Allgemeines Live-Blog vom 7. bis 13. Juni 2014


13. Juni

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Die „Leichen im Keller der Astronomie“ ans Licht bringen

will das brandneue Munich Institute for Astro- and Particle Physics in Garching, das gestern bei einem Pressegespräch vorgestellt wurde: So drückte sich einer der beiden MIAPP-Direktoren Rolf-Peter Kudritzki (wie immer mit Hawaii-Hemd; links Nobelpreisträger Brian Schmidt, rechts der andere Direktor Martin Beneke und der Co-ordinator des Excellence Cluster Universe, Stephan Paul) wiederholt aus, um den Ansatz dieses neuartigen wissenschaftlichen Treffpunkts zu charakterisieren. Hier kommen ein paarmal im Jahr rund 50 Forscher für einen Monat zusammen, um viel intensiver über heiße Themen zu diskutuieren, als dies bei einer typischen Konferenz möglich ist. Inspiriert wurde das MIAPP durch ähnlich intensive Physik-Meetings in Aspen, doch dort ist man unter sich in den Rocky Mountains – in Garching dagegen sorgt die Lage mitten auf dem riesigen Forschungs-Campus für viele zusätzliche Kontakte, die auch wieder zur Inspiration beitragen.

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Derzeit residiert das MIAPP – zentraler Bestandteil der ersten Verlängerungsphase des Exzellenz-Clusters Universe von 2012 bis 2017 – in einem verlassen vorgefundenen Gebäude (unten), das u.a. Fusionsforscher und ein Reisebüro beheimatet hatte, aber man träumt bereits von einem eigenen Bau (Modell oben) mitten im astronomischen Sektor des Campus. Und was hat der Rest der astronomischen Welt von den MIAPP-Workshops? Die Viewgraphs der Vorträge selbst erscheinen sogleich im Internet, wie beim z.Z. laufenden ersten zur Hubble-Konstanten und Wegen, sie auf 1 % genau zu bestimmen (wobei dieses aktuelle Paper zum Thema nur belächelt worden sei). Und die umfangreichen Diskussionen danach werden erst einmal mitprotokolliert: Wieviel davon letztlich ebenfalls im Web erscheinen wird, darüber scheint es noch diskrepante Meinungen zu geben, denn geht man zu freizügig damit um, wird vielleicht weniger offen über die ’skeletons in the closet‘ diskutiert.

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Im Anschluss an das Pressegespräch bestand noch die Möglichkeit, umfangreiche Interviews mit Kudritzki und einem der Physik-Nobelpreis-Träger von 2011, Brian Schmidt, für die nächste Sendung der interstellarum-Sternstunde aufzuzeichnen, die um den 12. Juli online gehen wird: Die Entdeckung von Lambda>0 bewegt auch 16 1/2 Jahre später noch die Gemüter. Dieser Blogger (u.r.) wäre übrigens am liebsten gleich da geblieben, denn die inspirierende Wirkung des MIAPP stellte sich bereits in den vier Stunden des Aufenthalts daselbst ein … [19:45 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: die komplette Sendung – und das Schmidt-Interview im O-Ton]

dark_iss

So sieht es in der ISS aus, wenn alle schlafen (hmm, aber wer machte dann dieses Bild?) und das Licht ausgemacht haben – es leuchten v.a. Wegweiser zur nächsten Soyuz, wie im Flugzeug … An Bord geht derweil alles den gewohnten Gang, von der Aufregung um das Feuerchen mal abgesehen – und in seinem ersten Blog-Artikel aus dem LEO fordert Gerst bereits das Verlassen desselben. Auch die Fortschritte beim Aerobraking des Venus Express, eine weitere Bahnkorrektur von MOM, globales Interesse an Galileo, das Ende von NOAA 16, die Ursache des Proton-Versagens – und das Triebwerk von ISEE-3 wird nicht vor dem 30. Juni gezündet, da die Bahn der Uralt-Sonde zuvor noch mit dem DSN besser bestimmt werden muss. [17:55 MESZ]

hq124

Mit die besten Radar-„Bilder“ eines erdnahen Asteroiden

sind von den Antennen in Goldstone als Sender und Arecibo als Empfänger am 8. Juni von 2014 HQ124 in 1.4 Mio. km Entfernung aufgenommen worden (Anklicken lieferte weitere Zeitschritte und eine Animation): ein mindestens 370 x 200 Meter großer Contact Binary, der mit 4 Metern Auflösung eine Menge Details zeigt. [0:55 MESZ] Weitere Details der Beobachtungen und Artikel hier und hier. [16:25 MESZ] Und auch hier und hier. [17:15 MESZ]


11. Juni

phoebe

Heute vor 10 Jahren flog Cassini zum 1. Mal nah an einem Saturnmond vorbei, beim ersten und einzigen Encounter mit Phoebe – der Einschuss in den Saturnorbit folgte erst am 1. Juli 2004. Auch Rosettas Ziel von der Erde aus verfolgt, der Tiefflug des Venus Express, der Status diverser Mars-Missionen der Zukunft, deutsches Radio über die Kontaktaufnahme mit ISEE-3, der Status des LightSail, wie Gerst sich selbst erforscht, ein Feuerchen auf der ISS (auch ein Artikel und mehr Links) – und wer zu ihr als erster im Dragon fliegen darf. [23:35 MESZ]

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Noch ein dritter X-Flare aus derselben Gruppe am Sonnenrand wie die beiden gestrigen – mit X1.0 aber schwächer – hat sich heute ereignet (rechts; mehr und mehr), während die aktuellen Flecken im Detail recht ansehnlich sind. [21:15 MESZ] Nun doch Spekulationen über etwaige irdische Wirkungen des gestrigen Doppel-Flares. [22:20 MESZ]

msl-transit

Das war der Merkur-Transit vom 3. Juni 2014 – wie ihn nur der Marsrover Curiosity vom Mars aus beobachten konnte: Viel auffälliger sind zwei Sonnenflecken, aber das diffuse Fleckchen oberhalb von ihnen ist die Silhouette Merkurs, der mit nur 1/6 Pixel Durchmesser kaum Kontrast schafft. Auch die Saga der Radprobleme Curiositys, neue Funksignale von Yutu auf dem Mond, Press Releases hier, hier und hier zu US-Rosetta-Instrumenten, die jetzt beobachten und die beiden großen Burns, die neue Mission Keplers, der Reentry des letzten Progress von der ISS aus aufgenommen, Verschiebungen anderer Transporter, mehr Wissenschaft auf der ISS, die erste Orion nimmt immer mehr Form an – und die neue NASA Authorization Bill (mehr, mehr und mehr Links) sowie Optimismus für SOFIA. [0:00 MESZ] Wo der Hochfrequenzkanal des Ferninfrarotspektrometers GREAT erfolgreich in Betrieb genommen wurde. [21:00 MESZ]


10. Juni

doppelflare

Zwei X-Flares der Sonne binnen 70 Minuten hat es heute Mittag MESZ gegeben: ein Video beider Flares, eine NASA-Seite, Artikel hier, hier und hier, der 1. Flare, der 2. Flare (mehr) und eine CME danach (mehr und mehr), die ohne Folgen bleiben dürfte. Plus das 2. Mini-Maximum des 24. Zyklus (Video) – und dicke Luft bei den Sonnenforschern der NASA. [22:45 MESZ]


9. Juni

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Die Chromosphäre bei der letzten totalen SoFi rund herum um den Mond auf einer Aufnahme von Kristián Molnár und Pavel Štarha am Lake Turkana in Kenia auf 3°29’42.88″N 35°26’45.71″O, wo der Mond nur noch einen Hauch größer als die Sonne war und die Totalität nur noch 11.7 Sekunden dauerte. Auch Komet C/2012 X1 (LINEAR) gestern und aktuell gibt’s wieder gute NLCs in Nord- und Ostdeutschland. [23:55 MESZ]


7. Juni

Schlechte Nachrichten für den SKA aber gute für SOFIA

hat die deutsche Astronomie praktisch zeitgleich erhalten: Völlig überraschend hat die Bundesregierung den Austritt aus dem großen Radioastronomie-Projekt verkündet – während sich auch der US-Senat hinter die fliegende Sternwarte mit deutschem Anteil gestellt hat, was deren Überleben um mindestens ein Jahr beinahe garantiert. Das Ende der deutschen Beteiligung am Square Kilometer Array war offenbar vorher mit niemand diskutiert worden, was bei Astronomen im Inland wie im Ausland Empörung auslöst – und die Hintergründe bleiben rätselhaft. In der Vorbereitungsphase des riesigen Interferometers in Südafrika und Australien sind die Konsequenzen nur gering, aber wenn es an den Bau und die Nutzung geht, haben deutsche Firmen bzw. Astronomen klar das Nachsehen. Derweil geht bei SOFIA alles den gewohnten Gang, insbesondere mit der Ankündigung des Senats, dem Programm mit 87 Mio.$ im FY 2015 sogar mehr zu geben als die 70 Mio.$ des Hauses (mehr und mehr). Zuvor hatte sich die Bundesregierung bis auf Außenminister-Ebene für SOFIA stark gemacht; ob dies bei der Entscheidungsfindung innerhalb der Haus- und Senatsausschüsse eine Rolle spielte, ist schwer zu sagen. Und noch etwas aus der deutschen Forschungslandschaft: angebliche Vetternwirtschaft bei der MPG, in einer Einrichtung, die mit dem Raumfahrt treibenden MPE zusammen hängt. [3:40 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Reaktionen auf den Skandal um den SKA, zu dessen erwarteter Wissenschaft gerade eine große Tagung läuft, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. In Australien dagegen …]

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Drei frühe Aufnahmen mit dem neuen VLT-Instrument SPHERE, dem Spectro-Polarimetric High-contrast Exoplanet REsearch instrument, das kürzlich First Light hatte (auch Artikel hier, hier und hier): vom bekannten Staubring um HR 4796A („So sieht der Gemini Planet Imager …“), der Oberfläche des nur 0.8″ großen Saturnmonds Titan, wo der Blick bei 1.59 µm den Dunst durchdringt, und von einem schwachen Begleiter von Iota Sgr in 0.24″ Abstand. Auch Spaniens E-ELT-Beitritt, ein chinesisches geodätisches Zenit-Teleskop, ein Upgrade von ALMA, der anhaltende Kampf um das Lick Observatory – und die Feriensternwarte des A. Maury in Chile. [2:55 MESZ]

Größerer ’neuer‘ Asteroid kommt auf 1.25 Mio. km nahe

Am 8. Juni fliegt der erst kürzlich vom reaktivierten Satelliten WISE entdeckte ein paar 100 m große 2014 HQ124 in 1.25 Mio. km an der Erde vorbei (Artikel hier und hier). Auch eine Sternbedeckung durch Eugenia mit Monden für Südeuropa am 13. Juni, die Kometen Jacques gestern mit schönem Plasmaschweif, PANSTARRS am 2. Juni, 1. Juni (mehr und mehr) und 31. Mai (mehr) und 2013 UQ4 am 4. Juni, der Jupiter mit 3 Mondschatten am 3. Juni am Taghimmel (mehr, auch hier, hier und hier, und mehr von Luigi Fiorentino‎ in Bari), eine Boden-Kampagne für Pluto-Beobachtungen parallel mit New Horizons, Chi Cygni bald wieder hell, die SN 2014J in M 82 beobachtet mit RadioAstron, ein GRB mit z=4.0 (nebst Press Release) – und Juni-Vorschauen hier und hier. [2:40 MESZ]

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Ein neues Hubble-Bild der Spiralgalaxie NGC 1566 mit der WFC3 in nahen IR: die zweithellste Seyfert-Galaxie, dafür ohne Balken. Auch Weltraumwettervorhersage für den Venus Express, Curiosity auf großer Fahrt, wie Orbiter-Daten Opportunity leiten, ein Zeitraffer-Video von der ISS mit der jetzt stets sichtbaren Sonne, Tests mit dem OPALS-Laser für Kommunikation daselbst, wie ein Shuttle-Astronaut nun am Dragon V2 arbeitet, neue „advanced“ Experimente der NASA – und deren Reaktion auf den neuen NRC-Report, den letzten von vielen … [2:15 MESZ]

Warum die Interpretation der BICEP2-Daten völlig offen ist

In den beiden Papers „A joint analysis of Planck and BICEP2 B modes including dust“ und „Toward an Understanding of Foreground Emission in the BICEP2 Region“ ist jetzt detailliert vorgerechnet worden, dass das Polarisationssignal mit Curl auf großen Skalen komplett auf Staub in der Milchstraße zurückgehen könnte, sich dies aber gegenwärtig ebenso wenig beweisen lässt wie dass das Zeitalter der „Gravitational Wave astronomy and cosmology“ nun begonnen hat: Was hier schon mehrfach berichtet worden ist („Die BICEP2-Resultate sind jetzt eine Schrödingersche Katze“), gibt es nun auch quantitativ nach zu lesen. Mit der Warnung im 1. Paper, dass auch die Messungen des Planck-Satelliten die Frage nur klären können werden, wenn sie sehr genau ausfallen, während das 2. Optimismus versprüht: Zusammen mit einigen weiteren Daten werde bald „a definitive discovery of gravitational waves“ in der CMBR möglich sein – wenn sie denn da sind. Auch eine kürzliche Debatte zum Thema (zu den Daten ab 1:16:50), ein Schlagzeilen-Vergleich und Artikel vom 6. Juni, 5. Juni hier, hier, hier und hier, 4. Juni hier und hier, 3. Juni hier, hier, hier und hier, 2. Juni hier und hier, 30. Mai hier und hier, 29. Mai hier, hier und hier, 28. Mai hier und hier, 27. Mai und 21. Mai hier, hier und hier. [1:00 MESZ]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 7. bis 13. Juni 2014”

  1. Allgemeines Live-Blog vom 28.11. bis 2.12.2014 | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Square Kilometer Array darf Deutschland nicht mitmachen, hat die Bundesregierung bekanntlich mal so eben verfügt – aber wenigstens bei einem der Vorgänger-Projekte geht noch was: Das Max-Planck-Institut […]

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