Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 26. März 2014


26. März

Was bedeutet die Entdeckung der „2. Sedna“ 2012 VP113?

Die unten bereits berichtete Entdeckung eines weiteren substanziellen Himmelskörpers (oben ein Bahnvergleich mit Sedna von der Planetary Society), der stets deutlich außerhalb des Kuiper-Gürtels bleibt und damit eher zur inneren Oort-Wolke gehört, führt bereits zu angeregten Diskussionen im Web. Vor allem wegen der Spekulation der Entdecker (auch Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier), eine ferne Supererde könne bei der Entstehung ihrer Bahnen eine Rolle gespielt haben – sachte, sachte, sagt dagegen der Sedna-Entdecker Mike Brown. „There’s not much of an established view of what’s going on in the Sedna region yet, so it’s still too early to change the view,“ so Brown heute Nachmittag zu diesem Blog: „I keep saying we need ~10 objects out there to really start understanding what is going on. What this paper says to me is that those 10 are finally on the way“ – in der Tat spekulieren die Entdecker, dass sie einer der reichsten Populationen von Kleinkörpern des Sonnensystems auf der Spur seien.

Und ihre Feststellung, dass die Perihelia der Bahnen der beiden sowie anderer Objekte am Außenrand des Kuiper-Gürtels auffällig ähnlich seien – was für einen ordnenden Riesenplaneten weit draußen sprechen könnte? „The argument of perihelion argument is interesting,“ gibt Brown zu: „I had never noticed that clustering before. Is it because of a large planet out there somewhere? I would love that to be the answer, but I suspect there will be a dozen more mundane explanations coming out in the next week as people start to digest this. Doesn’t mean the planet explanation is wrong, just that it is in no way unique.“ Vielleicht hilft ja bei der Aufklärung der 2008 als Mini-Sedna gefeierte – siehe ISAN 68-6 und 78-8 – 2006 SQ372, der auch eine sehr ausladende Ellipsenbahn hat, der Sonne aber näher als der Kuiper-Gürtel kommt. Und genauso wenig wie 2013 VP113 oder selbst Sedna bislang als Zwergplanet klassifiziert ist. [20:40 MEZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:10 MEZ] Warum das große Perihel das große Rätsel ist. [23:55 MEZ – Ende]

chariklo

Hinweise auf zwei Ringe des Zentauren (10199) Chariklo

hat eine Sternbedeckung am 3. Juni 2013 durch diesen größten Vertreter jener zwischen Saturn und Uranus entwichenen Ex-Bewohner des Kuiper-Gürtels geliefert, die an mehreren Orten in Südamerika beobachtet wurde: hier die Lichtkurve des „dänischen“ 1.54-m-Teleskops auf La Silla (x-Achse: Tickmarken = Sekunden, Zeitauflösung dank Lucky Imager 10 Hz), die symmetrisch zur Bedecking durch den ca. 240 km großen Chariklo jeweils zwei scharfe Helligkeitseinbrüche zeigt. Die anderen Lichtkurven sind weniger überzeugend, bestätigen aber das generelle Bild: Die Ringe sind 7 bzw. 3 km breit, haben Radien von 391 und 405 km – und sind vermutlich Trümmer einer Kollision, die von kleinen eingebetteten Monden in Form gehalten werden. Die Entdeckung des ersten Ringsystems bei einem anderen Himmelskörper als einem Riesenplaneten beschreiben u.a. eine PM der MPG und Press Releases von ESO und NBI – und mal wieder war das Embargo der Story lange vorher gebrochen worden, v.a. hier und hier: Nur widerstrebend hat dieses Blog das von ESO und Nature leider doch nicht aufgehobene Embargo bis zum Ende befolgt … [19:00 MEZ] Das Ganze für Kinder und Artikel hier, hier und hier. [19:35 MEZ] Weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [20:25 MEZ. NACHTRÄGE: die Lichtkurve animiert und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier]

Periode 4600 Jahre, Perihel 80 au: 2. „Sedna“ entdeckt

Exakt zehn Jahre nach der Bekanntgabe eines Himmelskörpers auf einer Bahn noch weit außerhalb des Kuiper-Gürtels ist ein Nachbar dieser Sedna bekannt geworden: Ein Minor Planet Circular gibt 2012 VP113 eine große Halbachse von 276 au, eine Umlaufsperiode von 4590 Jahren und eine Exzentrizität von 0.71. Derzeit ist 2012 VP114 etwa 83 au von Sonne wie Erde entfernt; Details zu dem Himmelskörper, der mit einer Absoluthelligkeit von +4 zwischen 300 und 1000 km groß sein dürfte, und Spekulationen über seine Herkunft gibt es um 19:00 MEZ. [16:55 MEZ]


25. März

soyuz_sw

Und wieder ein nächtlicher Soyuz-Start zur ISS, wo die drei Passagiere bereits nach sechs Stunden ankommen sollen: ein weiterer Screenshot, ein NASA-Foto, ein Bild eines Zuschauers, der Anblick aus der ISS, ein NASA Release und Artikel hier und hier. Auch Gewitter-Forschung auf der ISS, ein Asteroiden-Forum der NASA morgen, anstehende Entscheidungen über planetare Missions-Verlängerungen, weitere Details zum NASA-Haushalt, Fortschritte bei der Reaktivierung Rosettas, z.B. der Magnetometer, die ersten Bilder des GPM-Satelliten, Startvorbereitungen für den ersten Sentinel-Satelliten und den Mini-Shuttle IXV der ESA, Pläne der DARPA für Starts vom Flugzeug aus – und ein Hangout mit zwei GLXP-Kandidaten, der auch nicht klarer macht, ob bald ein Amateur-Rover auf dem Mond landen wird. [23:45 MEZ. NACHTRÄGE: NASA-Fotos, ein Video vom Start und ein Artikel hier – und hier, hier, hier, hier und hier zum verpassten Rendezvous!]

Automatisches Instrument fing seine ersten Exoplaneten

Bei dem Automated Planet Finder des Lick Observatory handelt es sich um ein 2.4-m-Teleskop in Kombination mit einem für die Exoplaneten-Jagd per Radialgeschwindigkeit optimierten Spektrometer: Zwei neue Planeten wurden schon in den ersten Monaten erkannt. Auch asiatische Astro-Pläne in China & Usbekistan, ein Streik auf dem Calar Alto u.a. gegen die MPG, ein neues Werbevideo für den alten Doppelrefraktor der Bosscha-Sternwarte in Indonesien, ein Paper über die SN 2014J, die Venus in Dichotomie, der Jupiter heute und vor einem Monat (mehr und animiert), die Kometen PANSTARRS und Jacques vor 3 Tagen, angeblich viele Feuerkugeln – und neue Bemühungen, ein womöglich noch größeres Stück Chelyabinsk zu heben. [23:30 MEZ]


24. März

msl3

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Schöne Aussichten für den Marsrover Curiosity heute, am 20. und 18. März (von oben): Die Landschaft in der Nähe von „the Kimberley“ wird durch Variationen in der Art dominiert, auf die der dort herumliegende Sandstein zusammen gebacken ist – die wiederum die Geschichte der Feuchtigkeit im Gale-Krater dokumentieren dürfte. Daher wird die Reise zum am Horizont lockenden Aeolis Mons zunächst für nähere Gesteinsanalysen unterbrochen. Auch was Opportunity gerade sieht [NACHTRAG: Details], noch mehr zur Sicherheits-Planung mit Mars Express, wenn der Komet kommt, die neuen Hinweise auf aktive Vulkane auf der Venus, erhebliche Zweifel and einem einst feuchten Mond – und ein Broad Agency Announcement der NASA zur Asteroid Redirect Mission, die weiter verfolgt wird. [20:15 MEZ]


23. März

Leuchtende Nachtwolken rund um die Uhr beobachten

kann ein neues LIDAR des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn seit 2010 – jedenfalls im Sommer, wenn diese exotischen Wolken in 83 km Höhe auftreten können, und natürlich nur bei gutem Wetter, wenn die 532-nm-Laserblitze diese Höhe erreichen und ihr zurückgestreutes Licht zu sehen ist. Die Statistik ist zwar noch etwas dürr, aber ein Paper beschrieb kürzlich erste Trends. Danach hat das Auftreten der NLCs ein ziemlich spitzes Maximum gegen 4 Uhr morgens mit einem Sockel von 0 bis 9 Uhr sowie ein zweites flaches von ca. 12 bis 22 Uhr, während die Helligkeit der NLCs um 4, 14 und 18 Uhr Maxima erreicht. Dass NLCs bevorzugt zwischen 3 und 8 Uhr auftreten und am Abend deutlich seltener, hatten auch frühere Messungen gezeigt: Planetarische Wellen in der Hochatmosphäre dürften etwas mit diesem Muster zu tun haben, das in NLC-reichen wie -armen Jahren vorhanden ist, aber die Details sind noch unklar. Auch Videos des Meteoriten-Regens in Südkorea, die Kometen PANSTARRS heute (mehr), Jacques gestern und Siding Spring vorgestern, der Mars am 21.3. und 20.3., der Jupiter am 16.3. mit Ganymed, 14.3. und 13.3., ein Video der SoFi 1999 aus der Luft, Gammastrahlung von SN 2014J – und Citizen Science vs. Lichtverschmutzung. [22:45 MEZ]


22. März

Nach Bolide: Kanadier sollen im Garten Meteoriten suchen

Nach einer vielversprechenden Feuerkugel über Ontario hat es einen öffentlichen Aufruf der UWO gegeben, nach möglichen Meteoriten zu suchen: Der wurde vielfach verbreitet, z.B. hier, hier oder hier, aber noch wurden keine Funde bekannt. Auch weitere Suche im See nach Chelyabinskern, ein neues NEO-Teleskop, möglicherweise Wasser auf Vesta, eine permanente Staubwolke um den Mond, Komet Jacques schon heller als 10. Größe sowie gestern und am 16.3., C/2012 K1 (PANSTARRS) gestern und am 19.3., die Aktivierung der Payload von Rosetta, sieben interstellare Staubteilchen im Fang von Stardust – und erste Impressionen vom gerade laufenden 33. AKM-Seminar: von der Anreise mit Regenbogen, dem 1. Abendvortrag (zu den herben Eisnebelhalos vom 25.1., 30.1., 4.2.) und der 1. Session (es gibt wirklich deutlich weniger Meteorströme auf der Südhalbkugel). [14:30 MEZ] Nach 15 Jahren eine neue Vorsitzende. [15:40 MEZ] Die Kometen Jacques und PANSTARRS heute. [16:20 MEZ] Chelyabinsk kommt besser mit Bassboxen … [16:40 MEZ] Hier gibt einer Jacques nur 11 mag. – doh. [17:30 MEZ] Wir machen unsere Halos selber, beim AKM-Seminar … [23:50 MEZ. NACHTRÄGE: ein komplettes Fotoalbum von daselbst und das Gruppenbild]

G-Wellen-Detektoren: „ziemlich viele Ereignisse“ ab 2019

Der mutmaßliche Nachweis primordialer Gravitationswellen durch BICEP2 hat auch das Interesse an den großen Detektoren für den direkten Nachweis von G-Wellen auf der Erde neu geweckt. „Die erste Generation der erdgebundenen Detektoren Ligo und Virgo wird gegenwärtig umgebaut, um eine deutlich höhere Empfindlichkeit zu erreichen“, sagt Karsten Danzmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover:“Nur unsere Anlage GEO600 in Ruthe bei Hannover hält noch Wacht nach gelegentlichen Ereignissen in unserer Nachbarschaft. Wenn die Detektoren auf der Erde etwa im Jahr 2019 ihre Design-Empfindlichkeit erreicht haben, dann wäre es schon sehr überraschend, wenn wir nicht innerhalb kürzester Zeit ziemlich viele Ereignisse registrieren würden.“ Auch ein PR der U. Chicago und weitere Artikel zu BICEP und den Folgen hier, hier und hier. [14:20 MEZ. NACHTRÄGE: und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – plus ein Interview mit Guth und alles auf einer Folie von ihm]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 22. bis 26. März 2014”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 5. April 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] dünner Ringstrukturen im Sonnensystem verantwortlich sind und dementsprechend auch für die Ringe des Zentauren Chariklo (“Hinweise auf zwei Ringe des Zentauren …”) postuliert wurden. Konkret gesehen […]

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