Das hat Philae wissenschaftlich schon erreicht

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Hier kommt der Kometenlander angeflogen (unten) – und hier hat er gerade seinen ersten großen Sprung begonnen (oben; ganz rechts), nachdem er zum ersten Mal den Kometenkern berührt hatte (oben; links): die ersten Aufnahmen der OSIRIS-Kamera von der Ankunft Philaes, dessen aktuellen Standort sie freilich immer noch nicht entdeckt hat. Die Detailauflösung der Bilder beträgt 28 cm/Pixel, die quadratischen Insets auf der Aufnahme haben eine Kantenlänge von 17 m. Besonders interessant erscheint das Foto der Landestelle um 16.43 Uhr MEZ: Im Vergleich zu der Aufnahme um 16.18 Uhr ist deutlich eine Veränderung der Oberflächenstruktur zu sehen, und tatsächlich hat Philae um 16.34 Uhr den Kometen zum ersten Mal berührt: Sind dies etwa Abdrücke der Landebeine? Ebenfalls heute präsentiert wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Philae bei seinem kurzen Batteriebetrieb in schräger Lage gewinnen konnte: Mehr als 60 Stunden hatte Philae dennoch kontinuierlich gearbeitet und bei jeder Funkverbindung Daten geschickt.

Fest wie Eis ist Churyumov-Gerasimenko, schätzt das Team der Thermalsonde MUPUS (Multi-Purpose Sensors for Surface and Sub-Surface Science), deren Sonde sich in den Kometen hämmern sollte und dies bekanntlich nicht konnte. Auch das Team des SESAME-Experiments (Surface Electrical, Seismic and Acoustic Monitoring Experiments) kann bereits jetzt bestätigen, dass Churyumov-Gerasimenko bei weitem nicht so weich und fluffig ist, wie man es angenommen hatte: Die Festigkeit der Eisschicht unter einer Staubschicht am ersten Landeplatz ist überraschend hoch. Das Instrument CASSE, das in den Füßen des Landers sitzt, wurde bereits beim ersten Abstieg eingeschaltet und registrierte deutlich die Landung beim ersten Kontakt mit dem Kometen. Aus den weiteren Daten sollen die mechanischen Eigenschaften von Churyumov-Gerasimenko abgeleitet werden. Zwei weitere Instrumente von SESAME lassen auf eine derzeit noch geringe Aktivität des Kometen an dieser Landestelle sowie auf eine größere Menge Wassereis unter dem Lander schließen.

Als letztes der zehn Instrumente an Bord von Lander Philae wurde der Bohrer SD2 aktiviert, der Bodenproben für die Instrumente COSAC und PTOLEMY zur Verfügung stellen sollte. Sicher ist, dass der Bohrer ausgefahren wurde und alle Arbeitsschritte abarbeitete, um eine Probe in den dafür vorgesehenen Ofen zu transportieren, und auch COSAC funktionierte wie geplant – leider hat sich aber gerade herausgestellt, dass keine Bodenprobe hinein gelangte (und bei PTOLEMY war es gar nicht erst versucht worden). Allerdings konnte COSAC bereits nach der Landung die Atmosphäre „erschnüffeln“ und die ersten organischen Moleküle aufspüren. Weitere Daten gibt es von der Kamera ROLIS, die auch am endgültigen Standort Aufnahmen machen konnte (die aber nicht gezeigt wurden), und dem Radarexperiment CONSERT: Dabei befanden sich Lander und Orbiter auf unterschiedlichen Seiten des Kometen und durchleuchteten gemeinsam den Kometenkern, um ein dreidimensionales Profil zu erstellen.

Mit den CONSERT-Messungen verabschiedete sich Philae auch in den Winterschlaf, nachdem die Energie seiner Primärbatterie wie berechnet erschöpft war. „Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass Philae wieder Kontakt mit uns aufnimmt und wir erneut die Instrumente betreiben können“, sagt Lander-Projektleiter Dr. Stephan Ulamec vom DLR: Hat sich die wiederaufladbare Sekundärbatterie des Landers durch die Sonneneinstrahlung wieder aufgewärmt, meldet sich Philae selbstständig und das Team des Lander-Kontrollzentrums am DLR nimmt seine Arbeit an den Steuerkonsolen erneut auf. Ein Vorteil des schattigeren Landeplatzes an einem Kraterrand: Lander Philae wird bei der Annäherung an die Sonne nicht so schnell überhitzen, sondern von der stärkeren Sonneneinstrahlung profitieren. Dafür drehte das Lander-Kontrollteam Philae in der Nacht vom 14. auf den 15. November 2014, so dass dass größte Solarpaneel nun in Richtung Sonne ausgerichtet ist.

Wahrscheinlich im Frühjahr 2015, schätzt Ulamec, kann das Lander-Kontrollzentrum des DLR wieder mit Philae kommunizieren und eine kurze Rückmeldung erhalten, wie es dem Lander auf Churyumov-Gerasimenko geht. Im Sommer 2015 könnten dann auf dem Kometen Temperaturen herrschen, die es Philae erlauben, seine Batterie aufzuladen und ein zweites Mal wissenschaftliche Daten gewinnen: dann freilich auf einem wesentlich aktiveren Kometen nahe dem Perihel. Auch ein Glückwunsch vom NASA- an den DLR-Chef, Artikel – auch zu allerlei Themen am Rande der Mission – hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein 27-minütiges Radio-Feature vom Landetag und noch ein cooler MUPUS-Scherz zum Hammer auf Maximum. [NACHTRÄGE: der Komet mit Gemini, mehr Artikel hier, hier, hier, hier, hier und hier – und die tolle BBC-Doku von gestern]

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Das soll der nächste Mars-Lander der NASA werden: InSight bei den Vorbereitungen für Tests vor dem Start 2016. Auch MAVEN als Relais, Erkenntnisse von Curiosity und Opportunity (mehr), Chinas Visionen eines Marsrovers, die Atmsphären-Tunker des Venzs Express, ein neues Erde/Mond-Bild von Chang’e-5 T1 in der Extended Mission, Cassinis Ozeanographie des Titan, Spitzer-Beobachtungen an einem jungen Quasi-Sonnensystem (mehr), ein neuer STScI-Chef für WFIRST-AFTA, weitere Rettungsbemühungen für STEREO B, die Anhebung der Orbits der gestrandeten Galileos, neue Bodenstationen für COSPAS – und die Zukunft der Ariane wird klarer.

Ein 10-Minuten-Video mit den Highlights von Blue-Dot

Also der Mission von Alexander Gerst, der auch eine erste Pressekonferenz gegeben hat: PMn von DLR und BMWi, Artikel hier und hier und die rustikale Rückkehr per Soyuz. Auch russische Gerüchte über den Bau einer nationalen Raumstation ab 2017 [NACHTRAG: mehr Links], die Ankunft der ersten Orion, die später mit ATV-Technologie fliegen wird (Artikel hier, hier und hier [NACHTRAG: und hier und hier] und mehr Links), weiter Streit um die Asteroid Redirect Mission – und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier zur Untersuchung des SpaceShipTwo-Unfalls (Siebold weiß nichts) und den Folgen.

Eine Antwort to “Das hat Philae wissenschaftlich schon erreicht”

  1. Allgemeines Live-Blog ab dem 18. November | Skyweek Zwei Punkt Null Says:

    […] Alles über's All … von Daniel Fischer … seit 1985 – und jetzt online im klassischen Blog-Format « Das hat Philae wissenschaftlich schon erreicht […]

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