Allgemeines Live-Blog vom 3. bis 7. Mai 2014


7. Mai

erde1

Ein Erdaufgang hinter dem Mondhorizont, vom LRO gesehen diesen Februar bei einem seiner seltenen Pointings weg vom Nadir: Mehr Pixel gibt’s leider nicht, denn das Bild wurde mit der gering auflösenden WAC gewonnen. Und musste überdies trickreich aus mehreren Streifen zusammen gesetzt werden, wobei aber Farben und relative Helligkeit von Mond und Erde realistisch sein sollen. [23:55 MESZ – Ende]

Der vielleicht am besten beobachtete Sonnenflare aller Zeiten ereignete sich am 29. März, als mehrere Satelliten und Teleskope am Boden zuschauten. Auch mögliche Erkenntnisse zur Kernfusion aus Polarlichtern, Jupiter-Karten und -Analysen von 2014, der Mars heute und am 3. Mai (mehr) und 2. Mai – und die Kometen PANSTARRS heute und 209P/LINEAR am 4. Mai. [22:55 MESZ. NACHTRAG: ein NASA Hangout zu dem Sonnenflare]

A star cluster in the center of the Flame Nebula about 1,400 light years from Earth.

Ein kombiniertes Spitzer/Chandra-Bild von NGC 2024 (mit den Röntgendaten in lila): Die Sterne im Inneren dieses „Flame Nebula“ sind jünger als im Außenbereich (200’000 gegen 1.5 Mio. Jahre), dito in einem anderen Sternentstehungsgebiet. Mithin erfolgt die Sternentstehung weder so langsam, dass das Alter der Sterne überall ähnlich wäre, noch von innen nach außen: Vielleicht ist außen bereits das Gas bereits zu dünn geworden; es gibt aber noch andere Erklärungsmöglichkeiten für diese Entdeckung des Projekts MYStIX (Massive Young Star-Forming Complex Study in Infrared and X-ray). [22:40 MESZ]

Rosettas Bahnmanöver zum Kometen-Rendezvous laufen

Wobei der erste, kleine von zahlreichen Triebwerks-Burns bis Anfang August nur 3/4 des gewünschten delta V erreichte: Details dazu soll es erst morgen gehen. Auch eine PM einer beteiligten Firma, die verzweifelte Suche nach einem zweiten Ziel für New Horizons nach Pluto (Teleskope auf der Erde fanden nicht einen Kandidaten, nun kann vielleicht noch Hubble helfen), die dritte Bohrung Curiositys (mehr, mehr und mehr Links), der Sun Shield der Solar Orbiter der ESA, das erste Start-Jubiläum von Proba V und ESTCube-1 (mehr und die PK), Magnetfeld- und Magnetosphären-Messungen von Swarm und Cluster, die Ankunft der ersten FOC-Satelliten von Galileo in Kourou, ein neuer Space Fence in Planung – und aufkeimende Hoffnung für SOFIA im US-Kongress. [21:15 MESZ. NACHTRÄGE: dazu hier, hier, hier, hier und hier weitere Details, noch mehr Pluto-Planung – und der 1. Rosetta-Burn erreichte doch noch 20 m/s, der Tweet war irreführend]


6. Mai

msl-drilling

Hier bohrt der Marsrover Curiosity zum dritten Mal einen Stein an, an Sol 621 der Mission: auch ein Press Release und ein Artikel dazu sowie ein Analemma von Opportunity, der PI von und ein TV-Beitrag ab 12:45 über MAVEN, die Frage, ob man statt Mars nicht besser Europa erkunden sollte, ein weiteres Staub-Experiment auf Rosetta, deren zehn Rendezvous-Manöver ab morgen stattfinden, Chlorophyll-Forschung mit OCO-2 – und die HDEV-Kameras auf und Amateurfunk-TV in der ISS. [21:45 MESZ]

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Neue Planck-Karte der Galaxis noch kein Test für BICEP-2

Vier neue Papers vom Planck-Projekt sind heute erschienen, alle nicht kosmologisch sondern zu polarisierter Emission von Staub in der Milchstraße bei 353 GHz: hier dargestellt in „line integral convolution“, d.h. je heller desto polarisierter, während die Linien die Richtung des auf die Himmelsebene projizierten Magnetfelds angeben, das dafür verantwortlich ist, in dem es dem interstellarem Staub eine Orientierung aufzwingt (auch Press Releases hier, hier und hier). Regionen mit geringer Emission sind ausgeblendet, darunter leider auch jene, wo BICEP-2 sein Signal fand: Erst später im Jahr wird es komplette Himmelskarten der Polarisation geben, mit denen die noch nicht sicheren Daten getestet und der mögliche Nachweis der Gravitationswellen vom Urknall bestätigt oder widerlegt werden können. [21:25 MESZ. NACHTRAG: noch mehr]

sdo0429

Eine eruptive Protuberanz im EUV am 29. April vom SDO aufgenommen. Auch die Kometen PANSTARRS am 6.5., 5.5. (dito), 4.5. (dito) und 3.5. (dito) und Jacques am 6.5. und 4.5., Fortschritte bei der Dark Energy Survey, mehr Laser-AO, Exoplaneten-Suche (mit MOST) bei Proxima Cen, ungewollte Nebenwirkungen von zu effizientem Licht (Press Releases hier und hier) und nur moderates Interesse am Thema im U.K. – und warum es es bei der Bildung so hakt, auch der kosmischen. [21:05 MESZ]


5. Mai

Kanadas Tageslicht-Feuerkugel im Detail und in Zeitlupe

aus dem unten erwähnten dritten Dashcam-Video herausgekitzelt: zwar sicher nicht sonnenhell aber doch beachtlich, so wie sie sich hier auf einem Weitwinkelvideo gegen den blauen Taghimmel durchsetzt. Und einer hörte drei Explosionen und dumpfes Grollen. [4:55 MESZ. NACHTRAG: noch stärker vergrößert!] Eine erste Analyse der Bahn der Feuerkugel aus den visuellen Berichten – die überwiegend doch „a brightness rivaling the sun“ melden. [5:30 MESZ] Und Kanadas Meteor(iten)-Experte Peter Brown hält es für wahrscheinlich, dass Meteoriten gefallen sind: „This clearly was a pretty massive event, lots of mass, so on that basis alone I think we have a pretty good chance“. [5:45 MESZ] Ein weiteres Dashcam-Video, auch wieder im Ausschnitt – und es gibt Schall-Aufzeichnungen durch Meteorforscher, auf denen auch die Energie-Abschätzungen basieren. [16:35 MESZ] Und noch ein Dashcam-Video – diesmal von der Polizei – sowie weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier. [23:55 MESZ. NACHTRAG: während hier zu diesem Blog verlinkt wird]

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Der lange Plasmaschweif des Kometen C/2012 K1 (PANSTARRS) gestern von M. Jäger mit einem 5,5″/f-400-Newton und einer CCD-Kamera Sigma 6303 aufgenommen, 4 x 450 Sekunden. Und auch der Jupiter gestern. [4:45 MESZ. NACHTRAG: und auch heute – während der Saturn schon lockt]

Ein kanadischer Tageslicht-Bolide – so hell wie die Sonne?

Der hat sich gestern gegen 22:15 MESZ = 16:15 Uhr Ortszeit über dem Großraum Toronto aber auch den USA blicken lassen, wie auch bei der AMS einlaufende Berichte zeigen, von denen viele eine Helligkeit von -24 mag. angeben. Es ist von einem Überschall-Knall die Rede, und dieses, dieses und dieses Foto zeigen offenbar einen Kondensstreifen danach am Himmel. [0:00 MESZ] Auch diese Aufnahme soll ihn zeigen; Bilder der Feuerkugel selbst liegen bisher nicht vor. [0:15 MESZ] Und noch ein Treffer – immer unter der Annahme, dass die Fotografen tatsächlich das Produkt der Feuerkugel und nicht einen normalen Contrail im Visier hatten. Plus ein weiterer „Artikel“, der auch wieder praktisch nur aus zusammen getackerten Tweets besteht … [0:30 MESZ] … und noch so einer, immerhin mit einem interessant verwirbelten Kondensstreifen. [0:40 MESZ] Das könnte ein Video der Feuerkugel selbst sein, von Sam Singh – nicht gerade dramatisch, aber die Zeit würde passen. [0:45 MESZ] Ein weiteres Bild der Wolke und noch mehr Mini-Artikel hier, hier und hier mit jeder Menge Tweets. [0:55 MESZ] Und ein weiterer schön verwirbelter Kondensstreifen. [1:10 MESZ] Ein Storify mit auch falschen Bildern. [1:40 MESZ] Ein weiteres Dashcam-Video: Hier fliegt er bei 0:26. [1:55 MESZ] Die Feuerkugel hat jetzt ihre eigene AMS-Seite – und zwei weitere gute Aufnahmen der verwirbelten Spur hier und hier sowie ein Video-Clip davon und noch ein Tweet-basierter „Artikel“. [2:45 MESZ] Konfuse Zusammenfassung einer kanadischen Astro-Seite. [3:10 MESZ] Ein drittes Dashcam-Video, das bisher beste, von David Narciso – er fällt um 0:22. [3:35 MESZ] Ein Artikel mit mehr Eigen-Content als Tweets. [3:55 MESZ] Und die ersten quantitativen Aussagen: 50 bis 100 cm Durchmesser, 10 bis 20 Tonnen TNT Explosionsenergie, ein Ereignis das global zweimal pro Woche aber in einer bestimmten Gegend nur einmal alle 5 bis 10 Jahre eintritt. [4:30 MESZ] Und dieser Artikel aus den USA erwähnt die Realtime-Berichterstattung dieses Bloggers parallel auf Twitter. [4:45 MESZ]


4. Mai

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Zweites Maximum des laufenden Sonnenzyklus jetzt höher als das erste – zwar sind Doppel-Maxima eher die Regel als die Ausnahme, aber dass das zweite höher als das erste ausfällt, ist ungewöhnlich; der geglättete Wert liegt jetzt bei 75 im Oktober 2013, nach 67 im Februar 2012. Auch überraschende Aurora letzte Nacht für Nordamerika aber nicht Europa, ungewöhnliche CMEs 2012, aktuelle Nova-Beobachtungen, der Mars am 1.5. und seine Wolken, die Merkur-Abendsichtbarkeit diesen Monat, die Bedeckung eines 3.6-mag.-Sterns heute Abend (mit Streifung in NRW, mehr hier und hier, die Kometen PANSTARRS am 4.5. (mehr), 3.5. (mehr, mehr, mehr und mehr), 2.5. und 1.5. sowie an mehreren Tagen, Jacques heute und gestern und 209P/LINEAR gestern nebst Staub-Analyse, ein altes „Kometenbuch“ (Hintergrund), Beobachtungen zweier Swarm-Satelliten am Himmel – und wie hier auf Seite 3 zu lesen ist, könnte der ESO-Beitritt Brasiliens diesen Juli endlich klappen, was gut für das E-ELT wäre. [20:25 MESZ] Der Austritt von Lambda Gem hinter dem Mond. [23:00 MESZ] Ein Video von Ein- & Austritt und eine missglückte Beobachtung. [23:50 MESZ. NACHTRAG: Bilder von vorher und nachher]

Kurioses Privat-Satelliten-Experiment vor dem Scheitern

Der beim letzten Falcon-9-Start ausgesetzte Nanosatellit KickSat, der über 100 Winzigst-Satelliten aussetzen sollte, wird dies wohl vor seinem baldigen Verglühen nicht mehr tun: Wie jetzt mitgeteilt wurde, hat sich der Timer an Bord irrtümlich zurück gesetzt, so dass die Zeit wohl nicht mehr reichen wird. Pech für die zahlreichen Klein-Spender, die das ganze Projekt überhaupt erst möglich gemacht hatten. Auch gleich neun Starts diesen Monat, eine Curiosity-Serie von einem Phobos-Untergang, die in schwer unterbelichteten Kreisen nicht verstanden wurde – und ein manipuliertes Luftbild eines Shuttle-Starts, das plötzlich wieder die Runde macht und auf einer schon damals missverstandenen Aufnahme aus einem Forschungsflugzeug basiert. [19:00 MESZ. NACHTRAG: weitere KickSat-Artikel hier und hier – mit dem Reentry am (14±3). Mai]


3. Mai

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Das einzige garantiert sichtbare Himmelsschauspiel jedes Jahr in NRW, der Rhein in Flammen bei/in Bonn, wurde dieses Jahr durch klare Sicht auf Mond und Jupiter u.a. garniert: ein Album mit 44 Bildern aus Niederdollendorf. [23:55 ME(S)Z]

Chemisches Element Nr. 117 bestätigt – Zerfall interessant

Im russichen Dubna zum ersten Mal beobachtet, ist das Element mit der Ordnungszahl 117 kürzlich bei der GSI in Darmstadt unabhängig bestätigt worden (auch Press Releases hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier und hier): Damit existiert es so gut wie ‚offiziell‘ und kann wohl auch recht bald einen richtigen Namen erhalten. Interessant ist weniger als Element selbst als wie die beiden in Darmstadt per Fusion von Kalzium-48 und Berkelium-249 erzeugten (117)-294-Atome wieder zerfielen: Unter den Produkten erwies sich das bisher unbekannte Isotop Lawrencium-266 als erstaunlich langlebiges mit einer Halbwertszeit von rund elf Stunden. Mit jedem derartigen Fund wächst die Hoffnung wieder ein bisschen weiter, dass es bei den superschweren (künstlichen) Elementen tatsächlich eine ‚Insel der Stabilität‘ mit extrem langlebigen Isotopen geben könnte. [1:00 MESZ]

Weiterbetrieb von Kanadas Mini-Hubble per Crowdfunding?

Gekostet hat der Satellit MOST 10 Mio. kanadische Dollar, und jedes Jahr kommen 500’000 Dollar für den Betrieb dazu: Da dies der kanadischen Weltraumbehörde nicht mehr sinnvoll erscheint, soll das „Humble Space Telescope“ im September abgeschaltet werden – außer es gelingt, die Kosten per Crowdfunding aufzubringen. Zwar gibt es inzwischen die BRITE-Satelliten für gezielte Sternfotometrie, aber MOST ist nach Ansicht der erzürnten Astronomen immer noch leistungsfähiger und sein Geld wert. Auch ein neuer Mission Manager für Kepler, der weiter auf grünes Licht für die neue K2-Mission wartet, erste Ergebnisse der Swarm-Satelliten zum Magnetfeld der Erde, eine neue NASA-CNES-Mission zur Erforschung des Wassers auf der Erde (SWOT), kommerzielle Partner der NASA für Mond-Lande-Technik, der Status des MER Opportunity – und schon wieder ein Gerst-Interview. [1:00 MESZ]

G2 am nächsten an Sgr A* – und immer noch in einem Stück

Das mysteriöse Objekt, das dem Zentrum der Milchstraße nahe kommt („Teile der Gaswolke G2 …“), befindet sich ungefähr jetzt im Sgr-A*-nächsten Punkt seiner Umlaufbahn – und nach AO-Beobachtungen mit Keck bei 3.8 µm war es im März immer noch im Wesentlichen eine kompakte Quelle. Zwar lag der Abstand von G2 und Sgr A* mit 0.02″ unter der Auflösungsgrenze von 0.09″, aber der Fluss von Sgr A* konnte subtrahiert werden (mittels Messungen auch bei 2.1 µm, wo G2 unsichtbar ist, und der bekannten und konstanten IR-Farbe von Sgr A*) – und G2 war so hell wie immer. Damit dürfte ausscheiden, dass es sich lediglich um eine diffuse Gaswolke handelt, die es weit auseinander gezogen hätte: Offensichtlich sitzt ein Stern im Zentrum, der „G2“ zusammen hält. [1:00 MESZ]

5 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 3. bis 7. Mai 2014”

  1. Dashcams, Tweets Show Bright Daytime Fireball Over Ontario, Canada on May 4 - Technology Org Says:

    […] more videos, tweets and images below, and you can read a liveblog of the event (with lots of links) by Daniel Fischer […]

  2. Allgemeines Live-Blog ab dem 11. Mai 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] prädestiniert, aber die bisher in Form kompletter Papers veröffentlichen Ergebnisse helfen noch nicht weiter (“Neue Planck-Karte der Galaxis …”). Wie aber erst jetzt aufgefallen ist, […]

  3. Allgemeines Live-Blog ab dem 25. Juli 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] dessen Richtung abgelenkt wurde und dort zu Emission von Röntgenstrahlung u.ä. geführt hat. Die Annahme eines Sterns im Zentrum von G2 (ganz unten) wäre dann unnötig, und es gibt sogar mögliche Kandidaten für Sterne weiter […]

  4. Allgemeines Live-Blog ab dem 24. November | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Milchstraße Sgr A* vorbei gesaust ist, ein Stern befindet oder nicht. Bereits im Frühjahr hatte die amerikanische Gruppe konstatiert (“G2 am nächsten an Sgr A* – und immer noch in einem Stück”), dass G2 genau wie ein […]

  5. Dashcams, Tweets Show Bright Daytime Fireball Over Ontario, Canada on May 4 - Universe Today Says:

    […] more videos, tweets and images below, and you can read a liveblog of the event (with lots of links) by Daniel Fischer […]

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