Allgemeines Live-Blog vom 27. 2. bis 3. 3. 2015


3. März

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So sah OSIRIS die Kometen-Oberfläche aus 6 km Höhe – und den unscharfen Schatten Rosettas (20 x 50 m groß) – während des nahen Kernvorbeiflugs am 14. Februar: Wie versprochen wurde genau eine Aufnahme mit im Original 11 cm/Pixel Auflösung publiziert. Auch eine Aufhellung des Bodens rund um den Schatten – ein klassischer Oppositionseffekt – ist zu erkennen, während die Landschaft selbt mit der Sonne hinter der Sonde natürlich kaum Textur zeigt: Press Releases von ESA, MPS und DLR und Artikel hier, hier, hier und hier. Auch ein seltenes wissenschaftliches Ergebnis von MOM, Indiens Marsorbiter (Albedo-Karte bei 1.7 µm), ein mysteriöser Hochenergie-Blitz aus Messier 31 (mehr, mehr, mehr und die ganze Story), die Ursache der Satelliten-Explosion (mehr, mehr, mehr und mehr Links), das Ende der Ära Mikulski (mehr, mehr und mehr), Messung der Strahlung und Fotografie auf der ISS – und ein Super Pressure Balloon der NASA könnte Rekorde brechen. [23:55 MEZ – Ende]


2. März

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Dawn vor der Ankunft – und Ceres erstmal im Gegenlicht

Am 6. März gegen 13:20 MEZ soll die Raumsonde Dawn sanft von der Schwerkraft des Zwergplaneten Ceres eingefangen werden, aber dann besteht kein Funkkontakt: Eine konkrete Bestätigung wird es erst mehrere Stunden später geben, war gerade auf der letzten Pressekonferenz vor der Ankunft – die dabei gezeigten Videoclips und eine komplette Aufzeichnung – zu hören. Und auch auf neue Bilder der spannenden Oberfläche wird man warten müssen: Hatte Dawn die Sonne bisher fast hinter sich, zeigten schon die aktuellsten vorliegenden Aufnahmen vom 25. Februar aus 40’000 km Abstand (oben) Halb-Ceres – und einen Monat lang ist für Dawn nun praktisch Neu-Ceres. Erst wenn wieder mehr von der Oberfläche in der Sonne liegt, beginnen Ende April die systematischen wissenschaftlichen Beobachtungen aus zunächst noch hoher Umlaufbahn, die bis Dezember freilich auf 380 km Höhe abgesenkt wird: Die Auflösung wird also noch 100-mal besser als auf den Bildern oben. Das Video und die Karte darunter basieren auf Aufnahmen vom 19. Februar mit 4 km/Pixel: Es gibt glatte Gebiete und chaotisch zerklüftete Landschaften, Impaktkrater aller Größen – und die mysteriösen hellen Flecken, die mit Abstand größte Überraschung der Mission bisher.

Interessanterweise liegen die beiden hellsten in einem 92-km-Krater und dieser wiederum in einem der Längen-Bereich, wo der IR-Satellit Herschel einst Wasserdampf nachwies: Das könnte für ein Szenario mit einem Impakt, Ausgasen und hellen Rückständen aus Eis und/oder Salzen sprechen. Auch interessant ein 300-km-Becken (in dem Kartenausschnitt ganz links unten) mit besonders glattem Boden: Hier ist durch den Impakt wohl die Eiskomponente von Ceres teilweise geschmolzen und geflossen, ein geologischer Prozess. Dawn wird also einiges zu tun bekommen, bis die Primärmission im Juni 2016 endet: Danach dürfte der Hydrazin-Vorrat – das kritischste Verbrauchsgut, entscheidend für die Lageregelung – allenfalls noch wenige Monate reichen. Wie es mit Dawns Mission, die von Anfang bis Ende 473 Mio. gekostet haben wird und damit zu den billigsten interplanetaren gehört, schließlich zuende gehen soll, wird später entschieden: Auf jeden Fall bleibt die Sonde in einer für Jahrhunderte stabilen Bahn in der Nähe von Ceres zurück. Auch ein 3-Minuten-Video über Dawn, Artikel hier, hier und hier sowie ein merkwürdiger ESA Release, der sich auf eine angedachte Asteroiden-Mission von NASA und ESA bezieht, die alles andere als beschlossene Sache ist – und von Rosetta ein Bild mit Jets vom 26. Februar und die Physik des Gesanges‘ für das Magnetometer ROMAP, bereits hier im letzten Absatz erwähnt. [20:10 MEZ. NACHTRÄGE: Probleme mit der Geometrie publizierter Bilder, Press Releases von NASA und MPG, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links]

„Planet“ Fomalhaut b doch nur kurzlebige Trümmerwolke?

Seit Jahren schon verfolgt das Hubble Space Telescope ein Objekt im Orbit um den Stern Fomalhaut, das weniger als eine Jupitermasse hat aber im sichtbaren Licht hell ist: ein Planet mit einer staubigen Hülle – oder nur ein Staubklumpen ohne etwas Kompaktes darin? Das letztere Szenario – das dem Entdecker dieses schon mal als ‚Fomalhaut B‘ katalogisierten Mysteriums gar nichts schmeckt – ist jetzt weiter ausgebaut worden: Danach passt zu allen Daten am besten „eine transiente Staubwolke, die bei der katastrophalen Kollision von Planetesimalen in der Scheibe um den Stern entstand“, welche ebenfalls optisch sehr auffällig ist. Das nun entworfene große Bild sieht in ihr ein Gegenstück des frühen Kuiper-Gürtels des Sonnensystems, wo es vor 10 bis 100 Mio. Jahren zu großer Unruhe und entsprechend vielen Kollisionen von Planetenbausteinen untereinander kam, von denen viele auf so so exzentrische Bahnen wie Fomalhaut b gerieten. Noch heute wäre demnach mit einem Dutzend großer Crashs, die 100-km-Objekte betreffen, pro Jahrzehnt zu rechnen, von denen aber nur die wenigsten helle Wolken produzieren. Das Szenario macht klare Voraussagen: Zum einen müßte sich ‚Fomalhaut b‘ mit der Zeit immer weiter ausdehnen und verblassen (analog der Koma des Kometen Holmes nach dessen Ausbruch 2007), zum anderen müssten anderswo plötzlich neue vergleichbare Wölkchen auftauchen. Eine weitere Überwachung der Umgebung Fomalhauts mit Hubble – und später erst recht dem JWST – wäre also angebracht. [18:55 MEZ]

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Ein Falcon-9-Start mal völlig ohne Drama und Probleme

ist vergangene Nacht geglückt, bei dem zwei kommerzielle Nachrichtensatelliten ausgesetzt wurden; hier der Start und das zweite Deployment (dem europäischen Eutelsat 115 West B) wie von SpaceX verbreitet: weitere Strichspuren vom Nachtstart hier, hier, hier, hier und hier, einige Standbilder aus dem Webcast (Lift-Off bei 14:57) und Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [10:05 MEZ] Ein Boeing Release und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [12:05 MEZ] Und hier, hier und hier sowie mehr Links. [17:55 MEZ. NACHTTRAG: Nahaufnahmen vom Start]


1. März

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Szenen der dritten ISS-EVA innerhalb von acht Tagen: mal wieder 90 Minuten ‚zu‘ schnell gegenüber dem Zeitplan; Fortschritts-Berichte bloggt die NASA. [17:15 MEZ] Und die EVA-Trilogie ist zuende! Die Dock-Adapter für CTS-100 und Crew Dragon können kommen. [18:40 MEZ] Und Virts hat doch schon wieder Wasser im Helm nach der EVA, offenbar erneut erst danach kondensiert. [18:55 MEZ] Lange und kurze Zusammenfassungen der EVA. [19:05 MEZ] Eine weitere lange. [20:00 MEZ. NACHTRÄGE: ein EVA-Foto von Virts, Artikel hier und hier und mehr Links]

test

Wenn man ein Schwarzes Loch mit an den Strand nehmen würde, dann sähe die Welt so aus: ein Standbild aus einer Echtzeitsimulation, die hier gestartet werden kann, allerdings nicht in allen Browsern korrekt läuft (das war der 3. Versuch). Das SL kann vor drei verschiedene Hintergründe gesetzt werden, natürlich auch astronomischere, die dann von seinem extremem Schwerefeld wüst gelinst werden. Die Geometrie des SL aus ‚Interstellar‘ mit der Akkretionsscheibe als Lichtquelle („Das Schwarze Loch von ‘Interstellar‘ …“) kann die Simulation nicht liefern, das geht nur mit drastisch aufwändigerem Raytracing. Aber die grundlegenden Effekte des stark gekrümmten Raumes kommen auch in der einfachen Demonstration gut zur Geltung. [16:20 MEZ]

Und die März-Ausgabe der Sternstunde ist da: Impressionen von den Dreharbeiten gibt es hier, mehr zu Dawn kurz vor Ceres – und das Rätsel der weißen Flecken – ist hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier zu finden, und die beschriebene Sonnenprojektion per Spiegel wird hier motiviert und dokumentiert. [14:05 MEZ. NACHTRAG: die Sendezeiten auf TecTime TV per Satellit]

farbgeist

Der „Geist von SOHO“ in Farbe gestern Abend von Michael Jäger mit 10″/4.0 Moravian G3-11002 aufgenommen: L-7x90sec 2×2 bin filter UV/IR und RGB 30/30/30 4×4 bin – also einfach ist das nicht … Auch eine Schwarzweiß-Version, ein anderes Bild von gestern und eins von vorgestern sowie Lovejoy vorgestern. Und erste quantitative Berichte – dank des neuen internationalen Report-Systems – von einer wohl hellen Feuerkugel über Kerala (Südwestindien) vorgestern, über die selbst Artikel heute weiter wenig hergeben und von der scheint’s alle Bilder falsch sind. Derweil weiß man in Stuttgart, was bei einer SoFi passiert (wenn der Schatten des Mondes auf die Sonne fällt, wo kommt eigentlich das Licht her?), ein langer Bericht vom 2015 Spring Starcamp auf 55° Nord im UK – und der Sternhimmel im März. [13:00 MEZ]

cubesats

Zwei weitere Planet Labs Doves haben die ISS verlassen, nachdem die Minisatelliten-‚Kanone‘ repariert worden war: auch ein Artikel und Bilder hier und hier. Um 13:10 MEZ soll auf der ISS die nächste EVA beginnen, nachdem das Helm-Wasser-Problem bei der letzten (mehr, mehr und mehr Links) als nicht bedrohlich erachtet wurde: Ziele und Updates. Auch die Zukunft der ISS, die Explosion eines alten Satelliten im Orbit, Fortschritte beim LISA Pathfinder – und Bio-Spekulationen über Titan, den Saturnmond. [11:35 MEZ] Die EVA beginnt in Kürze. [12:40 MEZ] Und die EVA hat begonnen, um 12:52 MEZ. [12:55 MEZ. NACHTRÄGE: ein Artikel zur laufenden EVA und Screenshots hier, hier, hier und hier]


27. Februar

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Den „Geist“ des SOHO-Kometen an der Nordsee erwischt!

Er ist noch da, aber lediglich als kopfloser Staubstreifen – was immerhin mehr ist, als von ISON nach dessen Periheldurchgang am irdischen Himmel erschien: Heute Abend hat Jost Jahn auf Amrum den eindeutigen Bild-Beweis geschafft, dass der von SOHO entdeckte Komet, der sein Perihel überlebte, nun am Abendhimmel steht (und damit das weniger eindeutige frühere Bild aus den USA bestätigt). „Die Rohbilder sehen grausig hell aus und kaum was drauf zu erkennen“, berichtet Jahn, doch: „Ein wenig mit Fitswork gearbeitet, und ich denke es ist der Geist von C/2015 D1 drauf. Der Geist ist recht hell und wird die nächsten Tage immer höher steigen.“ Und an anderer Stelle prognostiziert er gar, dass der SOHO-Geist dann „sicher ein schönes Bild hergeben“ wird – für energische Astrofotografen, wohlgemerkt. Auch der Komet C/2015 C2 (SWAN) am 26. Februar und 25. Februar von Terry Lovejoy aufgenommen und Lovejoy selber am selben Tag in Farbe und Schwarzweiß und am 23. Februar (während Fermilab das Zufallsbild feiert). Es kommt bald mit Disaster Playground eine Art NEO-Doku (jedenfalls spielen im Trailer jede Menge echte Astronomen mit), in Schweden wurde der Krater Hummeln bestätigt, die Mutual Events gehen weiter, ein Artikel bestätigt, dass die ToSoFi am 20.3. (mehr und mehr; alle übersehen 2003) aus einem Flugzeug übertragen werden soll, während es weitere Details zu den Sorgen der Stromnetz-Betreiber und einen Cartoon gibt – und wie die Diskussion hier zeigt, ist das mit der Erdrotation für manche nicht leicht … [23:55 MEZ. NACHTRÄGE: die Bilderarbeitungs-Schritte zum obigen Ergebnis, auch hier erwähnt – und ein klare(re)s Bild des SOHO-(Ex-)Kometen vom selben Abend aus Spanien von Martin Mašek et al., auch kontrast-gesteigert]

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Ein weiteres NavCam-Bild vom 14. Februar, aus 15.3 km Höhe, ist heute ‚aufgetaucht‘ – und es wurde berichtet, dass die Startracker Rosettas durch die innere Kometenkoma den Blick auf die Sterne verloren und die Raumsonde beinahe in einen Safemode geraten wäre. Auch weiterer Fortschritt mit OSIRIS-REx, die neue Bohrung Curiositys, Verbesserungen am JWST, eine kuriose Wolke ist nach einem Raketen-Experiment gesehen worden, es gibt jetzt Erdbilder mit 30 cm Auflösung zu kaufen, was früher illegal gewesen wäre, die NASA-Erdbeobachter liefern auch, die ISS kann wieder CubeSats starten – und Pete Worden verläßt die NASA: Man sieht ihn hier (unten) 1998 Leoniden zählen, während der großen Mongolei-Expedition von USAF und AKM. [23:40 MEZ]

Lived long (83) and prospered: Leonard „Spock“ Nimoy tot

Vor wenigen Stunden ist in seinem Haus ein einem Stadtteil von Los Angeles mit 83 Jahren der US-Schauspieler Leonard Simon Nimoy gestorben, der als Vulkanier Spock in der Original und Animated Series und acht Spielfilmen des „Star Trek“-Universums neben Captain Kirk und Bordarzt „Bones“ McCoy die Hauptrolle spielte und mit seiner unerbittlichen Forderung nach Logik gewaltigen Eindruck bei den Zuschauern – auch diesem Blogger – und im ganzen SF-Genre hinterließ: erste Nachrufe hier, hier und hier. [18:45 MEZ] Und hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier sowie ein Tweet einer Senatorin, allerlei Bilder, tiefe (alte) Gedanken über Spock und ein paar Spock-Clips. [20:35 MEZ] Statements von der NASA, Präsident Obama und dem NASA-Chef, weitere Nachrufe hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, viele Bilder, ein wenig bekanntes – und der Asteroid Mr Spock, der nach einer Katze benannt ist. [22:55 MEZ. NACHTRÄGE: bemerkenswerte Tweets hier (NASA-Kommentar), hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, ein Cartoon für Nerds, weitere Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier – und Spock findet’s „fascinating“, mehr als einmal]

2 Antworten to “Allgemeines Live-Blog vom 27. 2. bis 3. 3. 2015”

  1. Harald Says:

    „Einen Monat lang ist für Dawn nun praktisch Neu-Ceres“? Tut mir leid, das verstehe ich nicht! Ich hatte gelesen, das anfängliche Orbit von Dawn sei ein polares in 13.500km Abstand und mit 15 Tagen Umlaufzeit. Bei einem polaren Orbit von Dawn und einer nur 4° geneigten Rotationsachse der Ceres sollten wir diese doch *halb* beleuchtet sehen? Und auch bei einem äquatorialen Orbit würde Dawn nicht zwei Umlaufperioden lang auf der Nachtseite der Ceres bleiben. Das ergibt für mich, wie man’s dreht und wendet, keinen Sinn.

  2. Harald Says:

    Ich habe die Antwort gefunden:
    http://www.jpl.nasa.gov/blog/2014/12/same-place-different-space-dawns-new-trajectory-explained

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