Der Ursprung des „ISON ist ein UFO“-Schwindels / The Origin of the ‚ISON is a UFO‘ Hoax

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Eigentlich sollte all der Unfug, der bereits über den armen Kometen ISON ausgeschüttet wird, in diesem Blog schlicht nicht stattfinden, doch ein Recherche-freier Artikel der Augsburger Allgemeinen, der unreflektiert z.B. diese absurde Blogstory verlinkt, erfordert nun doch ein Einschreiten. Der Schwindel von ISON, dem UFO, basiert auf dem obigen Bild: dem missratenen Ergebnis eines Versuchs, mit Hubble eine tiefe Aufnahme des Kometen vor dem Himmelshintergrund zu machen, die durch die Bahnbewegung ISONs und v.a. Hubbles vereitelt wurde. Wie das passierte und warum man schließlich als Notlösung eine Schwarzweiß-Aufnahme des Kometen in das farbige Komposit kleben musste, haben die Verantwortlichen wiederholt erklärt, z.B. hier und hier. Es ist einfach nur widerlich: Da war die NASA einmal richtig offenherzig und hat ein misslungenes Hubble-Resultat präsentiert (wo sie doch angeblich immer alles Verdächtige verschwinden lässt) – und der Lohn ist gleich die nächste Verschwörungstheorie. Die deutsche „Journalisten“ nun auch noch weitergeben statt aufzuklären …

Originally all the nonsense already distributed about poor comet ISON should find no place in this blog, but an article in a German paper devoid of any inquiries and linking to e.g. this absurd blog story instead demands action. The hoax about ISON being a UFO is based on the image shown above: the failed attempt to get a Hubble image of comet ISON in front of the deep sky, thwarted by the comet’s and especially Hubble’s orbital motions. How that happened and why they – as a kludge to save the day – eventually pasted a black & white ISON onto a color sum image, has been explained in public numerous times, such as here, here and here. It is just disgusting: Here NASA – which ‚covers up‘ everything suspicious in many loonies‘ minds – has once been even more open than usual and shown a mishappen result. And all it gets is yet another conspiracy theory. Which German ‚journalists‘ now spread instead of debunking … [ADDENDA: the whole thing in one strip, a mighty rant about all this nonsense – and finally the STScI has reacted, too, as have the Comet ISON Observing Campaign and once more the Hubble folks]

Zum Ausgleich auch eine positive ISON-Nachricht: Auch in Indien wird jetzt eine große Beobachtungs- wie Informations-Kampagne initiiert (mehr und mehr). [NACHTRÄGE: Auf einen Bild mit 5″-Refraktor vom 21.8. aus Japan erscheint ISON arg schwächlich, zwei Tage früher mit 10″ überzeugender mit 13. Größe.] Und ein theoretisches Paper sagt voraus, dass Rosettas Zielkomet schon früher aktiv werden könnte als bisher berechnet. Auch Fan-Verarbeitung von Vesta-Daten, ein schockierend detailreiches Uranus-Bild eines Amateurs, natürlich des ‚üblichen‘ Verdächtigen, ein koronaler Massenauswurf der Sonne Richtung Erde und gleich noch einer [NACHTRÄGE: mehr und mehr dazu] und eine Link-Sammlung zur Nova Del 2013, deren normaler Abstieg begonnen hat (mit ungewissem Fortgang freilich) und die Gamma– aber keine Röntgen-Strahlung aussendet. NACHTRAG: weitere Helligkeiten vor dem Ausbruch, alle 17 mag.

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8 Antworten to “Der Ursprung des „ISON ist ein UFO“-Schwindels / The Origin of the ‚ISON is a UFO‘ Hoax”

  1. Gürtellinie Says:

    Ich würd nur gerne wissen warum die Sterne im Hintergrund nicht genau so lange belichtet sind wie der Komet?

  2. skyweek Says:

    Die Sterne sind sogar länger belichet als der Komet, da konsequent auf sie und nicht ihn nachgeführt wurde – steht doch alles haarklein in den verlinkten Erläuterungen.

  3. Weihnachtsstern oder Apokalypse? @ gwup | die skeptiker Says:

    […] Dieser Ufo-Hoax ist längst aufgeklärt, nachzulesen hier. […]

  4. Ufo-Fan Says:

    Hallo. Habe die Informationen auf den websites http://hubblesite.org/hubble_discoveries/comet_ison/blogs/blog-exclusive-ison-in-space
    sowie
    http://hubblesite.org/hubble_discoveries/comet_ison/blogs/making-hubble-s-color-image-of-comet-ison
    gelesen. Es wird im Detail erklärt, wie das oben gezeigte Foto entstanden ist. Der Beschreibung zufolge wurde es aus fünf nacheinander aufgenommenen Belichtungen zusammengestellt, wobei die Sterne im Hintergrund als Fixpunkte exakt übereinander gelegt wurden. – Auf jedem Einzelfoto sieht ISON so aus, wie sich dass für Kometen gehört: ein heller Kopf mit einem Halo. Aufgrund der Eigenbewegungen des Kometen und des Hubble-Weltraumteleskops zeigte sich bei der Zusammenlegung der Einzelfotos, dass der Komet auf jedem relativ zu den Sternen an verschiedenen Stellen stand, woraus sich die aufregende „dreieckige“ Form ergibt. − Um Farbe in das Bild zu bringen, wurden dann noch eine blaue und eine rote Kopie erzeugt, die zusätzlich zum Endergebnis eingefügt wurden. – Soweit alles klar.

    Was ich jetzt nicht verstehe ist:
    1) Warum ergibt sich durch die Eigenbewegungen ISONs und des Teleskops eine solch eigenartige symmetrisch ausgeglichene „dreiteilige“ Form des Kometen? Zweifellos beschreibt ISON eine kerzengerade Flugbahn. So hätte sich bei der Zusammenlegung der einzelnen Fotos eigentlich eine genauso gerade, allenfalls unterbrochene Linie ergeben müssen, und NICHT das oben erkennbare Dreieck, dass so aussieht, als bestünde es aus drei in Formation fliegenden Teilen – wodurch die Fantasie der Ufo-Fans natürlich einen ganz gewaltigen Anschub bekommt.
    2) Wieso wurde dieses Endergebnis dann von der NASA überhaupt veröffentlicht? Dort sitzen Spezialisten, die ganz genau überlegen, was sie veröffentlichen wollen und was nicht, indem die Wirkung von Fotos auf die Öffentlichkeit im Voraus genau eingeschätzt wird.

    Es ist eigentlich offensichtlich, dass jemand bei der NASA den Ufo-Fans mal eine große Freude machen wollte. Das finde ich nicht widerlich, sondern einfach nur nett!

    Gruß! * euer UFO-Fan

  5. skyweek Says:

    Das „widerlich“ bezog sich natürlich nur auf die Reaktion der Verschwörungs-Futzies, die sich das Bild gegriffen haben und die offensichtliche Erklärung – die kuriose ‚Bahn‘ ISONs relativ zu den Sternen entsteht durch die Überlagerung von dessen Bahn im Raum und Hubbles hektischer um die Erde; die Aufnahmen überspannten etwa einen halben Orbit – einfach ignorieren. Warum die NASA das missratene Summenbild überhaupt veröffentlichte? Zu viel Vertrauen in die Vernunft des Publikums, würde ich sagen …

    NACHTRAG: Wie’s der Zufall will, ist eine weitere Illustration des Effekts just heute hier erschienen!

  6. Rohan D. Says:

    ISON scheint auffällig zu sein
    http://die2wahrheit.blog.de/2013/11/05/komet-ison-nasa-verschweigt-16750210/
    Eigenartige Fotos von ISON mit Begleitern.

  7. Brecht Says:

    Ehrenrettung für die Augsburger Allgemeine: Diese Zeitung hat die Verschwörungstheorie keineswegs blind übernommen, sondern sarkastisch kommentiert. Offenbar ist der „deutsche Humor“ nicht von jedem Leser richtig verstanden worden.

    Grüßle aus Augsburg

    • skyweek Says:

      Was Sie Humor nennen, nenne ich Hilflosigkeit: Die AA verlinkte einerseits zu den Spinnern und bemühte sich andererseits nicht im geringsten um Aufklärung – die angesichts der Verbreitung der ISON-Wahnideen (die ja wiederum Auslöser des unseligen Artikels war) aber journalistisch klar geboten worden wäre.

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