Ein Entfernungsrekord für eine Gravitationslinse

G-Linse

scheint zugleich ein Schlaglicht auf die Sternentstehungs-Geschichte des Universums zu werfen – denn die mit dem LBT in Arizona und Hubble aufgespürte Konstellation, eine Galaxie mit einer Rotverschiebung von ca. z=1.5 exakt vor einer anderen mit z=3.4, sollte eigentlich extrem unwahrscheilich sein. Bei J1000+0221 handelt es sich um die erste klassische („starke“) Gravitationslinse mit z>1 überhaupt: Das Schwerefeld der ‚Vordergrund‘-Galaxie (etwa 80 Mrd. Sonnenmassen) bildet das wesentlich masseärmere Hintergrundobjekt mit sehr grob 250 Mio. Sonnenmassen als nahezu perfekten ‚Einsteinring‘ ab und verstärkt gleichzeitig sein Licht um einen Faktor von etwa 40. Dadurch wird auch eine starke Emissionslinie von [O III] nachweisbar: Sie zeigt, dass es damals – Weltalter ca. 1.9 Mrd. Jahre – in dem Galaxienzwerg einen starken Schub der Sternentstehung gegeben haben muss. Dieselbe Hubble-Suche („CANDLES“) hatte bereits früher eine recht ähnliche Galaxie mit z=1.8 aufgespürt (Weltalter 3.6 Mrd. Jahre), ebenfalls stark gelinst – aber nach der bisherigen Vorstellung über die Häufigkeit solcher Galaxien hätte das ganze CANDLES-Programm auf nicht mal einen solchen Fall statt nunmehr schon zwei stoßen dürfen. Das könnte bedeuten, dass es bei der Entstehung jeder Galaxie zu einer spitzen Phase der Sternentstehung mit entsprechender Emission kommt: das Paper als Preprint, Pressemitteilungen von MPG und MPIA und Press Releases von LBT und HST. [NACHTRAG: noch ein Artikel]

supernovae

Der erste Vorgänger einer Typ-Ib-Supernova scheint mit Hilfe der intermediate Palomar Transient Factory (iPTF) dingfest gemacht worden zu sein: Rund jede dritte Explosion eines massereichen Sterns ist von diesem Typ, aber bislang ist unklar, was diese Vorgängersysteme auszeichnet. Für die SN iPTF13bvn von diesem Juni konnte auf älteren Hubble-Aufnahmen nun ein Kandidat in NGC 5806 ausgemacht werden – vielleicht ein Wolf-Rayet-Stern, ganz klar ist das noch nicht: das Paper als Preprint und Press Releases von Carnegie [NACHTRAG: und LCOGT] und Caltech (sowie eine andere darin erwähnte Arbeit zum Afterglow des GRB 130702A).

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Außergewöhnlicher ionisierter Nebel um einen Überriesen

So etwas wurde noch nie gesichtet: Der Rote Überriese W26 (Typ M2-5Ia) im massereichen Sternhaufen Westerlund 1 (unten eine neue Aufnahme mit dem VLT Survey Telescope, in der H-Alpha grün erscheint) wird von einem Ring und einem dreieckigen Nebel umgeben (oben ein Ausschnitt des VST-Bildes), mit einer filamentären Struktur (in der Mitte HST-Bilder in zwei Nah-IR-Kanälen). Was diesen Nebel überhaupt zum Leuchten anregt, ist herzlich unklar, da Rote Überriesen gar keine dafür nötigen UV-Photonen ausstrahlen – auch dass W26 mit rund 350’000 Sonnenleuchtkräften einer der hellsten (und mit 1500 Sonnendurchmessern einer der größten) Sterne der ganzen Milchstraße ist, hilft da nichts. Das Gas hat der nahe dem Ende seines kurzen Lebens schon instabile gewordene Stern wohl selbst abgesondert, aber angeregt wird es vielleicht von einem unbekannten Begleiter, einem Nachbarn oder sogar auch mechanischem Wege: die Originalarbeit als Preprint und ein R.A.S. Press Release.

jug

Und noch ein Nebel um einen Riesenstern, diesmal IC 2220 alias „Toby Jug Nebula“: Diesmal ist es allerdings ein Reflexions- und kein Emissionsnebel, den der Stern HD 65750 darin beleuchtet – und die Staubteilchen hat er auch selbst produziert. Eine kurze Phase im Leben massereicher Sterne, weshalb es nicht viele solche Fälle gibt.

ngc1433alma

ALMA: Eine Spirale aus Kohlenmonoxid rotiert in NGC 1433

Erst das neue Radiointerferometer in Chile hat es mit 1/2 Bogensekunde Auflösung möglich gemacht, die CO-Verteilung und -Dynamik in der Seyfert-2-Galaxie NGC 1433 im Detail zu kartieren: Das Gas folgt der Verteilung von Staub auf Bildern des HST, die Spirale mündet in einer Art Ring um das aktive Zentrum der Galaxis. Zusätzlich sieht man in den Radiodaten aber auch rot- und blauverschobene Komponenten des Kohlenmonoxids: Hinweise auf einem Ausfluss, den Sternentstehung aber auch der Aktive Kern verursachen könnten. Ebenfalls mit ALMA – und unterstützt durch eine wohlplatzierte Gravitationslinse – konnte auch der Jet des viel weiter entfernten Blazars PKS1830-211 (z=2.5) untersucht werden: Die ungewöhnliche Geometrie dieses Linsensystems verspricht Erkenntnisse über den ‚Start‘-Prozess solcher Jets. Und sogar über Kosmologisches wie die Konstanz der Naturkonstanten: Preprints zu NGC 1433 und PKS1830-211 und ein ESO Press Release.

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