Unsere Milchstraße hat doch vier starke Arme

spirale

Vor fünfeinhalb Jahren brachten Daten des Spitzer Space Telescope das vertraute Bild der Milchstraße gründlich durcheinander, denn die vom ihm im Infraroten gesichteten Sterne konzentrierten sich in zwei und nicht etwa vier Spiralarmen (siehe ISAN 61-4) – aber jetzt scheint die die Red MSX Source Survey das alte Bild mit vier inetwa gleich starken Spiralarmen wieder hergestellt zu haben. Diese RMS Survey suchte die Milchstraße nach Massive Young Stellar Objects (MYSOs) ab: Sie haben gerade mit dem Wasserstoffbrennen begonnen und sind starke Quellen im mittleren Infraroten, die einst das Midcourse Space Experiment gut erfasst hatte. Angeleitet von dessen Daten sind dann etwa 1650 dieser Objekte identifiziert und radioastronomisch ihre Entfernungen ermittelt worden: Da sie extrem jung sind, findet man sie noch genau da, wo sie entstanden. Auf eine künstlerische Umsetzung der Spitzer-Ergebnisse (in blau; oben in der Mitte der Ort der Sonne) gezeichnet, bilden sie – auch statistisch analysiert – klar vier Arme: Spitzer hatte sich dagegen auf ältere Sterne konzentrieren müssen, die schon weit von ihren Entstehungsorten fort gedriftet sein können, und so waren zwei der Spiralarme irgendwie verloren gegangen. NACHTRÄGE: das Paper wie gedruckt, ein Press Release aus Leeds und Artikel hier, hier, hier und hier.

spirale2

Das ist das größte Sternentstehungsgebiet der Milchstraße

Das aber nur wenig bekannt ist, weil sich W49A hinter viel Staub auf der ‚anderen‘ Seite der Galaxis verbirgt: Diese Aufnahme von molekularen Gas in den zentralen 30 Lichtjahren entstand mit dem Submillimeter Array im Rahmen der Multi-Scale Continuum and Line Exploration of W49 (MUSCLE W49), der Riesen-Molekülwolke, zu der W49A gehört. Danach stecken in einem Radius von 60 parsec gute eine Million Sonnenmassen Gas, ausreichend für mehrere große Sternhaufen oder sogar einen Kugelhaufen. Und der „Starburst“ funktioniert: In der Mitte von W49A sitzt bereits ein ungewöhnlich dichter Sternhaufen.

spirale3

Das „Milky Way Project“ dehnt die Jagd weiter aus: Nachdem es zunächst nur um die Suche nach Blasenstrukturen in der großen Spitzer-Durchmusterung GLIMPSE der Milchstraße ging, geht das Citizen-Science-Unternehmen jetzt auch einer Reihe andersartiger Strukturen nach – Bugschocks, staubige Türme, auch andere Galaxien, die durch die Milchstraße schimmern.

spirale4

Der bipolare Planetarische Nebel Sh2-71 im Adler auf einem Bild der Wide Field Camera am Isaac Newton Telescope auf La Palma: Bei ihm ist nicht nur nicht klar, wie die Form zustande gekommen ist, es ist auch umstritten, welcher der Sterne nahe des Zentrums eigentlich der echte Zentralstern ist.

spirale5

Nicht eine sondern zwei Galaxien weit hintereinander bilden UGC10288, hat sich überraschend bei radioastronomischen Untersuchungen herausgestellt: Für diese Darstellung hier wurden Radiodaten des VLA (der Radiojet der Aktiven Galaxie im Hintergrund in Cyan) und IR-Bilder der Vordergrund-Galaxie sowie optische Daten gemischt. Und die Radiostrahlung der Hintergrund-Galaxie (ohne deren Beitrag UGC 10288 gar nicht zu den 35 untersuchten Galaxien der CHANG-ES-Survey gehört hätte) konnte genutzt werden, um über den Faraday-Rotations-Effekt das Magnetfeld der genau von der Seite gesehenen Vordergrundgalaxie noch in einigem Abstand von ihrer Scheibe zu messen: noch mehr Press Releases hier, hier und hier.

Advertisements

Schlagwörter:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: