Allgemeines Live-Blog vom 5. bis 7. April 2014


7. April

esobo

Eine Feuerkugel über den ALMA-Radioteleskopen in Chile, aufgenommen während mehrwöchiger Ultra-HighDef-Dreharbeiten. Derweil ist die norwegische Fallschirmspringer-Meteoriten-Story praktisch tot, nachdem sich deren Kronzeuge der Stein-kam-aus-dem-Schirm-Erklärung (s.a. hier, hier und hier) de facto angeschlossen hat: Man glaubt gar nicht, was alles in Fallschirmen stecken kann … Und der 5000. NEO-Fund der CSS, bald ‚bending metal‘ bei Deep Space Industries („Letter from the Chair“), die kühne Prognose eines Kometen-Profis, Jacques könnte der Komet des Jahres werden, C/2012 K1 (PANSTARRS) gestern (dito & dito) und am 4.4., die indische ISON-Kampagne, der Mars dieses Jahr in Opposition und vorgestern, Polarlicht bei einem Transatlantikflug bewegt und still, die Nova Cygni etwas heller und im UV, die SN 2014ai, Astronomischer Tourismus in Indien (größer), Links zu Outreach-Material – und Vorboten des IYL. [23:55 MESZ – Ende]

Fand Cassini „schmutziges Geheimnis der Planetenringe“?

Mit solch drastischen Worten bedenkt Burns (Nature 508 [3.4.2014] 48-49) die nicht erfolgte Entdeckung vieler sogenannter Schäferhundmonde durch die Raumsonde Cassini in den bald zehn Jahren, in denen sie immer wieder Saturnringe im Detail aufnehmen konnte: Weder im filigran strukturierten C-Ring wie der Cassini-Teilung waren dabei neue sogenannte Schäferhund-Monde zu entdecken, die nach der Sichtweise seit den Voyager-Vorbeiflügen maßgeblich für die Entstehung und Stabilisierung dünner Ringstrukturen im Sonnensystem verantwortlich sind und dementsprechend auch für die Ringe des Zentauren Chariklo („Hinweise auf zwei Ringe des Zentauren …“) postuliert wurden. Konkret gesehen wurden derartige Schäferhunde bisher nur bei Saturns F-Ring, der Encke-Teilung seines A-Rings und beim Epsilon-Ring des Uranus – aber anderswo im Saturnring eben nicht, und da die Massen solcher Begleitmonde ähnlich der des zu ‚behütenden‘ Ringmaterials sein müssen, hätte sie Cassini eigentlich sehen müssen. Burns spricht vage von „fehlender Physik“ bei der vollständigen Beschreibung der planetaren Ringsysteme – und hofft, dass gerade kleine und einfache Ringe wie nun bei Chariklo gefunden den Weg weisen könnten. [22:25 MESZ]

Die postulierte Super-Erde in der inneren Oort-Wolke kann es nicht geben, stellt ein italienischer Gravitations-Spezialist in einem knappen Paper fest: Die könnte vielleicht die Bahnverteilung von Sedna, 2012 VP113 & Co. erklären (s.a. ISAN 210-6), würde aber auch zu abnormen Periheldrehungen einiger Planeten führen – und die gibt es nicht. Schon jetzt kann man sagen, dass jedweder Planet mit 2 Erdmassen mindestens 500 au und jeder mit 15 Erdmassen mindestens 1000 au weit weg sein müsste. Und Astrometrie von New Horizons im Kuipergürtel verspricht noch viel schärfere Limits. [22:15 MESZ]


6. April

Jede Menge „Rocketcams“ verfolgten den Sentinel-Start von der Rakete aus – ein Zusammenschnitt der ungewöhnlich guten Bilder in einem 5-Minuten-Video. Auch pretty pictures vom Start selbst, Asteroidensuche in Spitzer-Daten mit dem Moving Object Search Tool – und jede Menge Energie und schöne Aussichten aber weiter finanzielle Bedrängnis für den Rover Opportunity, der seit bald 10 1/4 Jahren auf dem Mars unterwegs ist. [23:55 MESZ]

Eine neuartige Datierung der Anfänge von Erde und Mond

schlagen Jacobsen & al. (Nature 508 [3.4.2014] 84-7) vor, unter der Annahme der populären Vorstellung, dass die Erde am Ende ihrer Akkretion von mehreren Mars-großen Brocken und danach noch etwas Kleinkram getroffen wurde (Chambers, ibid. 51-2): Sie sind bei umfangreichen Simulationsrechnungen auf eine deutliche inverse Korrelation zwischen dem Zeitpunkt des letzten Mega-Einschlags und der Menge der Restakkretion danach gestoßen. Der letzte große Einschlag schuf nicht nur nach allgemeiner Auffassung den Mond sondern ließ auch sämtliche siderophilen (eisenliebenden) Metalle wie Iridium und Platin im Erdkern verschwinden: Was wir heute an der Oberfläche finden, verdanken wir eben jener späteren Akkretion. Eingesetzt in die per Modellrechnung gefundene Korrelation ergibt sich, dass die Mondentstehung 100±40 Mio. Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems vor 4.567 Mrd. Jahren – was sich aus der radioaktiven Datierung von Meteoriten ergibt – erfolgt sein sollte, auf jedenfall aber frühestens 40 Mio. Jahre danach: auch eine PM aus Bayreuth, ein SwRI PR und Artikel hier und hier. [23:45 MESZ]


5. April

msl-dingo

So fuhr der Mars-Rover Curiosity durch die „Dingo Gap“: Ausnehmend klare Reifenspuren im Sand hat hier die Kamera auf dem MRO abgelichtet. Auch der aktuelle Status des Rovers (mehr), ein kurioses Bild von Opportunity, die Auswahl der Landestelle für ExoMars (mehr und mehr), alte vulkanische Explosionen auf dem Merkur, das baldige Missionsende von LADEE am 21. April (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), wie sich die ESA die Oberfläche eines Kometen vorstellt, Fortschritte bei Gaia, die Bewertung der NASA-Astrophysik-Missionen [NACHTRAG: mehr Details zu dieser periodischen Senior Review], Indiens Astrosat für 2015, die DZZ-HR-Mission, die ersten Erdbilder von UrtheCast – und das amerikanisch-russische Verhältnis in der Raumfahrt. [23:55 MESZ]

Schwerefeld untermauert Ozean im Inneren von Enceladus

Dass es im Inneren des Saturnmonds flüssiges Wasser geben muss, um seine südpolaren Fontänen zu erklären, ist seit vier Jahren praktisch sicher („Die überzeugendsten Indizien für flüssiges Wasser im Inneren von Enceladus“), und nun hat Cassini auch einen relativ direkten Hinweis geliefert: Das Schwerefeld des 500-km-Mondes lässt sich am besten erklären, wenn es in der südlichen Polregionen eine etwa 10 km dicke Schicht flüssigen Wassers gibt, unter 30 bis 40 km Krusteneis allerdings (Iess & al., Science 344 [4.4.2014] 78-80). Leider kann Cassini nur entweder Beobachtungen mit seinen Instrumenten machen oder über den Dopplereffekt am Funkträger höhere Schwerefeld-Komponenten vermessen, so dass nur 3 der 19 engen Enceladus-Besuche für letzteres benutzt werden konnten. Bis zum Ende der Mission in 3 Jahren wird es keine zusätzlichen Möglichkeiten geben (Kerr, ibid. 17), und da auch eine Sondenmission zu Enceladus utopisch erscheint, sind leider nun Jahrzehnte lang keine neuen Erkenntnisse über den Enceladus-Ozean zu erwarten: auch Press Releases hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:45 MESZ]

sentinel2

sentinel3

Bilder von Sentinel-1 im Orbit gibt es reichlich: sein Aussetzen von der Fregat-Oberstufe aus gefilmt – und das Entfalten der Sonnensegel von ihm selbst aufgenommen. Auch Starts einer Atlas V mit DMSP-19 (ein Video und ein Bild, Artikel hier, hier, hier und hier und mehr Links) und eines PSLV mit IRNSS-1B (Artikel hier, hier, hier und hier) – und bald kann auch wieder am Cape gestartet werden. [3:45 MESZ] Mehr Links dazu sowie zum Starterfolg des PSLV. [22:15 MESZ. NACHTRAG: Ärger mit DMSP-19]

Konkurrenz kurz vor Widerlegung von Alpha Cen’s Planet

Seit der lautstarken Verkündigung der ESO („Intermezzo: Planet mit einer Erdmasse ganz nahe bei Alpha Centauri B gefunden …“) wartet man auf das Urteil einer amerikanischen Gruppe, die ebenfalls energische Messungen der Radialgeschwindigkeit des Sterns vornimmt – in ihrem neuesten Zwischenbericht ist weiter kein Signal zu finden, und bald wird man wissen, wo der Planet doch nur Einbildung war. Auch der Mars am 4.4. und am 3.4., die Kometen LONEOS am 4.4., PANSTARRS am 4.4. (dito) und 3.4. und Jacques am 2.4. (dito), angeblich mehr kleine Impakte, wachsende Zweifel (mehr, eine Abwägung und ein Witzchen) an der Story mit Fallschirmspringer & ‚Meteorit‘ (die die FAZ locker schluckt), ein Knall in Stendal, eine LOFAR-Station für Hamburg [NACHTRAG: auch eine PM aus Bielefeld – gibt’s wirklich – dazu], die ESO sprengt im Juni einen Berg für das E-ELT – und eine leider unvollständige Liste der größten Amateurteleskope. [3:20 MESZ]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 5. bis 7. April 2014”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 29. März 2015 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] noch gibt es keine Bestätigung – oder klare Widerlegung – des schwachen Radialgeschwindigkeits-Signals von Alpha Centauri B (ganz unten), aber auch die Suche nach Transits mit Hubble hat kein klares Ergebnis erbracht. Die […]

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