Archive for Oktober 2015

Allgemeines Live-Blog vom 29.-31. Oktober 2015

29. Oktober 2015

31. Oktober

Eine vollmond-helle Feuerkugel über Deutschland und Polen heute Abend, hier auf einem polnischen Dashcam-Video. Weitere hier und hier und noch mehr polnische Visuals sowie ein Standbild und viele Berichte deutscher Beobachter hier und hier. [22:45 MEZ – Ende. NACHTRÄGE: die Datensammlung zur Feuerkugel, eine erste Analyse durch die AMS, Videos von polnischen Feuerkugel-Kameras, noch mehr Dashcam-Videos hier und hier und noch viel mehr, ein krasses Foto und Artikel hier, hier und hier]

Das ist „Halloween-Asteroid“ 2015 TB145 im Anflug heute

‚gesehen‘ gestern mit dem Arecibo-Radar (auch eine andere Animation der einzelnen Bilder): Mit 600 Metern ist er größer als gedacht und rotiert etwa alle 5 Stunden einmal. Optisch ist er nur ein Lichtpunkt, wie Bilder vom 30. Oktober, ein Video vom 29. Oktober und ein Bild vom 28. Oktober zeigen (bei Nachführung auf die Sterne gibt’s stattdessen Strichspuren, so gestern und vorgestern): Die größte Erdnähe von 1.3 Monddistanzen wird bekanntlich heute Nachmittag („Seltener Asteroiden-Besuch: gleichzeitig groß und nah“) erreicht, und wie hier detailliert beschrieben wird, kann 2015 TB145 heute Nacht mit 11.-12. Größe dicht neben dem Mond und heute direkt nach Dämmerungsende niedrig am deutschen Himmel gesehen werden.

Weil sowohl die Ablenkung der Asteroidenbahn durch die Schwerkraft der Erde als auch der Beobachtungsort auf derselben beachtet werden müssen, ist die Erstellung präziser Karten für die Bahn am Himmel nicht einfach! Das Nahen von 2015 TB145 hat eine Flut von Pressemitteilungen zu unterschiedlichen Aspekten ausgelöst, so vom JPL (früher; alt.), der ESA (mehr), dem IfA Hawaii, dem PSI, dem SETI Inst. und Slooh: Betont wird u.a. die Ähnlichkeit der Bahn mit der eines Kometen, wozu auch die geringe Albedo von nur 6% passt, und andererseits das Fehlen jeglicher Aktivität und die Abwesenheit passender Meteore, wie auch in einem hier kopierten CBET zu lesen war. Entsprechend groß das Medienecho: der niederländische TV-Auftritt eines Promi-Amateurs (den N24 leider nicht hat), Artikel – solche mit konkreten Beobachtungstipps voran – hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier und mehr Links. [1:45 MEZ]

Die Aufzeichnung einer Live-Übertragung des NEA am Himmel heute morgen über Italien, trotz nahen Mondes. [3:45 MEZ] Und ein visueller Bericht: „Watching (yes, literally watching) 2015 TB145 streaking NE through Orion’s western parts. Movement quite evident in the eyepiece. […] This is just awesome!“ [5:05 MEZ] Die Aufzeichnung eines weiteren Live-Events von gerade eben, Videos hier und hier und Fotos hier und hier von heute Morgen und hier, hier, hier und hier von letzter Nacht und weitere Artikel hier und hier. [20:35 MEZ]. Und eine Bilder- & Video-Sammlung und ein weiteres Foto – während ein visueller Beobachter berichtet, der Asteroid sei deutlich schwächer als erwartet gewesen. [22:05 MEZ. NACHTRÄGE: Überraschend war die Beobachtung am Morgen einfacher (saubere Videos hier und hier) als am Abend dann im UMa (Bilder hier und hier) – und warum man den Besuch nicht ‚close approach‘ nennen sollte]

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Die ersten Rohbilder von Cassinis engem Enceladus-Besuch

mit Fontänen-Durchflug sind nun eingetroffen, hier drei direkt aus dem Stream gefischt und aufgehellt: auch eine Animation der Gegenlicht-Aufnahmen, die komplette Sammlung und Artikel hier, hier und hier – die Auswertung der In-Situ-Messungen der Fontänen mit den Gas- und Staubanalysatoren, um die es primär ging, wird indes noch mehrere Wochen dauern. Auch zwei Rosetta-Aufnahmen vom 26. Oktober, die Kamera des NASA-Mars-Rovers 2020, ein neuer Direktor des STScI, die Röntgen-Kamera auf Indiens ASTROSAT in Betrieb, wie die Menschen-zum-Mars-Tagung weiter ging (mehr) – und ein Untersuchungsbericht der NASA zum Antares-Unfall vor einem Jahr, der bzgl. des Root Cause nicht mit dem von Orbital selbst überein stimmt (mehr, mehr und mehr), ein bemerkenswerter Vorgang. [1:05 MEZ. NACHTRAG: mehr Links dazu]


30. Oktober

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Nochmals ein Blick auf das Planeten-Trio vor wenigen Minuten – es steht noch eine Konjunktion Venus – Mars bevor. Auch ein Bild von heute aus Malaysia und Bilder von gestern hier und hier, großer Aktionismus im Weißen Haus bzgl. den Gefahren extremen Weltraumwetters (auch ein Artikel) – und erneut ein Trauerfall im deutschen Astro-Outreach: Mit nur 42 ist völlig unerwartet Thomas Morawe gestorben, der eine große Rolle beim Horizont-Observatorium gespielt hatte. [5:20 MEZ]


29. Oktober

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Der Aldebaran versteckt sich jetzt hinter dem Mond

Die abendliche Sternbedeckung – sieh auch ganz unten – hat begonnen: Hier eine freihändige Aufnahme eine Stunde vor dem Eintritt, die trotz benebelter Durchsicht gelang. Auch der Anblick in größer und weitere Zeitschritte sowie Bilder anderer hier und hier. [23:15 MESZ] Ein Bild Sekunden vor dem Eintritt, ein weiterer Bericht – und etwa hier soll er wieder kommen. [23:35 MEZ]

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Und da ist er wieder, Sekunden nach dem Austritt! Im Feldstecher ein hübscher Anblick, zumal – bei besser gewordener Durchsicht – „rechts“ auch noch ein paar Hyadensterne zu sehen waren. [23:55 MEZ. NACHTRAG: die Wiederkehr selbst gefilmt! NACHTRAG 2: weitere Videos vom Austritt hier und hier und Bilder hier, hier, hier und hier – während es in Israel knapp daneben ging. NACHTRAG 3: ein rumänisches Video vom Eintritt – mit 50 cm und schlechtem Seeing, daher mit coolen Speckles. NACHTRAG 4: eine Bilderserie vom Eintritt und Fotos vorher/nachher. NACHTRAG 5: der Austritt in groß gefilmt]

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Pluto im Gegenlicht aus 18’000 km Abstand, 15 Minuten nach der größten Annäherung im Juli: eine neue Version des MVIC-Bildes mit im Original 700 m pro Pixel, das auch über ein Dutzend Dunstschichten zeigt. Derweil ist das 3. New-Horizons-Manöver gelungen, das 4. und letzte folgt am 4. November: Dann sollte das neue Ziel im Visier sein. Und der Download der Enceladus-Daten läuft, aber Bilder gibt’s frühestens morgen. [19:55 MEZ] Auch heute neu: ein Impaktkrater voll Ammoniak auf dem Charon, vermutlich jung. [20:25 MEZ]

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So geht es östlich der Tombaugh Regio (dem hellen „Herzen“ Plutos) weiter: ein LORRI-Bild vom 13. Juli aus 1.7 Mio. km Distanz zeigt bisher nicht in dieser Auflösung bekannte Regionen auf jener Hemisphäre des Zwergplaneten, die am Tag des Vorbeiflugs im Schatten lag – hier mit immerhin 8 km/Pixel Auflösung. [21:25 MEZ]

Cassini gut durch die Fontänen des Enceladus gekommen

Einem kurzen Status-Bericht zufolge hat der Enceladus-Überflug in 49 km Höhe gestern tadellos geklappt, und in 24 bis 48 Stunden dürfe man mit Bildern rechnen. Auch Artikel nachher und vorher, der Abstieg von Dawn, irdische Verunreinigungen von Apollo-Proben (Auflösung erst im 11. Absatz!), ein wieder aufgetauchter ‚Mondrover‘, noch ein gebuchter GLXP-Kandidat, der NASA-Mars-Workshop und eine Bolden-Rede zur ‚Journey to Mars‘, unerwartete Kohlenstoff-Daten von TIMED, der Satellit DSCOVR jetzt in NOAA-Hand, eine mögliche Neuorganisation der NASA-Astrophysik, ein Astrophysik-CubeSat, eine ISS-EVA gestern (mehr, mehr und mehr) – und der Status der deutschen µg-Forschung 30 Jahre nach der D1-Mission. [3:15 MEZ]

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Das Dreieck Venus / Jupiter / Mars an den letzten drei Tagen am Morgenhimmel: Aufnahmen dieses Bloggers vom 26. Oktober (mehr und Bilder anderer hier, hier, hier, hier und hier), 27. Oktober (das Bild mit allen vier Planeten inkl. Merkur u.l. groß und Bilder anderer hier, hier, hier, hier und hier) und vom 28. Oktober (auch größer und Bilder anderer hier, hier, hier, hier und hier) sowie Bilder mehrerer Tage hier, hier und hier, eine Übersicht von Science@NASA und weitere Artikel hier, hier, hier, hier und hier. [2:15 MEZ]

Heute Abend: Der hoch stehende Mond bedeckt Aldebaran

Der Eintritt am hellen Rand des noch fast vollen Mondes findet je nach Ort zwischen ca. 22:45 und 23:00 MEZ statt, der Austritt am dunklen Rand eine gute Stunde später: Diese lange Tabelle gibt die Umstände für zahlreiche Orte in diversen „betroffenen“ Ländern an, wobei deren Auswahl allerdings seltsam scheint. Auch Artikel zum Ereignis hier, hier und hier sowie ein langer Artikel über energische astronomische Aktivitäten in Äthiopien, die der Gesellschaft nützen sollen, AI für Galaxien-Klassifikation auf der Suche nach besonders chaotischen, Teleskop-Selbstbau für Schüler in Deutschland – und eine neue Bridgekamera mit 83-fach-Zoom am Mond ausprobiert. [1:55 MEZ]

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Bis auf 49 km an die Oberfläche von Enceladus

27. Oktober 2015
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heran und so tief wie möglich durch eine der Fontänen des Saturnmonds nahe des Südpols hindurch: Das ist das Ziel des morgigen Enceladus Flyby E21, der durch direkte Messungen der Chemie Erkenntnisse über den Ozean im Mondinneren verspricht. Auch die Visuals einer Telecon gestern (Aufzeichnung oben) und Artikel hier, hier und hier sowie ein Paper, ein Press Release und weitere Gedanken zu neuer ortsaufgelöster Spektroskopie des Jupitermonds Europa von der Erde aus – und die Wahl des Mars-Landeplatzes für den Curiosity-Klon 2020.

Auch Hubble sah schon das Wesentliche auf dem Pluto, jedenfalls das Band dunkler Gebiete und die helle Tombaugh Regio dazwischen, zeigt diese Fan-Animation eines HST- und eines NewHo-Globus‘. Inzwischen hat New Horizons zwei von vier Bahnmanövern absolviert, die zum neuen Ziel 2019 führen sollen, Dawns Abstieg zum tiefsten Ceres-Orbit läuft (auch ein Interview mit dem Chef) – und bald könnte sich Philae nochmals bei Rosetta melden: Dazu muss der Abstand wohl < 200 km sein, und derzeit ist er bereits wieder auf 300 km reduziert.

Der abstürzende Weltraumschrott bleibt unidentifiziert

Das „Himmelsobjekt“, das am 13. November in der Nähe von Sri Lanka in die Atmosphäre eintreten und dabei wohl weitgehend verglühen wird, bleibt ohne Identifikation: Seine Bahneigenschaften sind vor dem Jahr 2012 nicht rekonstruierbar, so dass es irgendeines von ca. 85 ‚verlorenen‘ translunaren Raumfahrtobjekten sein kann. Dass es sich um ein künstliches Objekt handelt, ist zwar praktisch sicher, aber es sind weitere astronomische Beobachtungen geplant, sowohl vor wie während des Absturzes – möglicherweise wird sogar ein Beobachtungs-Flugzeug entsandt. Man betrachtet den Fall als eine Art kontrolliertes Experiment: „Observing it will allow us to gain a better understanding of how Earth’s atmosphere is processing material as it comes through. This will help us gain some insight into what is actually making it to the ground and how that represents the asteroids out there“ – auch wenn WT1190F ein künstlicher solcher sein dürfte.

Die Galaxie Messier 94 auf einer Hubble-Aufnahme: Auffällig ein Ring mit intensiver Sternbildung, durch helle junge Sterne markiert, den eine vom Galaxienzentrum nach außen laufende Druckwelle verursacht hat. Auch ein neues ESA-Daten-Archiv für Weltraum-Observatorien, das jetzt kombinierten Zugriff auf Hubble, Herschel & Co. ermöglicht, NuSTAR-Beobachtungen eines starken Flares eines mutmaßlichen Schwarzen Lochs – und ein britischer Spiegel für einen chinesisch-französischen Satelliten, der Gamma-ray Bursts erkunden soll.

Alternativ-Hypothese für den Stern mit den Aussetzern

in der Kepler-Fotometrie: Könnten es Planeten in Kombination mit der Randverdunklung des Sterns sein? Eher nicht, sagen Astronomen z.B. hier und hier, und die 1. Autoren des großen Papers über den Stern, Tabetha Boyajian, erklärt gegenüber diesem Blog ganz genau, woran der Vorschlag hakt: „This article is interesting and well intentioned, but fails to address several constraints with respect to KIC 8462852. First, KIC 8462852’s properties are far from the ‚host‘ in the PTFO system, which is a young M-dwarf. Next, the idea presented in this article implies that there would be several small planets with medium to short orbits. However, we do not detect a Doppler shift in our spectra. Additionally, 10-20% drops in KIC 8462852’s brightness are WAY too drastic, no matter how oblate/gravity darkened the star might be (the duration of the KIC 8462852 dips also disfavor this scenario). [Note, the stellar oblateness depends on rotation speed as well as the stellar mass (see equation 5 here). The stars with MIRC interferometric oblateness observations have rotational velocities several factors larger than our star, and masses up to a factor of 2 larger: each of these quantities *decrease* the effect of gravity darkening.] Lastly, and perhaps more importantly, there is now no evidence of a planet at all in the PTFO system.“ Derweil sind 14 Papers über Ergebnisse des IBEX-Satelliten erschienen (weitere Press Releases hier, hier und hier), das Ozonloch 2015 war größer als in den Vorjahren – und wie DSCOVR die Erde anschaut, der britische Mini-Satellit UKCube-1 das Ende seiner Mission erreichte, mal wieder reichlich Raketenschrott nach einem chinesischen Start fiel und das neue russische Kosmodrom nicht fertig wird.

Allgemeines Live-Blog vom 23.-25. Oktober 2015

23. Oktober 2015

25. Oktober

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Die vier Planeten am Morgenhimmel gestern vom Mount Washington in New Hampshire aus (mit Merkur ganz u.l.) vom MW Observatory aufgenommen: weitere Bilder von heute (mehr, mehr, mehr, mehr, mehr und mehr), gestern (mehr, mehr, mehr und mehr) und vorgestern, ein Video und Artikel hier, hier und hier – und die touristische Vermarktung des Nachthimmels im ersten deutschen Star Reserve Westhavelland. [23:25 MEZ – Ende]


24. Oktober


GRUR – Deutsche Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht e.V.

Hanns Ruder, Astronom und mehr, 3.11.1939 – 17.10.2015

Unvergessen, auf der Bochumer Herbsttagung 2009: Durch eine Tür links kam er im Rollstuhl – Spätfolge von Kinderlähmung in jungen Jahren – auf die Bühne gerollt, hielt einen brillianten Vortrag über moderne Astronomie und die besondere Rolle der Amateurbeobacher darin, zu denen er sich im „Ruhestand“ auch selbst zählte, und rollte wieder hinaus. Das war Hanns Ruder: Astrophysiker, Physik-Popularisierer, Unternehmer – vor einer Woche ist er, nicht ganz 76 Jahre alt, einem Krebsleiden erlegen. Wie vielseitig Ruders Interessen und Leistungen waren, mögen die ersten drei gefundenen Nachrufe hier, hier und hier (inklusive zweier je einstündiger öffentlicher Vorträge) klar machen, die jeweils ganz andere Aspekte beleuchten. Man konnte Ruders Werk überall begegnen, sei es im Konzept einer Ausstellung, als Förderer amateurastronomischer Forschung und natürlich mit dem seit zehn Jahren allgegenwärtigen Fahrrad zur Demonstration der SRT. Und immer wieder als Vortragendem: Das Bild oben zeigt in 2008 in charakteristischer Pose. Die deutsche Astronomie ist ärmer geworden. [4:40 MESZ]

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Komet C-G am 14. Oktober mit der Wide Field Camera des Isaac Newton Telescope (INT) auf La Palma aufgenommen: die wohl detailreichste erdgebundene Aufnahme von Koma und 800’000-km-Schweif, die während des Rosetta-Besuchs veröffentlicht wurde – und mit dem WHT wurden optische Spektren mit Emission diverser Moleküle aufgenommen. Auch ein Rosetta-Bild vom 18. Oktober aus 433 km Abstand, der bevorstehende Erd-Swingby Hayabusa 2s am 3. Dezember und das erste erfolgreiche Manöver New Horizons‘ nach dem Besuch bei Pluto auf dem Weg zum 2. Ziel. Es sind auch weitere LORRI-Bilder Plutos wie dieses, dieses oder dieses eingetroffen, und Fans haben z.B. dieses, dieses und dieses Mosaik abgeliefert – und noch mehr Nix. [3:35 MESZ]

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So sah DSCOVR den Hurrican Patricia vor Mexico, der einer der stärksten aller Zeiten geworden ist und auch von vielen anderen Weltraum-Systemen überwacht wird – auch ein Vergleich mit dem GRF Jupiters sowie ein ISS-Transit vor der Sonne gestern und die Critical Design Review für das SLS, das definitiv orange sein wird. [2:50 MESZ. NACHTRAG: mehr dazu und mehr Links]


23. Oktober

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Das Ceres-Bild mit dem größten Phasen-Winkel der Dawn-Mission – 156° am 29. April – ist unter den ersten im öffentlichen Datenarchiv angekommenen Aufnahmen, aus denen sich nun auch erstmals Farbbilder des gesamten Zwergplaneten erstellen lassen. Während der weitere Abstieg Dawns nun beginnt – auch die Fertigstellung von OSIRIS-REx und der Beginn der Umwelt-Tests der nächsten Asteroiden-Mission der NASA, die auch einen Ruf an die Industrie in Sachen ARM-Ideen heraus gegeben hat [NACHTRAG: ein Artikel dazu], während 12 Mio. private Dollar in die Asteroiden-Bergbau-Firma Planetary Resources fließen. Plus die Rolle von CubeSats in der Heliophysik, große US-Investitionen in Space Awareness – und der interplanetare Manöver-Pionier Robert Farquhar ist mit 83 Jahren verstorben. [3:00 MESZ. NACHTRÄGE: weitere Nachrufe hier und hier]

Vermutlich eine alte Raketenstufe: Absturz Mitte November

Der ‚Himmelskörper‘ wurde als WT1190F am 3. Oktober von der Catalina Sky Survey entdeckt und bald mit Sichtungen von 2013 gelinkt: Dabei kam zum einen eine Bahn heraus, die ihn um den 13. November in die Erdatmosphäre lenken wird. Und zum anderen, dass die Dichte nur 1/10 der von Wasser(eis) beträgt, denn der Strahlungsdruck der Sonne übt einen starken Effekt aus. So etwas ist mit Sicherheit kein natürliches Objekt, und eine alte, leere Raketen-Oberstufe – ein Kandidat wurde allerdings noch nicht gefunden – ist die naheliegende Erklärung für das ein paar Meter große Objekt. Nach der gegenwärtigen Kenntnis der Bahn wird es am 13. November gegen 7:20 MEZ in der Nähe von Sri Lanka in die Atmosphäre eintreten und dabei wohl verglühen – was dort am mittäglichen Himmel sichtbar sein müsste. Wobei die Frage ist, wie genau man das wirklich schon sagen kann. [2:35 MESZ. NACHTRÄGE: ein ESA Release, ein Artikel – und die Erklärung, warum die Impakt-Prognose so genau ist]

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Diese Woche vor 50 Jahren stand Ikeya-Seki am Himmel: Erst zog der Komet mit ca. -10 mag. dicht an der Sonne vorbei, sichtbar am Taghimmel, dann war er ein Spektakel am Morgenhimmel, so wie auf diesem NOAO-Bild von Roger Lynds auf dem Kitt Peak am 29.10.1965, 4 Minuten nachgeführt. Aktuell gibt’s am Morgenhimmel weiter Planeten in wechselnden Konstellationen, so gestern in den USA, vorgestern in Indien und am 18.10. in Japan (beim Austritt der Venus nach der Bedeckung durch den Mond gab’s übrigens leider kein aschgraues Licht, dafür hat der Mars einen hellen Stern bedeckt). Derweil ist die nächste Teleskop-Schließung auf dem Mauna Kea verfügt worden, eine Folge der üblen Lage dort – und ein nicht gerade aktueller Artikel über das größte Amateurteleskop der Welt („Selbstgebautes 1.8-Meter-Teleskop …“): was wohl daraus wurde? [2:15 MESZ]

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Aufgelöste Bilder aller fünf Pluto-Monde liegen nun vor, nachdem auch das erste des kleinen und überraschend hellen Kerberos übertragen wurde – plus der kleine Nix extrem prozessiert und aus zwei Perspektiven, ein Stück Pluto in 3D und das nächste Ziel: Das große Bahnmanöver in vielen Schritten dorthin beginnt jetzt. Ferner warum Enceladus besucht werden sollte – und eine Empfehlung für den Landeplatz von ExoMars 2018 ist da. [1:50 MESZ. NACHTRAG: mehr Links dazu]

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Waldbrände in Borneo (vom Terra-Satelliten) – und der starke El Niño ist Schuld: Das dieses Jahr besonders ausgeprägte Klima-Phänomen des Pazifiks (mehr, mehr und mehr) hat erwartungsgemäß zu starker Dürre in Indonesien geführt, und die „worst forest fires in nearly two decades are burning out of control on the islands of Borneo and Sumatra.“ Was auch Folgen für die (Sichtbarkeit der) totalen Sonnenfinsternis dort kommenden März haben dürfte, die gerade ermittelt werden. [1:35 MESZ. NACHTRÄGE: ein Detailbild vom 24. Oktober ebenfalls von Terra, ein weiträumigeres Bild vom 26. Oktober von Metop-A – und noch mehr Sat-Bilder (u.a. sogar von DSCOVR) und die düsteren Hintergründe und Folgen der Brände]

„Nostalgia Mars“ – Vorpremiere eines Spektakels

21. Oktober 2015
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Es ist reiner Zufall, dass die Premiere am 14. November dieser „Audio-Performance im Angesicht des vierten Planeten“ mit dem Wirbel um „The Martian“ zusammen fällt, den die Macher von „Nostalgia Mars“ noch nicht einmal gesehen haben: Das kühne Theater-Projekt ist vielmehr durch die verrückten Visionen der Einweg-Mars-Besiedlung von „Mars One“ inspiriert, die gleichermaßen zitiert wie durch den Kakao gezogen werden und bedient sich optisch wie akustisch der zahllosen früheren Mars-SF-Filme. Aber auch Interviews mit echten Experten sind eingestreut – und präsentiert wird das Ganze mal als Lesung (oft elektronisch stark verfremdet), als auch szenisch dargeboten, so gestern bei einer Art Vorpremiere in einem Seminarraum der Bochumer Stadtbücherei: Die ersten Schritte auf dem Mars aus diversen Filmen etwa wurden nachgetanzt und die Eroberung des Roten Planeten recht handfest demonstriert. Aber auch das Publikum wurde zweimal einbezogen: So gelang es doch tatsächlich binnen kürzester Zeit, die meisten Anwesenden „Ich halte eine bemannte Marsmission für äußerst sinnvoll“ ‚beten‘ zu lassen (Video unten). Und eine Abfrage per Handzeichen – und mit geschlossenen Augen – ergab, dass 11 der 21 die Existenz Außerirdischer annehmen, 10 bis 2040 Menschen auf dem Mars erwarten und einer sich für physisch und psychisch fit für die Reise hält. Bei der eigentlichen Premiere im Bochumer Planetarium wird vieles anders ablaufen als diesmal, insbesondere die gesamte Projektionstechnik eingesetzt und mit ca. 85 Minuten auch fast doppelt so viel Material geboten wie bei der gestrigen Performance hinter’m Schreibtisch – und schon diese hielt als kurzweiliges Gesamtkunstwerk mit vielen Überraschungen bei Laune.

Statt Alien-Blödsinn: den Stern selber erforschen!

20. Oktober 2015

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Der Kepler-Satellit hat ihn während der regulären Mission permanent beobachtet und seine kuriose Lichtkurve (diverse Ausschnitte oben) aufgezeichnet, aber dann fiel er aus – und scheint’s niemand hat sich mehr um den Stern KIC 8462852 gekümmert, obwohl seine außergewöhnliche Lichtkurve schon bald den Planet Hunters aufgefallen war, Citizen Scientists, die sich die Photometrie des Satelliten direkt anschauen. Mit 11.9 mag. und z.T. erheblichen Helligkeitseinbrüchen unbekannter Ursache wäre er auch für die Überwachung mit Amateurteleskopen geeignet gewesen, aber ein Aufruf erfolgte offenbar nicht. Und auch nicht, nachdem letzten Monat ein detailliertes Paper das Rätsel diskutierte und u.a. nach mehr Daten rief: Dabei ist die Fortschreibung der Lichtkurve unabdingbar, um der Natur der offenbar erratisch den Stern bedeckenden Objekte auf die Spur zu kommen. Aber damals spielten in der ‚Story‘ noch keine Aliens mit und nur ’normale‘ Astrophysik-Ideen … was sich vor einer Woche bekanntlich mit diesem einen Artikel schlagartig geändert hat, der die von den Autoren des Papers favorisierte Hypothese eines zerbrochenen Kometen herunter spielte und stattdessen eine Spekulation mit einer bauwütigen Superzivilisation aufbauschte – die freilich selbst deren Vertreter für unwahrscheinlich hält, in diesem konkreten Fall!

Später in einer detaillierten Arbeit [alt.] hat er den Fall zwar für verfolgenswert erklärt, warnt aber: „Invoking alien engineering to explain an anomalous astronomical phenomenon can be a perilous approach to science because it can lead to an “aliens of the gaps” fallacy […] and unfalsifiable hypotheses. The conservative approach is therefore to initially ascribe all anomalies to natural sources, and only entertain the ETI hypothesis in cases where even the most contrived natural explanations fail to adequately explain the data.“ Was hier sicher nicht der Fall ist; eine Auswahl vergleichsweise seriöser Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier (früher, noch früher) und hier und trefflicher Tweets hier, hier, hier, hier und hier. Erst der Alien-Rummel hat nun heute die AAVSO zu einem Beobachtungsaufruf bewogen: „Filtered time-series observations in one or more photometric filters are encouraged. Individual fading events have lasted for several days each, but show complex structure on very short timescales. The star itself is also rotating, and shows rotational variation at the millimagnitude level with a period of 0.8797 day. Instrumental observers world-wide are encouraged to participate, and we encourage observers from Asia and the northern Pacific especially to participate to improve temporal coverage of this star.“ Der steht praktischerweise im Schwan und geht zur Zeit am frühen Abend durch den Zentralmeridian, noch bis Anfang 2016 kann er gut beobachtet werden – auch eine neue Nova Oph und wie sich große Sonnenstürme dem Nachweis entziehen können.

Ein Teil des „Kohlensacks“ mit dem 2.2-m-Teleskop der ESO aufgenommen: ein besonders dunkler Dunkelnebel. Auch das neue Robo-AO-System für das 2.1-m-Teleskop auf dem Kitt Peak, die Kamera MICADO für das E-ELT (mehr, mehr und mehr und noch zwei Instrumente), ein Luftbild-Film vom fast fertigen FAST in China, der Cosmology Large Angular Scale Surveyor für Chile – und die Bedeutung des SKA für Afrika.

Seltener Asteroiden-Besuch: gleichzeitig groß und nah

Wenn am 31. Oktober der frisch entdeckte NEA 2015 TB145 auch mit 12 mag. über unseren Himmel zieht, dann ist das schon ein besonderer Fall: Er hat auf einem Faktor 2 einen Durchmesser von 320 Metern und kommt der Erde bis auf 1.3 Monddistanzen nahe, wobei er auch noch mit ungewöhnlich flotten 35 km/s an ihr vorbei schießt. Und das gibt’s nicht alle Tage: „This is the closest approach by a known object this large until 1999 AN10 approaches within 1 lunar distance in August 2027. The last approach closer than this by an object with H < 20 was by 2004 XP14 in July 2006 at 1.1 lunar distances" – Artikel hier, hier, hier und hier und die Celestia-Files. Auch die Erforschung des Ries-Kraters, ein neuer Meteoriten-Fall in Uruguay (Artikel hier, hier, hier und hier, die Kometen Catalina am 10.10., PANSTARRS am 14.10. und Lovejoy über 9 Monate, der Uranus am 14./15. und 7./8. Oktober, das Wetter auf dem Jupiter 2014/15, die Planeten am Morgen heute und die Mars-Jupiter-Konjunktion davor (mehr und mehr). So ein schöner Green Flash in Norwegen, ein selbst entwickelter Fulldome-Projektor für Planetarien, der Astro-Aspekt des IYL, eine gerettete Volkssternwarte in Mexiko, ein Amateurastronom in Gladbeck, zwei Massen-Starparty-Rekorde in Australien – und Wissen vom Fass, eine besonders harte Science-in-the-Pub-Variante ohne Vorwarnung …

Zum zweiten Mal: Starparty im Weißen Haus

20. Oktober 2015

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Zum zweiten Mal nach der Premiere im IYA 2009 hat vergangene Nacht wieder eine Starparty im Weißen Haus stattgefunden, wobei Präsident Obamas öffentlicher Auftritt (Video oben) diesmal knapp 15 Minuten dauerte. Nach einer Ansprache mit Anspielungen auf aktuelle NASA-Ereignisse und viel Werbung für MINT ließ er sich – Minute 10 – von der Schülerin Agatha Sofia Alvarez-Bareiro ein SCT auf einer deutschen Montierung erklären (warum war die eigentlich nicht umgeschlagen?), mit dem er dann kurz den Mond betrachtete. Danach verschwand er in der Menge, die sich mit anderen Teleskopen vergnügen konnte; zuvor hatte Obama auch mit der ISS telefoniert. Zwei Starparties im Zentrum der Macht, beide Male klarer Himmel – und wieviele hat es in der Zeit vor dem Kanzleramt gegeben …? NACHTRÄGE: eine Aufzeichnung des kompletten Abends (beginnt mit Obamas Auftritt; ab 1:38:55 und 2:21:25 wird wieder gesprochen), ein Vortrag von und ein Hangout mit Beteiligten und Artikel hier, hier, hier, hier und hier.

Die schärfsten Bilder von Plutos Mond Charon

20. Oktober 2015

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von der LORRI-Kamera sind letzte Woche eingetroffen: Sie haben etwa 300 Meter Auflösung und wurden unten sowie hier und hier zu Mosaiken zusammen gefügt und auch schon in 3 D visualisiert, zusammen mit anderen Bildern. Die große glatte Fläche im Mosaik u.l. mit dem informellen Namen Vulcan Planum erinnert an ein Mare auf dem Mond, aber statt Basalt ist hier natürlich Wassereis ausgetreten und hat die Oberfläche neu geformt. Auch ein 3D-Charon aus zwei anderen Datensätzen, die Sputnik Planum Plutos im Detail mit merkwürdigen Gruben und eine erste ‚Nah‘-Aufnahme von Styx, auch im Größenvergleich mit Nix & Hydra.

Wenig Neues im ersten Paper zu New Horizons bei Pluto

Die Open Access verfügbare Arbeit – Press Releases hier, hier, hier und hier und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier, hier – geht in der Beschreibung von Pluto, Charon und Co. fast nirgends über das hinaus, was bereits im Juli auf Pressekonferenzen und seither bei diversen gewebcasteten Vorträgen erzählt wurde, auch neuartiges Bildmaterial ist kaum enthalten, und Interpretationen jenseits der Instant Science vom Sommer sucht man auch vergebens. Präziser sind allerdings manche Zahlen geworden: Plutos Durchmesser wird nun zu 2374±8 km angegeben (was mitten im Bereich der letzten Schätzungen von 2300 bis 2400 km liege), Charons zu 1212±6 km, genau wie erwartet. Beide Körper zeigen keine erkennbare Abplattung, sie muss unter 1% liegen. Pluto besitzt einen Gürtel dunkler Regionen von 25°S bis 10°N, unterbrochen von helleren Gebieten, deren markantestes das ‚Herz‘ Tombaugh Regio – alle Namen sind nach wie vor informell – von 1800 (Ost-West) x 1500 km (Nord-Süd) ist. Pluto zeigt die größten Albedo-Variation im Sonnensystem außer auf Iapetus, auch mit starken Farbunterschieden: Das dominante Gelb bis Rot passt dabei generell zu Tholinen, durch UV oder Teilcheneinwirkung entstanden aus einem Stickstoff-Methan-Mix.

Der Verkraterung nach weist die Oberfläche große Altersunterschiede auf: Die dunkle Cthulhu Region ist voller alter Krater, die Tombaugh Regio höchstens ein paar 100 Mio Jahre alt. In ihrer Westhälfte Sputnik Planum ist nicht ein einziger Impaktkrater zu finden – und ein wirklich naheliegender Prozess, der sämtliche Krater zum Verschwinden gebracht hat, lässt sich nicht ausmachen. Sputnik Plamum füllt wohl ein großes Becken und scheint eine Schlüsselrolle zu spielen, als Quelle der meisten flüchtigen Eise: Vielleicht gibt es eine Verbindung in die Tiefe, vielleicht auch nicht – wenn doch, dann wäre der Wassereis-Körper Plutos (der sonst die ausgeprägte Topografie erklärt) dort durchbrochen. Die Tombaugh Regio wird von Dutzende km großen Polygonen und Ovoiden bestimmt, deren Entstehung unklar aber wohl am ehesten mit ‚fester Konvektion‘ verträglich ist. An einigen Stellen gibt es gefrorene ‚Flüsse‘ ähnlich irdischen Gletschern: Bei Plutos 38 Kelvin Oberflächentemperatur kommen N2, CO und CH4 als das geflossene Medium in Frage. Insgesamt herrscht Verwirrung, dass Pluto deutlich anders aussieht als Neptuns großer Mond Triton in einer ähnlichen Zone des äußeren Sonnensystems – andererseits kann man nun vermuten, dass andere Bewohner des Kuiper-Gürtels ähnlich vielgestaltig wie Pluto sind.

Plutos Atmosphärendruck an der Oberfläche beträgt nach New-Horizons-Messungen ca. 10 µbar, was geringer als aus erdgebundenen Sternbedeckungen extrapoliert wäre – noch ist unklar, ob es seit deren letzten einen plötzlichen Rückgang gegeben hat oder nur ein Kalibrationsproblem (welcher Seite auch immer) hinter der Diskrepanz steckt. Die Atmosphärenstruktur ist global einheitlich: Nachgewiesen wurden N2 bis in 1670 km, CH4 bis in 960 km, C2HX bis in 420 km und Dunst (mit einer optischen Tiefe von 0.004) bis in 150 km Höhe. Charon hat keine oder zumindest wesentlich weniger Atmosphäre als Pluto. Sein auffälligstes Albedo-Feature ist die Mordor Macula am Nordpol, deren Zentralregion nur halb so hell ist wie der Rest des Mondes. Dessen Verkraterung ist regional unterschiedlich, vermutlich gibt es auch Unterschiede in der Zusammensetzung, dazu ein globales Netzwerk von Bruchzonen. Bei den kleinen Monden fittet bei Nix ein Dreiachsellipsoid von 54 x 41 x 36 km alle Beobachtungen, Hydra misst 43 x 33 km. Beide sind der Albedo nach offenbar von saubererem Wassereis bedeckt als Pluto – überraschend, da es viele Eindunkelungs-Prozesse geben sollte. Und auch Negatives gibt es zu berichten: Dank New Horizons gibt es nun erheblich bessere Limits für kleine Monde und Ringe als bisher.

Der Bilderstrom von DSCOVR beginnt jetzt

19. Oktober 2015
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Da – Video oben & Einzelbild – rotiert die Erde vorgestern im ewigen Sonnenschein, gesehen von der Kamera EPIC auf dem Satelliten DSCOVR im L1-Punkt, deren Bildernstrom ab jetzt in Maßen ‚live‘ ins Internet gepumpt und auf dieser Seite dargestellt wird. Mindestens ein Dutzend Farbbilder pro Tag, die 12 bis 36 Stunden alt sind, werden versprochen; aktuell sind zwei Taifune zu sehen [NACHTRÄGE: eine Rotation vom 12. bis 17. Oktober animiert und weitere Artikel hier, hier, hier und hier]. Darunter zum Vergleich ein Video vom geostationären japanischen Wettersatelliten Himawari 8, der die Erde 144-mal am Tag ablichtet und auch mit besonderer Schärfe punktet – für ihn geht die Sonne natürlich ständig auf und unter, da er immer auf den Westpazifik starrt.

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Ein Ausschnitt aus einer Jupiter-Gesamtkarte des Hubble Space Telescope von diesem Januar, wie sie von nun an jedes Jahr aufgenommen wird, und ein darauf erzeugter rotierenden Globus – dazu auch ein HangOut und ein Ausblick auf Junos Rolle ab nächstem Jahr. Plus eine Reform beim europäischen Hubble-Archiv, erste Beobachtungen des CZT-Instruments auf Indiens neuem ASTROSAT vom Krebsnebel (mehr und mehr) und von einem GRB – und Beobachtungen riesiger Wellen in der Sonnenatmosphäre in den Daten der Satelliten ACE und STEREO.

16 Jahre Messungen interplanetaren Staubes mit Ulysses

sind erst jetzt im Detail ausgewertet worden: Im Einflussbereich der Sonne können sich Flugrichtung und –geschwindigkeit der Teilchen stärker als bisher gedacht ändern. Auch der bisher engste Formations-Flug der MMS-Satelliten, ein neuer Investor bei den Asteroiden-Bergleuten von Deep Space Industries, die fast fertige OSIRIS-REx-Sonde, Laborexperimente zu Impakten auf Ceres, der Schweif von Komet Encke im Sonnenwind von STEREO verfolgt, eine 3D-Analyse von Staubfontänen auf Komet C-G, Diskussion um die Entstehung der Kern-Gestalt, diverse Rosetta-Papers Open Access, ein NavCam-Bild vom 9.10. und Amateuraufnahmen von heute und dem 16.10. und 23.9. von C-Gs Koma & Schweifen. Ferner Curiositys Messungen organischer Moleküle auf der Mars-Oberfläche, Sichtungen von weit gereisten Kieseln in einem alten Flussbett (mehr, mehr, mehr und mehr) und diverse Curiosity-Papers Open Access, Bilder vom Mars Express mit Spuren gewaltiger Wassermassen in den Tälern Mangala & Minio, die Entstehung des Mafic Mound nahe dem Mond-Südpol durch ungewöhnlichen Vulkanismus sowie besserer Zugang zu den Monddaten des Lunar Reconnaissance Orbiter und von Chandrayaan 1. Und gelungene Starts einer Proton (mehr Links) und einer Langer Marsch 3D samt Fairing-Landungen bei einem Dorf (mehr und mehr und mehr Links), merkwürdige russische Manöver im GEO, der erste ESA-Technologie-Nanosatellit einsatzbereit, Blog-Artikel des neuen ESA-Chefs über seine ersten 100 Tage und den International Astronautical Congress (eine unabhängige Einschätzung und neue Mond-Visionen von Russland und ESA mit Luna 27 sowie eine Studie zur Mond-Rolle bei einer Mars-Reise des MIT) – und der deutsche Astronaut Reinhold Ewald wird Raumfahrt-Professor in Stuttgart.

Die schärfsten Bilder vom Norden des Enceladus

16. Oktober 2015

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sind am 14. Oktober entstanden, als Cassini in 1839 km Höhe über die Oberfläche des Saturnmonds schoss und aus 6000 bzw. 10’000 km Abstand z.B. diese Bilder schoss (mit der Sonne fast genau hinter dem Orbiter): vom überraschend vielgestaltigen Nordpol – das bekannte Netz feiner Brüche in der Oberfläche dehnt sich bis hierher aus – mit Tele- und Weitwinkelkamera und einem kuriosen Krater-Trio. Die Datenübertragung von diesem drittletzten Enceladus-Flyby läuft noch, und alle Rohbilder erscheinen hier: erste Selektionen unten, hier und hier, Fan-Mosaike hier, hier, hier und hier und eine wilde farbige Bearbeitung. NACHTRAG: noch ein Artikel.

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Die Mondreise des Jules Verne – mal ganz anders

13. Oktober 2015

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Mit einer Planetariumskuppel kann man heute dank „Fulldome“-Videoprojektion mehr anfangen als je zuvor: astronomische Bildung wie in der Anfangszeit vor 90 Jahren, Unterhaltung auf jedem denkbaren Niveau – oder … Kunst. In letztere Kategorie fällt die neue Show Jules Verne Voyages – Drei Reisen durch das Unmögliche (hier drei Original-Domemaster-Frames), die heute Abend im Planetarium Bochum seine Weltpremiere feierte und in den kommenden Tagen und Monaten in mindestens zehn Kuppeln Einzug halten wird, außer in Deutschland auch in der Schweiz und in Frankreich. Das außergewöhnliche Programm dreier unabhängig arbeitender Autoren orientiert sich zwar am Plot der bahnbrechenden Verne’schen Mondreise-Bücher De la Terre à la Lune. Trajet direct en 97 heures – dessen Erstveröffentlichung als Zeitschriftenserie morgen vor exakt 150 Jahren abgeschlossen wurde – und Autour de la Lune, greift aber auch auf Motive des Theaterstücks Voyage à travers l’impossible zurück und thematisiert das Thema Reisen auf sehr unterschiedliche Weise. Während die Rahmenhandlung mit spektakulär raumgreifenden Bildern des Mondes die Mondbücher umreisst, nähert sich jeder der drei Autoren den Ideen Vernes in jeweils ca. 12 Minuten langen Segmenten in völlig unterschiedlicher Bildsprache: Das Ergebnis ist ein ein faszinierendes und vor allem immer wieder überraschendes Ganzes, das es so selbst im experimentierfreudigen Bochumer Planetarium noch nicht zu sehen gab. Das Medium „Fulldome“-Video: Hier hat es einen neuen Evolutionsschritt genommen – wer weiß, wohin die Reise noch geht. Und darum geht es schließlich.

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Pressekonferenz am Nachmittag mit zwei der Autoren und ihren Musikern – und alle drei Autoren und die Planetariumsleiterin am Abend auf der Bühne vor der Premiere. Die drei Teile und der Rahmen waren erst Tags zuvor endgültig zusammen gefügt worden: Es war wirklich eine Premiere für alle Beteiligten.

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In einem kurzen Vorspann erzählt der Urenkel von Jules, Jean Verne, dass alle bisherigen Verfilmungen gescheitert seien, weil sie den Ideen des Schriftsteller nicht gerecht geworden seien.

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Aus dem Intro und dem ersten Teil von Rocco Helmchen, dessen Handschrift aus Chaos and Order wieder deutlich spürbar wurde.

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Ralph Heinsohns Segment konzentriert sich ganz auf die Figur des Mondfahrers und Finanziers der Reise Impey Barbicane, in die aber auch Figuren der Gegenwart einfließen: Sein Monolog ist neu geschrieben, aller Off-Text aber ist Original-Verne.

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Aus dem dritten Segment von Tobias Wiethoff und dem Ende, als das Geschoss mit den drei Passagieren – die zugleich von den drei Autoren verinnerlicht wurden – wie ein Meteor zur Erde zurückkehrt und mangels Bremstriebwerken erstmal bis in die Tiefsee platscht. Dazu das Premierenpublikum (und Mitarbeiter) im Licht einer helleren Sequenz – und unten die glücklichen Autoren nach der Show, ein zufriedener Leiter eines der anderen Planetarien, die die ‚Katze im Sack‘ gebucht hatten, und Autoren und Planetariumsleitung vor einer zweiten Aufführung, die wegen Überfüllung der ersten sogleich notwendig wurde:

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