wurde heute mitgeteilt – zusammen mit der Hoffnung, dass auf einen Aufruf hin lohnende Ideen eingehen mögen, wie der Satellit auch in seinem jetzigen Zustand noch sinnvoll für etwas Anderes eingesetzt werden kann. Derweil wird die Auswertung der Kepler-Fotometrie noch Jahre dauern und noch manchen interessanten Exoplaneten zu Tage fördern: auch Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Desweiteren ist gerade zum bekannten Magnetar bei Sgr A* („Ein Soft Gamma Repeater sitzt …“) ist ein Paper erschienen, das reichlich Pressemitteilungen hier und hier, Press Releases hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier gebar – und gleich noch ein Magnetar mit dem stärksten Magnetfeld, das je im Kosmos gemessen wurde. Ferner wurde eine alte 43-m-Antenne in Green Bank für RadioAstron wieder belebt. Und es wird doch schon wieder in duellierenden Press Releases gestritten, ob Voyager 1 das Sonnenystem verlassen hat oder noch nicht … [23:25 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Artikel zu Kepler hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie mehr Links, eine sehr schräge Darstellung des SgrA*-Magnetars und mehr Links zu Voyager 1]

nova-sw

Spektrum passt: Die Nova Delphini ist wirklich eine!

Und zwar eine frisch ausgebrochene klassische Nova im Feuerball-Statdium: Davon zeugen insbesondere starke Emissionslinien der Balmer-Serie mit P-Cygni-Profilen. Oben ein Bild dieses Bloggers mit dem Delfin-Kopf und der Nova (s.a. 14.8.) markiert. [2:05 MESZ] Ein Vergleich mit drei Stellarium-Sternen mit 11×70-FS liefert 6.0 bis 6.1. mag: Scheint nicht mehr zu steigen. [2:45 MESZ] Mehr Vergleichssterne, noch bessere Spektren, keine Röntgen-Emission und weitere Meldungen hier und hier – die Nova Delphini 2013 heißt inzwischen gemäß CBET 3628 auch ganz amtlich so. [16:25 MESZ] In Australien wird die Nova gerade 5.8 bis 5.9 mag. hell geschätzt. [16:45 MESZ] Eine frühe Lichtkurve, Fotos hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [21:20 MESZ]

mer

Was der Rover Opportunity am 3387. Marstag seiner Rundfahrt sah, an Übergang zwischen der hellen „Burns Foundation“ und dem dunklen (und vermutlich älteren) „Solander Point“: Dieser geologische ‚Kontakt‘ ist jetzt Gegenstand der Forschung – und hier wird auch in günstiger Neigung zur Sonne überwintert. Auch ein deutscher Strahlungsmesser auf Curiosity, die zweite indische Mondmission wohl im Alleingang ohne Russland, ein Vorschlag für eine Mission zu Cruithne, ein Besuch bei SMAP, wie man Vegetation aus dem Orbit analysieren kann – und ein neuer Anlauf für StratoLaunch. [1:50 MESZ. NACHTRAG: weitere Artikel hier und hier und mehr Links zu Chandrayaan 2]


14. August

nova

Eine (wahrscheinliche) Nova mit 6.0 mag. im Delphinus!

Die Markierungen hätte sich Koichi Itagaki auf seinem Entdeckungsfoto von heute Mittag MESZ auch schenken können: Der ’neue Stern‘ im Delfin ist hell genug. Hatte er da noch 6.8 mag., so wurden vor einer Stunde schon 6.0 mag. geschätzt – wo die Nova (eine spektroskopische Bestätigung, dass es wirklich eine ist, steht noch aus) wohl hin will? [22:45 MESZ] Das könnte der Stern vor dem Ausbruch mit 17. Größe sein – immer neue Details hier (unten). [23:20 MESZ] Und da ist sie auf einer Aufnahme des Bloggers, identifiziert mit Hilfe des Millennium Star Atlas. [24:00 MESZ. NACHTRÄGE: vorher/nachher (mehr), des Bloggers Bild mit Pfeil, ein weiteres simples Foto (mit dieser Karte), einige Vergleichssterne, weitere Aufsuchkarten (mehr) und ein Spektrum von geringer Auflösung aber mit starker H-Alpha-Emission]

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So zogen die Staubschwaden des Chelyabinsk-Airbursts um die Erde – und der Satellit Suomi NPP hat sie Monate lang verfolgt. Auch ein schönes Perseiden-Komposit, ein weiteres aus All-Sky-Bildern und ein paar Videos. Und ein – noch laufender, später aufgezeichneter – Hangout zur Verarbeitung von HST-ISON-Bildern zuhause, die Wiederentdeckung des Kometen aus 1. Hand, eine wilde ISON-Analyse-Seite, eine Sammlung „Großer“ Kometen und Lemmon gestern. [22:30 MESZ. NACHTRAG: Science@NASA zu Chelyabinsk]

Der Weg zu einer ‚echten‘ Namensgebung für Exoplaneten

ist seitens der Internationalen Astronomischen Union frei: Wie im März angekündigt (ganz unten) hat man die grundlegenden Regeln beschlossen, wie die Öffentlichkeit künftig Vorschläge für „schöne“ Namen für Exoplaneten, ihre Sterne aber auch Kleinkörper einreichen können soll. Aber die Details organisieren dürfen – und sollen! – andere, freilich in enger Abstimmung mit der IAU und unter Einhaltung klarer Grenzen: So muss die ganze Welt teilnehmen können, vieles ist ausgeschlossen (wie schon jetzt bei Kleinplaneten), und kosten darf es die Vorschlagenden auch nichts. Pech für dubiose Firmen („Mein Opa von Alpha Centauri …“), die nichts von alledem für nötig halten. Aber gut für diejenigen, die besonnen vorgehen: Ihre crowd-gesource-ten Namensvorschläge – auch Einzelne dürfen sich direkt an die IAU wenden – würden am Ende tatsächlich offiziellen Charakter bekommen, parallel zur wissenschaftlichen Nomenklatur freilich. [19:15 MESZ]

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Das Perseiden-Profil 2013 scheint stabil zu bleiben, mit einem scharfen, hohen Maximum gegen 18:30 MESZ am 12. August, bei dem die ZHR 130-140 erreichte, und einer Halbwertsbreite von etwa 24 Stunden, d.h. in den europäischen und amerikanischen Nächten davon & dahinter lag die ZHR nur bei 60-80 und in der letzten Nacht nur noch bei 40. Auch die letzten Jahre im Vergleich: Ist da ein System drin? Weitere Einzelberichte von 2013 hier, hier und hier – und die SN 2013ev „bei“ M 57 wurde natürlich auch zufällig abgelichtet, während es (in Schweden) schon wieder NLCs und Nordlicht gleichzeitig zu sehen gab. [18:15 MESZ]

sprite

Ist dies das beste Bild, das jemals von Sprites gelungen ist?

Also jenen erstaunlichen Blitzentladungen in der Hochatmosphäre, die seit 20 Jahren die Geophysik in Atem halten: Diese Aufnahme und weitere erstaunliche Ergebnisse entstanden in den letzten Tagen aus einem Forschungsflugzeug über den USA – das Interesse an Jason Ahrns‘ Bildern ist erheblich. Auch ein Bericht über die fliegende Sternwarte SOFIA in Neuseeland, noch ohne die wissenschaftlichen Ergebnisse dieses ersten Süd-Ausflugs. [3:10 MESZ]

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Die Perseiden-Show 2013 nähert sich schon ihrem Ende

Zwar fallen noch etliche jede Stunde im britischen Live-Video-Mix (oben ein besonder fetter Treffer aus der Maximums-Nacht), aber der visuelle Eindruck ist heute Nacht schon wieder bescheiden. Der genaue Verlauf des Maximums zeichnet sich erst mit über einem Tag Verspätung, da viele visuelle Protokolle noch abgeliefert werden müssen, aber es scheint sich ein überraschend früher (ca. 19:00 MESZ am 12. August) und hoher (ZHR um 130) Peak zu stabilisieren: Als in Europa und später den USA beobachtet werden konnte, scheint die Rate schon auf wieder etwa 80 gefallen zu sein. Trotzdem waren viele zufrieden: Berichte aus Griechenland, Florida (Zahlen), Minnesota, Iowa und Kalifornien: Auch eine tolle Animation einer Feuerkugel mit Persistent Train, ein weiterer solcher, mehr Feuerkugeln hier, hier, hier (alt.), hier, hier, hier und hier, zwei auf einem Bild, dieselbe aus 3 Richtungen, eine hinter Wolken, ein All-Sky-Video und mehr Bilder hier, hier und hier. Auch Komet Lemmon am 11.8., ISON-Blog-Artikel zu polarisierten HST-Beobachtungen, Plänen mit dem MRO und dem aktuellen Zustand des Kometen (den man hier leider völlig missverstanden hat [NACHTRAG: mehr dazu]) sowie eine Hamburger Medaille, die so aussieht. Plus ein aktueller Jupiter und eine Analyse der SN 2013ej in Messier 74. [2:05 MESZ]

Juno hat den halben Weg zum Jupiter zurück gelegt

Die vor zwei Jahren gestartete NASA-Sonde hat vorgestern die Marke 9.46 au passiert: Nach noch einmal 1’415’794’248 km wird der Jupiter erreicht sien. Das dauert allerdings – trotz eines Schwerkraft-Kicks durch die Erde diesen Oktober – noch weitere 3 und nicht 2 Jahre. Auch die Vielfalt der kleineren Saturn-Monde, Erkenntnisse des Radars des Mars Express, eine IMU-Umschaltung auf dem MRO, schon keine 100 Tage mehr bis zum Start von MAVEN, ein italienisches Experiment auf ExoMars 2016 (DREAMS auf dem Mini-Lander), Experimente zur Präzisions-Landung auf anderen Planeten, mögliche Asteroiden-Kandidaten für einen Einfang, Studien zur Sicherheit der Mars-Orbiter, wenn Komet Siding Spring kommt, und Visionen von S2D2, einer teuren ESA-Staub-Mission, und einem EUV-Teleskop für NASA-Sonnenforschung. Derweil ist die Abschaltung des ‚Space Fence‘ amtlich – oder doch noch nicht ganz? Viel spart das nicht gerade … [0:45 MESZ]


13. August

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Eine Supernova-Entdeckung aus Deutschland, nahe Messier 57 in der Galaxie IC 1296, gelang durch Zufall am Abend des 8. August Manfred Kliemke an der Sternwarte Simssee in Riedering mit einem 17-Zöller – aber bisher verweigert ihm die auf bekannte Massen-Entdecker zugeschnittene IAU-Bürokratie die Anerkennung. Später wurde die Supernova auch in Italien gefunden, nur noch 17 mag. hell – Kliemke hatte die „PSN J18531845+3303527“ noch ca. 14 mag. hell erwischt (Bild). Und zwar vermutlich nahezu im Augenblick ihres Ausbruchs, denn ein aktuelles Spektrum passt zu einer ca. 4 Tage alten Typ-II-SN. [20:45 MESZ. NACHTRAG: Sie heißt jetzt SN 2013ev – und Kliemke wurde als Co-Entdecker anerkannt! Dieser Blogger machte Druck …] Wäre auch zu schön gewesen: Der unten erwähnte Transient bei M 31 ist wohl nur eine Zwergnova in unserer Galaxis. [22:50 MESZ] Ein weiteres Spektrum bestätigt dies. Keine SN in M 31 … [23:45 MESZ]


12. August

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Mit 14m: Komet ISON heute offenbar wieder gefunden!

Es handelt sich nicht um den mysteriösen Bericht vom 7. August (weiter unten, „Die ZHR der …“) sondern um Aufnahmen eines anderen Amateurastronomen von heute Morgen ebenfalls aus Arizona, die Bruce Gary mit einem 11-Zöller gemacht hat – und auf denen sich der kleine Komet in die richtige Richtung bewegt. 100% überzeugt sind Puristen vielleicht noch nicht, aber nun sollte es bald weitere Bestätigungen des im Zentrum 14 mag. hellen Objekts geben! Auch Details zu den Spitzer-Bildern vom Juni, eine Dia-Schau mit 142 Video-Meteoren der vergangenen Nächte, ein paar Perseiden-Bilder und ein visueller Bericht aus San Diego von heute Morgen mit Detail-Zahlen – und ein 16-mag.-Transient nahe Messier 31, bei dem es sich um eine ganz junge Supernova in der Andromeda-Galaxie handeln könnte. [23:50 MESZ]

Leuchtende Nachtwolken und Polarlichter gleichzeitig im Zeitraffer Anfang des Monats in Schottland aufgenommen – da hat alles gepasst! [NACHTRAG: Der Fotograf kommentiert das Video] Auch 51 Meteore der letzten Nacht in einem Stack des Sky Sentinel Allsky in Parker, AZ, ein Komet Lemmon vom 11.8. – und nach längerer Zeit mal wieder ein M-Flare auf der Sonne heute. [18:35 MESZ]

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Die Perseiden lassen sich auf vielen Wegen verfolgen

Sei es mit eigenen Augen (dieser Blogger gerade: 11 PER und 4 andere von 0:24 bis 1:24 MESZ in Königswinter bei Grenzgröße 5.1 und moderater Obstruktion), durch Radio-Echos – oder ein Netzwerk britischer Videokameras, dessen Treffer in Echtzeit als Serie von Standbildern angezeigt werden: hier eine Feuerkugel vor 1/2 Stunde, die gleich zwei erwischten. Auch ein Lemmon vom 10.8., Lektionen aus einem misslungenen TV-Auftritt und wider dämliche Leuchten im Garten. [1:45 MESZ] Von 2:17-32 MESZ fünf PER und 2 andere in 15 Minuten, von 3:13-23 MESZ ein PER in 10 Minuten – Statistik kleiner Zahlen … und NLCs 2013 über Schweden. [3:45 MESZ] In Kalifornien konnten am Morgen 60 PER/Stunde gesehen werden, und die ZHR steigt natürlich noch: auch aktuelle Fotos hier, hier und hier und allgemeine Artikel hier und hier. [17:25 MESZ]


11. August

flamingo

Ein Ausschnitt aus dem Omega-Nebel (Messier 17) mit dem neuen NIR-Instrument FLAMINGOS-2 am südlichen Gemini-Teleskop aufgenommen: Dessen unverhofft schwierige Inbetriebnahme nähert sich endlich dem Abschluss. [17:15 MESZ]

Die ZHR der Perseiden näherte sich schon der 50-er Marke

zwei Tage vor dem vorausgesagten Maximum in der UTC-Nacht 12./13. August (siehe ISAN 194-1): Der automatisch berechnete Wert – auf der Basis von bereits über 5000 Meteoren – lag in der vergangenen Nacht zwischen 40 und 50. Dazu passen Beobachtungen eines Einzelnen, der in Florida heute Morgen über 40 PER/Stunde sah und eine Nacht zuvor über 20/Stunde. Auch die Dreifach-Beobachtung eines Impakts auf dem Mond aus Europa am 1. August, eine unbestätigte ISON-Aufnahme am 7. August (mehr und mehr), ein überraschend heller Komet, die erdnahen Klein(st)planeten 2013 PS13 und PJ10 und eine weitere Sichtung der Uranus-Ringe mit < 1 m Öffnung. [17:05 MESZ]

nil

Der nächtliche Nil aus der ISS aufgenommen. Auch eine erwogene Verschiebung des Asteroiden-Besuchs (letzter Absatz) auf die Mitte der 2020-er Jahre, weil bis 2021 vermutlich noch kein passender Kandidat idenfiziert und abgeschleppt werden kann, deutsche Temperatur-Sensoren auf Curiosity, der Status von Opportunity, die Aufklärung des Proton-Disasters, die unangenehmen Folgen der Abschaltung des ‚Space Fence‘ – und keine Beweise (S. 1-2), das Equadors 1. Satellit von Raumschrott touchiert wurde. [16:50 MESZ]

Weitere größere Artikel

9. August 2013

per-zhr

Beste Bedingungen für das Perseiden-Maximum dieses Jahr (oben das ZHR-Profil bis zum 10.8. 0:00 UTC, y-Achse in 5-er Schritten, auch die ZHR-Profile vergangener Jahre, schon 20+ PER/Stunde heute in Florida, ein RAS PR, Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und ein kühner Bezug PER – AO @ Gemini).

Die Galaxie mit der größten Dichte ist ein UCD bei Messier 60 [NACHTRAG: viele Wochen später Press Releases hier, hier, hier und hier dazu].

Komet ISON: Mitarbeit erwünscht durch Amateure (auch indische Pläne, den Kometen groß für wissenschaftliche Bildung einzusetzen).

Gast-Artikel in einem amerikanischen Blog

Interplanetary eyes on the lookout for comet ISON, namely DIF and MRO in August.

Kürzere Artikel

Retrograde Resonanzen von Kleinplaneten gefunden, mit Jupiter und Saturn.

Gibt es eine Tscheljabinsk-Familie? Jedenfalls haben ein paar kleine Asteroide ähnliche Orbits.

Allgemeines Live-Blog vom 4.-8. August 2013

4. August 2013

8. August

betti

Wir bauen uns ein optisches Ballon-Teleskop mit einem kleinen Interferometer, sagten sich diese Praktikanten des NASA-GSFC: Das Balloon Experimental Twin Telescope for Infrared Interferometry (BETTII) soll 2015 abheben und erhoffte Interferometer-Satelliten vorweg nehmen. Auch ein Vortrag über das ‚Public Telescope‘-Projekt, das ‚International Space Orchestra‘ auf einem ArduSat, der sich im HTV-4 im Anflug auf die ISS befindet, µg-Experimente im Flugzeug zur Physik von Asteroiden, ein neuer Starttermin (27.8.) für das Spectroscopic Planet Observatory for Recognition of Interaction of Atmosphere, wie Russlands Elektro-L die Erde sieht, ein komplizierter Formations-Wechsel der deutschen Radarsatelliten, der gerade gelungen ist, und ein Auftrag an SpaceX für den Start von drei weiteren für SARah. [23:05 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: ein Artikel zu SARah, ein detailliertes Protokoll des Formations-Swaps und das HTV-4 am Himmel neben der ISS, wo es bald angedockt worden ist]

Ab heute müsste Komet ISON wieder beobachtet werden

Allerdings nicht von der Erde aus, wo die Sonnen-Elongation noch unter 18° liegt – sondern vom alten Mutterschiff der Deep-Impact-Mission, das quasi ‚hinter der Sonne‘ einen besseren Blick hat und dazu Anfang August aus seinem Ruhe-Safemode geholt wurde. Am 8. und 9. August soll(t)en nun Infrarot-Spektren aufgenommen werden, wie Mike A’Hearn auf dem ISON-Workshop erzählte (33:03-34:24): Die Daten sollen am 10. August zur Erde gefunkt werden (es steht nur wenig DSN-Zeit zur Verfügung, und der Abstand von der Erde von 2 au erzwingt eine geringe Datenrate). Danach geht es noch etwas weiter: Deep Impact’s Beobachtungsfenster IR-halber schließt sich wegen der für die Sonde schrumpfenden Elongation bereits am 16. August wieder, im Visuellen kann aber noch bis zum 12. September gemessen werden.

Als nächstes im Zeitplan ist dann der Mars Reconnaissance Orbiter dran, der – wie ebenfalls auf dem Workshop berichtet wurde (24:55-27:50, 34:45-35:30 und 41:13-23) – am 20. August auf ISON schauen wird, schließlich sind auch Mars & MRO quasi ‚auf der anderen Seite‘ der Sonne. Das Datum wurde gewählt, weil der Komet genau dann die Eis-Sublimations-Linie kreuzen wird: Die Kamera HiRISE hat dann allerdings nur 150 km Auflösung pro Pixel, und das Signal/Rausch-Verhältnis ist gering, während das Instrument CRISM wohl gar nichts sehen wird. Aber es ist für beide eine gute Übung für Beobachtungen ISONs in Marsnähe vom 29.9. bis 2.10, wenn die Auflösung HiRISEs bis zu 10 km/pix erreichen wird. Auch Gedanken zur Lichtkurve ISONs bisher und zu Beobachtungen im Perihel, dazu ein 11-mag.-PANSTARRS von heute (Details dazu) und ein neuer PANSTARRS. [21:55 MESZ]

esopic

NGC 2020 (links) und 2014 in der LMC auf einer VLT-Aufnahme – beide Nebel wurden durch die Winde extrem heißer junger Sterne geformt, die das Gas auch zum Leuchten anregen: links v.a. ionisierten Sauer-, rechts Wasserstoff. Auch die LMC im Infraroten von Spitzer. [2:45 MESZ]

delta

Ungewöhnlicher Anblick beim Start einer Delta 4 gerade in Cape Canaveral (mit einem militärischen ComSat): Der Start erfolgte nach Sonnenuntergang, aber die Rakete war wieder im Sonnenlicht, als – vor dunklem Himmel – erst die Booster und dann hier die Nutzlastverkleidung abgeworfen wurden. Auch Artikel hier und hier zur Sequester-bedingten Abschaltung des ‚Space Fence‘ und was das bedeutet – plus Impressionen aus Baikonur vom Mai anlässlcih des letzten Soyuz-Starts zur ISS. [2:35 MESZ. NACHTRÄGE: ein Highlights-Video, ein Video aus der Nähe, diverse spezielle Fotos, noch mehr Videos & Bilder, Artikel hier und hier und mehr Links zum Start]


7. August

nst

Das ist mal ein H-Alpha-Bild der Sonne! Entstanden am 22. Mai mit dem New Solar Telescope (NST; 1.6 m freie Öffnung) des Big Bear Solar Observatory (BBSO) in Kalifornien. Auch moderne Sonnenforschung zum selber Nachvollziehen, Komet Lemmon, jetzt mit langem Staubschweif, am 6. August und 5. August (mehr) – und ein Sprite über Dublin erwischt (mehr und mehr). [1:00 MESZ] Ein NEA kam, und der nächste kommt. Auch das Astro-Cover einer US-Wochenend-Beilage, in der aber nur dies und wenig sonst stand. [15:40 MESZ]


6. August

msl

Heute vor einem Jahr landete MSL Curiosity auf dem Mars

Was man im Live-Blog jenes 6. August 2012 noch einmal (von unten nach oben) nacherleben kann. Auch die oben angepriesene Sonderseite der NASA, ein Geburtstags-Ständchen auf dem Mars, ein Artikel zur Rolle Australiens bei der Landung, ein Hangout, Artikel hier, hier, hier, hier und hier und ein TV-Bericht. Sowie die Montage der Rakete für Indiens Mars-Orbiter, die Buchung einer Atlas V für OSIRIS-REx, ein Reddit zum Minor Planet Center, ein weiterer Bericht von der Pluto-Tagung – und automatisch geplottete Radianten von Radar-Meteoren. [1:50 MESZ] Mehr MSL-Jahrestags-Artikel hier, hier, hier, hier und hier – und in 1/2 Stunde gibt’s im NASA-TV eine große Show (fast 3 Stunden), beginnend mit der Aufzeichung einer Feier im JPL gestern. [16:15 MESZ] Nämliche JPL-Aufzeichnung und der folgende NASA-HQ-Live-Teil zum einjährigen Jubiläum des MSL – auf eine Rückfrage zu K. Nybergs Beschreibung des Himmels aus der ISS bei 1:07:53 während dieses heutigen Events durch diesen Blogger gab es prompt eine Antwort von oben! [21:30 MESZ. NACHTRÄGE: das JPL-Event auch auf YouTube, ein NASA Release dazu, ein Home-Video von Boldens Rede in DC und weitere Artikel hier (wo bleibt die Science?), hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

hebe

Der Kleinplanet (6) Hebe – räumlich (marginal) aufgelöst vom Differential Speckle Survey Instrument (DSSI), das jetzt 8 Tage am nördlichen Gemini-Teleskop installiert war: ein Pixel = 0.011″, der 200-km-Asteroid ist keine Kugel. Auch First Light für Sinistro, die Hauptkamera der 1-m-LCOGT-Teleskope, die SN 2013ej weiter hell, die Umpolung des Sonnen-Feldes nahe der Mitte des Maximums – und vorletzte Nacht gleichzeitig Polarlicht & NLCs in Schottland (mehr und mehr) auf 57° Nord. [0:35 MESZ. NACHTRAG: das seltene Paar in Bewegung zeitgerafft!]


5. August

MAVEN_at_Kennedy

Der nächste NASA-Marsorbiter – und Spektrograph ISONs

Hier wird MAVEN ausgepackt, nachdem er das Kennedy Space Center am 2. August erreicht hatte: Gestartet werden soll ab dem 18. November – und wenn das gelingt, soll MAVEN schon vom 8. bis 24. Dezember ultraviolette Spektren der inneren Koma von Komet ISON aufnehmen, wie letzte Woche auf dem großen Workshop (24:25-26:17) berichtet wurde. Auch die Öffnung der großen Antenne des AlphaSat, sein Ariane-Start aus ungewohnten Winkeln, viele Bilder aus Baikonur – und Enthüllungen über die manipulative PR-Kampagne hinter einem kanadischen ISS-Besucher, mit Reaktionen hier, hier, hier, hier, hier und hier … [20:45 MESZ]


4. August

htv_esa

Hier kommt das 4. HTV Japans für die ISS, das letzte Nacht erfolgreich gestartet wurde und nun u.a. neue Hardware zur Station bringt: ein Video, weitere Screenshots hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. Auch ein ISRO Release, ein Artikel und mehr Links zu Indiens INSAT-3, der trotz Problemen nun im Zielorbit ist. [14:05 MESZ. NACHTRÄGE: mehr Links zu HTV-4 – und die ArduSats an Bord]

Tests mit dem Drallrad Nr. 2: neue Hoffnung für Kepler?

Am 8. August beginnen intensive Tests mit dem Satelliten und seinem – seit 2012 wg. innerer Reibung stillgelegten – Drallrad Nr. 2: Kann Kepler trotz dessen Problemen (die immer noch geringer als bei der dieses Jahr ausgefallenen Nr. 4 sind) stabil genug für eine Wiederaufnahme der Stern-Photometrie zwecks Exoplaneten-Suche gehalten werden? Parallel gibt es allerdings auch einen Call for Ideas für eine neue Mission unter der Annahme, dass auch die Nr. 2 nicht mehr zuverlässig genutzt werden kann und damit nur noch zwei Drallräder zur Verfügung stehen. Derweil hat der kleine EstCube gleich noch eine zweite unheimliche Begegnung mit Raumschrott überstanden. [14:00 MESZ]

phodei

Curiosity vor dem ersten Jahrestag der Mars-Landung: vom nicht mehr ganz so neuen Rover gibt’s nicht nur dieses aktuelle Bild von Phobos & Deimos zusammen am Himmel, sondern auch ein HazCam-Zeitraffer-Video des ersten Jahres im Gale-Krater (mehr, mehr, mehr und mehr). Auch die Ankunft der nächsten NASA-Marssonde MAVEN am KSC – und ein US-Polit-Cartoon auf der Basis des Wave-at-Saturn-Cassini-Bildes! [13:55 MESZ]

„SocialSpace“? Eine seltsame Wort-Erfindung der ESA …

Zuerst war da der Begriff des Tweetups gewesen, einer Verschmelzung aus „Tweet“ und „Meetup“, womit seit 2007 gemeint ist, dass sich mehrere Personen in der realen Welt treffen, die sich via Twitter kennen gelernt hatten. Dann kam im Januar 2009 der erste NASA Tweetup, als das JPL konkret zu solch einem Treffen einlud und dabei exklusiven Zugang zu Einrichtungen des kalifornischen Labors bot. 33 weitere NASA-Tweetups folgten bis März 2012, und zwischenzeitlich hatte die ‚Bewegung‘ mit dem ersten europäischen SpaceTweetup in Köln auch Europa erreicht. Doch dann änderte die NASA den Begriff mal eben so in „NASA Social“ um: eine kühne Umdeutung des Hauptworts ’social‘, um Nutzer auch anderer Social Networks einzubeziehen. In Europa war aber weiter von SpaceTweetups die Rede – bis vor 3 Tagen ESA und DLR genau so urplötzlich auf „SocialSpace“ umgeschwenkt sind (wobei das Wort auch ein deutsches sein soll, ein Neutrum): Das erste ‚SocialSpace‘ wird am 22.9. wieder in Köln wieder beim TdLR von DLR & EAC veranstaltet. Doch während die Wortwahl der NASA zumindest noch grammatikalisch und semantisch nachvollziehbar sein mochte, löst diejenige der ESA Kopfschütteln aus: nicht nur wegen der seltsamen Wortkonstruktion („das Space“?) – sondern weil „social space“ ein eingeführter Begriff v.a. in soziologischem Gebrauch ist und etwas völlig anderes bedeutet, mit „space“ ohne jeden Bezug zum Weltraum. Nur wenn man den Begriff in einem Wort schreibt, spucken Twitter- und Google-Suchen überwiegend das ‚Richtige‘ aus – jedenfalls dieser Tage. Kurioserweise macht ausgerechnet der neue Twitter-Handle „Social4Space“ im Gegensatz zu dem Kunstwort tatsächlich Sinn: Vielleicht sollte man das „for“ einfach immer mit sprechen … [13:20 MESZ]

In gespannter Erwartung des Kometen ISON …

3. August 2013

… sind nicht nur Amateurastronomen und Teile der Öffentlichkeit sondern auch die Kometenspezialisten der Welt: Bei dem großen ISON-Workshop in Maryland am 1. und 2. August konnte man – selbst aus 6 Zeitzonen Abstand per Webcast (komplette Aufzeichung in den Latest Videos hier von hinten nach vorn) zugeschaltet – eine Erregung verspüren wie es sie vielleicht einmal im Jahrzehnt gibt, sei es 2005 vor dem Impakt von Deep Impact gewesen, 1994 von dem Kometensturz von SL9 oder 1986 vor dem Periheldurchgang Halleys. Oder 1973 in Erwartung des Kometen Kohoutek, was vielleicht sogar die beste Parallele ist: Zwar hat die Kometenforschung in den 40 Jahren seither gewaltige Fortschritte gemacht, aber just bei ISON – dem ersten bekannten Kometen aus der Oort-Wolke, der zum Sonnenkratzer werden und dabei hart an der Roche-Grenze vorbei schrammen wird und sich seit seiner Entdeckung auch noch merkwürdig verhalten hat – ist die Unsicherheit gewaltig. Nicht nur für die Öffentlichkeit, auch für viele wissenschaftliche Beobachtungen, wäre eine ordentliche Helligkeit wünschenswert.

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Immerhin wird das zu Workshop-Beginn gezeichnete düstere Szenario („Ist Komet ISON etwa nur ein eisarmer Klumpen aus Staub?“) durchaus nicht unisono geteilt: Hier z.B. hat Karen Meech im Rahmen ihrer inspirierten Zusammenfassung des Workshops (ab 1:30) die beobachtete Rothelligkeit ISONs gegen ein Modell aufgrund der zu erwartenen Sublimationen verschiedener Moleküle aufgetragen (ab 11:18). Und siehe da: Wenn man die Aktivität bei den ersten Helligkeitsmessungen überhaupt (Pre-Discovery, ganz links) und den letzten vor dem Verschwinden hinter der Sonne im Juni (rechts) mit dem theoretischen Anstieg der Gasproduktion verknüpft, dann lag die Helligkeit die ganze Zeit dazwischen über den Erwartungen! Meechs Vermutung: ISON hat einen monatelangen langsamen Ausbruch hinter sich, bei dem die zunehmende Sonnenwärme Reservoirs von CO oder CO2 – die schon bei geringeren Temperaturen als Wasser sublimieren – unter der Kernoberfläche aufgebrochen hat, die sich nun erschöpft haben. Die „Abflachung“ der Lichtkurve wäre dann nur vorgetäuscht. Wie es weiter geht, könnte bereits die erste verlässliche Photometrie ISONs nach seinem Wiederauffinden in knapp einem Monat verraten. Ungefähr dann – am 20. August – unterschreitet ISON auch die „Eis-Linie“, ab der Wasser viel stärker sublimiert, aber weitere CO- und CO2-Taschen könnten für zusätzliche Aktivität sorgen.

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Was chemisch in ISON vorgeht, dazu sind die Daten freilich noch Mangelware. Zwar konnte das Spitzer Space Telescope am 13. Juni die Gaskoma isolieren („23. Juli“; auch ISAN 193-4): oben von Yan Fernández seine Bilder bei 3.6 und 4.5 µm und die Differenz, darunter die entsprechende Spitzerfotometrie (Datenpunkte rechts) und parallele irdische in ein Modell mit Lichtreflexion an Staub (gepunktet) und Eigenemission (gestrichelt; durchgezogen = Summe) eingetragen – bei 4.5 µm leuchtete eindeutig noch etwas Anderes. Doch ob dies CO oder CO2 ist, lässt sich schlicht nicht sagen: Emissionslinien beider Moleküle liegen im Filterbereich, und wie das verschachtelte Tortendiagramm von Mike Mumma unten zeigt, sah die Chemie abseits des immer dominierenden Wassers bei drei Kometen der letzten Jahre jedes Mal ganz anders aus, insbesondere was die Anteile von CO2 (grau) und CO (rosa) betrifft. Und dann kann sich das Verhältnis auch noch ändern („Warum man Daten aus allen Quellen …“), mit dem Sonnenabstand ein und desselben Kometen. Für die Größe von ISONs Kern gibt es weiterhin nur eine Obergrenze aus HST-Bildern vom April: Der Radius ist kleiner als 2 km. Und ob er rotiert, weiß man auch nicht: Ein 45° aufgefächerter Staubjet in der inneren Koma veränderte sich während der 19-stündigen Hubble-Beobachtungen überhaupt nicht. (Hubbles ISON-Aufnahmen sollen übrigens als vorverarbeitete Original-Daten öffentlich gemacht werden.)

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Neben der Bestandsaufnahme der bisherigen – eher wenigen – Erkenntnisse über ISON ging es auf dem Workshop überwiegend um die Planung von Beobachtungen, wofür zahlreiche NASA-Instrumente plus irdische Sternwarten eingesetzt werden sollen: abgesehen von den Bemühungen um Halley in den 1980-er Jahren, zu dem immerhin eine ganze Flotte von Raumsonden geschickt wurde, wohl die umfassendste Kampagne für einen Kometen. Manche – etwa die Betreiber diverser Marssonden – wissen noch gar nicht recht, was ihre nicht gerade für Kometen optimierten Detektoren zu sehen bekommen werden, andere wollen UV-halber einen Ballon und eine Rakete mit FORTIS starten oder mehrere Sonnensatelliten einsetzen, die STEREOs ebenso wie SOHO, und allein die NASA-IRTF wird ISON über 200 Stunden Beobachtungszeit widmen. (Auch diese Bilder sowie etliche der Keck-Teleskope will die NASA binnen einer Woche öffentlich machen.) Aber all dies lässt Lücken, auch weil die oft zu knappe Elongation des Kometen Großteleskopen den Blick verwehrt. Erstaunlich oft wurde deshalb auf dem Workshop nach der Einbindung der flexibleren Amateurastronomen gerufen, nicht nur in einer ganzen Session zum Thema, sondern auch in Meechs Fazit (ab 20:45; oben ein Screenshot) und der sich anschließenden Abschlussdiskussion (mehrfach ab ca. 54:00).

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Zuvor waren die Wünsche sogar recht konkret geworden: Auswertbare Bilder von Staubschweif-Strukturen wie Striae von zerplatzenden Staubteilchen (ab 36:25), Verformungen von Plasmaschweifen im Sonnenwind (ab 48:18) oder einen Natriumschweif, der sich v.a. in Perihelnähe bilden dürfte (ab 42:04; in der Mitte ein Screenshot einer Simulation von Kimberley Birkett für den 29. November, in der Bahnebene ISONs) würden auch von Amateuren gerne genommen. (Das Bild unten ist eine spektrale Aufnahme von PANSTARRS am 14. März, vom HGS-Spektrographen des Dunn-Sonnenteleskops[!] in die beiden Na-D-Linien gespalten.) Wie die beiden Welten am besten zusammen kommen, wird gerade hinter den Kulissen eifrig diskutiert, wobei auch dieser Blogger mitmischt: Das Amateur Observers‘ Program der UMD bietet sich als Vorbild an. Die gesammelten Profi-Pläne sollen derweil erfasst und als riesige Matrix dargestellt werden – sollte der Komet freilich im Perihel extreme Dinge tun, dann müssen sie ab Dezember neu gestrickt werden: Für diesen Fall, so wurde am Ende des Workshops beschlossen, sollte es im Dezember eine Art Not-Workshop, wieder mit Teilnahme-Möglichkeit aus der Ferne, geben … NACHTRÄGE: alle Videos mit Indices, vom ersten und zweiten Tag, spätere Berichte zum Workshop hier, hier und hier – und viele geplante professionelle Beobachtungen als Kalender & Tabelle.