AGU 2013: Chelyabinsk aus Videos rekonstruiert

Zum Abschluss der AGU-Fall-Meeting-2013-Session zum Chelyabinsker Airburst („Und die AGU-Tagung geht weiter …) präsentierte J. Borovicka – in Ergänzung zu einem kürzlich erschienenen Paper (zu dem es bereits hier [Kurzmeldung unter „Ein Asteroid zerstört sich …“] einige Links gab) – eine detaillierte Analyse des Ereignisses auf der Basis dutzender Videos.

agu-chelya-hoehen

Diese Höhen in Kilometern entsprechen z.B. bestimmten Punkten der Spur, die noch lange am Himmel hing, 2-3 km Durchmesser entwickelte und rund 600 km^3 Volumen besaß: Insgesamt konnte der Bolide – Anfangsdurchmesser 19 m, Anfangsmasse 12’000 Tonnen – von 95.1 bis 12.6 km Höhe verfolgt werden, wobei die Anfangsgeschwindigkeit 19.0±0.1 km/s betrug und der Winkel zur Erdoberfläche von 18.5° auf 17° abnahm. In etwa 70 km Höhe begann der Bolide massiv Staub (von nahe seiner Oberfläche) zu verlieren, in 45 km Höhe begann er zu fragmentieren, und in 39 bis 30 km Höhe verlor er 95% seiner Masse.

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In 29 km Höhe bestand der Ex-Asteroid nur noch aus 10 bis 20 Brocken von 1 bis 3 m Größe von jeweils rund 10 Tonnen Masse, die in 26 bis 22 km Höhe weiter zerbrachen: Obwohl allesamt nur durch puren Zufall entstanden, waren die Videos gut genug, um die Bahnen einzelber Fragmente durch die Atmosphäre zu verfolgen – inklusive einer Endmasse von 1/2 Tonne, deren berechnetes Bahnende tatsächlich mit dem Chebarkul-See übereinstimmt, aus dem sie Monate später gefischt („Ist das die Hauptmasse …“) wurde.

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Die Schockwelle, die den Boden traf und dort Schäden anrichtete, ging nicht von einem Explosionspunkt sondern einem langen Zylinder aus, bevor die Fragmentation erfolgt war: Das hat sich im Detail zurück verfolgen lassen. Spätere, schwächere Schocks gingen von einzelnen Fragmentationsereignissen aus – wäre der Asteroid in einem Stück weiter durch die tiefere Atmosphäre geflogen, wären die Schäden größer gewesen. Da dank der Videos die Bahn des Chelyabinsker Asteroiden im Weltraum ziemlich gut bekannt ist, fand sich mit dem Asteroiden Nr. 86039 ein viel versprechender Mutterkörper. Mit dem dürfte vor weniger als 100’000 Jahren ein anderer Asteroid zusammengestoßen sein: Das Ergebnis waren neben dem Chelyabinsker Brocken noch etliche weitere Trümmer der 10-Meter-Klasse – vielleicht die Erklärung für eine erhöhe Impaktrate von sehr kleinen Asteroiden, auf die gewisse Daten hinweisen.

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Eine Antwort to “AGU 2013: Chelyabinsk aus Videos rekonstruiert”

  1. Claudia Hinz Says:

    Vielen Dank für die Infos!!!

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