Ceres‘ helle Flecken: Magnesiumsulfat + Nebel

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Während die Raumsonde Dawn gerade die niedrigste Umlaufbahn um den Zwergplaneten Ceres – den ca. 375 km hohen „LAMO“ – eingenommen hat, gibt es die Erklärung der mysteriösen superhellen Flecken auf dessen Oberfläche, basierend auf Beobachtungen aus größerem Abstand. Ursache der enormen Helligkeit der markantesten Flecken im Krater Occator – rund 78 Mio. Jahre alt – sind demnach zum einen Salze aus hydriertem Magnesiumsulfat und zum anderen ein Nebel, der sich bei Sonneneinstrahlung ausbildet und damit auf mobilisierbares Wasser(eis) dicht unter der felsigen Oberfläche hinweist, das durch Öffnungen entweicht. Viele der anderen hellen Bereiche auf der Ceres-Oberfläche bestehen wahrscheinlich inzwischen ausschließlich aus ausgetrockneten Mineralsalzen. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass gefrorenes Wasser seit der Geburtsstunde des Sonnensystems nicht nur in dessen entlegenen Ecken überdauern konnte, sondern auch im vergleichsweise nahen Asteroidengürtel.

Das Bild gahz oben ist eine 3D-Darstellung Occators, die mehrere helle Teilflecke erkennen lääst. Den innersten Teil des Kraters bildet eine Art ‚Krater im Krater‘ mit einem Durchmesser von zehn Kilometern und einer Tiefe von etwa einem halben Kilometer. Darunter ein Mosaik der Ceres-Oberfläche: Die meisten der 130 hellen Flecken, rot markiert, stehen in Zusammenhang mit Kratern, von denen drei heraus vergrößert sind- Oben links: Über Occator zeigt sich bei Sonneneinstrahlung eine Art Nebel, der Krater könnte deshalb gefrorenes Wasser enthalten. Oben rechts: Oxo ist die zweithellste Struktur auf Ceres; auch hier tritt eine Art Nebel auf. Unten: Ein typischer wasserloser Krater – die helle Färbung hier rührt unter anderem von Mineralsalzen her, die wahrscheinlich im Laufe der Zeit ausgetrocknet sind. Ganz unten nochmal Occator, aus 4425 km Höhe in Falschfarben, um Unterschiede in der Chemie der Oberfläche erkennen zu könen: Rot entspricht dem Wellenlängenbereich 970 nm (nahes Infrarot), Grün 750 nm (rotes, sichtbares Licht) und Blau 440 nm (blaues, sichtbares Licht).

Das Licht, das die insgesamt mehr als 130 hellen Ceres-Flecken reflektieren, unterscheidet sich deutlich von dem aus anderen Regionen: So enthält es etwa einen größeren Blauanteil. Das zeigen Auswertungen der Kameradaten Dawns, die mithilfe unterschiedlicher Farbfilter aufgenommen wurden. Vergleiche mit verschiedensten Materialien, die im Labor untersucht wurden, deuten darauf hin, dass sich dort auch hydrierte Magnesiumsulfate finden: Solche Minerale kommen auch auf der Erde vor – nicht selten am Rande von Salzseen. Occator sticht zusätzlich hervor: Der zentrale Fleck im innersten Teil des Kraters ist deutlich heller als anderen hellen Bereiche auf der Oberfläche. Er liegt in einer Art ‚Krater im Krater‘ – und auf einigen Aufnahmen aus schrägem Winkel lässt sich zudem ein Schleier über dem Kraterboden erkennen! Dieser Dunst tritt in einem täglichen Rhythmus immer dann auf, wenn Sonnenlicht den Kraterboden erreicht: Offenbar verdampft dort Wasser und trägt kleine Teilchen mit sich: eine Art langsames Ausdünsten, viel sanfter als etwa auf Kometenkernen. [NACHTRÄGE: ein JPL Release, auch zu einem 2. Paper mit Ammoniak-Überraschung, ein PSI Release, der Mission Status mit 385 km als mittlerer LAMO-Höhe und Artikel hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier.]

Der Industrie-Vertrag für den Jupiter-Orbiter JUICE der ESA

ist heute unterzeichnet worden , über eine Summe von 350 Mio. Euro, und der Hersteller Airbus D & S hat schon mal ein schmissiges Werbefilmchen produziert – wenn’s bloß nicht so lange bis zum Ziel dauern würde [NACHTRAG: ein Press Release derselben und ein Artikel]. Derweil versucht Rosetta unermüdlich, mit Philae noch einmal Kontakt aufzunehmen, „as time is running out“ – immerhin hat sich der Orbiter inzwischen wieder auf 100 km an den Kern heran getraut, und es gibt immer noch ein paar Ideen …

Und ebenfalls in den Tiefen des Sonnensystems: das Weltraum-Wetter in der Nähe von Pluto in den vergangenen Monaten in einem jetzt aktualisierten Modell des interplanetaren Mediums, durch das New Horizons in der Nähe des anderen prominenten Zwergplaneten unterwegs war. Die Modellrechnung setzt bereits im Januar ein, denn die Teilchen – inklusiver koronaler Massenauswürfe – brauchen ein halbes Jahr von der Sonne bis zum Pluto, an dem die Sonde im Juli vorbei flog.

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Akatsukis Venus-Orbit: 400 x 440’000 km, bald ~312’000 km

Alle 13 Tage und 14 Stunden „kreist“ Japans Venus-Orbiter nun um den Planeten, kommt ihm bis auf 400 km nahe und entfernt sich bis auf 440’000 km: Das haben Messungen der vergangenen zwei Tage nach dem improvisierten Bahneinschuss im zweiten Anlauf und mit gar nicht dafür vorgesehenen Triebwerken der Lageregelung („Jetzt gilt’s: zweiter und letzter Venus-Versuch …“) gezeigt. Die Triebwerke waren effizienter als erwartet, daher ist die die Apoapsis bereits geringer als erwartet; die Umlaufrichtung entspricht dabei der Planeten-Rotation. Die nächsten Monate werden die restlichen drei wissenschaftlichen Instrumente in Betrieb genommen, die drei Kameras arbeiteten bereits während des Orbit-Einschusses (hier Aufnahmen im UV und langwelligen IR aus 72’000 km Abstand am 7. Dezember). Gleichzeitig wird die Apoapsis der Bahn weiter verringert, auf 310’000 bis 314’000 km (Grafik) mit 9 Tagen Umlaufszeit: Noch näher geht nicht, mit dem verbliebenen Treibstoff. Ab kommendem April soll dann die reguläre Venus-Mission laufen, am liebsten mehrere Jahre lang – nach einen neuen Plan, der schon vor 5 Jahren erdacht wurde, nachdem der ursprüngliche Orbit-Einschuss gescheitert war. [NACHTRÄGE: weitere Artikel hier, hier und hier.]

cygda

Der Cygnus hat an der ISS festgemacht: Der Transporter wurde weitgehend problemlos eingefangen und dann an der ISS angedockt (mehr) – entladen wird ab morgen. NACHTRÄGE: noch ein Pretty Picture von der ISS und weitere Artikel hier, hier und hier.

2 Antworten to “Ceres‘ helle Flecken: Magnesiumsulfat + Nebel”

  1. Algol Says:

    „…wenn’s bloß nicht so lange bis zum Ziel dauern würde…“

    Sind während der langen Reise von JUICE Vorbeiflüge an Asteroiden geplant? Konnte bis jetzt nichts darüber herausfinden. Es wäre schade, wenn aus falscher Sparsamkeit solch eine Möglichkeit ausgelassen würde.

    • skyweek Says:

      In http://sci.esa.int/juice/50074-scenario-operations/ steht nichts über die Erd- und Venus-Swingbys hinaus, und auch die detaillierte Missionsbeschreibung („Red Book“) erwähnt keine geplante ‚cruise science‘ während der 7 1/2 Jahre unterwegs. Aber vielleicht hatte dies einfach noch keine Priorität: Die Mission im Jupiter-System selbst zu planen, ist kompliziert genug …

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