Allgemeines Live-Blog vom 17. bis 19. Juni 2014


19. Juni

2011md

Werden diesen erdnahen Asteroiden – 2011 MD – demnächst Astronauten besuchen? Mit Hilfe des Spitzer Space Telecope wurden jetzt seine Eigenschaften bestimmt [NACHTRAG: das komplette Paper] (oder auch nicht, wie andere Asteroidenforscher bereits hier, hier und hier meckern), und für die weiterhin geplante lunare Asteroid Redirect Mission könnte er sich eignen [NACHTRAG: mehr Kandidaten]. Auch Beobachtungen mit Swift am Kometen Siding Spring, PANSTARRS heute und gestern (auch im Negativ), die Bahn von P/2013 UQ4, der Mars 2014 (mehr), extreme JupiterBild-Verarbeitung 2013, US-Planungen für die SoFi 2017, ein Hangout zum HUDF, das neue ISS-Instrument RapidScat – und eine lange russische EVA daselbst heute (mehr und mehr). [23:55 MESZ – Ende. NACHTRÄGE: weitere Artikel hier und hier und mehr Links]

BICEP2-Paper veröffentlicht – und nun deutlich vorsichtiger

Das Paper mit dem möglichen Nachweis von Gravitationswellen des Urknalls in der kosmischen Hintergrundstrahlung ist heute formell publiziert worden, nebst Begleitartikeln hier und hier, einem Press Release und einem Editorial (auch Artikel hier und hier sowie früher): Zwar geht man weiter davon aus, dass man das Signal – und sogar stark – gefunden habe, doch man gibt nun zu, dass galaktischer Staub es in Teilen oder auch komplett erklären könnten. Und das vermeintliche Gegenargument mittels einer ‚geklauten‘ Planck-Karte wurde gestrichen … [20:30 MESZ]

In zwei Stunden wird der Gipfel des Armazones gesprengt

Denn wie die ESO verraten hat, sollte es gegen 20:10 MESZ passieren (während der Webcast der Ereignisse gleich beginnt und von 18:30 bis 20:30 MESZ laufen soll): Vorschauen hier und hier, ein Artikel – und letzte Blicke auf den Berg im Originalzustand hier, hier und hier. [18:10 MESZ] Der Webcast – mit 13’000 Zuschauern! – läuft; vorher verriet eine Tafel, dass die ‚Zeremonie‘ erst um 19:00 MESZ beginnt, mit einer Stunde Ansprachen und dem großen Knall in der Tat um 20:10 MESZ. [18:35 MESZ]

arma1

Nun im Webcast Ansprachen in einem Zelt, während der Berg noch nichts ahnt … [19:05 MESZ] Astro-Mathematik: Einer rechnet in seiner Rede vor, dass es in Europa 3000, in Chile dagegen nur 100 Astronomen gibt, Chile aber 10% der Beobachtungszeit mit dem E-ELT zusteht – und damit jedem chilenischen Astronomen 3-mal mehr als einem europäischen. [19:25 MESZ]

arma2

Plöpp! Eine halbe Stunde früher als angekündigt – und erheblich unspektakulärer als die tausende Zuschauer des Webcasts erwartet hatten, wie einem Sturm hämischer Kommentare im Chat zu entnehmen – hat es Bumm gemacht. Die Staubwolke zog nach rechts ab. Ende. [19:45 MESZ] Ein Amateurfoto der Sprengung zeigt auch nicht mehr. [19:55 MESZ] Und das Ganze als Zeitraffer-Clip … [20:05 MESZ.

E-ELT blasting close-up

NACHTRÄGE: Aus ein paar 100 Metern (statt 20 km) Abstand sah die Sprengung nach etwas mehr aus (dito in Bewegung), die erste von vielen – 5000 Kubikmeter Fels wurden jetzt entfernt, am Ende sollen es 220’000 sein. Auch wurde heute der Anschluss ans Stromnetz unterschieben. Und Artikel hier, hier, hier, hier und hier]

Neue Rosetta-Bilder: Zielkomet hat keine Staubkoma mehr!

Als der Kometen-Orbiter in spe am 30.4. sein Ziel mit der OSIRIS-Kamera aufnahm, zeigte Churyumov-Gerasimenko eine ordentliche Koma („So sah ROSETTA die Koma …“) – aber bei neuen OSIRIS-Aufnahmen am 4. Juni war sie komplett verschwunden, und auch die Helligkeit insgesamt war gesunken. Mit nahendem Perihel wird Komet C-G aber sicher wieder aktiv, und Rosetta kann aus der Nähe zuschauen – und wird, wie jetzt erwogen wird, am Ende ihres Orbiter-Daseins womöglich auf C-Gs Kern „landen“, so wie einst NEAR auf Eros, auch das war nicht Teil der Mission gewesen [NACHTRÄGE: weitere Artikel hier und hier]. Auch Messungen der Swarm-Satelliten zu Schwankungen des Erdmagnetfelds, der kommende Satellit CuSPP, eine Aufnahme von Messier 51 durch Gaia – und der Start von zwei weiteren BRITE-Satelliten zur Stern-Fotometrie. [18:05 MESZ. NACHTRÄGE: Da waren noch viel mehr Satelliten auf der Dnepr-Rakete gewesen, wobei die 37 einen Rekord für einen Massenstart aufstellten – auch mehr Links]

hexapod

Kleines Teleskop in Chile: je dicker Sterne, desto doppelt

Klein ist das Hexapod-Teleskop der Uni Bochum natürlich nur im Vergleich zu seinen gewaltigen chilenischen Nachbarn: Immerhin hat es 1.5 m Durchmesser. Als Prototyp für ein innovatives Teleskopkonzept in den 1980er Jahren geplant und schließlich auch gebaut, hatte es zunächst im Bochumer Botanischen Garten gestanden, bevor es 2006 nach Chile umzog, wo unweit des Cerro Paranal das kleine Observatorio Cerro Armazones entstand. Jetzt verweist die Universität auf allerdings schon vor zwei Jahren publizierte Erkenntnisse, für die ein „kleines“ aber dafür einer Arbeitsgruppe umfassend zur Verfügung stehendes Instrument ideal ist: 790 O- und B-Sterne wurden systematisch spektroskopiert. Und es zeigte sich, dass mindestens 82% der Sterne mit mehr als 16 Sonnenmassen (Spektraltyp O) enge Doppelsternsysteme sind, erst bei den B-Sternen nimmt der Anteil mit sinkender Masse deutlich ab, auf etwa 20% bei 3 Sonnenmassen. Da die beiden Partner meist ähnliche Massen haben, sind sie offensichtlich zusammen entstanden (denn dass ein massereicher einen anderern massereichen einfängt, wäre reichlich unwahrscheinlich): eine wichtige Erkenntnis für die Physik der Sternentstehung. Hmm, Cerro Armazones – da war doch was? Genau: In nur 1.5 km Entfernung vom Hexapod wird heute der Gipfel des Berges selbst gesprengt, um Platz für das E-ELT zu machen, neben dessen 39 m Durchmesser das Hexapod erst recht ein Zwerg sein wird. Aber ein, wie man gesehen hat, ziemlich nützlicher. Auch eine Exoplaneten-Transit-Beobachtung mit SOFIA, ein MASER-Upgrade für ALMA, neue Hoffnung für das JCMT – und weiter Empörung in Deutschland über den ungefragten SKA-Ausstieg, während China schon bereit steht (Absatz XIX) … [17:50 MESZ]

Viel beachtete Vollmond-Schlaf-Studie nun klar widerlegt

Vor einem Jahr sorgte ein angeblich signifikanter Zusammenhang von Mondphase und Schlaf für einiges Aufsehen und wurde entweder blind geglaubt oder verdammt. Vor allem die extrem geringe Datenmenge und die merkwürdigen Umstände der Entstehung des Papers ließen reichlich Raum für entschiedene Zweifel. Jetzt gibt es eine andere Studie, die konkret die 2013-er Methodik nachvollzieht, aber mit dramatisch mehr Probanden und Nächten (Cordi et al., Current Biology 12 [17.6.2014] R549-50): Es gibt keinerlei Effekt des Mondes. Und mehr noch: Es zeigte sich, dass schon desöfteren Schlafstudien zu anderen Zwecken im Nachhinein auch in Richtung Mondphase analysiert worden waren, durchweg mit demselben negativen Ergebnis. Aber nur die wenigsten Nullresultate wurden veröffentlicht, so dass die wenigen scheinbar positiven das Gesamtbild stark verzerren: Das File Drawer Problem schlägt zu … [17:20 MESZ]


18. Juni

lro

Ein schräger Blick des Lunar Reconaissance Orbiter auf die Hadley-Rille und den Landeplatz von Apollo 15: die ‚Hadley Base‘ zwischen nämlicher Rille und den Apenninen. [23:50 MESZ]

Venus-Aerobraking, dritter Rosetta-Burn, Titan-Encounter

Eine Menge los heute im Sonnensystem: Die Abbremsung des Venus Express durch Absenken der Bahn in die Atmosphäre hat heute begonnen, und ein bisschen Wissenschaft ist dabei auch drin (dito beim MESSENGER im Merkur-Orbit dessen letzte Missionsphase im Tiefflug ebenfalls gerade eingeleitet wure). Weiterhin hat der 3. Triebwerks-Burn Rosettas zur Bahnangleichung an den Zielkometen heute planmäßig begonnen – und Cassini im Saturnorbit fliegt wieder einmal am Titan vorbei, bei Titan 102, wobei die Hoffnungen groß sind, den Datenreichtum des letzten Besuchs zu wiederholen. Auch das aktuelle Treiben der Marsrover Curiosity und Opportunity (keine besonderen Vorkommnisse), ein seltener Update vom AMS-02 auf der ISS, Experimente daselbst mit dem OPALS-Laser, neue Experimente mit dem 5. und letzten ATV – und ein Interview mit A. Gersts Nachfolgerin auf der ISS, für deutsche Medien jetzt leichter zu erreichen. [18:30 MESZ] Rosettas 3. Burn ist problemlos absolviert, plus ein Artikel zum Venus Express. [23:25 MESZ]


17. Juni

P1510040sw

Leuchtende Nachtwolken bis nach NRW gab es vergangene Nacht zu sehen, hier halb wolkenverdeckt aus dem Ruhrgebiet um halb drei – weiter nördlich war natürlich mehr zu sehen. [12:45 MESZ] So wie auch in diesem Video aus Dänemark. [23:55 MESZ]

Das expandierende Lichtecho von V838 Mon – gemorpht: Seit über 10 Jahren schon fasziniert dieses kosmische Projektions-Spektakel nach einer Sterneruption, jetzt ist aus 8 HST-Aufnahmen von 2002-2006 ein flüssiger Zeitrafferfilm erzeugt worden. [12:35 MESZ]

The final ALMA antenna arrives at Chajnantor

Alle 66 Antennenschüsseln von ALMA sind jetzt am Platz auf dem chilenischen Chajnantor-Hochplateau: Hier wird am 13. Juni die letzte heran gekarrt, die 25. europäische 12-m-Antenne, die sich zu 25 amerikanischen und 16 japanischen (12 und 7 m) gesellt. [11:20 MESZ. NACHTRAG: Artikel dazu hier und hier]

Kometen-Entdecker Bill Bradfield – 18 Funde! – gestorben

Groß ist die Trauer unter Kometenfans, nachdem erst jetzt bekannt wurde, dass schon am 9. Juni der australische Kometenjäger William A. Bradfield mit 86 verstorben ist: ein 10 Jahre alter Artikel über ihn und erste Nachrufe hier und hier. Besonders bemerkenswert am Lebenswerk des freundlichen und etwas scheuen Bradfield: Alle 18 Kometen fand er – zwischen 1972 und 2004 – visuell, und alle tragen allein seinen Namen [NACHTRAG: weitere Nachrufe hier und hier]. Auch ein neuer Komet NEOWISE (Bilder von WISE und von Amateuren), der Komet gewordene Asteroid P/2013 UQ4 (Catalina) mit interessanten Details gestern, der alt bekannte PANSTARRS vorgestern, mehrere Workshops zu Siding Spring am Mars (Item 4) – und die ESO macht eine Show aus der Bergsprengung für das E-ELT am 19. Juni. [1:00 MESZ]

hst-kbo

Hubble auf der Suche nach einem 2. Ziel für New Horizons

Der Wert der New Horizons-Mission in den Kuiper-Gürtel würde erheblich steigen, wenn die Sonde nach dem Vorbeiflug am Zwergplaneten Pluto am 14. Juli 2015 noch ein zweites, viel kleineres Objekt besuchen könnte: Das war schon beim Start klar gewesen, doch ein konkretes Ziel gab es damals nicht – und alle Suchprogramme von der Erde aus haben auch seither keins gefunden. Und so hat sich das Time Allocation Committee nun entschieden, die Suche mit dem Hubble-Teleskop fortzusetzen (mehr, mehr, mehr, mehr und mehr [NACHTRAG: und mehr, mehr, mehr und mehr plus mehr Links]): Hier die erste tiefe Aufnahme dieses Programms, das zunächst nur zur Probe läuft. Erst wenn sich dabei eine statistisch hohe Wahrscheinlichkeit erweist, dass Hubble ein geeignetes Zweitziel für New Horizons finden kann, wird mehr von der extrem wertvollen Beobachtungszeit des Satelliten geopfert und ein etwa Vollmond-großes Himmelsfeld abgesucht. Auch Effekte des Weltraumwetters am Merkur, Labor-Experimente zum Titan im Vergleich mit Cassini-Daten – und wer immer noch die Voyagers steuert, Jahrzehnte nach ihren Starts. [1:00 MESZ]

Das Streulicht-Problem Gaias bleibt: Folgen nur moderat?

Wie die ESA jetzt zugeben musste, ist es nicht gelungen, das überraschende Streulicht-Problem in der Optik zu beseitigen oder auch nur komplett zu modellieren: Man wird bei der Astrometrie-Mission damit leben müssen. Das hat z.B. zur Folge, dass die Genauigkeit bei den schwächsten Sternen (20. Größe) um 50% verschlechtert wird (430 statt 290 µas) und bei helleren immer weniger, bis von 15. Größe (25 µas) aufwärts kein Effekt mehr eintritt. Aber trotz „some loss relative to Gaia’s pre-launch performance predictions, we already know that the scientific return from the mission will still be immense,“ verspricht die ESA – die das mit einer einmonatigen wissenschaftlichen Testphase bald demonstrieren will [NACHTRAG: ein Artikel dazu]. Auch was die ISS-Crew so treibt, zwar nun zwei Passagiere für einen Soyuz-Flug um den Mond aber noch nicht die modifizierte Hardware – und bald ist der 10. Jahrestag des ersten Raumflugs des SpaceShipOne, während das SpaceShipTwo vielleicht noch dieses Jahr so weit kommt. [1:00 MESZ]

Eine Antwort to “Allgemeines Live-Blog vom 17. bis 19. Juni 2014”

  1. So sieht ein ordentliches Weltraum-T-Shirt aus | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Kuiper-Gürtel-Objekte hat Hubble gefunden, bei den Test-Beobachtungen im Auftrag von New Horizons (“Hubble auf der Suche nach einem 2. Ziel für New Horizons”): Damit ist es statistisch […]

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