Allgemeines Live-Blog vom 6. bis 10. April 2015


10. April

Comet_on_8_April_2015_NavCam

Die restliche Rosetta-Mission wird komplett neu geplant

Nach den gravierenden Problemen beim letzten nahen Vorbeiflug („Rosetta geriet in kometennahe Notlage“) wird die weitere Bahn der Kometensonde um den Kern (hier vorgestern aus 137 km Distanz) nun ganz neu entworfen – was aber das Lauschen nach Philae nicht beeinträchtigt: Ab dem 12. April ist Rosetta wieder ganz Ohr. Auch GIADA-Resultate zur Staub-Konsistenz und ein paar Bilder mehr. Sowie ein Artikel, das erste Bahnmanöver MESSENGERs ohne Treibstoff, nur mit Helium, der Status Opportunitys, bald 4000 Marstage auf der Oberfläche – und schon wieder Gegenwind für die Asteroid Redirect Mission der NASA [NACHTRAG: noch mehr Konfusion].

Anlässlich des 25. Start-Jubiläums des HST ein Geburtstags-Video, ein NASA-Artikel über Hubble in der Pop-Kultur und ein Bild von Messier 22, auch die Yellow Balls von Spitzer, das Ende der TRMM nach 17 Jahren samt Video-Nachruf, der 5. Orbit-Geburtstag des CryoSat – und CubeSats als Erdbeobachter: die vielen Doves von Planet Labs. [23:55 MESZ – Ende]

Der Bau des Large Synoptic Survey Telescope beginnt

in Chile am 14. April mit einer traditionellen Zeremonie auf dem Cerro Pachon: Fertig sein soll die permanent den Himmel scannende Giga-Kamera 2022. Auch GALAH am AAT, ein VLT-Bild der Ara OB1, zwei Kometen mit und ohne Name direkt nebeneinander und der namenlose im Detail, Lovejoy gestern, eine Auswertung der Sternbedeckung durch Kleopatra, die Venus nahe der Plejaden gestern (mehr), eine Hecken-Protuberanz am Sonnenrand gestern, was CMEs mit Planeten machen können, die Erforschung „Schwarzer Auroras“ mit Cluster, was ein Teilchen-Beschleuniger im Orbit für die Aurora-Forschung brächte, der Strom-Effekt, ein Video mit Fliegenden Schatten, ein Weitwinkel-Video und ein Bericht aus Svalbard, ein bewölkter Färöer-Bericht und rumänische Action von der März-SoFi – und wachsender Ärger über LED-Straßenlampen: tja, wenn die Lichtverschmutzung so direkt spürbar wird … [18:45 MESZ]

swP1690397

Die Venus weiter im Anflug auf die Plejaden heute Abend (unter schlechten Bedingungen; auch hier, hier und hier) – während die beiden lange namenlos gebliebenen Kometen nun C/2015 F5 (SWAN-Xingming) bzw. der oben erwähnte C/2015 G2 (MASTER) heißen: auch ein Ausblick auf dessen Erscheinung; 8 mag. könnten drin sein. [23:05 MESZ]

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Polarlicht über Alaska heute Morgen, nachdem eine CME vom 6. April die Erd-Magnetosphäre getroffen hatte; zuvor hatte es auch vor Schottland und in Irland etwas zu sehen gegeben. Und noch einmal Venus und die Plejaden heute – mit der ISS zusammen. [23:30 MESZ. NACHTRÄGE: dasselbe Trio, von woanders, das Paar allein in Rumänien und den USA und die Nacht davor aus Schweden und (vermutlich) Dänemark zusammen mit dem Polarlicht, aus Italien mit Zodiakallicht und aus Chile ganz anders herum orientiert – während ein Iraner extra nach Deutschland kam, um das Paar aufzunehmen … Und noch die letzte MoFi und die Sonne gleichzeitig am Himmel Kaliforniens, ein Selenelion]


9. April

Wo „NASA findet Aliens in 20 bis 30 Jahren“ herkommt

Es waren Bemerkungen der NASA-Chefwissenschaftlerin Ellen Stofan während des Q&A dieser Podiums-Diskussion im NASA HQ vorgestern, die zu Artikeln wie hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier u.v.a. führten: Ganz am Schluss, ab 55:30, „hängte sie sich aus dem Fenster“, wie sie sagte, mit der Vorhersage, dass es in 10 Jahren starke Anzeichen für Leben anderswo geben werde, gefolgt von „definitiven Beweisen“ in 20 bis 30 Jahren – denn die Technologie dafür sei schon da und die NASA dabei sie einzusetzen. (Die oft zitierte folgende Einschränkung auf mikrobielles Leben kam dann übrigens nicht.) Auch Wassereis-Gletscher-Zonen auf dem Mars, der 1000. Orbit von MAVEN, die 2000 Schrauben von MOM, der Mars in 3D vom MRO, die sechs Bohrungen Curiositys bisher, wie Oppy doch noch finanziert werden könnte, allerlei Gedanken zu bemannten Mars-Missionen hier, hier und hier, das Grüne Licht für die Solar Probe Plus nach Passieren der CDR, das Manöver MESSENGERs am 6. April, eine Karte der Blitz-Häufigkeit auf der Erde, die Kandidaten für die „Earth Venture“-Satelliten der NASA, Tests an Sentinel-2A der ESA, ein 3-Minuten-Video zu Rosettas Entdeckungen und ein weiterer Hinweis auf die Amateur-Kampagne dazu, ein Ziel-Asteroid für Procyon, Japans Minisatellit, der mit Hayabusa 2 zusammen startete, der Bau von OSIRIS-REx, so weit alles gut auf Dawn, die Vorschläge für die nächsten Discovery-Missionen der NASA, die zweite Approach-Phase von New Horizon, eine Verlängerung des Namens-Wettbewerbs für Features auf Pluto & Co. und ein Jux-Paper über Plutos schrumpfende Masse – und die Ankündigung von Blue Origin, dieses Jahr mit Testflügen zu beginnen (mehr Links). [2:35 MESZ]


8. April

Annama

Der 23. Meteoriten-Fall mit bestimmter Bahn des Meteoroids ist „Annama“ geworden, der letztes Jahr über Russland gesehen wurde („Und mal wieder eine schöne Feuerkugel mit Dashcams“): Wie die Analyse der Videos nun ergeben hat, kam der gewöhnliche H5-Chondrit (jeder 3. Meteorit ist einer) auf einem Orbit angeflogen, der verdächtig dem des PHA 2014 UR116 ähnelt, der viel später im Jahr entdeckt wurde. Vielleicht brach das Meteoroid vom Asteroiden ab, als dieser früher mal einem Planeten nahe kam. Auch zwei neue noch namenlose Kometen, die bereits unter Amateur-Beobachtung sind: „XMAAGS“ (in Bewegung, mehr und mehr) und „M503ujx“. Plus Lovejoy gestern und vorgestern (mehr), gleich vier Kometen für SWAN, bald Venus bei den Plejaden, ein Schwingen der Erde erklärt durch Ozeanwellen, die erneut fallende Lichtkurve der Nova Sgr 2015 No. 2, die Rötung des tiefen Vollmonds als MoFi in Deutschlnd missverstanden, jede Menge astro-nahe IYL-Action wie etwa die Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit mi der Methode Rømer per Crowd Sourcing – und der Pionier der Amateurastronomie Walter Haas ist tot, er gründete 1947 die ALPO. [23:55 MESZ]


7. April

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ALMA + Gravitationslinse = ein Superteleskop für Galaxien

Die ersten Forschungsergebnisse mit ALMA bei großen Antennen-Abständen bis zu 15 km und damit der größten Winkelauflösung des chilenischen Radio-Interferometers bisher (23 Millibogensekunen) liegen vor: Man kann dem Asteroiden (3) Juno beim Rotieren zuschauen, die Rillen in der Scheibe um den Stern HL Tauri bewundern – oder einer Galaxie mit einer Rotverschiebung von 3.04 auf den Zahn fühlen, mit einer Gravitationslinse als ‚Zusatzoptik‘. Die macht das ferne Sternsystem mehr als zehnmal heller und zeigt es als vier verzerrte Bilder, die ein schwacher ‚Einstein-Ring‘ zu einem geschlossenen Ring verbindet (oben bei 236 GHz in zwei verschiedenen Auflösungen, in der Mitte ein Komposit daraus) – und weil die Geometrie der Linse gut verstanden ist, lässt sich das echte Aussehen der gelinsten Galaxie HATLAS J090311.6+003906 alias SDP.81 rekonstruieren (unten), die 1.9 kpc groß ist. Damit sind dann auch quantitative Auswertungen der Staub-Emission möglich: Die gesamte Sternentstehungsrate liegt bei 315±60 Sonnen pro Jahr. Dabei erfolgt die Sternbildung aber stark klumpig erfolgt, mit zwischen 20 und 200 Sonnenmassen pro Jahr pro Quadratkiloparsec: ein weiteres Paper zu Molekül-Beobachtungen, Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier und hier. Auch der Beginn der Radio-Astronomie in Ghana mit einer umgebauten 32-Meter-Schüssel – und Press Releases hier, hier und hier und Artikel hier und hier sowie ein älterer zum großen Einstieg Kanadas, 180 Mio. Euro über 10 Jahre, ins optische Thirty Meter Telescope auf Hawaii. [23:15 MESZ. NACHTRÄGE: Dessen Bau in der Folge neuerlicher Unruhe – auch lokale Artikel hier, hier und hier – allerdings gerade für eine Woche ruht …]


6. April

Der Griffith-Webcast der Mondfinsternis im Zeitraffer: Da die Belichtung nachgeregelt wurde, ist nicht klar erkennbar, ob es zu einer Totalität kam oder nicht, dito in einem originellen Mosaik der Erd-Umbra und Serienmontagen hier und hier. Auch ein neues HDR-Komposit der Sonnenkorona aus Svalbard-Bildern in quasi nachgebauter Druckmüller-Style-Verarbeitung, die mit steilerem Gamma noch gewinnt, eine ähnlich starke Verarbeitung von Bildern von vom Beobachtungsflug AB 1020, ein weiterer Bericht vom Flug AB 1000, eine Animation einer Protuberanz vom 3. April, die wieder helle Nova Sgr 2015 No. 2 (mehr und mehr) – und jede Menge britische aktuelle Planeten-Beobachtungen. [16:25 MESZ. NACHTRAG: eine aufschlussreiche Beschreibung der MoFi, bei der „near mid eclipse, a thin sliver of sunlight remains near the lunar north pole.“ Und der Beobachter bestätigt auf Nachfrage: „I think at least the mountain peaks would have seen some part of the sun“ – die ganze Zeit. NACHTRAG 2: unschlüssige Artikel hier und hier und ein verwirrender Bericht von den Philippinen. NACHTRAG 3: auch hier keine Klarheit]

pegasus

25 Jahre Pegasus-Rakete, 50 Jahre kommerzielle ComSats

Am 5. April 1990 startete zum ersten Mal eine geflügelte Rakete von einem Flugzeug aus und brachte kleine Satelliten in den Orbit – damals wurde der privat entwickelte Träger noch von einer B-52 Stratofortress NB-008 der NASA abgeworfen, seit 1994 von einem firmeneigenen Jet (oben), der mal ein Linienflugzeug war. Von den 42 Starts in einem Vierteljahrhundert gelangen 37 ganz und 2 ein bisschen. Und am 7. April 1965 (MEZ) startete mit Intelsat I alias ‚Early Bird‘ der erste kommerzielle Nachrichtensatellit in eine geostationäre Umlaufbahn, der bis 1969 funktionierte. Der nächste Meilenstein der Raumfahrt kommt vielleicht schon nächste Woche: wenn am 13. April nach einem Falcon-9-Start abermals ein Landeversuch der ersten Stufe auf der schwimmenden Plattform geplant ist. [16:15 MESZ]

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