Archive for Dezember 2013

Allgemeines Live-Blog vom 27. bis 31. Dezember

27. Dezember 2013

31. Dezember

chang_e3_FI_opening

Hier stehen Chang’e-3 und Yutu auf dem Mond und werfen Schatten, auf einer Aufnahme der Telekamera des LRO vom 25. Dezember, kurz bevor an der Landestelle die Sonne unterging: Artikel auch hier, hier und hier sowie die Chemie der Landestelle – und ein weiterer TV-News-Clip mit bisher noch nicht gezeigten gegenseitigen Aufnahmen von Chang’e-3 und Yutu aus anderen Winkeln. Auch ein umfangreicher Jahresrückblick zur weltweiten Weltraumforschung, Teile eins, zwei und drei, sowie ein kurzer, ein Statement von UrtheCast zur Kamera-Pleite (die ISS war an allem schuld) – und der Erstflug einer neuen Soyuz-Variante: auch viele Details, Artikel hier, hier und hier und mehr Links. [4:15 MEZ] Erste Ergebnisse des APXS von der Chang’e-3-Mission – und wo SOFIA 2013 überall war. [23:30 MEZ – Ende]


30. Dezember

Das war der Merkur-Transit vom 12. Dezember 2013 – den freilich nur STEREO-A gesehen hat. Auch ein angeblicher Nachweis der ISON-Wolke gestern, an dem aber schon einige Zweifel aufgekommen sind (man wird wohl bis Mitte Januar warten müssen), ein missverstandenes SDO-Bild definitiv ohne ISON – und ein Lovejoy von heute. [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: und noch und noch einer – während der Status der ISON(?)-Wolke völlig unklar bleibt, bis es weitere Bilder gibt, denn eine mögliche Verwechslung mit Hagenschen Wolken kann nicht direkt überprüft werden]


29. Dezember

venus1229sw

Die Venus ist bereits zu einer schmalen Sichel geschrumpft, wie diese Aufnahme des Bloggers mit einfacher Technik (Bridgekamera mit maximalem Zoom, 1/500 Sekunde bei Blende 5.6 und ISO 100, eine andere Aufnahme) von heute oder eine aufwändiger entstandene zeigen: Ephemeriden hier und hier, untere Konjunktion ist am 11. Januar. Auch Komet Lovejoy heute (mehr und mehr) – und eine Diskussion der ungewöhnlich vielen Amateur-Entdeckungen von Kometen 2013: 22% der Entdeckungen – 14 Stück – fallen in diese Kategorie. [21:35 MEZ. NACHTRAG: nochmal die Venus, aber jetzt im kosmischen Kontext … NACHTRAG 2: die Venus-Sichel mit einem Flugzeug (dito) und ganz groß – und ein Aufruf zum Beobachten der Venus-Oberfläche jetzt im NIR]

Eine weitere Feuerkugel mit -10 bis -20 mag. über den USA

hat es in der Nacht 27./28. Dezember gegeben, zwar nicht so hell wie die von der Nacht davor (s.u.), dafür aber verbunden mit Schallwahrnehmungen. Meteoriten wurden noch von keinem der beiden Boliden gefunden, aber der erste wurde immerhin in Wetter-Radar verfolgt, was früher schon mal zu Funden führte. Vom zweiten gibt’s dagegen noch nicht mal Videos. [21:25 MEZ. NACHTRAG: Der erste sorgt weiter für Schlagzeilen – und ist gute Werbung für die AMS, die Berichte sammelt und auswertet]

skylab

Heute vor 40 Jahren wurde Komet Kohoutek so auf der Raumstation Skylab gesehen, einen Tag nach dem Perihel: In diese Skizze eines Astronauten – hier invertiert gezeigt – gingen Wahrnehmungen der gesamten Besatzung ein. Später setzte ein Künstler diese und weitere Skizzen des Kometen in dieses Panel um, aus dem heute NASA und NASM den entsprechenden Ausschnitt zeigten – beide mit falscher Beschriftung, wie auch schon im NASM-Archiv. Dort finden sich auch weitere originale Skylab-Skizzen von vor dem Perihel aus der Erinnerung, vom 30.12. und 31.12. 1973 und 1.1. und 6.1. 1974, zum Teil ebenfalls falsch beschriftet, insbes. auch bei den Umzeichungen vom 18.12., 30.12., 31.12. und 1.1. – als ob die Astronauten schwarze Pappe und Pastellkreide zur Station gebracht hätten … [20:25 MEZ]

Der extrem enge Phobos-Vorbeiflug hat gut funktioniert

Jedenfalls wurde ein kleiner Effekt durch die Schwerkraft des Marsmondes auf die Bahn des Mars Express registriert, aus der man – in wochenlanger Auswertung – mehr über das Innenleben des Phobos lernen können sollte; frühere Updates hier und hier. [13:55 MEZ] Und dem Mars Express geht’s gut. [19:55 MEZ]


28. Dezember

Ein ganz gutes Video der Feuerkugel über Iowa letzte Nacht (s.u.) ist aufgetaucht – schwarzweiß und mit geringer Auflösung, aber die komplizierte Lichtkurve mit vielen Ausbrüchen ist gut dokumentiert. Auch Komet Lovejoy gestern (mehr und mehr), vorgestern (mehr und mehr) und am 24.12. sowie die rosa und auch wieder heller gewordene Nova Cen 2013. [0:50 MEZ] Lovejoy heute im Negativ. [11:45 MEZ] Das Ganze jetzt noch in bunt, ein weiteres Bild im Positiv und eine weitwinkligere Ansicht – und auch eine schöne Sichel der Venus. [18:55 MEZ]

Installation der Kameras auf der ISS ein glatter Fehlschlag!

Die Verkabelung der beiden kommerziellen TV-Kameras, die die beiden Kosmonauten gestern außen auf der ISS installierten (s.u.), hat einfach nicht klappen wollen – da haben sie sie wieder abgebaut und in die Station zurück gebracht! Die ganze EVA dauerte dadurch über 8 Stunden, da auch noch ein altes Experiment entfernt und ein neues montiert wurde; weitere Aufgaben dieser Art blieben trotzdem unerledigt. [0:45 MEZ. NACHTRÄGE: mehr Artikel hier, hier, hier, hier und hier, ein konfuser TV-Clip aus China und mehr und frühere ISS-Links]


27. Dezember

spektr-rg

Russischer Astro-Satellit startet frühestens 2015 – weil ein Teleskop aus Deutschland Ärger macht: Wie jetzt in Russland bestätigt wurde, verspätet sich der Start des großen Spektr-RG auf 2015, weil am deutschen Teleskop eROSITA erheblich nachgebessert werden muss (Details waren auf die Schnelle vom MPE nicht zu erfahren). Auch ein Starttermin für den Satelliten GPM, das Global Precipitation Measurement Core Observatory von NASA und JAXA, die erste Schlafphase von Yutu & Chang’e-3 (mehr und mehr Links), der bevorstehende enge Phobos-Vorbeiflug des Mars Express und die Rad-Probleme von Curiosity. [18:35 MEZ. NACHTRÄGE: mehr zum Yutu-Schlaf und die Timeline für Phobos]

urthe

Extra-scharfe Video-Kamera außen auf der ISS installiert

Während einer noch laufenden russischen EVA an der ISS haben die Kosmonauten gerade eine Kamera von „UrtheCast“ installiert, die live kommerzielle hochauflösende Videobilder der Erde liefern soll; neben dieser hochauflösenden Kamera wird auch noch eine mit mittlerer Auflösung auf Zvezda montiert. [15:25 MEZ] Der Deckel der High Resolution Camera wäre schon mal auf, während an der MRC noch gefummelt wird. Und wofür die Kameras gut sind. [16:45 MEZ] Bei der EVA sind beide Kameras installiert, aber die Verkabelung der 2. dauert noch. [17:15 MEZ]

fireball

Eine beachtliche Feuerkugel über den USA wurde letzte Nacht gegen 0:50 MEZ – also gestern am frühen Abend Ortszeit – von zahlreichen Beobachtern wahrgenommen: Allein die Datenbank der AMS enthält bereits fast 500 Meldungen, mit geschätzten Helligkeiten des Boliden meist zwischen -10 und -25 mag. [12:55 MEZ. NACHTRAG: eine erste Rekonstruktion der Flugbahn]

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Es geschah vor 65 Jahren: Mysterium um die Luft-Aufnahmen des letzten „Finsterniskometen“

26. Dezember 2013

Wie dieses Jahr, so war auch 65 Jahre zuvor Anfang November eine kurze Totale Sonnenfinsternis über Ostafrika zu sehen – aber viel berühmter wurde der Komet 1948 V1, der während der Totalität am 1.11.1948 in nur 2° Abstand und etwa -2 mag. hell neben der Korona erschien: Weil ihn dabei viele gleichzeitig entdeckten, wurde er einfach „Eclipse Comet“ getauft, das letzte Mal übrigens, dass ein Komet keinen richtigen Namen nach Entdeckern oder Sternwarten etc. erhalten hat. Und 1948 V1 (damals noch als 1948 l und später 1948 XI katalogisiert) blieb auch der letzte Komet, der zum ersten Mal während einer Sonnenfinsternis gesichtet wurde – doch wie steht es um Fotos, die Korona & Komet zusammen zeigen? Gary Kronk schreibt in seiner epochalen Cometography 4 311 dass „numerous photographs of the eclipse were taken, which, despite the short exposures, plainly showed the comet.“

Da verwundert es schon, dass eine Google-Suche nach nämlichen Fotos nicht ein einziges zutage fördert, und auch energisches Forschen in der Literatur nur eine einzige angebliche Aufnahme in einem tschechischen Paper von 1999. Die Bildunterschrift dort behauptet, das Bild habe R. d’E. Atkinson in Nairobi gemacht, während wiederum bei Kronk zu lesen ist: „Some of the best photographs were taken by a team of astronomers from the Royal Observatory (Greenwich, England) that had set up in Mombasa (Kenya)“ – wo die Finsternis aber überhaupt nicht total war! Die nämliche britische Expedition unter Leitung von des Astronomen Robert d’Escourt Atkinson war tatsächlich gezielt in Mombasa deutlich außerhalb der Umbra geblieben, um die umschwenkende Sonnensichel mit Filmkameras aufzunehmen, was zur verbesserten Bahnbestimmung des Mondes dienen sollte, wie einem Vorbericht in Sky & Telescope VIII (December 1948) 38, einem riesigen Paper zu den Ergebnissen – Teile eins, zwei und drei – sowie diesem langen Interview zu entnehmen ist!

Atkinson beschrieb sein kenianisches Abenteuer, das auch die Begegnung mit 16 Löwen gleichzeitig umfasste, bereits am 24. November 1948 auf einem Ordinary General Meeting der British Astronomical Association, dessen Protokoll im Journal of the BAA 59 #2 (January 1949) 57 zu finden ist: Er war „conscious of a great sense of self-denial, in that although he had travelled about 10,000 miles he had deliberately gone where he would just fail to see the total phase of the eclipse“ – und den Kometen natürlich auch, denn er erlebte nur eine 98%ige Sonnenfinsternis. Es irren also Kronk wie der Tscheche wie auch P. Poitevin, bei dem Atkinson den Kometen ebenfalls in Nairobi fotografierte, wobei sein „picture can be seen in many publications“. Aber auch davon kann nach dem Stand der Recherche keine Rede sein: Zwar gibt es viele Fotos des ‚Finsterniskometen‘, der zu den hellsten des 20. Jh. zählte, z.B. in Sky & Telescope 68 #4 (October 1984) 378, aber sie entstanden alle in den Wochen nach der SoFi.

Wie Atkinson zu dem unverdienten Ruf des SoFi-Kometen-Fotografen gekommen ist, lässt sich jedoch leicht nachvollziehen: Er war der erste, der tatsächlich Fotos von Sonne und Komet ausmaß! Und wie er an diese kam, beschrieb er auf dem BAA-Meeting und ist auch in aktuellen Comet Notes in The Observatory sowie Sky & Telescope VIII (January 1949) 59 zu finden: SoFi & Komet waren aus einem Flugzeug der Royal Air Force – Kenia war damals und noch für 15 Jahre britische Kolonie – heraus fotografiert worden, aus 13’000 Fuss Höhe, mit 200 mm Brennweite, Blende 5.6 und 1/300 Sekunde Belichtungszeit. Drei solche Negative konnte Atkinson ausmessen und Abstand und Position des Kometen relativ zur Sonne bestimmen, was bei der frühen Bahnbestimmung half, und zum Meeting nach London hatte er offenbar auch Abzüge mitgebracht – doch dann verliert sich die Spur der Bilder.

Aber wie war Atkinson überhaupt an die Negative gekommen? Auch das erzählte er in London: Zunächst hatte er von der Kometenentdeckung während der Finsternis nur aus der Presse erfahren und es nicht geglaubt, dann aber in Nairobi bei einem britischen Amateurastronomen gewohnt – und der hatte ihn mit den SoFi/Kometen-Beobachtern aus der Luft zusammen gebracht! Der Komet war auf vier Negativen der nicht nur in diesem Bericht namenlosen „R.A.F. officers“ zu erkennen, und Position und Schweif stimmten mit den visuellen Berichten anderer überein. Drei Bilder waren kurz belichtet und wie erwähnt astrometrisch leidlich auszuwerten (Atkinson klagte vor der BAA, die technischen Daten der Kamera nur ungenügend zu kennen), das vierte mit einer anderen (Hand-)Kamera länger belichtet worden und zeigte mehr Schweif – ist dies womöglich das in dem tschechischen Paper 51 Jahre später reproduzierte? Und wieso und in wessen Auftrag war die SoFi überhaupt aus der Luft beobachtet worden?

Der von Atkinson besuchte Amateurastronom und seine Wahlheimat Nairobi könnten der Schlüssel zu der ganzen Geschichte sein. Der Mann hieß Herbert Kay „Pop“ Binks und muss nach allen auffindbaren Quellen eine bemerkenswerte Persönlichkeit gewesen sein: unter anderem Profi-Fotograf mit speziellem Interesse an Luftbild-Aufnahmen und Astronomie, der auch gerne astronomischen Expeditionen half (eine Anekdote auf S. 293). Und in einem Vorort von Nairobi befand sich mit der R.A.F.-Basis Eastleigh – heute Moi Air Base – die Zentrale der gesamten britischen Militärluftfahrt für Ostafrika. Die sich, wie einer kenianischen Chronik zu entnehmen ist, in jenen relativ friedlichen Jahren vor allem mit intensiver fotografischer Kartierung Afrikas aus der Luft beschäftigte! Flugzeuge mit passenden Kameras gab es also und viel Erfahrung – und nebenan in Nairobi einen Experten für Luftbildfotografie, der Kontakte zur R.A.F. pflegte und gleichzeitig Astrofan war.

So weit die mit vertretbarem Aufwand im Internet recherchierbaren Fakten (mit dankenswerter Unterstützung durch Sheridan Williams, Randall Rosenfeld, Mike Frost, Jay Pasachoff und Rick Fienberg). Und nun eine kühne Spekulation: Könnte es sein, dass Binks einige Piloten-Freunde in Eastleigh dazu anstiftete, bei einem Luftbildflug „zufällig“ nach oben in Richtung dunkle Sonne zu fotografieren? Und dass diese dann nicht namentlich genannt werden wollten, weil sie auf gar keiner offiziellen Mission gewesen waren (auch wenn Atkinson einen der Beteiligten als Air Commodore bezeichnet, ein mittlerer Dienstrang)? Leider starben Binks – der wenig Astronomisches publiziert zu haben scheint – 1971 und Atkinson (von den über den Finsterniskometen bis auf die Astrometrie nichts zu finden war) 1982, wobei sein wissenschaftlicher Nachlass in Indiana blieb, wohin er 1964 gegangen war: Die Suche nach den Hintergründen des Finsternisfluges und die Jagd nach den Negativen, guten Abzügen oder wenigstens ordentlichen Reproduktionen mit klarer Provenienz geht weiter …

NACHTRAG: Dieser Artikel über Finsterniskometen machte noch auf einen Bericht über ein Referat Atkinsons bereits am 12. November auf einem Meeting der Royal Astronomical Society (Seiten 220-221) aufmerksam: Dort zeigte er mindestens zwei Dias von Bildern aus dem R.A.F.-Flieger. Eins war die Reproduktion eines freihändigen und lang belichteten, das deutlich den Schweif zeigt, ein anderes stammt von einer von mehreren kurz belichteten mit längerer Brennweite und besserer Schärfe, die Atkinson als „offiziell“ (in Anführungszeichen) tituliert. Sie wurden mit Blende 5.6 und 1/300 Sekunde Belichtungszeit innerhalb und auch außerhalb der Totalität aufgenommen und zeigen den Kometenkopf – offenbar heller als die Venus – noch 5 bis 10 Sekunden nach dem 3. Kontakt. Es waren drei dieser Negative gewesen, die ihm der auch nicht namentlich genannte Air Commodore zur astrometrischen Auswertung überlassen hatte.

sofi1948

NACHTRAG 2: Während eines Besuches in der VSW Urania in Hove in Belgien hatte dieser Blogger im Mai 2015 endlich Gelegenheit, in der dortigen Bibliothek einem der letzten noch nicht überprüften Literaturzitate nach zu gehen. Und siehe da: In Beekman, Kometen als Prooi van de Zon (Kometen als Beute der Sonne), Zenit 10 [Mai 1983] 192-7, findet sich auf Seite 194 doch tatsächlich diese bessere Reproduktion des Bildes aus dem tschechischen Paper! Das konnte dem Vortrag des Autors zum nämlichen Thema als Opener des 10. Duisteren Dags daselbst gerade noch hinzu gefügt werden. Auch in der niederländischen Zeitschrift hat das Bild eine unmögliche BU (als Aufnahme von Atkinson in Nairobi) und wird im Artikel selbst gar nicht angesprochen: In dem geht es um Sungrazer, zu denen der Eclipse Comet aber gar nicht gehörte. Doch das Bild hat die bisher nicht aufgetauchte Quellenangabe Royal Greenwich Observatory, die womöglich weiter weist: Kann es sein, dass die Negative oder gute Kopien heute im Archiv der Royal Museums Greenwich gelandet sind, dem die Sternwarte später zufiel? Auf einer Kometentagung in Leipzig im Juni 2014 war jedenfalls nach Halten desselben Vortrags sogleich mit einer dort ebenfalls vorgestellten Software der Anblick des Schweifs während der SoFi simuliert worden: Alles passt – in dessen besserer Fassung erst recht – zu dem Foto, bei dem es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die eine lang belichtete Aufnahme aus dem RAF-Flugzeug handelt!

Allgemeines Live-Blog vom 23. bis 25. Dezember

23. Dezember 2013

25. Dezember

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Und noch mal Lovejoy von gestern, nun in Farbe, in einer weiteren Verarbeitung der Michael-Jäger-Bilder – und von heute eine Detail- und eine Weitwinkel-Aufnahme. Auch die Entdeckungen von 2013 YC, vermutlich ein inzwischen inaktiver Komet, dessen sonnennahes Perihel Anfang November offenbar niemand mitbekam (und der mikroskopische Impakt-Chancen in ferner Zukunft hat), und von 2013 YB, einem wenige Meter großen Asteroidchen, das immerhin weit vorne in der Tabelle der geringen Abstände von der Erde gelandet ist und ebenfalls minimalste Impaktchancen hat – die ihn in eine harmlose Feuerkugel verwandeln würden. Plus ein schönes Spektrum der Nova Cen 2013. [17:45 MEZ] Und noch ein langschwänziger Lovejoy von heute. [19:30 MEZ] Ein Peach-Jupiter von 2010 sieht von ihm neu verarbeitet so aus – mehr Detail sichtbar gemacht oder schon Artefakte produziert …? Und etliche aktuelle Jupiters, zurückhaltender prozessiert. [21:55 MEZ – Ende]


24. Dezember

phobos

Ein top-aktuelles Bild des Marsmonds Phobos mit 6 Metern pro Pixel: vorgestern vom Mars Express aus 500 km Entfernung aufgenommen und heute übertragen. Auch die erste Delta-DOR-Peilung von Indiens MOM auf dem Weg zum Mars, Chang’e-3 und Yutu vor der ersten Schlaf-Phase in der Nacht sowie erste IR-Messungen, neue Ansichten vom Saturn und seinen Monden von Cassini, des Satelliten Gaia mit dem 2-m-Teleskop in Tautenburg und der Edge-On-Galaxie ESO 373-8 von Hubble, Tests mit dem Orbiting Carbon Observatory (OCO)-2 – und wie man als Fan den Reentry von GOCE berechnen konnte. [21:40 MEZ. NACHTRAG: wohin Yutu fahren könnte, wenn die Mondnacht wieder vorbei ist]

pump

Die Reparatur des ISS-Kühlsystems ist gelungen und eine 3. EVA damit unnötig geworden: Hier gelingt den Spacewalkern heute gerade die Installation einer Ersatz-NH3-Pumpe, während die kaputte (in der lediglich ein Ventil streikt) rechts zu sehen ist – weitere Berichte zur nicht ganz unproblematischen 7-1/2-Stunden-Operation hier, hier, hier, hier und hier. [21:05 MEZ. NACHTRÄGE: weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, mehr Links und die nächste – reguläre – EVA schon am 27.12.]

iyol

UN-Vollversammlung ruft das „Jahr des Lichts“ 2015 aus

Die schon lange laufende Initiative („‚International Year of Light‘ 2015 macht Fortschritte“) hat am 20. Dezember ihr Ziel erreicht: Die VV der UN hat tatsächlich 2015 zum „International Year of Light and Light-based Technologies“ oder ILY 2015 erklärt, eine „global initiative highlighting to the citizens of the world the importance of light and light-based technologies in their lives, for their futures, and for the development of society.“ Wie der Projekt-Seite zu entnehmen ist, soll es Anfang 2014 eine richtige Homepage geben: Dann wird man auch sehen können, eine wie große Rolle die Astronomie im Gesamtbild spielen kann. Elementar betroffen ist sie auf jeden Fall, als wichtiger Nutznießer von photonischer Technologie (fast sämtliche Information über den Kosmos trifft schließlich über Photonen ein, die gefangen werden wollen) ebenso wie als Opfer von zuviel Licht. In diesem Zusammenhang höchst erfreulich, dass in den Press Releases der European Physical Society und der International Society for Optics and Photonics zum IYL 2015 explizit auf das Problem der Lichtverschmutzung hingewiesen wird und dass es Aufgabe gerade auch der Licht-Macher ist, dagegen vorzugehen. Auch sind zwei der explizit als Motivation genannten Jahrestage 2015, 100 Jahre Allgemeine Relativitätstheorie und 50 Jahre Entdeckung der Kosmischen Hintergrundstrahlung, astronomischer Natur. Kann das IYL 2015 damit auch zu einer Fortsetzung des IYA 2009 werden? Schwer zu sagen, aber die EPS spricht bereits vage von „exciting activities throughout 2015“ und z.T. auch schon 2014. [20:30 MEZ]

love1224

Komet Lovejoy heute Morgen, von Michael Jäger aus dem Mondschein gefischt (sowie gestern von Damian Peach) – und C/2012 X1 (LINEAR) hat nun auch einen Plasmaschweif mit Strukturen. Plus eine Prognose des Anblicks der ISON-Reste von der Seite im Januar, ausgiebige Gedanken eines Hubble-Heritage’lers zum Kometen, ein Paper über den Vorgänger der Nova Delphini 2013 – und die französischen Pyrenäen sind Dark Sky Reserve geworden, das zweitgrößte der Welt. [20:05 MEZ]


23. Dezember

change13

Yutu mal in einen anderen Winkel gedreht gab es heute vom Mond zu sehen: Updates hier und hier. Auch ein kühner Press Release zur ersten Volkssternwarte auf dem Mond (wobei der Status des Moon Express herzlich unklar bleibt), Experimente mit Laser-Datenübertragung zum Mond & zurück mit LADEE, der bevorstehende engste Phobos-Vorbeiflug des Mars Express – in nur 45 km Abstand zu schnell für pretty pictures, es geht nur um’s Schwerefeld – und Vorbereitungen für die 2. Reparatur-EVA auf der ISS am 24.12., die 3. braucht’s wohl nicht. [23:20 MEZ]

love1214

Ein phänomenaler Komet Lovejoy vom 14. Dezember neben Messier 13, den Michael Jäger aus Bildern zweier Optiken erstellt hat, auch in Schwarzweiß. Dazu neuere Lovejoys vom 21.12. und 20.12., die PBS– und National Geographic-Versionen einer ISON-Doku, ein Schlager über Kohoutek (auch Stücke von Kraftwerk, Sun Ra und noch mehr), eine Feuerkugel über Ostdeutschland am 21. Dezember – und ein Ganymed mit viel Detail und Schattenwurf am 20. Dezember. [0:00 MEZ] Ein Bericht über eine ISON-Lovejoy-Expedition nach Marokko. [17:15 MEZ] Die NLCs sind wieder da! Allerdings nur über der Antarktis. [22:55 MEZ]

change12

Das erste richtige Foto Chang’e-3s vom Mond und Yutu

ist gestern endlich veröffentlicht worden (Anklicken gibt mehr Mond), auch ein Bild Chang’e-3s von Yutu – alles bisher waren nur abfotografierte Projektionen oder Standbilder aus den TV-Nachrichten gewesen. Dazu Analysen hier und hier und Artikel hier, hier und hier sowie über den anspruchsvoller gewordenen indischen Sonnensatelliten Aditya-1. Plus eine geplante gemeinsame Konzeptphase für zwei aufwändige Venus-Missionen in den 2020-er Jahren, von denen in Russland wie den USA geträumt wird – und tiefschürfende Gedanken zur Mars-Habitabilität und organischem Kohlenstoff vom Curiosity-Chef. [0:00 MEZ]

Weitere größere Artikel

22. Dezember 2013

Blitz auf dem Mond – neuer 18m-Krater entdeckt vom LRO.

Milchstraße besitzt doch vier Arme, zeigt Verteilung massereicher Jungsterne.

Jupitermond Europa: Hinweise auf Wasserfontänen bis in 200 km Höhe.

Drei Jahrzehnte deutsche Kometenforschung live auf der Bühne in Aachen.

Kleinere Artikel

Komet ISON: keine Überreste am irdischen Himmel.

Aufruf: den Satelliten Gaia am Himmel fotografieren!

GHOSTS I: eine besonders einsame Zwerggalaxie in der Lokalen Gruppe.

Exoplanet indirekt voraus gesagt – und tatsächlich gefunden: RV bestätigt TTV.

Lichtverschmutzung und Stromverbrauch passen nicht zusammen: Satellitenbilder vs. spanische Statistiken.

Allgemeines und Gaia-Live-Blog vom 19.-21. Dez.

19. Dezember 2013

21. Dezember

hh

Mehrere Herbig-Haro-Objekte um junge Sterne sind auf dieser Hubble-Aufnahme zu sehen: HH 161 und 164 um V633 Cas in der Mitte und HH 162 bei V376 Cas links. Auch eine NASA Astrophysics Roadmap für die nächsten 30 Jahre (mehr und mehr), ein 10-Minuten-Video über die NASA 2013, die überraschende Abnutzung der Räder von Curiosity (mehr [NACHTRAG: und mehr Links]), eine Atlas V für InSight (mehr) und mögliche zweite Mars-Mission Indiens samt Lander, Erkenntnisse der Van Allen Probes, Jubel in Bolivien über einen Satellitenstart in China – und die erste ISS-EVA kommt gut voran: Updates hier, hier und hier. [17:05 MEZ – Ende. NACHTRAG: Die nächste EVA ist erst am 24. 12.; Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]


20. Dezember

change11

Endlich neue Bilder von Chang’e-3 von der Mondoberfläche

sind in China aufgetaucht (wenn auch nur in einem TV-Beitrag in geringer Auflösung): ein Panorama des Landers, das auch den nach mehrtägiger Mittagspause etwas weiter gefahrenen Rover zeigt – über dessen politische Bedeutung man sich im Ausland tiefschürfende Gedanken macht. [22:45 MEZ] Der NASA-Orbiter LADEE hat nicht die geringsten Effekte von Chang’e-3s Ankunft am Mond registriert: Ergo „exhaust products from a large robotic lander do not overwhelm the native lunar exosphere.“ [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: alles Obige nochmal zusammen gefasst, ein Artikel zum Panorama (und noch mehr Artikel zu Chang’e-3), eine Rekonstruktion des Panoramas (alt.) aus den Video-Bildern, ein weiterer Versuch, neue Visuals aus China hier, hier und hier – und ein neues Video mit mehr Rover-Action bei 0:50-1:05]

Hier zieht Gaia über den Himmel, 16 Stunden nach dem Start in England gefilmt – und in Russland fotografiert und astrometriert. Auch Radarechos und Bilder des NEA 2013 XH22, Komet Lovejoy am 18.12. und besonders langschwänzig am 13.12. und 12.12., der Verbleib von ISON, den das Arecibo-Radar auch nicht findet, Veränderungen auf dem Jupiter – und die ISS vor dem Mond und gleich nochmal. [11:10 MEZ] Eine ganze Serie russischer Gaia-Bilder und noch viele weitere Erfolge, während sich Gaia korrekt im Raum gedreht hat (und immer falsch erklärt wird). Und Hubble keine kompakten ISON-Reste fand, bis 25. Größe hinab. [22:25 MEZ ]

Was Chang’e-2 über den Asteroiden Toutatis heraus fand

Genau ein Jahr nach dem engen Vorbeiflug des ehemaligen chinesischen Mondorbiters an (4179) Toutatis ist ein detailliertes Paper über die Ergebnisse erschienen, in Englisch, in einem Ableger von Nature und Open-Access: Danach kam die Sonde bis auf 770±120 Meter („Chang’e-2 kam extrem nahe …“) an die Oberfläche des 4.8 x 2.0 km großen Brockens heran, schaffte Bilder bis 3 m Auflösung und enthüllte den NEA als Rubble-pile und mutmaßlichen Contact binary. Auch eine PK nach Chang’e-3s Landung auf dem Mond, mehr Artikel hier, hier = hier und hier und ein kurioser Missgriff (mehr und mehr), Probleme mit Opportunity wegen Odyssey, mehr Social Media bei der ISRO, der 50. Geburtstag des Deep Space Network (mehr), Forschritte bei den Erdbeobachtern von Planet Labs (mehr, mehr und mehr Links) und Vorschauen auf die ISS-EVAs ab Morgen hier und hier. [10:45 MEZ]


19. Dezember

wise_again

Der Satellit WISE liefert wieder Infrarot-Bilder des Himmels, nachdem seine Wiederinbetriebnahme gut voran gekommen ist: Hier zeichnet sich prompt ein Asteroid – (872) Holda – als Kette von Punkten ab. Nunmehr NEOWISE genannt (wie bereits die zweite Missionsphase von WISE) soll er bald auf die Jagd nach v.a. erdnahen Kleinplaneten gehen. [21:45 MEZ]

Der Trailer für eine europaweite Planetariums-Show zu Gaia – in Deutsch wird sie „Milliarden Sonnen – eine Reise durch die Galaxis“ heißen – ist pünktlich zu Gaias Start fertig geworden: Die Premieren sind Mitte Januar. [21:35 MEZ]

gaia_still

Das beste Standbild vom Gaia-Start bisher – und dessen Highlights im Zusammenschnitt sowie parallele Impressionen vom ESOC und aus Barcelona. [18:25 MEZ] Gaia „funktioniert wie erwartet“, heißt es gerade; auch die komplette Übertragung des Starts und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [20:35 MEZ. NACHTRÄGE: ein alternatives Startvideo, Berichte aus ESOC und ESTEC, ein STFC Release und noch viel mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Astrometriesatellit Gaia auf dem Weg zum Lagrangepunkt

Der Start des neuen ESA-Astronomiesatelliten hat tadellos geklappt: 42 Minuten nach dem Abheben trennte sich Gaia von der Fregat-Oberstufe, die zweimal gebrannt und den Satelliten auf die Transferbahn zum L2-Punkt gebracht hatte, und 88 Minuten nach dem Start war auch der für die Temperaturregelung wichtige Sonnenschild ausgefahren. In knapp 3 Wochen soll die endgültige Position Gaias erreicht sein. [14:55 MEZ] Auch eine PM des DLR und Artikel hier, hier, hier und hier. [15:25 MEZ] Press Releases von Arianespace (mehr) und UKSA, die erste AOS, Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links. [16:30 MEZ]

gaia_go

Und die Soyuz mit Gaia ist unterwegs! Der Moment des Abhebens (t-0:00); auch die Abtrennung der vier Booster war vom Boden aus gut zu verfolgen. [10:15 MEZ] Jetzt in der Coast-Phase nach dem 1. Fregat-Burn; weitere Screenshots vom Start bei t + 0:01, 0:02, 0:03, 0:20, 0:27, 0:42, 1:25, 2:03, 3:20, 3:35 und 3:45. [10:30 MEZ] Ein echtes Foto des Starts von einer Gaia-Ingenieurin! Und noch eins und noch eins. [10:35 MEZ]

Noch genau 10 Stunden bis zur 1. Startmöglichkeit für Gaia

Und aus himmelsmechanischen Gründen ist das Startfenster für den Astrometrie-Satelliten („Noch anderthalb Tage …“) um 10:12:19 MEZ instantan, d.h. wird es verpasst, geht es erst am nächsten Tag wieder: ESA, Arianespace und Univ. Leicester Releases, jede Menge ESA-Artikel in Deutsch, ein Video über die letzten Tage, Start-Timelines hier und hier, mehr Links, der Live-Stream, laufende Updates hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [0:15 MEZ] Die Soyuz mit Gaia wird betanktalles auf grün weiterhin. Und ein US-Astronom sagt, dass Gaia wichtiger als das JWST sei … [8:10 MEZ] Der ESA-Webcast beginnt verspätet, vermutlich kurz vor 10:00 MEZ. Und bei Arianespace gibt’s auch was. [9:55 MEZ]

Der Mondblitz 4. Größe schlug 18-Meter-Krater!

17. Dezember 2013

Die Vorhersage nach dem Ereignis („Ein 4 mag. heller 1 Sek. langer Impakt-Blitz auf dem Mond“) am 17. März hat perfekt gesessen: Jetzt hat der Lunar Reconnaissance Orbiter an der Stelle des bisher hellsten gefilmten Impaktblitzes auf dem Mond tatsächlich einen frischen 18 Meter großen Krater gefunden – mit 20 Metern war gerechnet worden. Hoffentlich kracht es in den nächsten Monaten ein weiters Mal – denn der Orbiter LADEE misst bereits den Mondstaub im niedrigen Orbit: Immer wieder geht es durch dichtere Wolken, vermutlich von frischen Impakten erzeugt. Zu diesem Thema gibt’s auch die Aufzeichnung eines Webinars zu LADEE und den Mondimpakten.

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Die schönsten Lovejoy-Schweife der letzten sieben Tage

Nur Hardcore-Astrofotografen trotzen dem aktuellen Vollmond und liefern weiter spektakuläre Aufnahmen des über 11° langen Plasmaschweifs des Kometen Lovejoy, was in den Morgenstunden der Tage davor noch einfacher war: Bilder vom 17. Dezember, 16. Dezember (mehr, mehr und mehr), 15. Dezember, 14. Dezember (mehr und mehr), 13. Dezember (mehr und das Bild von Michael Jäger oben), 12. Dezember und 11. Dezember. Plus noch ein Artikel über den Lovejoy-Flug, ein weiterer ISON-Nachruf, ein eher zurückhaltendes Geminiden-Komposit, der Jupiter am 10.12. und die Helligkeit der Nova Cen 2013 im steilen Fall.

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Das Advanced Technology Solar Telescope hat einen neuen Namen: Das bis voraussichtlich 2019 auf dem Haleakalâ auf Maui entstehende 4-m-Instrument heißt nun „Daniel K. Inouye Solar Telescope“, um das Interesse des verstorbenen Senators an Astronomie zu würdigen. Auch 14 Mio. Euro für das „Event Horizon Telescope“ (mehr, mehr und mehr), mit dem Sgr A* schärfer denn je abgebildet werden soll, ein neuartiges Instrument zur Abbildung von Exoplaneten im Vortest, der Status der Astronomie in der Antarktis, in Afrika und China – und ein Buch über den Mt. Stromlo in Australien.

Das ist mal ein Lichtecho: der Nebel um RS Pup

17. Dezember 2013

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Die periodischen Helligkeitsschwankungen dieses Cepheiden zeichnen ein Muster auf den Nebel um diesen instabilen Stern, das sich ständig nach außen bewegt – und das Hubble im Detail „gefilmt“ hat.

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Der Helix-Nebel, umgeben von Asteroiden-Spuren, auf einem Stack von IR-Aufnahmen des WISE-Satelliten von 2010 als Ketten gelber Pünktchen zu erkennen – bald nimmt der Satellit seine Asteroiden-Suche wieder auf.

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Galaxien-Durcheinander, wiederum von Hubble: Die helle Galaxie NGC 1190 rechts gehört zur Hickson Compact Group 22, deren andere vier Mitglieder aber außerhalb des Bildfelds stehen, während die Galaxien weiter links nicht dazu gehören.

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Noch anderthalb Tage bis zum Start des Satelliten Gaia

Hier wird er – bereits in der Nutzlastverkleidung eingeschlossen – gerade auf die Soyuz-Rakete montiert, die bereits senkrecht auf der Startrampe steht: weitere Press Releases hier, hier und hier, aktuelle Bilder hier und hier, laufende Updates, eine Infografik, technische Papers hier, hier, hier, hier und hier, Artikel hier und hier – und hier wird der Start übertragen. Auch ein Paper mit neu analysierten Planck-Daten: Das würde die Widersprüche zu anderen kosmologischen Messungen reduzieren, ist aber selbst auch wieder umstritten. Vom Röntgensatelliten Swift gibt es nun einen Katalog mit 150’000 Quellen, rund 100’000 davon neue Entdeckungen, von Chandra & XMM-Newton Beobachtungen an zwei Vorgängern von AM-CVn-Systemen. Und der SDO wird langsam alt – es gibt keine 450-nm-Bilder mehr (aber noch genug andere Farben).

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Der Kleinplanet Vesta mal ganz in bunt: Zwar fand die Sonde Dawn eine im Wesentlichen graue Oberfläche vor, aber man kann ja mal an der Farbsättigung drehen und mit den 7 Farbfiltern kreativ werden, wie hier um den Krater Aelia. Auch Indiens MOM als Hit im Internet, wenn auch oft mit falschen Seiten, Erinnerungen an Juno bei der Erde, der kürzlich gestartete FIREBIRD (Focused Investigations of Relativistic Electron Burst Intensity, Range, and Dynamics) zur Untersuchung ihrer Strahlungsgürtel, mit dem Solar Ultra-Violet Imager (SUVI) ein wichtiges Instrument für GOES-R – und erst mal kein Cygnus zur ISS mit ihren Kühlungsproblemen. NACHTRAG: Die Verschiebung ist bestätigt – dafür gibt’s drei EVAs am 21., 23. und 25. Dezember; Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links.

Unsere Milchstraße hat doch vier starke Arme

17. Dezember 2013

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Vor fünfeinhalb Jahren brachten Daten des Spitzer Space Telescope das vertraute Bild der Milchstraße gründlich durcheinander, denn die vom ihm im Infraroten gesichteten Sterne konzentrierten sich in zwei und nicht etwa vier Spiralarmen (siehe ISAN 61-4) – aber jetzt scheint die die Red MSX Source Survey das alte Bild mit vier inetwa gleich starken Spiralarmen wieder hergestellt zu haben. Diese RMS Survey suchte die Milchstraße nach Massive Young Stellar Objects (MYSOs) ab: Sie haben gerade mit dem Wasserstoffbrennen begonnen und sind starke Quellen im mittleren Infraroten, die einst das Midcourse Space Experiment gut erfasst hatte. Angeleitet von dessen Daten sind dann etwa 1650 dieser Objekte identifiziert und radioastronomisch ihre Entfernungen ermittelt worden: Da sie extrem jung sind, findet man sie noch genau da, wo sie entstanden. Auf eine künstlerische Umsetzung der Spitzer-Ergebnisse (in blau; oben in der Mitte der Ort der Sonne) gezeichnet, bilden sie – auch statistisch analysiert – klar vier Arme: Spitzer hatte sich dagegen auf ältere Sterne konzentrieren müssen, die schon weit von ihren Entstehungsorten fort gedriftet sein können, und so waren zwei der Spiralarme irgendwie verloren gegangen. NACHTRÄGE: das Paper wie gedruckt, ein Press Release aus Leeds und Artikel hier, hier, hier und hier.

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Das ist das größte Sternentstehungsgebiet der Milchstraße

Das aber nur wenig bekannt ist, weil sich W49A hinter viel Staub auf der ‚anderen‘ Seite der Galaxis verbirgt: Diese Aufnahme von molekularen Gas in den zentralen 30 Lichtjahren entstand mit dem Submillimeter Array im Rahmen der Multi-Scale Continuum and Line Exploration of W49 (MUSCLE W49), der Riesen-Molekülwolke, zu der W49A gehört. Danach stecken in einem Radius von 60 parsec gute eine Million Sonnenmassen Gas, ausreichend für mehrere große Sternhaufen oder sogar einen Kugelhaufen. Und der „Starburst“ funktioniert: In der Mitte von W49A sitzt bereits ein ungewöhnlich dichter Sternhaufen.

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Das „Milky Way Project“ dehnt die Jagd weiter aus: Nachdem es zunächst nur um die Suche nach Blasenstrukturen in der großen Spitzer-Durchmusterung GLIMPSE der Milchstraße ging, geht das Citizen-Science-Unternehmen jetzt auch einer Reihe andersartiger Strukturen nach – Bugschocks, staubige Türme, auch andere Galaxien, die durch die Milchstraße schimmern.

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Der bipolare Planetarische Nebel Sh2-71 im Adler auf einem Bild der Wide Field Camera am Isaac Newton Telescope auf La Palma: Bei ihm ist nicht nur nicht klar, wie die Form zustande gekommen ist, es ist auch umstritten, welcher der Sterne nahe des Zentrums eigentlich der echte Zentralstern ist.

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Nicht eine sondern zwei Galaxien weit hintereinander bilden UGC10288, hat sich überraschend bei radioastronomischen Untersuchungen herausgestellt: Für diese Darstellung hier wurden Radiodaten des VLA (der Radiojet der Aktiven Galaxie im Hintergrund in Cyan) und IR-Bilder der Vordergrund-Galaxie sowie optische Daten gemischt. Und die Radiostrahlung der Hintergrund-Galaxie (ohne deren Beitrag UGC 10288 gar nicht zu den 35 untersuchten Galaxien der CHANG-ES-Survey gehört hätte) konnte genutzt werden, um über den Faraday-Rotations-Effekt das Magnetfeld der genau von der Seite gesehenen Vordergrundgalaxie noch in einigem Abstand von ihrer Scheibe zu messen: noch mehr Press Releases hier, hier und hier.

Allgemeines & Chang’e-3-Live-Blog v. 13.-15.12.

13. Dezember 2013

15. Dezember

Eine neue Version des phänomenalen Abstiegs-Videos von einer Kamera auf Chang’e-3, die erst vorwärts und dann abwärts guckte. Auch die Geologie der Landestelle, jede Menge Statistik zu Mondlandungen, bessere Versionen der gegenseitigen Aufnahmen, ein improvisiertes 3D-Bild des Landers aus den beiden bisher veröffentlichten Aufnahmen Yutus mit zwei verschiedenen Kameras, noch ein paar Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. [23:05 MEZ. NACHTRÄGE: das Video durch um 180° gedrehtes ersetzt, seine letzten Sekunden als animated GIF, einige Stills daraus, ein Thread zur Fahrt des Yutu, die gesammelten Visuals bisher, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, TV-Clips hier und hier und Ausblicke auf Chang’e-5 hier, hier und hier]

Irdisches Fenster für die ISON-Jagd zu – nun Hubble dran

Vergeblich haben in den vergangenen Tagen – als die Kometen-Elongation ordentlich wurde und am Morgen noch kein Mond störte – etliche Amateurastronomen nach den Überresten von ISON gesucht: Weder die diffuse Staubwolke noch eventuelle Kern-Reste bis zur 18. Größe hinab konnten sicher nachgewiesen werden. Jetzt hat Hubble noch einen Versuch, und ansonsten kann man noch auf den Blick auf die Seite der Wolke am 16. Januar hoffen. Auch ein Vergleich von Helligkeit und H2O-Produktion aus SWAN-Daten vor dem Perihel, Lovejoy heute (Canon 550d 1600ISO und Newton 200/800, aus Morella [Castelló] in Spanien; mehr), gestern (mehr und mit M 13) und vorgestern (mehr), die relativ normal ausgefallenen Geminiden in einem Video und Summenbild, Jupiter am 9.12. (mehr) und 8.12. (mehr) – die die weiter helle neue Nova im Centaurus. [22:55 MEZ. NACHTRÄGE: die Nova und ein Geminid, ein Geminiden-Komposit, das den irrigen Eindruck eines Meteorsturms erwecken könnte – und der vielleicht beste Lovejoy überhaupt]

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Und das ist wohl Chang’e-3 von Yutu aus gesehen: ein Screenshot aus einer anderen chinesischen TV-Übertragung. [17:10 MEZ] Eine bessere Version des Bildes – womit das früher verbreitete aber auch echt war. [17:35 MEZ] Ein dramatisch besseres Video der Abstiegs-Kamera – Wechselwirkung mit dem Boden inklusive! [17:55 MEZ] Und in diesem Video gibts bei 3:00-10 weitere Perspektiven von der Oberfläche, in diesem Artikel Soundbites vom Festakt (s.u.). [18:05 MEZ. NACHTRAG: und noch ein Video-Clip davon]

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Dieses Bild von Yutu durch Chang’e-3 feiern sie gerade

mit hoher Politik zusammen im Kontrollzentrum – schließlich ist planmäßig die große Flagge zu erkennen. Keine Erwähnung des mysteriösen anderen Bildes. [16:55 MEZ] Die Studioexperten bestreiten explizit, dass Bilder des Landers vom Rover aus vorlägen – aber betonen, dass der Erfolg der Mission ja nun amtlich erklärt worden sei, da ginge schon alles nach Plan. [17:00 MEZ]

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Abermals läuft eine Sondersendung zu Chang’e-3 im chinesischen Auslands-TV, die noch bis 17:00 MEZ gehen soll: Es geht (s.u.) um gegenseitige Aufnahmen von Rover und Lander, was hier gerade im virtuellen Studio erklärt wird. [15:55 MEZ] Der LRO wird die Landestelle an Weihnachten aufnehmen. [16:00 MEZ] Nach einer Stunde Sondersendung noch keine neuen Bilder (oder ist das eins?) – aber Yutu hat sich gedreht. [16:30 MEZ]

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Den Astro-Satelliten Gaia werden wir nie wieder sehen

Denn er steckt bereits in der Nutzlast-Verkleidung der Soyuz, die ihn am 19. Dezember um 10:12 MEZ starten soll: mehr Bilder aus Kourou, Press Releases von Arianespace und ESA, Artikel hier und hier, der Plan für Daten-Releases – und ein Aufruf an Amateurastronomen, den Satelliten doch noch zu sichten, in Deutsch auch hier, hier und hier. Ebenfalls am 19.12. soll der nächste Cygnus zur ISS starten – und der Iran hat schon wieder einen Affen auf eine suborbitale Reise geschickt. [14:55 MEZ]

Eine komplettere Abstiegs-Sequenz von Chang’e-3 ist heute im chinesischen Fernsehen gezeigt worden – und ab 15:30 MEZ soll es schon wieder eine Sondersendung geben, in der neue Bilder von der Oberfläche (von Lander und Rover gegenseitig) zu sehen sein sollen. [14:45 MEZ. NACHTRAG: ein detailliertes Vorschau-Video über diese Operationen auf dem Mond; die Grafik mit der Fahrtroute ist auch hier zu sehen]

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So sieht Chang’e-3 jetzt seine nähere Mondumgebung

Eine neue Darstellung mit halbwegs balancierter Farbe; auch eine mögliche Korrespondenz zu einem Bild vor der Landung, ein Bild mit besonders weit gekommenem Rover, mehr Bilder hier und hier, mehr Animationen und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Plus die detaillierte Geschichte hinter Chang’e und ihrem Kaninchen. [2:30 MEZ] Und wie man die Landestelle lokalisieren kann: von LROs WAC über NAC bis zu Chang’e-3 und seiner Abstiegskamera. [3:30 MEZ] Thomas Reiter im China-TV und weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [12:05 MEZ]


14. Dezember

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In diesen Minuten rollt Yutu von Chang’e-3 auf den Mond

Und CCTV News überträgt live, wie er ganz langsamen auf seinen Schienen entlang fährt. [22:15 MEZ. NACHTRAG: Was während der „Live-Übertragung“ nicht hinreichend deutlich gemacht – aber in einem Tweet desselben Senders erwähnt – wurde, war dass sämtliche gezeigten Ereignisse schon vor mindestens einer halben Stunde stattgefunden hatten; ein „Replay“ tauchte zwar ein paar Mal auf aber verschwand irreführenderweise wieder …]

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Da steht er schon auf der Mondoberfläche! Um 22:19 MEZ waren alle sechs Räder auf dem Boden, und Yutu begann seine Spure zu ziehen; unmittelbar danach endeten allerdings die dramatischen Live-Bilder, die beinahe schon ein Live-Video waren. [22:20 MEZ] Oder auch nicht: Das Herunterrollen – weitere Screenshots hier, hier, hier, hier und hier – hatte bereits vor dem Zeitplan stattgefunden und wurde erst jetzt übertragen. [22:30 MEZ]

Auch wenn alles letztlich keineswegs live war und der Rover schon 40 Minuten vor dem Eintreffen der entsprechenden Bilder auf dem Boden stand: Dramatisch anzuschauen ist es gewesen – hier eine rasant aus den TV-Bildern erstellte Animation von E. Lakdawalla. [22:35 MEZ] Alle Räder auf dem Mondboden waren um 21:40 MEZ gewesen: eine Aufzeichnung der Pseudo-Live-Sendung mit ihrer offensichtlich ‚kondensierten‘ Zeit. Und eine Analyse der Lande-Trajektorie aus den Kamera-Bildern. [23:15 MEZ. NACHTRAG: nochmal der Zusammenschnitt wie ausgestrahlt und ein Korrespondentinnen-Bericht direkt danach und nun wirklich live]

Die Landung von Chang’e-3 live in Chinas Auslands-TV

Der Moderator ging offenbar davon aus, dass das autonome Landesystem noch eine längere Schwebephase durchführen würde – da war man schon auf dem Boden. Und zwar am äußersten Rand der Zone, die Chang’e-2 im Detail untersucht hatte und tatsächlich weit außerhalb des Sinus Iridum. Und noch ein Artikel. [16:25 MEZ] Der Xinhua-Artikel zur Landung, mehr auch hier, hier, hier, hier und hier. [17:20 MEZ] In besserer Qualität scheint auch Xinhua die Abstiegs-Bilder nicht zu haben. Und nochmal das Farbbild (unkalibriert!) von der Oberfläche, das auch hier vorkommt. [18:05 MEZ] Die Landestelle wurde auf LRO-Bildern lokalisiert, dank des Krater-Musters! Und ein Mosaik der Abstiegs-Bilder. [18:40 MEZ] Noch mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier plus mehr Links. [19:40 MEZ]

So landete Chang’e-3 auf dem Mond – der Blick nach unten

bis nach dem Aufsetzen, mit dem Mondboden weitgehend im Schatten. Wobei die Landestelle offenbar gar nicht direkt im Sinus Iridum zu liegen scheint. Die Solarzellen sind ausgeklappt [15:25 MEZ] Allerlei Details zum Missionsverlauf, weitere Artikel hier, hier und hier – und das chinesische TV kurz vor der Landung. [15:40 MEZ] Eine Kamera an Bord des Landers hat ein Farbfoto der Oberfläche geschickt. Und weitere Artikel hier und hier. [16:10 MEZ]

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Chang’e-3 ist weich auf dem Mond gelandet!

Hier eins von 59 Bildern während des Abstiegs – mit so vielen hatte die Bodenkontrolle gar nicht gerechnet. Der Lander setzte um 13:11:18 MEZ auf, noch früher als angekündigt. Und morgen soll der Rover Yutu herunter fahren. [14:55 MEZ] Die ESA bestätigt die Landung mit eigenen Messungen. Und erste Artikel hier und hier. [15:05 MEZ] Heute gegen 22:23 MEZ wird Yutu ausgesetzt, und auch davon soll’s wieder eine Live-Sendung geben – aber gegenseitige Bilder von Lander und Rover wohl erst morgen. Ein chinesisches Live-Blog der Landung pausiert erstmal. [15:15 MEZ]

Chang’e-3 vor der Mondlandung – und zwar schon um 14:40

MEZ: Die Vorverlegung um rund zwei Stunden = genau einen Mondorbit hat das chinesische Staatsfernsehen gerade bestätigt – während die ESA von 12:41 bis 19:30 MEZ passiv helfen wird. Der Abstieg zur Oberfläche soll nur 750 Sekunden dauern: allerlei technische Diskussionen und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [1:50 MEZ]


13. Dezember

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Vor 20 Jahren im Orbit – heute in Aachen im Aquarium

Eine Zufalls-Entdeckung am Rande eines Raumfahrt-Kolloquiums an der FH Aachen gestern: Da steht doch tatsächlich in einer Vitrine im Foyer des Fachbereichs L&R-Technik das Original der deutschen Weitwinkel-Kamera GAUSS, die 1993 während der D2-Mission in der Ladebucht der Columbia im Orbit war und mit der die Milchstraße im UV erforscht worden war. Neben dem ORFEUS das andere deutsche Astronomie-Instrument, das in den Orbit und (im Gegensatz zum ROSAT beispielsweise) auch wohlbehalten wieder zurück kam – oder gab’s da noch mehr? [22:35 MEZ]

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Ein phänomenaler Lovejoy von Michael Jäger von gestern Morgen – auch ein Peach’scher vom 10.12., ein weiterer kurioser Artikel über den Lovejoy-Flug am 8.12., weiter keine Spur von ISON am Himmel und ein Aufruf in AZ, nach dem Boliden nach Meteoriten zu suchen. [2:25 MEZ] Und ein entsprechender Lovejoy von heute Morgen. [15:05 MEZ] Weitere Lovejoys von heute hier, hier und hier und von gestern, nochmal ISON von der ISS, Nachrufe hier und hier, neuerlicher ISON-Unfug im Umlauf, ein wenig ergiebiges Webinar zu ISON für die Schule – und der Arizona-Bolide hatte natürlich nichts mit den Geminiden zu tun. [22:25 MEZ]

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Ab und an Wasserdampf über Europas Südhemisphäre

hat das Hubble Space Telescope entdeckt, genauer gesagt „statistically significant coincident surpluses of hydrogen Lyman-α and oxygen OI 130.4 nm emissions“ – und das passt zu zwei 200 km hohen Säulen aus Wasserdampf. Die immer dann auftreten, wenn Gezeitenmodelle tatsächlich ein Öffnen von Spalten in der eisigen Kruste des Jupitermonds voraussagen: Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier [NACHTRÄGE: eine PM aus Köln, ein weiterer Artikel, mehr Links, ein Hangout – und die Wirkung der Entdeckung in der Szene]. Plus Hinweise auf Phyllosilikate auf Europa (mehr und mehr) sowie Cassini-Erkenntnisse zu Titan (mehr, mehr und mehr und ein Artikel), Enceladus und einem hypothetischen weiteren Saturnmond, MESSENGER 1000 (Erd-)Tage im Orbit um den Merkur, der Beginn der Wissenschaft von LADEE und die Ergebnisse des Toutatis-Besuchs [alt.] von Chang’e-2. [2:15 MEZ]

Gaia startet in einer knappen Woche, woran ein ESA Press Release (Deutsch und alternativ) und Arianespace und Astrium Releases und ein Blog erinnern. Plus Optimismus bei Kepler, dass es was mit der wiedergeborenen Mission werden könnte – und Ärger mit dem Kühlsystem der ISS (früher): Artikel hier, hier (früher), hier (mehr), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und mehr Links. [2:10 MEZ. NACHTRAG: Da sind wohl 3 bis 4 EVAs nötig in den nächsten drei Wochen]

AGU 2013: Chelyabinsk aus Videos rekonstruiert

12. Dezember 2013

Zum Abschluss der AGU-Fall-Meeting-2013-Session zum Chelyabinsker Airburst („Und die AGU-Tagung geht weiter …) präsentierte J. Borovicka – in Ergänzung zu einem kürzlich erschienenen Paper (zu dem es bereits hier [Kurzmeldung unter „Ein Asteroid zerstört sich …“] einige Links gab) – eine detaillierte Analyse des Ereignisses auf der Basis dutzender Videos.

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Diese Höhen in Kilometern entsprechen z.B. bestimmten Punkten der Spur, die noch lange am Himmel hing, 2-3 km Durchmesser entwickelte und rund 600 km^3 Volumen besaß: Insgesamt konnte der Bolide – Anfangsdurchmesser 19 m, Anfangsmasse 12’000 Tonnen – von 95.1 bis 12.6 km Höhe verfolgt werden, wobei die Anfangsgeschwindigkeit 19.0±0.1 km/s betrug und der Winkel zur Erdoberfläche von 18.5° auf 17° abnahm. In etwa 70 km Höhe begann der Bolide massiv Staub (von nahe seiner Oberfläche) zu verlieren, in 45 km Höhe begann er zu fragmentieren, und in 39 bis 30 km Höhe verlor er 95% seiner Masse.

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In 29 km Höhe bestand der Ex-Asteroid nur noch aus 10 bis 20 Brocken von 1 bis 3 m Größe von jeweils rund 10 Tonnen Masse, die in 26 bis 22 km Höhe weiter zerbrachen: Obwohl allesamt nur durch puren Zufall entstanden, waren die Videos gut genug, um die Bahnen einzelber Fragmente durch die Atmosphäre zu verfolgen – inklusive einer Endmasse von 1/2 Tonne, deren berechnetes Bahnende tatsächlich mit dem Chebarkul-See übereinstimmt, aus dem sie Monate später gefischt („Ist das die Hauptmasse …“) wurde.

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Die Schockwelle, die den Boden traf und dort Schäden anrichtete, ging nicht von einem Explosionspunkt sondern einem langen Zylinder aus, bevor die Fragmentation erfolgt war: Das hat sich im Detail zurück verfolgen lassen. Spätere, schwächere Schocks gingen von einzelnen Fragmentationsereignissen aus – wäre der Asteroid in einem Stück weiter durch die tiefere Atmosphäre geflogen, wären die Schäden größer gewesen. Da dank der Videos die Bahn des Chelyabinsker Asteroiden im Weltraum ziemlich gut bekannt ist, fand sich mit dem Asteroiden Nr. 86039 ein viel versprechender Mutterkörper. Mit dem dürfte vor weniger als 100’000 Jahren ein anderer Asteroid zusammengestoßen sein: Das Ergebnis waren neben dem Chelyabinsker Brocken noch etliche weitere Trümmer der 10-Meter-Klasse – vielleicht die Erklärung für eine erhöhe Impaktrate von sehr kleinen Asteroiden, auf die gewisse Daten hinweisen.